Mittwoch, 16. September 2020

"Fanny Cloutier: Das Jahr, in dem mein Leben einen Kopfstand machte" von Stéphanie Lapointe



Das Thema
Ich heiße Fanny Cloutier, bin 14, fast 15 Jahre alt - na ja, noch nicht ganz, aber gut. Die zwei Dinge, die ich am besten kann, sind Zeichnen und die exzentrischen Launen meines Dads ertragen (ja, ertragen!). Oh, Moment, mit wem spreche ich hier überhaupt? Wenn du diese Zeilen liest, ist mit meinem Tagebuch vermutlich folgendes passiert:

A) Ich habe es in der U-Bahn liegenlassen (okay, okay, ich fahre nie mit der U-Bahn …)
B) Schlimmer: Es ist mir aus der Tasche gerutscht, direkt vor dem Eingang der Schule (OMG, bitte nicht!)
C) Eine Katastrophe von unglaublichem Ausmaß: Du bist mein Dad!

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag


Ich hoffe, du bist nicht enttäuscht, Tagebuch (wie schräg, ich rede mit dir, als wärst du lebendig), aber heute schreibe ich zum letzten Mal vor meiner Abreise. Ich möchte noch genügend Seiten übrig haben, um dir von meiner Ankunft in Sainte-Lorette zu erzählen - ich fürchte, dass mir zum Heulen zumute sein wird. - S. 37


Das Leseerlebnis
Als Vielleserin halte ich immer wieder Bücher in den Händen, die ich getrost als "die schönsten, die ich je gesehen habe" beschreiben würde, also rein optisch. Vor allem im Kinder- und Jugendbuchgenre begegnen mir diese Buchschönheiten gar nicht so selten. Und doch erlebe ich auch hier noch Überraschungen, die mich staunend zurücklassen. Zuletzt beim ersten Band der neuen Fanny Cloutier-Reihe, "Das Jahr, in dem mein Leben einen Kopfstand machte". Die Gestaltung und Ausstattung des Buches ist wunder-, wunderschön! Einem Tagebuch gleich, denn nichts anderes hält man hier in den Händen, enthält das Buch Hunderte Zeichnungen, Kritzeleien, farbliche Hervorhebungen, Notizen und sogar Zettelchen, die man innerhalb des Buches aufklappen und lesen kann. Alles ist perfekt um die Geschichte herum drapiert und integriert. Ein optisches Highlight! Doch natürlich will ich "Fanny Cloutier: Das Jahr, in dem mein Leben einen Kopfstand machte" nicht nur auf das Äußerliche reduzieren. Die Geschichte ist nämlich ebenso toll.

Der Inhalt ist schnell zusammengefasst: Fanny, die mit ihrem Papa in Montreal, Kanada lebt (darum auch die charmant französische Anmutung des Buches), soll umziehen. In irgendein Kaff, zu irgendeiner Tante, von der Fanny bisher nichts wusste. Und das ganz alleine, weil ihr Papa im Rahmen seiner Forschungen einen zeitlang in Japan leben wird. Dass Fannys Tante die Schwester ihrer verstorbenen Mutter ist, macht die ganze Sache nicht besser. Aber es hilft alles nichts, und darum vertraut Fanny ihre Erlebnisse und Gefühle, den ganzen Frust eben, ihrem Tagebuch an. Und hier schließt sich der Kreis zur optischen Aufmachung des Buches. Es ist eine waschechte Tagebuchgeschichte.

Donnerstag, 10. September 2020

"Der Fall des geheimnisvollen Fächers: Ein Enola-Holmes-Krimi" von Nancy Springer



Das Thema
Lady Cecily wendet sich mit einer verzweifelten verschlüsselten Botschaft an Enola. Sherlock Holmes' kleine Schwester begreift sofort, dass sie ihrer Freundin helfen muss, bevor es zu spät ist - aber wie? In ihrem bisher kompliziertester Fall geht Enola in ganz London auf Spurensuche, bis sie die abscheuliche Wahrheit entdeckt: Lady Cecily wird gefangen gehalten und soll gegen ihren Willen verheiratet werden! Enola muss ihre eigene Freiheit riskieren und sich mit ihrem Bruder Sherlock zusammentun, um ihre Freundin zu retten. Kann Enola ihrem Bruder vertrauen? Und können sie Cecily rechtzeitig befreien?

