Dienstag, 27. Oktober 2020

"Muse of Nightmares: Das Erwachen der Träumerin - Buch 2" von Laini Taylor



Das Thema
Gerade noch war Lazlo der unscheinbare Bibliothekar aus Zosma, der von der vergessenen Stadt Weep träumte. Jetzt hängen die Hoffnungen all ihrer Bewohner an ihm, und Lazlo steht vor einer unmöglichen Entscheidung: Entweder er rettet die Liebe seines Lebens - oder Weep. Sein Gegner ist unberechenbar, und ohne die Hilfe von Sarai kann er ihn nicht bezwingen. Doch ist ihre Liebe stark genug, um alle Hindernisse zu überwinden und Weep endlich zu befreien?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: One Verlag


"Ein Fluggerät", stellte Lazlo fest und schaute von einem Insekt zum anderen. "Das sind beides Fluggeräte."
"Mit Gitterkäfigen", sagte Eril-Fane.
"Für Kinder", vervollständigte Suheyla.
Das Herz der Zitadelle verschlang ihre Atemzüge und verringerte ihre Worte zu einem Wispern, was die Beklemmung nur stärker werden ließ. Mit furchtzerkratzter Stimme flüsterte Sarai: "Und wohin hat man sie gebracht?" - S. 71


Das Leseerlebnis
Es gibt Bücher, bei denen ist man gespannt auf die Fortsetzung und fügt eine weitere Buchreihe der persönlichen Leseliste hinzu. Doch umso näher der Fortsetzungstermin rückt, umso unwichtiger erscheint dieser, haben vielleicht bereits andere Bücher Priorität. Bei "Muse of Nightmares: Das Erwachen der Träumerin" sah die Sache anders aus. Wirklich händeringend und ungeduldig habe ich auf den Abschlussband der Strange the Dreamer-Reihe gewartet, die Geschichte der Vorgängerbände immer im Hinterkopf, die Faszination und Begeisterung ungebrochen. Die Geduld wurde hier zum Glück auf keine harte Probe gestellt, denn alle Bücher erschienen in recht kurzen Abständen. Und jetzt, am Ende des Endes, bin ich total geflasht. Zugegeben, ich habe gar nichts anderes erwartet.

Der Klappentext des Abschlussbandes ist ziemlich allgemein, fast schon banal, gehalten. Sehr gut! Denn jedes Wort zu viel wäre schade, würde der Handlung die Überraschungen vorwegnehmen. Und davon gibt es einige. Der auktoriale/allwissende Erzählstil ist immer spannend zu lesen, aber oftmals nicht ganz einfach. Hier passt er perfekt! Normalerweise finde ich es auch irritierend, wenn mitten in der Handlung neue Personen eingeführt werden, denen dann keine allzu große Bedeutung zufällt. Diese Sorge ist hier unbegründet. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, bei dem jedem noch so kleinen Nebencharakter eine Rolle, eine Bestimmung für die Geschichte, zugewiesen wird. Wie dann alles am Ende zusammenführt, wie Dinge gelöst und verbunden werden, das ist einfach nur großartig und megaspannend. Einiges ist kaum zu glauben, anderes lässt einen fast verzweifeln. Hier liest man tatsächlich mit allen Sinnen.

Mittwoch, 21. Oktober 2020

"Ein Flüstern im Wind" von Greg Howard



Das Thema
Als Riley klein war, erzählte ihm seine Mutter die Geschichte von den Flüsterern: kleinen Wesen, die im Wald leben und gegen einen Tribut Wünsche erfüllen. Inzwischen ist Riley fast elf und hat einen so dringenden und sehnlichen Wunsch, dass er jede erdenkliche Hilfe annehmen würde. Er will seine Mutter zurückhaben, die seit vier Monaten verschwunden ist. Wo sie ist und was mit ihr geschah, das weiß keiner. Auch die Polizei nicht. Also macht Riley sich selbst auf den Weg. Nichts ist ihm wichtiger, und er ist bereit, jedes Opfer zu bringen, wenn er sie nur finden könnte. Vielleicht wissen die Flüsterer, was geschehen ist? Eine abenteuerliche Suche beginnt, an dessen Ende Rileys Welt eine andere ist.

© Klappentext, Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft


Ich schließe die Augen und forme mit den Lippen den Wunsch, der für mich wie ein Gebet geworden ist und den ich jeden Abend aufsage. Dass die Flüsterer mit mir reden. Dass sie mir helfen, Mama zu finden. Wenn sie sämtliche Geheimnisse des Universums kennen, müssen sie auch wissen, wo Mama ist. - S. 46


Das Leseerlebnis
Es gibt Menschen um mich herum, die sehr genau zu wissen scheinen, welche Jugendbücher ich gerne lese. Sie sollen zu Herzen gehen, dürfen gerne eine literarische Note haben, und gegen eine liebevolle, vereinnahmende Geschichte habe ich selten etwas einzuwenden. Und so war "Ein Flüstern im Wind" eine persönliche Buchempfehlung und zwar eine goldrichtige. Greg Howards Debüt hat mich ebenso durchgeschüttelt wie ganz still werden lassen. Ich habe jedes Wort in mich aufgesaugt und gleichzeitig mitgefiebert, mitgerätselt und mitgefühlt. Und jetzt gebe ich die Empfehlung dieses wunderbaren Buches gerne weiter.

