Sonntag, 10. Mai 2020

5 (Bücher) vom SuB #7


2019 startete ich eine Challenge. Ich hatte mir vorgenommen, endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff zu nehmen, bzw. abzubauen. Das motivierte mich stark und machte so großen Spaß, dass ich die Aktion 2020 fortführe. Mir ist diese Sache wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine damals rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschten, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der letzte Beitrag dazu war 5 (Bücher) vom SuB #6. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Jetzt folgt die #7 der Aktion ...


All the strangest things are true von April Genevieve Tucholke
Midnight ist fasziniert von Poppy. Poppy, die gemein ist und berechnend und andere wie Marionetten nach ihrem Willen tanzen lässt. Das weiß Midnight auch, und so ist er froh, ans andere Ende der Stadt zu ziehen, weit weg von Poppy. Dafür lernt er Wink kennen, das Mädchen vom gegenüberliegenden Farmhaus der berüchtigten Familie Bell. Wink ist verträumt, zurückhaltend und mysteriös, nicht ganz von dieser Welt. Aber gleichzeitig so echt, dass sie Midnight Halt gibt. Doch was passiert wirklich hier? Jemand weiß es.

"All the strangest things are true" ist wohl eines der seltsamsten Jugendbücher, die ich je gelesen haben. Alleine die Namen. Und dann dieses nagende Gefühl beim Lesen. Seltsam und faszinierend. So stark, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Manchmal auch beängstigend, toxisch und mysteriös. Am Ende wartet ein Twist, der nicht so einfach nachzuvollziehen ist, der einiges an Überlegungen benötigt. Die Verknüpfungen von Geschichten in der Geschichte bedeutet viel Kopfarbeit. Das Buch lässt mich etwas verstört zurück, ich weiß nicht, ob ich damit richtig glücklich bin ... jedoch ist da auch dieses leise Anklopfen in mir, dass es irgendwie großartig war.


Emma, der Faun und das vergessene Buch von Mechthild Gläser
Weil ihr Vater der Schulleiter ist, besucht Emma ein sehr exklusives Internat - Schloss Stolzenburg. Als Emma mit ihren Freundinnen die alte Bibliothek entmüllt und aufräumt, um dort einen Aufenthaltsraum und Literaturclub zu gründen, findet sie in einem Geheimfach ein altes Buch. Dies stellt sich als eine Art Internatschronik heraus. Doch nicht nur, denn alles, was in die Chronik geschrieben wird, wird wahr. Begeistert nützt Emma das zuerst aus, um Dinge zu "verbessern", dann kommt sie einem alten Geheimnis auf die Spur. Und der Erkenntnis, dass die Chronik zwar nützlich, aber ebenso gefährlich sein kann.

"Emma, der Faun und das vergesse Buch" ist Jugendliteratur wie ich sie mag - charmant, witzig und spannend. Es ist ein Buch, dass man mit einem Haps verschlingen mag, weil man mit dem Lesen gar nicht aufhören kann. Und ich war andauernd am Grinsen. Die Handlung ist herrlich charmant und vor allem amüsant. Es gibt eine kleine Lovestory, diese nimmt aber nicht den Hauptteil der Handlung ein und passt sehr gut. Zwecks Auflösung gelingt es Mechthild Gläser dann auch tatsächlich, ihre Leser*innen mit Spekulationen hinzuhalten. Am Ende kommt dann noch eine Art kurzes Zwischenspiel, dass das Buch rund abschließt. Gefiel mir sehr!


Viel näher als zu nah von Angela Kirchner
Aufreißer und Mädchenschwarm Lucas lernt auf einer Party Fey kennen. Das Mädchen mit den bunten Haaren ist schlagfertig und lustig. Erstaunlicherweise ist Lucas fasziniert von ihr. Als sein Kumpel Ben die Party vorzeitig verlassen will, ist Lucas entsprechend angepisst. Auf der Heimfahrt auf ihren Motorrädern fordert Lucas Ben zu einem Rennen heraus, als Revanche sozusagen. Das Rennen endet mit einem Unfall, die Folgen für Lucas sind fatal. Denn außer ihm selbst, sind auch noch zwei Mädchen darin verwickelt.

