Montag, 1. November 2021

"Die Leben der Heiligen" von Leigh Bardugo



Das Thema
Die Geschichten in "Die Leben der Heiligen" bieten Alina Starkov, Nina Zenik oder Nikolai Lantsov immer wieder Trost und Rat in schwierigen Situationen, gerne wird in den "Grisha"-Romanen aus dem mythischen Buch zitiert.
Jetzt können alle Fans der Grisha die Legenden von bekannten Heiligen wie Sankta Lizabeta der Rosen und Sankt Ilya in Ketten oder die eher düsteren Sagen von Sankta Maradi und dem Sternenlosen Heiligen selbst nachlesen - in einer wunderschön illustrierten Ausgabe, die an mittelalterliche Stundenbücher erinnert.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knaur Verlag


Zu Hause wurden die Hände seines Onkels oft zu geballten Fäusten. Er lachte, wenn Yuri an Sonntagen in die Kirche ging, und sagte, die Heiligen hätten kein Interesse an einem Mann, der nicht für seinen Lebensunterhalt arbeiten könne.
Doch Yuri wusste, dass die Heiligen zusahen. Jeden Morgen und jeden Abend betete er zu ihnen und versprach, sein Leben ihrer Anbetung zu überlassen, wenn sie ihn nur von seines Onkels Grausamkeit befreiten und ihn sein Leben dem Studium verschreiben ließen. - S. 140


Das Leseerlebnis
Die Bücher des 'Grishaverse' gehören für mich zu den besten. Mit jedem einzelnen, bisher wurden sieben Romane und zwei Begleitbücher auf Deutsch übersetzt, hat mir Leigh Bardugo nicht nur genial-spannende Lesestunden beschert, sie hat mich begeistert und völlig mitgerissen. "Die Leben der Heiligen" ist das neueste Begleitbuch in der Welt der Grisha. Leser*innen dürfte es innerhalb der Romane vielleicht schon aufgefallen sein, weil die Charaktere immer wieder darauf Bezug nehmen. Für mich stellte sich hier nicht die Frage, ob ich es lesen soll. Ab Erscheinungstermin war es als Lesemuss fest eingeplant.

"Die Leben der Heiligen" ist kein Roman mit einer fortlaufenden Geschichte. Vielmehr besteht das Buch aus 28 Kurzgeschichten, die jeweils von einer oder einem Schutzheiligen aus der Welt der Grisha handeln. Es wird hier auch nicht das ganze Leben dieser Heiligen erzählt, sondern Begebenheiten, die auf ein Erlebnis oder eine Begegnung mit dem/der jeweiligen Heiligen zurückführt. Die Geschichten sind nicht lang, meistens nur wenige Seiten, könnten aber nicht hochwertiger geschrieben und übersetzt sein. Der Ausdruck erinnert an alte Sagen und Märchen. Sie sind spannend, manchmal grausam, und sehr oft überraschend, immer vereinnahmend.

Optisch ist das Buch eine Augenweide. Es erinnert an alte, in Leder gebundene, Werke. Auf dem roten Einband, befindet sich ein Golddruck und zu jeder Geschichte wurde von Dan Zollinger ein passendes, farbenprächtiges Bild kreiert (ähnlich eines Ölgemäldes), also genau 28 davon. Die Geschichten sind von goldfarbenen Bordüren eingefasst und durch goldfarbene Trennseiten voneinander abgegrenzt. Keine goldene Farbe, wie der Druck auf dem Einband, jedoch dem nachempfunden. Das ganze Buch wirkt hochwertig und äußerst stimmig. Grisha-Fans können damit gar nichts falsch machen. Ich kann mir aber genauso gut vorstellen, dass es "Fremdleser*innen" fasziniert.

Das Fazit
"Die Leben der Heiligen" ist nicht nur ein äußerst hochwertig geschriebener (und übersetzter!) Kurzgeschichten-Roman, es ist ein wunderschön gestaltetes, und genauso hochwertig ausgelegtes, Sammlerstück, das in keinem Buchregal eines Grishaverse-Fans fehlen darf. Doch auch Leser*innen, die sich für kurze Sagen und Märchen begeistern, könnten mit diesem Buch glücklich werden. Obwohl die Bilder sehr speziell sind, erinnern sie an große Kunst und passen hervorragend zum Gesamtkonzept des Buches. Es gibt hier überhaupt nichts auszusetzen. 5 von 5 Sterne gibt es von mir.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Knaur Verlag (September 2021) - Hardcover, 144 Seiten - 18,00 € [D]
Originaltitel: The Lives of Saints  - Übersetzt von Michelle Gyo