Samstag, 21. März 2020

"Der Fall der verhängnisvollen Blumen: Ein Enola-Holmes-Krimi" von Nancy Springer



Das Thema
Dr. Watson, Sherlock Holmes’ Rechte Hand, ist verschwunden. Der Meisterdetektiv ist ratlos. Enola, die den freundlichen Dr. Watson mag, möchte der trauernden Ehefrau helfen. Doch sie zögert - Ermittlungen im unmittelbaren Umfeld ihres Bruders könnten ihre Freiheit gefährden, denn wenn sie entdeckt wird, werden ihre Brüder Mycroft und Sherlock sie sicher ins Internat schicken. Als sie aber einen geheimnisvollen Blumenstrauß in Dr. Watsons Haus bemerkt, dessen Blüten allesamt den Tod symbolisieren, muss sie schnell handeln. Denn offenbar steht Dr. Watsons Leben auf dem Spiel. Sie schlüpft in ihre bisher anspruchsvollste Verkleidung und macht sich auf die Suche. Kann sie Dr. Watson rechtzeitig aufspüren? Und was haben die beiden seltsamen Schwestern mit dem Verschwinden des Doktors zu tun?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knesebeck Verlag


"Man bemüht sich herauszufinden", bedeutete, dass die Polizei noch nicht ermittelte. Sonst hätte die Zeitung den verantwortlichen Inspektor namentlich genannt. Nein, zu diesem Zeitpunkt waren die Einzigen, die Dr. Watson wirklich aufspüren wollten, nur zwei: seine Frau und sein Freund, mein Bruder Sherlock Holmes.
Und ab sofort eine mehr: ich.
- S. 20


Das Leseerlebnis
Krimis für junger Leser*innen fallen seit einiger Zeit besonders stark in mein Lesebeuteschema. Sie sind meistens spannend und raffiniert, und sie besitzen einen Charme, der Kriminalromanen für Erwachsene oftmals abhanden gekommen ist. Spannung und Raffinesse treffen auch auf die Enola Holmes-Krimireihe zu, die seit dem ersten Band einen Platz auf meiner Leseliste hat. So auch "Der Fall der verhängnisvollen Blumen", der dritte Band der Serie. Das Buch spielt Ende des 19. Jahrhunderts, und auch hier ermittelt Enola, die junge Schwester des berühmten Detektivs Sherlock Holmes, alleine und auf sich selbst gestellt, in einem düsteren und gefährlichen London.

Nach wie vor wohnt Enola alleine in London. Sie vermisst ihre Mutter, wegen deren Verschwinden sie nach London aufbrach, jedoch ist das nun zweitrangig, weil Enola sich ganz ihrer Berufung als Perditorin und Privatermittlerin widmet: sie bemüht sich, Verlorenes wiederzufinden, Dinge und Menschen auszuspüren.
Bei ihrem letzten Fall kam Enola ihrem berühmten Bruder Sherlock gefährlich nahe. Zwar hätte sie zu ihm gerne Kontakt, hat aber immer noch Angst, dass er sie in ein Erziehungsheim steckt, sobald er sie in London aufspürt. Während Enola sich einen neuen Decknamen überlegt, der alte ist ihrem Bruder nun bekannt, sieht sie die Schlagzeile einer Zeitung. Der Kollege von Sherlock Holmes, Dr. Watson, ist auf mysteriöse Weise verschwunden. Enola kann nicht anders, sie geht der Sache nach.

Wieder einmal fiel mir auf, wie hochwertig und sorgfältig "Der Fall der verhängnisvollen Blumen" geschrieben, bzw. übersetzt wurde. Stil und Wortwahl sind exquisite, angepasst an die Weltanschauung und die Ausdrucksweise gebildeter Personen im 19. Jahrhundert. Eine Geschichte auf diese Weise zu lesen, macht mir großen Spaß, jedoch frage ich mich, ob junge, etwa 12-jährige Leser*innen, mit der gewählten Sprache überfordert sein könnten. Vielleicht unterschätze ich sie aber auch total und sie empfinden die Erzählform als ebenso besonders wie ich.

Auf etwas über 170 Seiten, löst Enola auch diesmal einen kniffeligen Fall. Ich hatte das Gefühl, dass es etwas ruhiger und überschaubarer zuging, als in den Vorgängerbänden. Spannend wurde es trotzdem, und es macht immer wieder Spaß, Enolas Rätselraten und Ermittlungen zu folgen. Auch ihre charakterliche Entwicklung schreitet voran. Ich bin gespannt, ob sie noch echten Kontakt zu ihrem Bruder Sherlock bekommen wird. Somit werden die Folgebände von mir herbeigesehnt. "Der Fall der verhängnisvollen Blumen" ist am Ende abgeschlossen, wie jeder von Enolas Ermittlungsfällen. Jedoch empfiehlt es sich unbedingt, die Bücher in Reihenfolge zu lesen. Sie bauen aufeinander auf.

Das Fazit
"Der Fall der verhängnisvollen Blumen" ist der dritte Ermittlungsfall im Rahmen der Enola Holmes-Krimireihe. Enola ermittelt alleine und in einem recht schonungslosen und zuweilen erschütternden London des 19. Jahrhunderts, immer versteckt vor ihrem älteren Bruder, dem Detektiv Sherlock Holmes. Das Buch zeichnet sich durch einen hochwertigen Erzählstil, viel Raffinesse und den humorvollen Charme der jungen Hauptprotagonistin aus. Man fühlt sich ab Beginn so stark mit Enola verbunden, dass jeder weitere Band der Reihe zu einem Lesemuss wird. 4 von 5 Sterne vergebe ich für den 3. Reihenband.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Knesebeck Verlag (Februar 2020) - Band 3/6 - Hardcover, 176 Seiten - 15,00 € [D]
Originaltitel: The Case of the Bizarre Bouquets: An Enola Holmes Mystery - Übersetzt von Nadine Mannchen - ab 12 Jahren



Reiheninfo Enola Holmes-Serie:

Band 3 - Der Fall der verhängnisvollen Blumen