© Klappentex-, Cover- und Zitatrechte: Knesebeck Verlag


Ich reichte ihm den zarten Gegenstand, den ich von einem Ausrichter von Feierlichkeiten aus dem Gillyglade Court erhalten hatte. "Aber wenn sie dich damit sieht, wird sie erkennen, dass du ein Freund bist."
Er steckte ihn ein und bedankte sich, allerdings mit beträchtlichem Zweifel in der Stimme. "Gewiss werde ich damit sehr putzig aussehen."
Ich rollte mit den Augen. "Hast du einen besseren Plan?"
"Noch nicht."
- S. 112


Das Leseerlebnis
Ich gehe davon aus, dass man alle vorausgegangenen Enola Holmes-Bände kennt, wenn man bei "Der Fall des geheimnisvollen Fächers" angekommen ist. Das Buch ist das vierte der Reihe. Es führt einen roten Faden, der sich durch alle Reihentitel zieht, fort und setzt sich, in gewohnter Manier, mit einem neuen Ermittlungsfall auseinander. Ja, mittlerweile ist Enola, die junge Schwester des berühmten Detektivs Sherlock Holmes, eine ernstzunehmende Konkurrentin für ihren großen Bruder geworden. Ihrer Kombinationsgabe und ihrem Spürsinn macht so schnell niemand etwas vor. Wenn ich Enolas Geschichten lese, dann geht mir das Herz auf. Und mit "Der Fall des geheimnisvollen Fächers" habe ich das Mädchen nochmals besonders lieb gewonnen.

Über die Aufträge ihrer Londoner Klienten kann Enola nur augenzwinkernd lächeln. Sehr herausfordern waren diese in der letzten Zeit nämlich nicht. Trotzdem hat sie es bisher versäumt, weiter nach ihrer Mutter zu suchen. Warum, kann sie nicht genau benennen. Wahrscheinlich wird sie einfach eigenständiger. Als Enola sich im Zuge ihrer Nachforschungen, und um ihren Brüdern nicht in die Arme zu laufen, auf einem öffentlichen Damenklosett (eine Neuheit in London!) versteckt, trifft sie dort auf Lady Cecily, die sie in einem anderen Fall schon einmal gefunden und gerettet hat. Cecily steckt in einer mehr als misslichen Lage und lässt Enola eine verschlüsselte Nachricht zukommen, eine verzweifelte Botschaft. Für Enola ist sofort klar, dass sie ihrer Freundin auch diesmal helfen wird. Doch dazu muss sie sich mit ihrem Bruder Sherlock Holmes verbünden.

Sonntag, 6. September 2020

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im September 2020

Viele neue Bücher erscheinen im September. Da heißt es für mich, eine (hoffentlich) gute Auswahl zu treffen und zu entscheiden, welche Bücher auf der Wunschliste landen und welche nicht. Zwölf September-Neuerscheinungen habe ich entdeckt, die ich lesen oder im Auge behalten möchte.


Fantasy - Science Fiction - Märchen

(genaue Buchinfos gibt es mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


  

Crescent City: Wenn das Dunkel erwacht von Sarah J. Maas ... klingt als Fantasyroman mit Fae, Engeln, Dämonen und Menschen super interessant. Und ich weiß, wie mitreißend Sara J. Maas schreibt. Bei einem Umfang von knapp 1000 Seiten warte ich vielleicht noch erste, bzw. mehr Meinungen ab.
Die dunklen Pfade der Magie von A. K. Larkwood ... Csorwe steht vor der Entscheidung ihrer Bestimmung zu folgen und sich zu opfern oder verbotenerweise in die Dienste eines mächtigen Magiers zu treten. Sie wählt letzteres und reist durch die Tore der Welten auf der Suche nach einem Artefakt. Doch die dunklen Pfade der Magie sind tückisch. - Das hört sich so super an, für mich nach einem erstklassigen Fantasylesen.
Der Orden des geheimen Baumes: Die Magierin von Samantha Shannon ... ist der Beginn einer zweiteiligen Reihe und weckt sofort meine Leselust. Es geht um drei Frauen, die zusammenarbeiten müssen, die Bewohner von zwei Reichen zu vereinen, als ein böser Drache aus der Vergangenheit wieder aufersteht.

