Dienstag, 19. Oktober 2021

"Crave" von Tracy Wolff



Das Thema
Nach dem Unfalltod ihrer Eltern verschlägt es Grace buchstäblich ins kalte Exil: die Wildnis von Alaska, wo ihr Onkel ein Internat leitet, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht. Und die Schüler sind nicht weniger mysteriös, allen voran Jaxon Vega, zu dem Grace sich auf unerklärliche Weise hingezogen fühlt - trotz aller Warnungen, dass sie in seiner Nähe nicht sicher ist. Doch Jaxon hat seinen Ruf nicht umsonst: Je näher sie und der unwiderstehliche Bad Boy einander kommen, desto größer wird die Gefahr für Grace. Offensichtlich hat jemand es auf sie abgesehen ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft


Ich bin wie Wachs in seinen Armen, schmiege mich an ihn, ergebe mich ihm und explodiere in dieser Fontäne aus Hitze und purem Glücksrausch, die er jedes Mal mit nur einem einzigen Kuss in mir erzeugen kann. Mit einer einzigen Berührung. Einem einzigen Blick.
Ich weiß nicht wie lange wir uns küssen.
Lange genug, um mich nach Luft ringen zu lassen.
Lange genug, um meine Knie, als er mir über die Hüfte streicht, noch mehr zum Zittern zu bringen. - S. 608


Das Leseerlebnis
Für einen neuen Lese- oder Buchhype bin ich immer zu haben. "Crave" von Tracy Wolff, ein Reihenstart übrigens, schlug im Original ziemlich ein ... und genau darum setzte ich auch große Hoffnungen in dieses Buch. Hoffnung, dieses gigantische Lesegefühl noch einmal zu erleben, damals, als bestimmte Jugendbuch-Vampirromane (und damit verrate ich nicht zu viel) mein Leserinnenherz zum Schmelzen brachten. Hoffnung auf ein Revival und süchtigmachende Lesestunden. Und jetzt, nach dem Lesen, kann ich den Hype um "Crave" auch verstehen. Teilweise. Ich kann nachvollziehen, was dieses Buch für die jugendliche Zielgruppe so anziehend macht und hatte selbst eine schmökerige Zeit damit. Das Feeling "von früher", diese allumfassende Begeisterung, wollte sich bei mir aber nicht einstellen.

Weil Grace' Eltern gestorben sind, und ihr nun keine weiteren Optionen bleiben, reist sie zu ihrem Onkel in die Wildnis Alaskas. Dieser leitet dort ein elitäres Internat, die Katmere Academy, über die Grace im Vorfeld allerdings nichts Näheres in Erfahrung bringen konnte. Vom ersten Moment an fühlt sich Grace fehl am Platz. Die einzelnen Schülergruppen beäugen sie misstrauisch, und bald spitzt sich die Situation so sehr zu, dass klar ist, jemand will ihr Böses. Und dann ist da noch Jaxon Vega - unheimlich und unverschämt, aber auch unverschämt gutaussehend. Grace wird völlig in seinen Bann gezogen und auch Jaxon scheint nicht abgeneigt. Bald kommt Grace hinter Jaxons Geheimnis, und damit wächst auch die Bedrohung.

Tracy Wolff bedient sich hier ganz beliebten Stilmitteln des phantastischen Jugendbuchs. Das ist aber völlig okay, denn das Rad muss nicht jedes Mal neu erfunden werden, um mitreißende Lesestunden zu haben. Und ja, mitreißend ist "Crave" auf jeden Fall. Dazu sehr spannend und schmökerig. Das Setting (ein düsteres Internat im eiskalten Alaska) ist supergut und wird auch anschaulich präsentiert. Ich mochte Grace und ihre anfangs recht schlagfertig-humorvolle Art. So kam es, dass mich die Story ab Beginn ziemlich vereinnahmte und ich während des ersten Buchdrittels kaum von den Seiten wegkam. Im weiteren Handlungsverlauf ließ dieses Gefühl allerdings nach, denn ...
... ich war zusehends genervt, wirklich genervt, von der ständigen (und kitschigen) Schwärmerei und diesem Alles-dreht-sich-nur-um-Grace-und-Jaxon-Gedöns. Grace ist gefühlt immer krank oder verletzt oder ohnmächtig oder gefährdet und muss von ihrem düsteren, aber ach so gefährlichen, Helden Jaxon gerettet und umsorgt werden. Die beiden laufen sich immer über den Weg oder laufen einander nach, und dann wird, seitens Grace, geschnulzt, was das Zeug hält. Ihre innern Monologe, in denen sich alles um Jaxon dreht, machen die Sache nicht besser. Ohne diese wäre das Buch sicher 200 Seiten kürzer geworden. Dadurch entstehen Längen und es geraten andere wichtige Dinge in den Hintergrund: Der Tod/Trauer um die Eltern, das Internat, die verschiedenen Schülergruppen, Konflikte, sogar die paranormalen Elemente - das alles hätte viel mehr Potenzial innerhalb der Story gehabt. Obwohl es nicht so ist, wirkte sie auf mich zu einseitig.

Ich kann es nicht leugnen, trotz Kritik und meinen altbekannten Störfaktoren bei Romantasy oder Jugendbuch-Fantasy, hatte ich eine gute Lesezeit mit "Crave", sogar (oftmals) Spaß. Weil man das Buch, trotz Reihenbeginn, meiner Meinung nach als Einzeltitel lesen kann, bin ich mir noch nicht sicher, ob ich die Handlung in den Fortsetzungen weiter verfolgen werden. Wohl eher nicht.

Das Fazit
"Crave" ist ein Jugendroman, mit dem man durchaus Spaß haben und prickelnd-spannende Lese- und Schmökerstunden erleben kann. Ich persönlich bin dem Hype um das Buch, oder einem Revival der jugendlichen Vampir-Fantasy, nicht erlegen. Doch die Story funktioniert gut. Wer generell gerne Romantasy liest, sich an gängigen Stilmitteln und viel schnulziger Schwärmerei nicht stört, der kann hier nicht viel falsch machen und darf sich sogar auf Fortsetzungen freuen. Für mich war das Buch, ungeachtet der Belastung meiner Kitsch-Nerven, okay, aber der Reihenbeginn muss reichen. 3 von 5 Sterne gibt es von mir.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


dtv Verlagsgesellschaft (August 2021) - Band 1/5 - Hardcover mit Schutzumschlag, 688 Seiten - 20,00 € [D]
Originaltitel: Crave - Übersetzt von Katarina Ganslandt - ab 14 Jahren