Donnerstag, 6. Februar 2020

"Die Liebesbriefe von Montmartre" von Nicolas Barreau



Das Thema
Nach dem Tod seiner Frau Hélène ist Julien untröstlich. Der Autor von romantischen Komödien und Vater eines kleinen Sohns fühlt sich vom Schicksal betrogen und sieht keinen Sinn mehr im Leben. Nur widerwillig erfüllt er den allerletzten Wunsch seiner Frau: Er soll ihr 33 Briefe schreiben, einen für jedes Lebensjahr, und sie auf den Friedhof von Montmartre bringen. In einem kleinen Geheimfach im Sockel der Engelsstatue, die Hélènes Grab schmückt, deponiert er die Umschläge - bis der kleine Stapel eines Tages plötzlich verschwunden ist. Stattdessen findet er mysteriöse Gegenstände. Auf jeden Brief, den er nun schreibt, erfolgt eine "Antwort". Hoffnung und Liebe kehren zurück in das Leben dieses unglücklichen Mannes und seines Sohnes.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Piper Verlag


Ich blieb zurück mit unserem kleinen Sohn, mit einem tonnenschweren Herzen, einem nicht eigelösten Versprechen und einem Bankkonto, das allmählich dahinschmolz. Es war März, ich hatte seit einem Jahr keine Zeile mehr geschrieben, von meinem neuen Roman gab es ganze fünfzig Seiten, und nun stand - verständlicherweise - mein Verleger vor der Tür und wollte wissen, wie es weiterging. - S. 22


Das Leseerlebnis
Ich bin mir sicher, dass fast jeder*m Vielleser*in schon mal ein Buch von Nicolas Barreau über den Weg lief. Diese sind nämlich ziemlich bekannt und beliebt und darum auch mir ein Begriff. Das Problem dabei ist, ich hatte noch kein einziges Buch von Nicolas Barreau gelesen ... bis ich über "Die Liebesbriefe von Montmartre" stolperte. Damit war es an der Zeit, denn die Geschichte klang für mich herzlich und liebenswert. Und getreu dem Klappentext-Motto Wenn aus etwas zutiefst Traurigem etwas Wunderschönes wird, hat mir die Geschichte auch wirklich gut gefallen. Auch wenn ich persönlich bei allzu zuckerigen Liebesgeschichten kritisch bleibe, können auch diese für zwischendurch bereichernd sein und schöne Lesestunden mit sich bringen. Ich empfinde "Die Liebesbriefe von Montmartre" als lesenswert, zum Wohlfühlen, und wurde von der freundlichen und gefühlvollen Art der Geschichte mitgerissen.

Julien hat seiner Frau Hélène versprochen, ihr nach deren Tod dreiunddreißig Briefe zu schreiben. Jetzt ist Hélène seit bald sechs Monaten verstorben, und Julien hat noch keinen einzigen der versprochenen Briefe geschrieben. Er ist tieftraurig, kann sich kaum dazu aufraffen und sieht außerdem wenig Sinn darin, Briefe an eine Tote zu schreiben. Doch versprochen ist versprochen und so beginnt Julien mit den Briefen, schreibt sich mit ihnen Trauer und Schmerz von der Seele und schwelgt außerdem in Erinnerungen an die gemeinsame Zeit. Die Briefe hinterlässt er verschlossen am Grab von Hélène. Doch eines Tages sind alle verschwunden, stattdessen erwartet ihn ein kleines "Geschenk". Dies wiederholt sich bei jedem Brief, den Julien zum Grab bringt. Zuerst kann er es kaum glauben, und dann schöpft er Hoffnung ...

Die vorliegende Buchidee, Briefe an eine*n Verstorbene*n zu schreiben, ist für mich nicht neu ... und sie ist trotzdem bewegend. Es ist schnell klar, warum sich Juliens schwerkranke Frau von ihrem Mann dieses Versprechen geben ließ: Sie möchte, selbst im Tod, dazu beitragen, dass Julien ausreichend verarbeiten und trauern kann, neuen Lebensmut findet. Das gilt natürlich auch für deren kleinen Sohn. Die Familie wuchs mir schnell ans Herz. Ihr Umgang miteinander ist geprägt von einem liebevollen Umgang miteinander, Freundlichkeit, und einem feinen Humor noch dazu. Zu was diese Briefe dann führen, das konnte Hélène vor ihrem Tod natürlich nicht ahnen. Doch ich denke, es wäre ganz in ihrem Sinne gewesen.

Auf dem Weg zum Happy End für Julien, oder besser, einem hoffnungsvollen Neuanfang (ja, ich denke, dass kann man bei einer Liebesgeschichte dieser Art vorwegnehmen) sorgt Barreau für allerlei Hinweise und Verwirrungen. Das ist gut gemacht, kommt aber ohne große Überraschungen aus. Das beschriebene Pariser Flair rückt die Geschichte in ein perfektes Licht. Man wünscht sich selbst, diese Stadt zu erkunden. Manche gut gemeinte Lebensweisheit oder Liebesbezeugung innerhalb der Geschichte driftet für mich dann allerdings in Richtung pathetischer Kitsch, ist aber nicht so abgehoben, dass es mich groß gestört hätte. Hier passt es ganz gut.

Das Fazit
Für mich war es der erste Roman, doch viele Leser*innen kennen die (Paris-)Romane von Nicolas Barreau und schätzen sie aufgrund der gefühlvollen Geschichten, der Herzlichkeit und stimmungsvollen Details. Ich kann sie verstehen. "Die Liebesbriefe von Montmartre" berührt mit einer feinfühligen Liebesgeschichte, bei der aus Schmerz und Trauer etwas hoffnungsvoll Gutes entsteht. Ich habe mich damit sehr wohl gefühlt, und kam sogar mit etwas Pathos zurecht. 4 von 5 Sterne vergebe ich.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Piper Verlag (November 2019) - Taschenbuch, 336 Seiten - 10,00 € [D]