Dienstag, 1. September 2020

"Stay sweet" von Siobhan Vivian



Das Thema
Ein herrlicher Sommer steht für Amelia bevor, mit Sonne, Ferien, erster Liebe - und sie darf in diesem Jahr wieder in Mollys nostalgischer Eisdiele aushelfen! Der beste Sommerjob überhaupt! Jeder in Sand Lake kennt die kleine Eisdiele der alten Molly und ihre außergewöhnliche Eissorte Home Sweet Home. Für eine Kugel dieser Köstlichkeit warten die Leute jeden Sommer geduldig in langen Schlangen. Denn Mollys Eis macht glücklich, schmeckt süß, erfrischend, nach dem Gefühl, an einem heißen Sommertag in einen See zu springen. Als Molly stirbt, steht für Amelia fest: Sie muss die alte Eisdiele retten! Eine köstliche, sommerliche Lektüre über ein Mädchen, das über sich hinauswächst und zu sich selbst findet.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carl Hanser Verlag


Jedes Mal staunt sie aufs Neue darüber, wie Cate mit Witz und Charme immer bekommt, was sie will. Alles, worüber Amelia sich ewig den Kopf zerbricht, fällt ihr einfach zu.
Die Mädchen gucken sie erwartungsvoll an. Und was macht Amelia? Entschuldigt sich für jede Aufgabe, die sie verteilt.
Aber alle zucken ungerührt mit den Schultern. Sie sind bereit, kräftig anzupacken. Weil sie die Creamery genauso lieben wie Amelia. Gott sei Dank.
- S. 112


Das Leseerlebnis
Ein Buch von Siobhan Vivian, und auch noch eine Sommergeschichte, das sprang mir natürlich sofort ins Auge. Ich kenne die Autorin von einem Gemeinschaftsprojekt mit Jenny Han. "Stay sweet" ist ein Einzelroman, alleinig aus ihrer Feder. Der Inhalt hörte sich, passend zum Titel, sehr süß an, sommerlich und aufbauend-inspirierend. Genau das Richtige für mich. Und so kam es, dass ich das Buch genauso genoß wie ein Eis im Sommer. Ruckzuck war es weggeschleckt.

Für Amelia gibt es keinen schöneren Sommerjob, als den in der Meade Creamery, der nostalgischen Eisdiele der alten Molly Meade. Das ganze Jahr über freut sich das Creamery-Team, das nur aus Mädchen besteht, auf den Sommereinsatz. Und die Kunden stehen gerne Schlange; sie fragen schon vor der Eröffnung nach Mollys Eiskreationen, die für ihren außergewöhnlichen Geschmack berühmt sind. In diesem Sommer wurde Amelia zur Teamleiterin ernannt. Das ist viel Verantwortung, aber auch eine große Ehre. Doch alles kommt anders, denn Molly verstirbt ganz plötzlich, und die Meade Creamery steht damit vor dem Aus. Zum Glück möchte Mollys Neffe Grady den Sommerbetrieb übernehmen. Doch dieser ist völlig unerfahren. Amelia möchte nicht aufgeben, sieht sich jedoch mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert.

Dienstag, 25. August 2020

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Das Salzwasserjahr" von Nora Hoch



dtv Verlagsgesellschaft (Juli 2020),
Klappenbroschur, 224 Seiten,
mit Illustrationen von Annika Heine,
13,95 € [D]

Ein Austauschjahr in Australien. Alles soll sich ändern, findet Jannik, als er auf die andere Seite der Welt reist. Vor allem er selbst. Wenn er sich neu erfinden könnte, wäre Jannik gerne so rätselhaft wie Sienna, die das Meer und ihre Freiheit liebt, die Jannik nahekommt und ihn dann doch immer wieder voller Fragen im Regen stehen lässt. Oder wenigstens halb so lässig wie sein Gastbruder Neil, der scheinbar alles kann. Neil Maden ist ein guter Typ, aber verdammt verschlossen. Die ganze Familie hütet ihre Probleme wie geheimnisvolle Schätze - bis Ruby wegläuft, die jüngste Tochter der Madens. Gemeinsam mit Sienna macht Jannik sich auf die Suche und endlich löst sich auch die Sprachlosigkeit der Familie ... (Text-, Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft)


Ich war so lange nicht am Meer gewesen, dass ich es ganz vergessen hatte: das Gefühl, unter einer großen Welle hindurchzutauchen. Das Gefühl, wenn alles dröhnt, zischt, schäumt. Wenn Wasser über einen hinwegrollt.
Erst als ich dieses Salzwassergefühl wiedergefunden hatte, da wusste ich, dass ich genau das wollte: abtauchen. Nichts denken. Nur das Gewicht des Wassers fühlen. Stille. Dröhnen. Prickeln.
Ein Jahr lang
. - S. 15/16