In Rileys Familie stimmen einige Dinge nicht. Sein Dad beachtet ihn kaum noch. Riley hat sogar das Gefühl, dass er ihn nicht mehr lieb hat. Außerdem ist sein Bruder nicht gerade freundlich. Riley nimmt an, dass er ihm zu peinlich ist. Und die Großeltern von nebenan? Die leben in ihrer eigenen (Tabletten-)Welt oder flüchten sich in diese. Vielleicht liegt das ganze Verhalten ja an Rileys zwei Problemen, die ihm ständige und große Sorgen bereiten. Und dann ist da noch der Umstand, dass Rileys Mutter verschwunden ist und Riley das Gefühl nicht loswird, dass er dafür verantwortlich gemacht wird. Dabei weiß er selbst nicht mehr richtig, was damals passiert ist. Er weiß nur, dass er seine Mutter finden will. Alle Hoffnung setzt er nun in die Flüsterer, magische Wesen, von denen seine Mutter immer erzählt hat. Ob sie ihm seinen großen Wunsch erfüllen können?

Samstag, 17. Oktober 2020

Buchzugänge vs. Buchabgänge im September 2020

Sechs neue Bücher habe ich im September ins Regal gestellt. Oder, besser gesagt, auf den Schank, zu meinen ungelesenen Büchern gelegt. Ob ich sie später ins Regal stelle, entscheide ich, sobald sie gelesen sind. Ebenfalls habe ich im September sechs Bücher gelesen. Das erschien mir wenig, vielleicht darum, weil ich nicht von jedem hellauf begeistert war und darum oft etwas feststeckte. Macht aber nichts, das kommt immer mal wieder vor. Hier also der Rückblick auf meinen Lesemonat.


Meine Buchzugänge im September - 6 Bücher



Samstag, 10. Oktober 2020

"Feuererwachen" von Rosaria Munda



Das Thema
Annie und Lee waren Kinder, als eine blutige Revolution ihre Welt radikal veränderte. Inzwischen Teenager, nehmen sie beide an einem Auswahlverfahren teil, um Drachenreiter zu werden, obwohl ihre Herkunft unterschiedlicher nicht sein könnte. Annie kommt aus einer Familie von Leibeigenen, die durch das Drachenfeuer des alten Regimes getötet wurde; Lee ist der hochgeborene Sohn eines Drachenherrn, der bei der Revolution einen grausamen Tod fand. In der neuen Ordnung, die auf Leistung anstelle von Herkunft setzt, müssen beide ihren Weg finden. Doch dann droht ein Krieg, denn die alten Drachenherren wollen sich ihre Herrschaft zurückholen - und Annie und Lee werden zu schwerwiegenden Entscheidungen gezwungen ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Arctis Verlag


Für die anderen Wächter sind die Turniere eine Gelegenheit, sich zu beweisen; für mich bedeuten sie noch viel mehr.
Denn Erster Reiter ist ein Titel, auf den ich schon vor der Revolution versessen war. Damit könnte ich all die Anerkennung, Macht und Achtung, die meine Familie innerhalb eines einzigen blutigen Monats verloren hat, als ist acht Jahre alt war, auf einen Schlag zurückerobern.
Erster Reiter. - S. 13


Das Leseerlebnis
Drachenfantasy gehört für mich zur ursprünglichsten Form der Fantasy. Alleine die Vorstellung von einem echten Drachen sorgt für Gänsehaut; und obwohl ich schon sehr geniale und auch weniger überzeugende Romane zu diesem Thema gelesen habe, ziehen mich neue Drachenfantasy-Bücher immer sehr stark an. "Feuererwachen" von Rosaria Munda ist der Starttitel einer Drachenreiter-Trilogie und stand damit sofort auf meiner Leseliste. Und ja, das Buch ist sehr hochwertig geschrieben, politisch umgesetzt und bietet viel Stoff zum Nachdenken ... und am Ende steht dann die Frage, wie sich alles weiterentwickeln wird. So etwas finde ich immer spannend.

Annie und Lee sind nicht nur die Wächter und Drachenreiter des herrschenden Protektors, sie haben auch eine gemeinsame Vergangenheit. Annies Eltern wurden von einem der alten Drachenherren getötet, Lee hat sein Elternhaus verloren, als der Protektor in einer blutigen Revolution die alten Drachenherren besiegte und tötete. Seitdem verspricht er der Bevölkerung ein besseres Leben. Und Annie und Lee sollen ihm dabei helfen. In einem Wettstreit um den Platz des Ersten Reiters, und damit eine mögliche Nachfolge des Protektors, sollen alle Drachenreiter herausfinden, wer sich den Titel verdienen und erkämpfen kann. Als Nachfahren der alten Drachenherren auftauchen, und die Herrschaft zurück wollen, soll Lee sich ihnen anschließen. Nur Annie kennt sein Geheimnis.

