Dienstag, 3. August 2021

"Dark Blue Rising" von Teri Terry



Das Thema
Traue niemandem, das wurde Tabby immer wieder eingebläut. Und: Hüte dich vor dem Kreis!
Mit ihrer Mutter Cate ist sie ständig unterwegs, zieht viel um - bis Cate plötzlich verhaftet wird und für Tabby eine Welt zusammenbricht: Cate war nie ihre Mutter, sondern hat sie als Kleinkind entführt! Die 16-Jährige versucht sich in ihrem neuen Leben mit ihren echten Eltern zurechtzufinden. Doch der einzige Ort, an dem sie sich wirklich zu Hause fühlt, ist das Meer. Eine innere Stimme lockt Tabby in die Tiefe und sie stellt fest, dass sie unglaublich lange tauchen kann. Haben Cates Hinweise auf den Kreis damit zu tun? Und ist sie wirklich die einzige, der es so geht? Tabby beginnt zu begreifen, dass ein ungeheuerliches Geheimnis in ihr schlummert.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Coppenrath Verlag


Ich bekomme eine Gänsehaut auf den Armen und im Nacken. Wie lange steckt das Papier schon da, ohne dass ich davon wusste?
Vorsichtig falte ich es auseinander. Eine Zeichnung kommt zum Vorschein, vier Kreise, jeweils zwei nebeneinander. Sie berühren sich an den Rändern. Etwas daran ist mir vertraut, ohne dass ich sagen könnte, was - aber vor allem fällt mir etwas anderes auf.
Unter der Zeichnung steht in Cates sorgfältiger Handschrift: Hüte dich vor dem Kreis. - S. 189


Das Leseerlebnis
Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass Teri Terry die für mich mitreißendsten Jugendbücher schreibt. Jedes, das ich gelesen habe, und das sind (fast) alle, hat mir den Schlaf geraubt, mich durch die Seiten rasen lassen. Die Geschichten der Autorin fesseln und schütteln durch. Darum war auch "Dark Blue Rising", der Starttitel einer neuen Trilogie, ein Lesemuss für mich. Der Inhalt des Klimathrillers klingt perfekt-spannend und aufwühlend, was zum Teil zutrifft. Das Buch ist durchaus lesenswert, auch wenn es für mich das bisher schwächste der Autorin ist. Weil noch zwei Titel folgen, hoffe ich auf eine Steigerung.

Tabby blieb mit ihrer Mutter Cate noch nie lange an einem Ort. Cate lässt kaum Kontakt zu anderen Menschen zu, vor allem ist es ihr wichtig, dass keine persönlichen Informationen preisgegeben werden. Darum fühlt sich Tabby auch nirgends richtig heimisch oder zugehörig, außer in der Nähe des Meeres. Nach einen Vorfall werden die beiden verfolgt. Sie flüchten, werden aber geschnappt. Tabby muss erfahren, dass Cate nicht ihre richtige Mutter ist, sie als Baby entführt hat. Nun muss sie sich bei ihren echten Eltern zurechtfinden, die zum Glück direkt am Meer wohnen. Aber die gemeinsame Zeit mit Cate lässt Tabby nicht los, auch nicht ihre Warnung, niemandem zu vertrauen und sich vor dem Kreis zu hüten, was auch immer der sein mag.

Die Geschichte wird in vielen, recht kurzen, Kapiteln erzählt, die am Ende oft kleine Cliffhanger enthalten, sodass man sofort weiterlesen möchte. Das bin ich von Teri Terry schon so gewöhnt und mag es sehr, weil dadurch ein großer Leseflow, eine mitreißende Kraft, entsteht. In die Geschichte findet man schnell, sie ist mysteriös und spannend. Natürlich werden viele Fragen aufgeworfen, die in diesem Buch aber zum Großteil noch nicht beantwortet werden. Bei einer Trilogie macht das auch Sinn. Es gibt Hinweise auf den Zustand der Welt, in der Zeitepoche, in der Tabby lebt. Als einen echten Klimathriller empfand ich "Dark Blue Rising" aber nicht. Erst gegen Ende gibt es ein klimarelevantes Ereignis, das für alle Beteiligten schlimmen Folgen hat.

Das anfängliche Interesse schwand mit der Zeit etwas, weil ich im Mittelteil das Gefühl hatte, nicht richtig vorwärts zu kommen. Manche Personen sind für dieses Buch noch nicht allzu relevant. Es gab mir zu wenig Antworten. Um was es geht, was das mystische Element der Geschichte ist, konnte ich bald erahnen. Hier wird es dann richtig aufregend und auch etwas verstörend (weil wissenschaftlich-gruselig). Das Ende ist kaum auszuhalten, es läutet einen neuen Abschnitt für Tabby ein, und der nächste Band ist noch nicht zur Hand. Als Einzelband funktioniert "Dark Blue Rising" keinesfalls. Zu viele Hinweise wurden gestreut, zu viele Fragen sind noch offen. Man wird die Geschichte in ihrer Gesamtheit betrachten müssen.

Das Fazit
"Dark Blue Rising" ist ein Buch, das (noch) viele Fragen offen lässt, bzw. werden sich Leser*innen bei den Antworten gedulden müssen, zwei Bände folgen noch. Die Geschichte ist gut, Ansätze und Ideen spannend und aufregend, jedoch wurde ich von anderen Büchern der Autorin deutlich mehr mitgerissen. Ich kann es so zusammenfassen, dass die Handlung anfänglich vereinnahmt, sich der Mittelteil etwas hinzieht, das Buch aber so aufwühlen endet, dass die Fortsetzung ein Muss ist. Für den Reihenstart vergebe ich 3,5 von 5 Sterne.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Coppenrath Verlag (Juni 2021) - Band 1/3 -  Hardcover,  448 Seiten - 20,00 € [D]
Originaltitel: Dark Blue Rising - Übersetzt von Wolfram Ströle - ab 14 Jahren