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. "Das Salzwasserjahr" war eine persönliche Empfehlung an mich. Und ich hatte große Lust darauf. Ein Sommerbuch, definitiv. Und ein Drama. Aber auf seine Art auch ein Coming-of-Age-Roman über einen Jungen, der sein Leben ändern möchte und schlussendlich ein Stückchen mehr zu sich selbst findet, zu dem, was er will. Für mich sehr lesenswert und eines meiner (Sommer-)Highlights, das man nicht verpassen sollte.
  2. Was würdest du tun, wenn du die Chance hättest für ein Austauschjahr nach Australien zu reisen? Jannik ergreift sie sofort. Eigentlich wollte er das zusammen mit seinem besten Freund machen, doch die Dinge liefen anders, und nun reist Jannik alleine. Er möchte sein Leben ändern (ist eh gerade nicht so toll zu Hause) und sieht das Australien-Austauschjahr als gute Möglichkeit für einen Neuanfang. Welchen Blick er am Schluss auf sein Leben hat, das ahnt Jannik nicht, auch nicht, wie es mit seiner Gastfamilie sein wird. Und nicht, dass er sich in Sienna verlieben wird, ein rätselhaft-anziehendes Mädchen, das Jannik ziemlich vereinnahmt, ihm danach aber immer wieder die kalte Schulter zeigt.
  3. Als Leser*in begleitet man Jannik durch sein Jahr in Australien. Natürlich kann bei etwa 220 Seiten nicht alles detailliert beschrieben werden. Einen guten Überblick bekommt man aber dennoch. Auch darüber, wie es in Jannik aussieht, welche Probleme er zu Haue zurückgelassen hat und mit welchen Komplikationen und Erfahrungen er in Australien so gar nicht gerechnet hat. Mich hat das so gefesselt, dass ich das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen habe.
  4. "Das Salzwasserjahr" hat eine ganz eigenen Sprachmelodie, einen Stil, der das Gefühlsleben von Jannik sehr gut wiedergibt. Dieser ist eher ungewöhnlich, aber sehr mitreißend und war darum mein ganz besonderer Bonus. Und noch ein Wort zur Buchgestaltung; die ist wirklich superklasse. Das ganze Buch ist gestaltet wie ein liniertes Tage- oder Notizbuch. Zeichnungen, Kritzeleien, Bildchen und mehr befinden sich zwischen den Zeilen und unterstützen die Atmosphäre der Geschichte.
  5. Am Ende war ich dann von Janniks Entwicklung überrascht. Wie er sich selbst sieht, welchen Blick er auf seine Mitmenschen und Freunde bekommt, das fand ich großartig. Und irgendwie ist damit genau das in Erfüllung gegangen, was sich Jannik gewünscht hat: Er wollte etwas in seinem Leben verändern und hat dabei sich selbst gefunden.

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

anders, sommerlich, salzig, eigenartig-besonders und erkenntnisreich



Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Das Salzwasserjahr" ist ein sehr besonderes Jugendbuch. Es liest sich nicht nur sommerlich und mit ganz eigenem Sprachstil (toll!), es thematisiert die Gefühlswelt eines 16-Jährigen, der ein Jahr in Australien verbringt, seine Sorgen, Ängste, auch Verwirrungen und schlussendlich seine Reife. Damit ist dieser Roman wunderbar inspirierend und mehr als ein einfaches Sommerlesen. Die Gestaltungen von "Das Salzwasserjahr", mit den vielen Skizzen und Zeichnungen, die die Geschichte begleiten, ist ein Hit. Unbedingt merken!


© Damaris liest.


 

Freitag, 21. August 2020

"Sankt Irgendwas" von Tamara Bach



Das Thema
Irgendetwas ist schrecklich schiefgegangen auf der Klassenfahrt der 10b. Das sagen zumindest die anderen. Und dass es deshalb heute Abend eine Klassenkonferenz mit ALLEN Eltern gibt. Aber keiner weiß, was genau passiert ist. Eine Art Machtkampf zwischen Schülern und Lehrern. Ob in dem Protokoll mehr steht? Und ob wirklich eine ganze Klasse von der Schule geschmissen werden kann?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


Herr Utz schaut auf die Uhr und sagt, dass es Zeit ist für den Aufstieg.
Katinka und Jasmin haben aber noch bestimmt 30 Seiten Referat über das Dorf.
Das sei nicht sein Problem, das hätten die beiden besser takten sollen. Und auswählen, was wirklich wichtig ist.
Warum dreht Utz alles immer so, als wäre man selbst schuld? Und macht einen Vorwurf daraus? Anstatt dass er einfach mal feststellt, dass die beiden sich echt viel Arbeit gemacht haben Und wie toll das ist.
Der Klassenfahrtsgrinch.
- S. 57/58


