Mittwoch, 22. Dezember 2021

"Off the Record: Unsere Worte sind unsere Macht" von Camryn Garrett



Das Thema
Schreiben ist Josies Leben. In Texten kann sie ihre Gedanken fliegen lassen und ihr inneres Sorgenkarussell anhalten. Als die 17-Jährige einen Schreibwettbewerb gewinnt, darf sie ein Filmteam auf eine Pressetour durch die USA begleiten. Doch auf der Reise erfährt Josie etwas Ungeheuerliches: Ein gefeierter Regisseur belästigt Mädchen und Frauen am Set - und kommt offenbar schon lange damit durch. Schnell wird die ersehnte Reise zu ihrer größten Herausforderung, denn was kann ein Mädchen wie sie schon ausrichten? Es gibt so viele Gründe, zu schweigen. Es gibt so viele Gründe, nichts zu sagen. Und doch muss Josie den Mut finden, den Text zu schreiben, der alles verändern wird.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Arena Verlag


"Es sollte aber nicht die Verantwortung der Mädchen sein, einander zu warnen." Ich lehne mich in meinem Sitz zurück. Ich hasse es, wenn meine Ängste um ein Problem kreisen, das ich nicht sofort lösen kann. "Dieses Ding hier sollte - es sollte einfach nicht passieren."
"Ja",  Alice bleibt für einen Augenblick still. "Vielleicht könntest du darüber schreiben."
"Was?"
"Du schreibst doch die ganze Zeit", erinnert sie mich. "Hilft dir das nicht, dir die Dinge klarzumachen?" - S. 158


Das Leseerlebnis
Die Own-Voices-Autorin Camryn Garrett hat in "Off the Record: Unsere Worte sind unsere Macht" die Erlebnisse, ja fast schon ein Portrait, über das Schwarze Mädchen Josie geschrieben. Schon vor dem Lesen war mir klar, mit was Josie es hier zu tun bekommt, und dass sie auf ihrer Reise als angehende Journalistin all ihren Mut benötigt, um mit Weitsicht Dinge zu verändern. Zusätzlich zu diesem Grundthema präsentiert die Autorin eine Geschichte über ein Mädchen, an der Schwelle zum Erwachsensein. Es geht nicht nur um Familie und (erste) Liebe, sonder auch um Körperwahrnehmung und Selbstbewusstsein und die Unisicherheiten, die daraus resultieren. Das alles in der Geschichte zu verknüpfen, finde ich äußerst gelungen.

Schon immer hat Josie gerne Texte und Artikel geschrieben. Sie ist sehr talentiert und wird von einer Mentorin gefördert, hat sich an ihrer Schule und in kleineren Magazinen schon einen Namen gemacht. Und dann gewinnt sie tatsächlich den Schreibwettbewerb einer großen Zeitung, ihrer Lieblingszeitung. Das bedeutet, dass Josie die Pressetour eines neuen Films begleiten darf, um am Ende ein Portrait über den Hauptdarsteller zu schreiben. In Begleitung ihrer Schwester muss Josie sich nicht nur ihren Ängsten und Unsicherheiten stellen, sie erfährt auch Ungeheuerliches: Einige Mädchen und Frauen vertrauen ihr an, dass sie von einem Star-Regisseur belästigt und missbraucht werden. Josie hat die Gelegenheit, einen großen Hollywood-Skandal aufzudecken. Aber was bedeutet das für ihr Leben, und hat sie wirklich den Mut, mit ihrem Text alles zu verändern?

Sonntag, 19. Dezember 2021

"Bunte Fische überall" von Kathrin Schrocke



Das Thema
Barnies Leben ist alles andere als unkompliziert. Sie wird von zwei Vätern großgezogen, die aus noch erschreckend altmodisch sind. Smartphones & Co. sind absolut tabu. Stattdessen bekommt sie zu ihrem 13. Geburtstag ein schnödes Tagebuch. Darin erzählt sie von ihrem chaotischen Leben, allen voran von dem Baby-Projekt in ihrer Schule. Zusammen mit ihrem Schwarm Sergej kümmert sie sich wie echte Eltern rund um die Uhr um ihre Baby-Puppe Herbie. Dabei stellt sich heraus, dass Papa Sergej doch nicht so cool ist, wie gedacht. Und dann taucht da plötzlich Tore auf ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Mixtvision Verlag


Apropos hätte: Hätte ich ein iPad zum Geburtstag bekommen, würde ich jetzt nicht meinem Dad Nachhilfe geben, sondern etwas wirklich Sinnvolles machen. Mit dem digitalen Stift Bilder wie Picasso malen zum Beispiel. Oder ich würde mir selbst auf einer virtuellen Tastatur Klavierspielen beibringen und Mozarts Kleine Nachtmusik klimpern. Meine Väter kapieren überhaupt nicht, dass sie mit der unüberlegten Wahl ihres Geburtstagsgeschenks meine Entwicklung zum Wunderkind ein für alle Mal beendet haben. - S. 11


Das Leseerlebnis
Diverse und queere Jugendbücher war vor einiger Zeit noch absolute Nischenliteratur. Ganz so rar sind sie mittlerweile nicht mehr, haben aber noch lange nicht den Status erreicht, den sie sollten. Denn unser Leben, auch das von Kindern und Jugendlichen, ist bunt und vielschichtig. Dies in Büchern aufzuzeigen sollte die normalste Sache der Welt sein. Was ich vor dem Lesen nicht wusste: "Bunte Fische überall" von Kathrin Schrocke ist eine Neuauflage, die vor einigen Jahren schon mal erschien. Was ich nach dem Lesen weiß: Das Buch ist ganz wunderbar und großartig ... und heute genauso wichtig und richtig wie damals.

Barnie hat zwei Väter, und diese sind auch noch erschreckend kompliziert und altmodisch. Satt des gewünschten iPads bekam Barnie von ihnen zum 13. Geburtstag ein doofes (vor allem sehr nicht-digitales) Notizbuch. Doch das wird nun Barnies Tagebuch. Sie erzählt von ihrem ziemlich witzigen und turbulenten Leben, vom chaotischen Baby-Schulprojekt, bei dem sie sich mit ihrem Schwarm Sergej um eine Baby-Puppe mit Namen Herbie kümmern muss. Und dann erzählt sie auch noch von Situationen, die gar nicht lustig und lässig sind, die Barnie ziemlich an die Nieren gehen. Barnies Familie schwamm noch nie mit der Masse, und das bekommt sie manchmal ganz schön blöd zu spüren.