Donnerstag, 30. April 2020

"Bloom: Die Apokalypse beginnt in deinem Garten" von Kenneth Oppel



Das Thema
Nach einem starken Regenfall taucht überall schwarzes Gras auf, dessen Herkunft sich niemand erklären kann. Schnell überwuchert es Felder und ganze Städte überall auf der Welt. Die Menschen leiden unter heftigen Allergien, die Nahrungsmittelversorgung ist bedroht und schließlich greift das Gras Menschen direkt an. Zur gleichen Zeit entdecken drei Jugendliche, dass gerade sie seit Beginn des Horrors ihre Allergien losgeworden sind - und ungeahnte Kräfte entwickeln. Gibt es einen Zusammenhang zwischen ihnen und dem schwarzen Gras?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Beltz & Gelberg


Zuerst dachte sie, jemand hätte einfach einen Stock in die Erde gerammt. Doch als sie näher trat, sah sie, dass ein etwa dreißig Zentimeter großer schwarzer Schössling aus dem matschigen Boden gewachsen war. [...]
Dieses Ding war am Morgen noch nicht da gewesen. Es wäre ihr bestimmt aufgefallen.
Was bedeutete, dass es innerhalb weniger Stunden um die dreißig Zentimeter gewachsen war.
Auf der toten Stelle, wo sonst nichts wuchs.
- S. 27


Das Leseerlebnis
"Bloom: Die Apokalypse beginnt in deinem Garten" sprang mir alleine wegen des Covers sofort ins Auge. Es ist anders und auffällig, auch ein bisschen beklemmend. Und dann das Thema: Schwarzes Gras, das plötzlich überall auf der Erde auftaucht, und dessen Herkunft sich niemand erklären kann. Das, und die Tatsache, dass ich bisher noch kein Buch von Kenneth Oppel gelesen hatte, reichte. Ich wollte dieses Buch lesen. Unbedingt. Auch wenn ich nicht mit Sicherheit sagen kann, was ich von der Geschichte erwartete, war sie eines der spannendsten Leseerlebnisse für junge Leser*innen, die ich in letzter Zeit hatte. Dazu ziemlich aktuell und völlig abgefahren. Meinem 12-jährigen Sohn, den ich hier mal als kleinen Lesemuffel beschreibe, erging es genau gleich. Er fragt mich immer wieder, ob und wann ein nächster Reihenband erscheint.

Während um sie herum die Dinge relativ normal verlaufen, haben drei Jugendliche aus Kanada mit besonderen Belastungen zu kämpfen. Das sind vordergründig starke und einschränkende Allergien, aber auch das Gefühl anders zu sein, nirgends richtig dazuzugehören. Dann taucht eines Tages überall schwarzes Gras auf. Es wächst und überwuchert alles, breitet sich so rasant auf der ganzen Welt aus, dass die Menschen ihm bald nichts mehr entgegensetzen können. Außerdem reagieren alle Menschen darauf hochgradig allergisch. Außer die drei Jugendlichen. Ihre Allergien werden besser, verschwinden sogar ganz. Und noch etwas ist seltsam. Die Jugendlichen bemerken Veränderungen an ihren Körpern, die völlig unmöglich erscheinen.

Das klingt ein bisschen nach einem Thriller mit Horrorszenario, gemixt mit einer Science-Fiction-Geschichte. Ich denke, diese Beschreibung trifft auf "Bloom" ziemlich gut zu. Anfangs hatte ich jedoch keine Ahnung, was da noch alles während des Lesens auf mich zukommen würde.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der drei jungendlichen Hauptprotagonist*innen Anaya, Petra und Seth. In jedem Kapitel lässt der Autor alle drei zu Wort kommen. Es gibt Charaktere, die mir besser gefallen, die besser ausgearbeitet sind. Doch hier liegt der Fokus eindeutig auf den Ereignissen und der Spannung. Und dazu passen die drei Protagonisten gut.

Das Buch ist überaus nervenaufreibend geschrieben und so voller Action und Kuriositäten, dass man es nicht aus der Hand legen möchte. Dazu kommt eine große Portion spannender Grusel. Die Entwicklung der Geschichte wird immer sonderbarer und abgefahrener. Man liest sie wie einen Film. Ich bin mir sicher, dass einiger Leser*innen hier etwas vor den Kopf gestoßen werden, aus dem einfachen Grund, weil die Szenen, die man hier serviert bekommt, kaum zu fassen sind. Vielleicht ist die Ausführung tatsächlich etwas oben drüber, zu viel des Guten. Ich wurde jedoch so stark mitgerissen, ebenso mein Sohn, der mit seinen 12 Jahren zur Zielgruppen gehört, dass ich die Story als genau richtig empfand. Man könnte das Buch abgeschlossen lesen. Am Ende erfolgt jedoch eine Art Überleitung zum nächsten Band. Und ich kann jetzt schon sagen, es bleibt aufregend und spannend.

Das Fazit
Bei "Bloom: Die Apokalypse beginnt in deinem Garten" ging ich zuerst von einem Einzeltitel aus. Aber wenn es hier nicht weitergeht, bleibt man als Leser*in ganz schön im Regen stehen (und das möchte nach den letzten Zeilen niemand!). "Bloom" gehört zu den wohl spannendsten Jugendbüchern überhaupt. Mit einer sehr actionreichen und skurrilen Geschichte reißt das Buch nicht nur völlig mit, es wird sicherlich auch polarisieren. Mir gefiel's! Ich fand es zudem sehr aktuell und will wissen, was da noch alles nachkommt. 4 von 5 Sterne vergebe ich.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Beltz & Gelberg (März 2020) - Band 1/3 - Hardcover, 345 Seiten - 16,95 € [D]
Originaltitel: Bloom - Übersetzt von Inge Wehrmann - ab 12 Jahren