Sonntag, 24. Mai 2020

"The Frost Files: Letzte Hoffnung" von Jackson Ford



Das Thema
Mit ihren psychokinetischen Fähigkeiten ist Teagan Frost das wertvollste Mitglied einer geheimen Einsatzgruppe der US-Regierung. Nicht dass sie viel Wert darauf legt. Wenn es nach ihr ginge, würde sie sich einfach mal zurücklehnen, ein Bier trinken und so tun, als wäre sie ansatzweise normal. Stattdessen schickt die Regierung sie auf geheime Einbruchsmissionen, die für sie keine wirkliche Herausforderung darstellen - bis eines Tages nach einem ihrer Einsätze der Chef einer global agierenden Textilfirma ermordet aufgefunden wird. Über Nacht wird Teagan zur gesuchten Mörderin, und sie bekommt nur 24 Stunden, um ihre Unschuld zu beweisen und den wahren Tätet zu finden. Eine halsbrecherische Jagd quer durch Los Angeles beginnt.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knaur Verlag


Im Nachhinein ist es vielleicht nicht die beste Idee, aus dem Fenster eines Wolkenkratzers zu springen.
Nicht weil ich sterben würde oder so. Das habe ich total unter Kontrolle.
Es war nicht so clever, weil ich Annie Cruz mitnehmen musste. Und wie sich herausstellt, ist Annie sehr laut.
"Teagan", brüllt sie. Ihre Fäuste hämmern auf meinen Rücken, aber ich kann sie durch das Rauschen der Luft kaum hören. "Teagan!"
- S. 5


Das Leseerlebnis
Eine junge Frau, die Dinge mit ihren Gedanken bewegen kann, die also psychokinetische Fähigkeiten hat, und mit ihrem Team auf Verbrecherjagd geht? Na, das klingt doch super. Irgendwie nach einer Mischung aus X-Men und Superheldin und nach viel Potenzial für superspannenden Lesestoff. Und ich glaube, genau das möchte Jackson Ford mit "The Frost Files: Letze Hoffnung" erreichen. Er möchte unterhalten und auch ein bisschen verwirren. Und er hat eine Heldin erschaffen, die so interessant ist, dass man am Ende mehr von ihr lesen möchte.

Teagan Frost hat Superheldenkräfte und ist damit einzigartig auf der Welt. Sie ist eine Psychokinetin, kann Gegenstände alleine mit Hilfe ihrer Gedanken bewegen. Wie sie zu diesen Kräften kam, das weiß man als Leser*in noch nicht sofort, das ist ein Bestandteil der Charaktervorstellung oder - entwicklung. Durch ihre Fähigkeiten ist Teagan das wertvollste Mitglied ihres Teams, das von einer geheimen Regierungsorganisation dazu eingesetzt wird, Verbrecher zu jagen. Allerdings hilft das Einsatzteam nur dabei, Beweise zu beschaffen. Morde sind nicht vorgesehen. Dadurch gehört Teagan zu "den Guten", obwohl ihr Team im Geheimen agiert. Als jedoch nach einem dieser Einsätze der Chef einer großen Firma tot aufgefunden wird, mit einer Stahlstange um den Hals gewickelt, wird Teagan des Mordes bezichtigt. Denn nur sie ist fähig, einen Menschen auf diese Art umzubringen. Teagan und ihr Team haben nur eine Tag zeit, den Mord aufzuklären und herauszufinden, wer ihr die Schuld in die die Schuhe schieben möchte.

Jetzt mal ehrlich, in "The Frost Files: Letzte Hoffnung" stecken fast alle Klischees, die auch in einem Actionfilm zu finden sind: eine Heldin mit besonderen Fähigkeit, eine geheime Regierungsorganisation, ein untergeschobener Mord, ein Ultimatum ... und so weiter und so fort. Die Liste ließe sich sicher noch ergänzen. Auf mich wirkte das manchmal etwas plump. Und obwohl viel Action im Buch steckt, gibt es Stellen, die sich in die Länge ziehen. Aber generell funktioniert die Story eben doch gut. Sie sorgt mit viel Spannung, teilweise schonungslosen Szenen, einem authentischen Los-Angeles-Schauplatz und vielschichtigen Charakteren dafür, dass Leser*innen am Ball bleiben. Außerdem gefiel mit die rotzige und freche Darstellung der Geschichte, die Teagan als Hauptprotagonistin nochmals in den Vordergrund rückt.

Meistens wird die Geschichte von Teagan in der Ich-Form erzählt. Es gibt aber auch Kapitel, die aus der Sicht eines zusätzlichen Charakters erzählt werden. Damit weiß man als Leser*in immer ein bisschen mehr als Teagan, bzw. ihr Team. Und obwohl man meint, jederzeit einen ziemlich guten Überblick zu haben, gelang des dem Buch doch, mich mit einer Wendung gegen Ende zu überraschen. Grundsätzlich hatte ich Spaß mit der Geschichte, obwohl sie für mich keine allzu deutliches Alleinstellungsmerkmal hatte. Sie unterhält gut. Man könnte das Buch sogar als abgeschlossenen Roman lesen, wäre nicht das letzte Kapitel, mit dem ein neues Problem beginnt, das einen weiteren Handlungsstrang ankündigt.

Das Fazit
"The Frost Files: Letzte Hoffnung" liest sich wie eine Mischung aus Action- und Superheldenfilm. Und lässt damit (fast) kein Klischee aus, das man aus ähnlichen Büchern oder Filmen bereits kennt. Ich denke, der Roman hat den Anspruch zu unterhalten und am Ball zu bleiben, und das gelingt ihm durch eine hitzig-freche Teagan Frost, ihre Hintergrundgeschichte, und den realistischen und schonungslosen Schauplatz Los Angeles ziemlich gut. Das Buch lässt sich abgeschlossen lesen, bis auf das letzte Kapitel. Danach möchte man natürlich wissen, wie es weitergeht. 3,5 von 5 Sterne gibt es von mir.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Knaur Verlag (April 2020) - Band 1/3? - Klappenbroschur, 480 Seiten - 16,99 € [D]
Originaltitel: The Girl Who Could Move Sh*t With Her Mind - Übersetzt von Christoph Hardebusch