Das Leseerlebnis
Tamara Bachs Bücher beim Carlsen Verlag sind immer passend, mit einem besonderen Detail, zur Geschichte gestaltet. Auf dem Schutzumschlag und unten drunter auch. Bei "Sankt Irgendwas" wird das auf dem Einband verdeutlicht. Hier haben sich (wie man es von Wänden oder Klotüren kennt) in einem bunten Sammelsurium Hunderte Schüler*innen verewigt. Das sieht nicht nur klasse aus, es ist auch ein bedeutender Abschnitt innerhalb der Geschichte. Und dann sind viele Bücher der Autorin auch recht kurz. Trotzdem trifft sie bei "Sankt Irgendwas" auf rund 120 Seiten einen Nerv ... und ich bin mir sicher, nicht nur meinen. Ich habe bei der Geschichte nämlich eine andere Gewichtung erwartet und war vom Blickwinkel und den Gedanken, die man sich dazu macht, tatsächlich überrascht.

Schon auf den ersten Buchseiten, die komplett aus Dialogen von Schüler*innen bestehen, wird klar, das etwas passiert ist. Die 10b kam von einer Klassen-, bzw. Studienfahrt zurück und wurde verwarnt. Zumindest wurden für den Abend sofort alle Eltern und die Schulleitung zu einer Konferenz einberufen. Was genau vorgefallen ist, ist noch unklar. Natürlich wird viel darüber spekuliert. Aber kann tatsächlich einen ganze Klasse bestraft werden? Oder sogar das Schuljahr nicht bestehen?
Nach der Dialog-Einleitung geht es los. Vom Beginn der Studienfahrt, bis zur Rückkehr erfahren Leser*innen nach und nach, was vorgefallen ist. Das wird in Form eines Klassenprotokolls geschildert. Zuerst ist dieses Protokoll noch sehr sachlich und flapsig-lustig geschrieben, wird mit der Zeit aber immer persönlicher. So persönlich, dass sich die Schüler*innen bald Gedanken machen, ob es nicht besser unter Verschluss bleiben sollte.

Sonntag, 16. August 2020

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Juli 2020

Im Juli habe ich für meinen Geschmack viel zu wenig gelesen. Schule und Kindergarten standen vor den Sommerferien im Fokus und ich hatte generell viel zu tun. Dann hing ich auch noch lange an "Wie Sterne so golden" fest, das zwar umfangreich aber genial ist. Eigentlich ein Buch zum Wegsuchten. Doch leider war mein Kopf mit anderen Dingen voll. Egal, so ist das eben manchmal. Allerdings hatte ich im Juli nur Bücher vor mir, die mir großen Spaß machten, die ich toll fand. Und ein paar neue gab es auch.


Meine Buchzugänge im Juli - 7 Bücher



Freitag, 14. August 2020

"Ein Kleid aus Seide und Sternen" von Elizabeth Lim



Das Thema
Maia Tamarin träumt davon, die beste Schneiderin des Reiches zu werden, aber als Mädchen ist ihr das Handwerk untersagt. Als der Kaiser einen Wettbewerb um den Posten des Hofschneiders ausruft, fasst sie einen gewagten Plan. Verkleidet als Junge reist sie an den Hof. Keiner darf ihr Geheimnis erfahren, doch schon bald zieht sie die Aufmerksamkeit des geheimnisvollen Magiers Edan auf sich. Um die schier unmögliche letzte Aufgabe zu erfüllen, begibt sie sich mit ihm auf eine gefährliche Reise, die sie fast alles kostet, was ihr lieb und teuer ist. 

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


"[...] Schlaft nicht ein, sonst fallt Ihr herunter.
Ich nickte und tätschelte meinem Pferd zaghaft die Mähne. Sein Fell war von einem dunklen Gelb wie der Sand der Wüste, die wir durchreiten würden. "Wie heißt es?"
"Rübe."
"Und euer Pferd?"
Edan lächelte sein Reittier an, das um einiges größer als meins war und schönes schwarzes Fell und eine silbrige Mähne hatte.
"Graziella."
"Natürlich", murmelte ich, als er mit einer geschmeidigen Bewegung aufsaß und losritt.
- S. 205


Das Leseerlebnis
Wow, was für eine tolle Geschichte! Das waren meine ersten und auch weiterführenden Gedanken, als ich "Ein Kleid aus Seide und Sternen" las. Maia Tamarin kann schneidern. Es liegt ihr ab Kindesbeinen im Blut. Sie kann es einfach perfekt. Das möchte sie gerne dem ganzen Reich beweisen, doch leider ist in A'landi die Ausübung dieses Berufes nur Männern erlaubt. Doch Maias Gelegenheit kommt. Als Junge verkleidet reist sie zu einem Wettbewerb um den Posten des Hofschneiders, direkt zum Kaiserpalast. Und damit beginnt die Geschichte so richtig, die sich zu einem und vielschichtigen Abenteuer ausweitet. Es gibt intrigante, fast unlösbare Aufgaben und eine romantische Quest, die mit einer überraschenden Wendung endet. Im ersten Teil des Buches war ich mit der Geschichte sehr glücklich, im zweiten Teil ließ sie dann leider für mich nach.