Montag, 5. Oktober 2020

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Oktober 2020

Jetzt, Anfang Oktober habe ich die Programme der (Jugendbuch-)Verlag durchstöbert, um herauszufinden, welche buchigen Neuerscheinugen mich besonders interessieren. Neun Bücher habe ich entdeckt, die im Oktober auf meine Wunschliste wandern. Diesmal überwiegt der phantastische Buchanteil. Aber auch ein paar weitere interessante Romane habe ich entdeckt.


Fantasy - Science Fiction - Mystery

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


  

COLDTOWN: Stadt der Unsterblichkeit von Holly Black ... Bei neuen Büchern von Holly Black werde ich immer hellhörig. Was ich bisher von ihr gelesen habe, gefiel mir super. "COLDTOWN" ist ein Vampirroman für ältere Jugendliche, und bevor jetzt viele gähnen, ich werde das Buch auf jeden Fall im Auge behalten. Es ist außerdem ein Einzelroman.
Der Orden des geheimen Baumes: Die Königin von Samantha Shannon ... ist Band 2 der Reihe, und ich habe das Buch auf meiner Wunschliste, weil darauf auch noch Band 1 schlummert. Ich bin mir ganz sicher, dass ich die Bücher noch lesen werde. Vergessen werden sie jedenfalls nicht.
Protect the Prince: Die Splitterkrone 2 von Jennifer Estep ... Der erste Band der Die Splitterkrone-Trilogie hat mir großen Spaß gemacht. Nach dem Ende wollte ich weiterlesen. Mit "Protect the Prince" folgt nun Band 2 und wird darum auch zum Lesemuss.

Freitag, 2. Oktober 2020

"Der letzte Papierkranich: Eine Geschichte aus Hiroshima" von Kerry Drewery



Das Thema
Ichiro und sein bester Freund Hiro überleben den Atombombenabwurf auf Hiroshima. Verwundet und zerrüttet begeben sich die beiden Teenager auf die Suche nach ihren Familien. Schließlich finden sie Keiko, Hiros fünfjährige Schwester. Doch das kleine Mädchen geht in dem Chaos der völlig zerstörten Stadt verloren. Ihr Verbleib und Schicksal lässt Ichiro nicht mehr los, hatte er doch Hiro, kurz bevor dieser starb, versprochen, auf die Kleine aufzupassen. Einige Wochen später kehrt er zurück an den Ort des Grauens und begibt sich auf die Suche nach ihr. Überall hinterlässt er Origami-Papierkraniche mit seiner Adresse - in der Hoffnung, dass Keiko überlebt hat ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Arctis Verlag


Aus dem Augenwinkel sehe ich Hiro, der zum Fenster geht.
"Ein B-29-Bomber", stellt er fest. "Aber nur einer."
Mein Finger liegt auf Seite dreihundertachtundvierzig und markiert das letzte Wort, das ich im "Davor" lesen werde, während ich das deutliche und vertraute Brummen des amerikanischen Flugzeugs höre.
Hiro dreht sich zu mir um. "Da ist irgendwas ..."
Der Rest seines Satzes verbrennt im alles verschlingenden Weiß. - S. 32/33


Das Leseerlebnis
Romane mit geschichtlichem Hintergrund lese ich sehr gerne. Da ist einmal dieser Gedanke der Erinnerung oder des Nicht-Vergessens, aber auch die Neugierde darauf, wie Autor*innen ihre Ideen umsetzten. Wie das geschichtliche Ereignis ins Leseerlebnis passt. Natürlich kenne ich die Hintergründe und Tatsachen des Atombombenabwurfs in Hiroshima. Und natürlich kann ich dann auch davon ausgehen, dass "Der letzte Papierkranich" keine fröhliche Unterhaltung werden wird. Kerry Drewery war es ein großes Anliegen, ihre Geschichte zu erzählen. Das liest man nicht nur im Vorwort, das spürt man mit jeder Zeile. Es geht um Angst, um Schuld und um Liebe - inmitten und nach einer Katastrophe, die durch nichts zu rechtfertigen ist.

Der Klappentext macht schon deutlich, dass dieses Buch sehr zu Herzen gehen könnte ... und das tut es! Er beschreibt die Geschichte aber auch ein kleinwenig einseitig. Die die Erzählart, die Autorin Kerry Drewery gewählt hat, ist weitaus kreativer und umfassender. "Der letzte Papierkranich" startet mit Mizuki, der auffällt, dass ihr Großvater sich immer mehr in sich zurückzieht, dass ihm jegliche Lebensfreude fehlt und er immer traurig oder verärgert wirkt. Erzählen möchte er Mizuki nichts, doch irgendwann gelingt es ihr doch zu ihm durchzudringen und Großvater Ichiro erzählt seine Geschichte ... um sie sich von der Seele zu reden und damit jemand sich immer daran erinnern kann. Jetzt startet die eigentliche Geschichte von Ichiro, der nach der Katastrophe von Hiroshima versprochen hatte, sich um die kleine Schwester seines toten Freundes zu kümmern. Der dieses Versprechen aber nicht halten konnte.