Dienstag, 17. November 2020

"Die dunklen Pfade der Magie" von A. K. Larkwood



Das Thema
Csorwe steht bereits in jungen Jahren vor der Entscheidung ihres Lebens: Soll sie ihrer Bestimmung folgen und sich als erwählte Braut des Unaussprechlichen opfern? Oder soll sie ihren Gott verraten und in die Dienste eines mächtigen Magiers treten? 
Sie wählt das Leben - und damit beginnen ihre Probleme. Als Schwerthand von Belthandros Sethennai bereist sie durch flammende Tore die Welten auf der Suche nach einem längst vergessenen Artefakt und kämpft mit Gegnern, deren Waffen schärfer sind als die beste Klinge. Irgendwann muss sie begreifen: Die dunklen Pfade der Magie sind gewunden, und auf einigen wartet ein Schicksal, das schlimmer ist als der Tod.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER Tor


Einen Monat vor dem Tag, an dem Csorwe sterben würde, kam ein Fremder in das Haus der Stille. Csorwe sah seine Ankunft nicht, sie befand sich unten in der Krypta und lauschte den Toten. - S. 18


Das Leseerlebnis
Fantasyromane werden wohl immer mein großes Steckenpferd bleiben. Gerne als Jugendbuch, aber auch sehr gerne als anspruchsvolle(re) Erwachsenenversion. "Die dunklen Pfade der Magie" vereint beides. Die ungewöhnliche Fantasygeschichte ist ein echter All-Age-Roman, aber eher "typische" Erwachsenenfantasy. Hier wird man als Leser*in ziemlich gefordert, denn es wird wenig erklärt, die Handlung ist dafür recht düster-hart und weit weniger romantisch (dafür wunderbar divers und queer) als Bücher für ein jüngeres Zielpublikum. Als perfekt empfand ich das Buch nicht, gibt man der Handlung aber eine Chance, dann bekommt man einen lesenswerten und besonderen Fantasyroman geboten.

Es gibt einen Gott, einer von vielen Göttern, der Unaussprechlicher genannt wird. Ihm ist ein Schrein gewidmet, über den die Dienerinnen des angeschlossenen Tempels wachen. Csorwe ist eine solche Dienerin und außerdem die erwählte Braut des Unaussprechlichen. Alle vierzehn Jahre wird ihm die erwählte Braut geopfert, in wenigen Wochen soll Csorwe in seinen Schrein geführt werden. Dort wird sie sterben. Kurz vor Csorwes Tod kommt Sethennai in den Tempel, ein mächtiger Magier. Er bietet Csorwe an, in seinen Dienst zu treten. Sie nimmt an, flieht aus dem Tempel und vor dem Unaussprechlichen und wird Sethennais rechte Hand. Doch Csorwe erkennt bald, dass die Pfade der Magie dunkel sind, und Dinge auf sie warten, mit denen sie niemals gerechnet hat.

"Die dunklen Pfade der Magie" würde ich grundsätzlich als klassische High-Fantasy-Geschichte beschreiben. Aber ... so ganz klassisch dann doch wieder nicht. Das Worldbuilding ist cool, die Karte dazu unkonventionell, mit Elementen der Science Fiction. Viel erklärt wird hier generell nicht. Leser*innen müssen sich ihr Wissen über Welt, Charaktere, Gottheiten, Magie, Religion, etc. erarbeiten oder erlesen. Mich hat das nicht gestört, ebensowenig die doch recht komplizierte und schwierige Gestaltung der meisten Namen. Ein Glossar, samt Aussprache der Namen, springt einem gleich am Anfang entgegen. Bitte nicht davon abschrecken lassen, ich empfand gerade diesen Punkt als sehr besonders.

Die Geschichte umfasst eine Quest, eine Aufgabe oder Suche, die alles andere als geradlinig verläuft. Das macht sie spannend, manchmal sehr hart oder strange. Dennoch war das Leseerlebnis für mich nicht unbedingt mitreißend. Lesenswert und schmökerig, das schon. Jedoch hat mir der gewisse Pfiff gefehlt, der dafür sorgt, dass man ein Buch nicht aus der Hand legen kann.
Die Erzählweise, oder besser, die Beziehungen der Charaktere, ihre Hintergründe und ihr Handeln, ja, die Personen selbst, waren mir generell zu nüchtern und zu wenig persönlich. Es gab Ansätze der Besserung, richtig durchgedrungen bin ich zu keinem Charakter. Und dieser Umstand verleiht dieser kreativen und diversen Geschichte einen leicht faden Anstrich. Eine große Überraschung am Ende nahm ich dadurch nur zur Kenntnis, statt sie zu feiern. Trotzdem gefiel mir die Geschichte gut. Obwohl ein zweiter Band geplant ist, kann man "Die dunklen Pfade der Magie" als Einzeltitel lesen.

Das Fazit
Wer gerne vereinnahmende Fantasyromane liest, die sich abheben und zuweilen etwas seltsam anmuten, könnte an "Die dunklen Pfade der Magie" Gefallen finden. Hier bekommt man als Leser*in nichts geschenkt oder erklärt, muss sich Charaktere, Worldbuilding und Hintergründe während des Lesens erarbeiten - was ich super finde. Die Handlung ist schmökerig, jedoch fehlte mir, trotz Spannung, eine mitreißende Komponente. Vielleicht lag das an der nüchternen und wenig persönlichen Gestaltung der Charaktere. Muss man ausprobieren, reinlesen lohnt sich auf jeden Fall. 3,5 von 5 Sterne gibt es von mir.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


FISCHER Tor (September 2020) - Band 1/2 - Klappenbroschur, 544 Seiten - 16,99 € [D]
Originaltitel: The Unspoken Name - Übersetzt von Sara Riffel - ab 14 Jahren