Dass sich ein Mädchen als Junge verkleidet, um ein Ziel zu erreichen, ist in der Literatur nicht neu. Aber spannend. Und so verfolgte ich ziemlich gebannt, wie sich Maia anfänglich durch den widrigen Alltag am Kaiserhof mogelt, immer in Angst, sich und ihr Geheimnis zu verraten. Autorin Elizabeth Lim hat in "Ein Kleid aus Seide und Sternen" ein fernöstliches und wortwörtlich magisches Setting erschaffen, dessen Umsetzung durch eine tolle Karte, auf der man Wege verfolgen kann, unterstützt wird. Die Charaktere und ihre Hintergründe empfand ich als (zumeist) plausibel und aufregend zu begleiten. Vor allem Maia ist eine Kämpferin, die für ihre Ziele und ihre Familie einsteht, auch wenn sie noch so oft aus der Bahn geworfen wird und ihr Vorhaben sie das Leben kosten könnte. Ich empfand die Geschichte als sehr vereinnahmend, und so kam es, dass ich das Buch im ersten Teil kaum zur Seite legen konnte.

Sonntag, 9. August 2020

"Muse of Nightmares: Das Geheimnis des Träumers - Buch 1" von Laini Taylor



Das Thema
Sarai ist die Muse der Albträume. Seit sie denken kann, quält sie die Bewohner von Weep mit ihren schlimmsten Ängsten. Sie ist sich sicher, dass sie jede noch so furchtbare Grausamkeit gesehen hat. Doch damit liegt sie falsch. Unendlich falsch. Denn plötzlich findet sich Sarai selbst in einem Albtraum wieder, aus dem sie nicht aufwachen kann. Ihre Liebe, ihr Leben und das aller Bewohner von Weep stehen auf dem Spiel ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: One Verlag


Verlierer sollten wissen, wo ihr Platz war. Wenn nicht, musste man sie eben daran erinnern. Aber wie, in diesem Fall?
Nichts hätte leichter sein können. Der Fremde hielt Sarai, als würde sie ihm gehören. Aber da irrte er sich. Er konnte Sarai nicht festhalten, wenn Minya entschied, sie ihm wegzunehmen.
Und genau das tat sie.
- S. 40


Das Leseerlebnis
Da bin ich, angekommen beim dritten Band der Strange the Dreamer-Tetralogie oder beim zweiten Band der Muse of Nightmares-Dilogie. Das führt unweigerlich zu vielen Fragezeichen im Gesicht; so kompliziert ist es aber gar nicht. Für die deutsche Übersetzung wurden aus zwei Originalbänden mal eben vier. Nach anfänglicher Skepsis bin ich mittlerweile ziemlich begeistert, vier Bände sind genau richtig fürs Lesegefühl. Nicht zu lang, geben sie genügend Zeit, die Geschichte zu verarbeiten. Denn die ist so großartig, dass man das Gelesene tatsächlich ein bisschen sacken lassen muss. Dass "Muse of Nightmares: Das Geheimnis des Träumers" wieder genial wird, wusste ich bereits vor dem Lesen. Auch dieser Teil der Geschichte gehört für mich zu den besten Leseerlebnissen, die man haben kann.

Ein Wort zu viel über den Inhalt zu verlieren, wäre fatal. Erfreulicherweise verrät auch der Klappentext nichts, weil er eher allgemein gehalten ist. Schließlich befinden sich Leser*innen bei diesem Band bereits mitten im Geschehen. Viele Wendungen und Überraschungen gab es bereits, einige Dinge sind aber noch nicht gelöst, bzw. warten noch auf die Zusammenführung aller losen Enden. Nur soviel: Für Laszlo hat sich viel verändert, sein Leben steht praktisch Kopf. Ebenso geht es Sarai. Sie sieht sich nun aus einer völlig neuen Perspektive (wortwörtlich). Nun sollen beide zum Spielball einer weiteren Person werden, damit diese ihre grausamen Racheziele erreichen kann. Ein wahrer Albtraum für Sarai und Lazlo. Zur gleichen Zeit bringt die Autorin noch eine zweite Geschichte an, die (wahrscheinlich) viel früher spielt und anfangs völlig eigenständig daherkommt. Am Ende konnte ich mir denken, worauf sie hinausläuft. Wie genau, und warum, wird sich aber erst im Abschlussband klären.

