Freitag, 3. September 2021

"Zwischen brennenden Welten" von Jessica Brody und Joanne Rendell



Das Thema
Laterre steht am Rande eines Krieges. Der Dritte État setzt sich vehement gegen die Ungerechtigkeiten des korrupten Systems zur Wehr. Der Patriarche versucht mit aller Gewalt, die Unruhen zu unterdrücken, während eine neue militante Faktion eine Reihe tödlicher Angriffe startet.
Zur selben Zeit ist Marcellus' machthungriger Großvater auf der Suche nach einer neuartigen Waffe, die der Regierung einen ungeahnten Vorteil verschaffen könnte.
Während die Situation auf Laterre sich immer weiter zuspitzt, steht für Marcellus, Alouette und Chatine plötzlich mehr auf dem Spiel als das Schicksal eines ganzen Planeten ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knaur Verlag


Chatine Renard hatte ihr Laben lang gewusst, was Dunkelheit war. Seit dem Moment ihrer Geburt vor achtzehn Jahren hatte sie sie umgeben, an ihr gehaftet wie ein feuchter Umhang. Doch nichts war vergleichbar mit der Finsternis, die zweihundert Mètre unter der Oberfläche des Mondes lauerte. Es war eine Dunkelheit, wie Chatine sie noch nie gesehen hatte. Ein lebendiges, atmendes Wesen. Eine Düsternis, die in ihre Knochen kroch und ihre Lungen verätzte.
Es war die Art von Dunkelheit, die die Toten auferstehen ließ. - S. 36


Das Leseerlebnis
Etwas länger musste ich auf diesen zweiten Band warten. Aber nach "Die Rebellion von Laterre" war klar, dass ich hier weiterlesen will. Die Anlehnung an Les Misérables, bzw. die Neuinterpretation, war einfach zu gut. Jessica Brody und Joanne Rendell haben ihre Sci-Fi-Welt ausgebaut ... und gegenüber dem Reihenstart nochmals eine Schippe draufgelegt. Das Warten auf "Zwischen brennenden Welten" hat sich definitiv gelohnt. Das Buch ist ein Lesegenuss und ein großer Schmökerspaß!

Chatine lebt nun in Gefangenschaft in der Bastille, zu Zwangsarbeit verdammt, weit weg auf dem Mond. Ihre Situation scheint ausweglos, vom Regime geschafften, um die Zwangsarbeitenden zu brechen. Und obwohl Chatine ziemlich taff ist, spürt auch sie Verzweiflung.
Alouette versucht vor ihrer Vergangenheit wegzulaufen. Sie wurde belogen und verfolgt, und auch jetzt wird sie zur Zielscheibe des Regimes. Denn Alouette ist wichtig. Wichtig für die Rebellen, wichtig für Laterre.
Marcellus versucht bei seinem Großvater, der die Kontrolle über Laterre erlangen will, gute Miene zu bösem Spiel zu machen. Er möchte nicht auffallen, denn insgeheim arbeitet er nun für die Rebellen. Doch sein Großvater scheint Marcellus immer einen Schritt voraus zu sein.

Eigentlich wird diese kleine Zusammenfassung des Geschehens der Handlung nicht in Geringsten gerecht. Denn sie ist weitaus komplexer und vielschichtiger. Vieles hängt zusammen, was sich erst später erschließt. Es gibt Aha-Momente und Überraschungen. Auch wenn Band 1 schon eine Weile zurückliegt, war ich sofort wieder mittendrin im Buch - was auch am tollen Überblick/Rückblick am Anfang, bevor es richtig los geht, liegt.

Ich liebe (fast) alles an diesem zweiten Band. Hatte ich im ersten Teil, der auch genial war, noch mit einigen Längen zu kämpfen, sind diese hier gänzlich verschwunden. "Zwischen brennenden Welten" ist klasse, so soll Science Fiction sein! Wunderbar schmökerig, spannend und aufregend. Das Setting ist einzigartig und großartig umgesetzt. Die Anlehnung an Les Misérables (inklusive französischer Wortintegrationen), und an unsere Gesellschaft, Länder und Strukturen, ist perfekt. Und obwohl die Handlung vor Kreativität und Ideen nur so strotzt, manches ist bekannt, anderes nicht, kommt man als Leser*in immer bestens zurecht.
Es ist nicht verwunderlich, dass hier noch ein dritter Band folgen soll, komischerweise ging ich nämlich immer von einer zweiteiligen Reihe aus. Die Geschichte ist aber noch nicht abgeschlossen. Sie endet mit einem Paukenschlag, und ich hoffe wirklich, dass die Übersetzung nicht allzu lange auf sich warten lässt. Ich lese sofort weiter! 

Das Fazit
"Zwischen brennenden Welten" ist ein wunderbarer zweiter Reihentitel, der mir sogar noch besser gefiel als der Vorgängerband ... und der war schon klasse. Die miteinander verflochtenen Sci-Fi-Handlungsstränge sind genial, und die Assoziationen zu unserer aktuellen Welt sind großartig. Ich wurde von der Vielschichtigkeit der Charaktere und so mancher Überraschung völlig mitgerissen und von einer unterschwelligen und offensichtlichen Spannung vereinnahmt. Ein Buch für aufregende Schmökerstunden, Langeweile gibt es hier zu keiner Zeit. Am Ende würde man (muss man!) sofort weiterlesen. 4,5 von 5 Sterne vergebe ich dafür.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Knaur Verlag (Juni 2021) - Band 2/3 - Klappenbroschur, 624 Seiten - 15,99 € [D]
Originaltitel: Between Burning Worlds - Übersetzt von Carina Schnell



Reiheninfo Die Rebellion der Sterne-Trilogie:

Band 1,5 - Die Diebin von Laterre (E-Book Kurzgeschichte)
Band 2 - Zwischen brennenden Welten