Dienstag, 17. März 2020

"Das neunte Haus" von Leigh Bardugo



Das Thema
Acht mächtige Studenten-Verbindungen beherrschen nicht nur den Campus der Elite-Universität Yale, sondern nehmen seit Generationen Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der USA - das neunte Haus jedoch überwacht die Einhaltung der Regeln. Denn die Macht der Verbindungen beruht auf uralter, dunkler Magie [...].

Als auf dem Campus von Yale eine Studentin brutal ermordet wird, sind die Fähigkeiten der Außenseiterin Alex Stern gefragt, die eben erst vom neunten Haus rekrutiert wurde: Nur Alex ist es auch ohne den Einsatz gefährlicher Magie möglich, die Geister der Toten zu sehen. Um eine Verschwörung aufzudecken, die weit über 100 Jahre zurückreicht, muss Alex ihre Fähigkeiten bis aufs Äußerste ausreizen.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knaur Verlag


"Wo warst du?", rief sie. "Ihr weisen Männer von Lethe mit euren Sprüchen und der Kreide und den Büchern? Wo wart ihr, als die Toten mir nach Hause nachkamen? Als sie in mein Klassenzimmer stürmten? Mein Schlafzimmer? Meine verdammte Badewanne? Sandow sagte, ihr hättet mich seit Jahren beobachtet, seit ich ein Kind war. Und es hätte nicht einer von euch mir sagen können, wie ich sie loswerde? Dass man nur ein paar magische Worte braucht, um sie wegzuschicken?
"Sie sind harmlos. Es sind nur die Rituale, die sie -"
Alex packte Darlingtons Glas und warf es so heftig gegen die Wand, dass Glassplitter und Rotwein umherspritzten. "Sie sind nicht harmlos. [...] Du hast keine Ahnung, was sie tun können."
- S. 137/138


Das Leseerlebnis
Dass Leigh Bardugo Bücher schreibt, die genau meins sind, hat sie mir schon hinreichend bewiesen. Ich habe alle ihre High-Fantasy-Titel gelesen. Sie begeisterten mich enorm und gehören wohl dauerhaft zu den liebsten Büchern in meinem Regal. Mit "Das neunte Haus" widmet sich die Autorin erstmals dem Urban-Fantasy-Genre und mischt noch kräftig Thriller- und Dark-Fantasy-Elemente unter ihre Story. Das Buch zu lesen war für mich keine Frage. Es war eine der am meisten herbeigesehnten Neuerscheinungen für Anfang 2020. Und während ich ab der ersten Seite völlig gefesselt durch das Buch gerauscht bin, musste ich meine Gedanken am Ende erst mal sortieren. Jetzt stellt sich mir vor allem die Frage: Wann geht die Geschichte weiter?

An der Elite-Universität Yale gibt es Studentenverbindungen, sogenannte Häuser, denen seit Generationen große Macht und Bedeutung zugemessen wird. Diese acht Häuser wirken Magie, sie treffen zum Beispiel Voraussagungen, wirken Beschwörungen oder erschaffen Portale. Damit beeinflussen die Häuser Entscheidungen und bringen Politiker und bedeutsame Persönlichkeiten hervor. Und dann gibt es noch ein neuntes Haus - Lethe -, das die Einhaltung der Regeln überwacht und für Schutzmaßnahmen sorgt. Eine Art Oberaufsicht für die anderen acht Häuser.
Alex Stern wurde von Lethe angeworben, weil sie ohne den Einsatz von Magie Geister sehen kann. Angelernt und ausgebildet wird sie von ihrem Mentor Darlington. Als auf dem Campus ein Mord geschieht, wird Alex in einen Strudel aus Verschwörungen gezogen.

Man muss schon ziemlich genau und konzentriert lesen, um ab Beginn einen Blick für die Handlung zu bekommen. Diese ist nämlich herrlich komplex, und die Autorin streut Informationen nur nach und nach. Mit Rückblenden und bedeutungsvollen Situationen kann man sich dann mit der Zeit ein Bild, einen guten Überblick, zusammensetzen. Das Buch ist stellenweise sehr hart und unberechenbar, richtig gruselig. Manchmal war ich richtig geschockt, wurde von der Atmosphäre und einer soghaften Spannung ständig mitgerissen. Lange Zeit war ich so begeistert, dass "Das neunte Haus" einer Höchstwertung entgegenraste.
Hauptprotagonistin Alex ist ein sehr kantiger Außenseitercharakter mit äußerst problematischem Hintergrund. Als Person wird sie niemals beschönigt und entspricht keinem Klischee. Das machte sie für mich sehr authentisch. Was sie erleben und einstecken muss ist physisch und psychisch sehr schmerzhaft und erschreckend. Auch die Dynamik und Entwicklung zwischen Alex und ihrem Mentor Darlington gefielen mir super. Generell sind die Dialoge innerhalb der Geschichte einfach nur super, deren Übersetzung ist perfekt.

Die Haupthandlung sollte die Aufklärung des Mordes sein, der auf dem Campus verübt wurde. Denn damit deckt Alex eine Verschwörung auf. Hier einem roten Faden zu folgen ist jedoch gar nicht so leicht. Massenhaft Nebenhandlungen, mit vielen Rückblenden, versetzten Zeitebenen und Ereignissen während Alex' "Arbeit", lassen den Mordfall oftmals fast schon nebensächlich werden. Es gab bis zuletzt eine Sache, zu der ich gerne mehr Infos gehabt hätte. So musste ich mir meinen Teil denken. Gegen Ende wird es sehr phantastisch, was ich so nicht erwartet hatte, vor allem nicht die Richtung, die der Roman nun einschlägt. Es bleibt spannend! Wer mit einem relativ offenen Ende leben kann, kann den Roman als Einzelband lesen. Die Geschichte, bzw. ein neuer Abschnitt, wird jedoch fortgesetzt.

Das Fazit
Obwohl "Das neunte Haus" völlig anders ist als Leigh Bardugos sonstige Romane, konnte ich mich der soghaften Spannung nicht entziehen ... und wollte es auch nicht, denn die Geschichte ist einfach nur mitreißend. Sehr hart, sehr düster, sehr gruselig-erschreckend, ziemlich anders und, aufgrund vieler Rückblenden und verschiedener Zeitebenen, komplex. Das finde ich super! Die Charaktere, ihre Rollen und die Dynamik, die sie untereinander entwickeln, sind beispielhaft - so macht das Spaß. Es gab kleine Momente, da hatte ich das Gefühl, etwas weniger Handlung wäre mehr gewesen oder ich hätte deutlichere Infos bevorzugt. Das kann sich aber noch ändern, denn es folgt ein zweiter Teil. Und den kann ich kaum erwarten! 4 von 5 Sterne vergebe ich.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


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Originaltitel: Ninth House - Übersetzt von Michelle Gyo