Freitag, 7. August 2020

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im August 2020

Der August ist da, und wieder stehen einige tolle Buchneuerscheinungen in den Startlöchern. Ich habe mich über die Verlagsprogramme schlau gemacht und zehn All-Age- und Jugendbuchtitel gefunden, die mich im August am meisten interessieren. Diese wandern jetzt auf meine Wunschliste. Auffällig ist, dass das Verhältnis zwischen Fantasy- und realistischen Romanen diesmal komplett ausgewogen ist.


Fantasy - Utopie

(genaue Buchinfos gibt es mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


  

Biss zur Mitternachtssonne von Stephenie Meyer ... Niemals hätte ich gedacht, dass es wahr wird und der Anfang der Biss-Reihe, doch noch aus der Sicht von Edward erzählt wird. Aber es wurde war und in "Biss zur Mitternachtssonne" erzählt Edward, wie er Bella kennenlernt. Das Buch interessiert mich stark, aber ich habe auch ein bisschen Angst, dass ich es doof finde, dass der Zauber, den Twilight vor Jahren für mich hatte, nun komplett verschwunden ist. Mal sehen.
Chain of Gold: Die Letzten Stunden von Cassandra Clare ... ist der erste Band der neuen Die Letzten Stunden-Reihe von Cassandra Clare. Der Welt rund um die Schattenjäger bleibe ich auch nach Jahren noch treu, zuerst möchte ich aber noch Die Dunklen Mächte-Trilogie und "Die Legenden der Schattenjäger-Akademie" lesen. Und das wird noch einige Zeit dauern.
Feuererwachen von Rosaria Munda ... wird beim Arctis Verlag veröffentlicht, und genau darum habe ich es auch auf dem Schirm. Denn bei Arctis gibt es tolle Bücher. "Feuererwachen" ist ein Trilogiestart und Drachen-(High)-Fantasy.

Mittwoch, 29. Juli 2020

"Glück und wieder!: Lina und die Sache mit den Wünschen" von Dagmar Bach



Das Thema
Lina kann es immer noch nicht glauben: Sie ist tatsächlich eine echte Fee, und sie kann Wünsche erfüllen! Nur - warum funktioniert es dann manchmal nicht? Warum scheint sie manchen Menschen die falschen Wünsche zu erfüllen und damit alles schrecklich kompliziert zu machen? Noch dazu wird das Zusammenleben innerhalb der frisch zusammengewürfelten Patchworkfamilie auf einige harte Proben gestellt, neue Nachbarn bringen den Hausfrieden durcheinander, und sowieso ist Lina bis über beide Ohren so verliebt, dass es ihr schwerfällt, in dem ganzen Chaos einen klaren Kopf zu bewahren. Doch den hätte sie dringend nötig. Denn offenbar weiß irgendjemand über ihre magische Fähigkeit ganz genau Bescheid. Und der - oder die? - führt nichts Gutes im Schilde ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER KJB


Denn in dem Transporter waren Kartons gestapelt. Es mussten Hunderte sein. Oder Tausende. Bis unter die Decke, dich an dicht, kaum einen Fingerbreit Platz dazwischen.
Priscilla kam um den Wagen herum auf uns zu. "Darf ich vorstellen? Meine Plattensammlung. Das Herz meiner neuen Wohnung. Und von mir. Und ich sag's euch gleich, die ist richtig viel Geld wert." Sie lächelte und zupfte sich ihre toupierten Haare zurecht. "Die Möbel und der andere Kram waren die Pflicht. Die Platten hier sind die Kür."
Vincent, Mats und ich tauschten einen Blick.
Der Nachmittag würde sehr, sehr lang werden.
- S. 33


Das Leseerlebnis
Endlich! Nach ziemlich genau einem Jahr Wartezeit ist "Glück und wieder!" erschienen. Das Buch ist der zweite Band der GLÜCK-Trilogie von Dagmar Bach, in der es um Lina und die Sache mit den Wünschen geht. Lina ist ein junges Mädchen, das die Herzenswünsche ihrer Mitmenschen sehen und in Erfüllung gehen lassen kann. Manchmal. Denn oft geht die Sache auch ziemlich in die Hose oder läuft anders als gedacht. Und damit steht die Grundthematik der Geschichte auch schon fest. Doch die Bücher sind für mich noch viel mehr, jedes für sich und ohne den genauen Inhalt vorher zu kennen. Süßes Wohlfühlbuch mit garantiertem Lesespaß - genau das könnte ich auch auf "Glück und wieder!" schreiben.

