Donnerstag, 25. November 2021

"Der Fall des verschlüsselten Briefes: Ein Enola-Holmes-Krimi" von Nancy Springer



Das Thema
Während Enola sich in den finstersten Londoner Ecken und sogar in der neuen U-Bahn auf die Spuren der verschwundenen Lady Blanchefleur del Campo begibt und dabei auch auf zwielichtige alte Bekannte trifft, entdeckt sie, dass ihr Bruder Sherlock genauso eifrig nach ihr selbst sucht! Er braucht ihre Hilfe, um eine Nachricht ihrer lange vermissten Mutter zu entschlüsseln. So müssen Enola und Sherlock gleich einen dreifachen Fall lösen: Was ist mit ihrer Mutter passiert? Und was mit Lady Blanchefleur? Und was haben die beiden Fälle mit ihrem Bruder Mycroft zu tun, der Enolas Zukunft in seinen Händen hält?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knesebeck Verlag


Er schüttelte den Kopf, als würde er daraus auch nicht schlauer. "Was sollte Mutter bei einer Bande heimatloser Gauner wollen? Ohne Badezimmer!"
"Freiheit."
"Doch diese schwatzhaften Bettler ..."
"Bunte Karawanen und schöne Pferde, Nächte unterm Sternenhimmel, keine Grenzen, das älteste Nomadenvolk der Welt, das die herrlichste Violinenmusik der Welt spielt, und kein Grund, sich jemals wieder zum Abendessen umzuziehen." - S. 74


Das Leseerlebnis
Sehr freudig, aber auch mit etwas Wehmut, habe ich zu "Der Fall des verschlüsselten Briefes", dem sechsten (und augenscheinlich letzen) Band der Enola Holmes-Krimireihe gegriffen. War ich anfangs noch skeptisch, sind mir Enola, ihr humorvoller Scharfsinn, ihr großes Herz, und natürlich ihre Detektiv-Abenteuer, mit jedem Band mehr ans Herz gewachsen. Im Schatten ihres großen Bruders Sherlock Holmes, musste sich Enola noch nie verstecken. Geliebt habe ich auch diesen sechsten Reihenband. Es soll zwar noch ein siebter Buchtitel folgen (der als Einzelband funktionieren soll), doch ich kann jetzt schon verraten, dass man die Reihe nach "Der Fall des verschlüsselten Briefes" als abgeschlossen betrachten kann. Das Rätsel um Enolas Mutter ist gelöst, das "Problem" mit ihren Brüdern ebenso. Ich war am Ende nicht nur glücklich, sondern sehr berührt.

In London, allein auf sich gestellt, musste sich Enola mal wieder eine neue Identität zulegen. Und schon darf sie wieder ermitteln, diesmal den Fall der verschwundenen Lady Blanchefleur del Campo. Enolas Ermittlungen führen bis in die Untergrundbahn Londons. Was sie herausfindet ist ebenso haarsträubend wie empörend. Zur gleichen Zeit ist Sherlock Holmes zu Besuch im ehemaligen Zuhause auf dem Land. Ein mysteriöser und verschlüsselter Brief der vermissten Mutter ist angekommen ... und er ist an Enola adressiert. Sherlock muss Enola unbedingt finden, damit sie gemeinsam den Brief entschlüsseln können.

Immer wieder bin ich erstaunt darüber, was man so ganz nebenbei erfährt, wenn man die Enola Holmes-Krimireihe liest. Über die damalige Zeit und die Menschen des späten 19. Jahrhunderts. So mir zum Beispiel nicht bewusst, dass es in London bereits eine Untergrundbahn, die Anfänge der heutige U-Bahn, gab. Genau dort beginnen Enolas Ermittlungen über eine Lady aus gutem Hause. Und das ist nicht nur spannend, sondern auch noch sehr aufschlussreich. Denn damit einher geht auch das damalige Frauenbild, Konventionen und Schicklichkeiten, die den Frauen auferlegt wurde (und über die Enola sich immer mit viel spröder Herzlichkeit und Charme hinwegsetzt). Mich hat das, was ich hier lesen durfte gleichermaßen erschüttert wie berührt.

Der rote Faden, der sich durch alle Reihenbände zieht, ist die Suche von Enola, nach ihrer Mutter, bzw. dem Wunsch zu erfahren, warum sie Enola auf sich alleine gestellt zurückgelassen hat. Zwar hatte man schon immer eine Ahnung, oder es wurden konkrete Andeutungen gemacht, in "Der Fall des verschlüsselten Briefes" wird das Rätsel nun vollständig gelöst. Darum, und mit dem erfolgreich abgeschlossenen Kriminalfall, kann die Reihe nun als beendet betrachtet werden. Ebenso erfreulich ist der Ausgang der Geschichte, die Klärung der Beziehung von Enola zu ihren beiden Brüdern Sherlock und Mycroft. Ein wirklich toller "Abschlussband", der nicht nur glücklich macht, sondern sehr zufrieden (und etwas wehmütig) zurücklässt.

Das Fazit
Erwachsen ist Enola Holmes zwar noch lange nicht, jedoch hat sie im Laufe ihrer Londoner Abenteuer und Ermittlungen eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Ihre Offenherzigkeit, ihr charmanter Mut und ihre humorvolle Entschlossenheit haben sie zu einem meiner liebsten Buchcharaktere gemacht. "Der Fall des verschlüsselten Briefes: Ein Enola-Holmes-Krimi" schließt die Reihe für mich perfekt ab. Nicht nur in detektivischer Hinsicht, vor allem die familiären Beziehungen sind erkenntnisreich und berührend. Eine wunderbares Buch, eine großartige Reihe und damit auch auch eine unbedingte Empfehlung! 5 von 5 Sterne gibt es von mir.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Knesebeck Verlag (September 2021) - Band 6/7 - Hardcover, 176 Seiten - 15,00 € [D]
Originaltitel: The Case of the Gypsy Good-Bye: An Enola Holmes Mystery - Übersetzt von Nadine Mannchen
- ab 12 Jahren




Reiheninfo Enola Holmes-Serie:

Band 6 - Der Fall des verschlüsselten Briefes