Rein optisch ist "Viel näher als zu nah" schon mal ein halber Hauptgewinn. Das Buch gehört zu den schönsten, den am besondersten gestalteten Romanen, die ich jemals in der Hand hatte. Dieser glänzende Tiefdruck in Pappe, so toll! Man muss das live sehen. Ich weiß nicht genau, was ich vom Inhalt erwartete, jedenfalls fand ich ihn so gut, dass das Buch damit für mich zum vollständigen Hauptgewinn wurde. Vereinfacht könnte man die Geschichte als 'Lovestory mit Hindernissen' bezeichnen. Doch es steckt mehr dahinter. Die Story ist cool und lustig und pfiffig, das Thema jedoch mit Tiefsinn und viel Schmerz verbunden. Dazu noch äußerst kurzweilig. Viel zu schnell war das Buch zu Ende. Ich fand's super!


Wie das Licht von einem erloschenen Stern von Nicole Boyle Rødtnes
Vega ist bei einer Party gestolpert, in ein Schwimmbecken gestürzt und mit dem Kopf aufgeschlagen. Seitdem hat sie Aphasie, d. h. ihr Sprachzentrum im Gehirn ist geschädigt, sie kann kaum noch sprechen und schreiben, nur noch sehr schwer und mühsam lesen. Obwohl Vega Freunde und eine Familie hat, die zu ihr halten (nicht ohne Probleme natürlich) und ein spezielles Sprachtraining bekommt, macht sie nur langsame Fortschritte, fühlt sie sich unverstanden und einsam. Und dann nagt da noch das Gefühl in ihr, dass der Sturz ins Schwimmbecken kein Unfall war, sondern dass sie gestoßen wurde.

"Wie das Licht von einem erloschenen Stern" war ein schönes Lesen. Kratzig manchmal und sehr natürlich, aber genau so sollten diese Art von Geschichten sein. Das macht sie authentisch. Vegas Suche nach der Wahrheit, dem Umstand, dass ihr Sturz vielleicht in Wirklichkeit kein Unfall war, bringt einiges an Spannung in die Geschichte. Die Auflösung berührt und beeindruckt auf ganz eigenen Weise. Vagas Entwicklung gefiel mir super, ebenso die Lovestory, die im Buch enthalten war. Wirklich gut.


Das Kind der Stürme von Juliet Marillier
Fainne wächst abgeschieden auf und wird von ihrem Vater als Zauberin ausgebildet. Irgendwann beschließt er, dass es an der Zeit ist, Fainne nach Sevenwaters zu ihren Verwandten zu schicken. Diese hätten eine Schuld zu begleichen, die Fainne nun einfordern soll. Für ihren Aufenthalt bei der adligen Familie wird Fainne von ihrer Großmutter, Lady Oonagh, ausgebildet und unterrichtet. Die Erzfeindin der Familie von Sevenwaters ist eine mächtige Zauberin und sieht nun eine erneute Chance, die Familie vollständig zu vernichten. Und Fainne soll ihr Werkzeug sein.

Die Sevenwaters-Sage (es gibt vier Bände, die auf Deutsch übersetzt wurden) gehört zu den schönsten Leseerlebnissen für mich. Das gilt auch für "Das Kinder der Stürme", Band 3 der Reihe. Allerdings benötigte ich dafür auch etwas Durchhaltevermögen, denn es gibt Stellen in der umfangreichen Geschichte, die sich ganz schön ziehen, sehr aufwändig und komplex beschrieben sind. Außerdem gehört die Protagonistin Fainne zu den weniger sympathischen der Reihe. Obwohl jeder Band eine eigene Hauptprotagonistin der Sevenwaters-Familie thematisiert, theoretisch also auch unabhängig voneinander gelesen werden kann, finde ich, dass man bei den Büchern unbedingt die Reihenfolge einhalten sollte, denn die Familienstrukturen sind wichtig für ein wunderbares, mythisches und spannendes Lesen. Am Ende war ich wieder einmal sehr glücklich mit der Geschichte. Band 4, der nicht mehr als Taschenbuch zu bekommen ist, wartet schon als E-Book auf mich.