Lina ist so richtig doll verliebt. Aber einfach ist die Sache für sie trotzdem nicht. Denn schließlich wohnt sie mit ihrem Schwarm in der recht neu gegründeten Patchworkfamilie unter einem Dach. Darum hält sie ihre Beziehung (vorerst) geheim. Aber auch sonst ist Linas Leben sehr turbulent. Einige der von ihr erfüllten Wünsche gehen schrecklich schief und werden zur Sorge statt zur Freude. Als Linas Patentante entdeckt, dass jemand die Wunscherfüllung manipuliert, wird es immer mysteriöser. Wer tut so etwas? Und warum?

Mittwoch, 22. Juli 2020

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Juni 2020

Wow, mal wieder ist die Zeit gerast und mir fällt jetzt erst ein, es geht schon auf Ende Juli zu, dass ich noch meine Monatsstatistik für den Juni schreiben wollte. Voilà, hier ist sie nun. Gefühlt habe ich im Juni nicht so viel gelesen, dafür haben mich ein paar der Bücher zu lange "aufgehalten" oder waren aufwändiger. Wahrscheinlich lag es auch daran, dass ich mit zwei der Jugendfantasy-Reihenfortsetzungen nicht mehr so glücklich war, wie noch mit den Vorgängern. Aber egal, so ist das manchmal. Dafür freue ich mich über meine Juni-Neuzugänge umso mehr.


Meine Buchzugänge im Juni - 4 Bücher



Montag, 20. Juli 2020

"Wozu wir fähig sind" von Laila El Omari



Das Thema
Alina hat ihr Leben voll unter Kontrolle - zusammen mit ihrem gut aussehenden Freund Patrick ist sie die Königin der Clique, in der Uni läuft es bestens. Ein perfekter kleiner Kosmos.
Bis plötzlich Alexander auf dem Campus auftaucht - dunkel, faszinierend, charmant. Und an seiner Seite ist diese Leonora, aus der niemand schlau wird. Ist sie Alexanders Freundin, lockere Affäre, Komplizin?
Nur eines ist klar: Die beiden planen etwas und sie wissen eine Menge über Alina und ihre Clique. Langsam beschleicht Alina ein ungeheuerlicher Verdacht. Doch da stürzt ihre kleine Welt schon zusammen wie ein Kartenhaus.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Coppenrath Verlag


Gegen Mitternacht begegnete sie ihm das erste Mal. Er war irgendwann einfach da, gesellte sich so selbstverständlich zu ihnen, als kenne er sie seit Jahren. Dass er ohne Weiteres in die Runde aufgenommen wurde, lag vermutlich sowohl an seiner Ausstrahlung - er war einer dieser Typen, die man unweigerlich kennenlernen wollte, egal ob als Mann oder Frau - als auch an dem Mädchen an seiner Seite. - S. 16


Das Leseerlebnis
"Wozu wir fähig sind" stach mir förmlich ins Auge, denn Schriftzug und Details des Covers sind in Neon-Orange gehalten und heben sich somit vom sonstigen Schwarz-Weiss-Layout ab. Auch haptisch ist das Buch besonders bearbeitet. Es fühlt sich total gut und hochwertig an. Jetzt musste nur noch der Inhalt stimmen, das Thema interessierte mich bereits nach einem ersten Überfliegen des Klappentextes. Und ja, die Geschichte gefiel mir. Ich mochte die unterschwellige Spannung, das Rätselraten, was hier passiert sein könnte, bis hin zur Auflösung am Schluss. Denn diese ist dann nicht mehr Schwarz oder Weiss, sondern traf mich ziemlich hart. Sie wird mich auch noch eine Weile beschäftigen.

Über den Inhalt verrate ich wenig. Es geht um mehrere junge Leute, die allesamt studieren und sich auch privat kennen, bzw. miteinander liiert sind. Als Alexander und Leonora auf dem Campus auftauchen, kann sich ihnen niemand so recht entziehen, sie sind plötzlich überall dabei und es passieren unschöne Dinge. Was wollen die beiden? Warum sind sie so unmittelbar im Leben der anderen aufgetaucht? In der Meinungen einer Leserin wird das Buch mit einer modernen Version des Klassikers Der Graf von Monte Christo verglichen. Das kommt auch ungefähr hin. Es ist ein Versteckspiel, ein Rätselraten und ein Puzzelteile verbinden (wobei es einem die Autorin ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr schwer macht, das sogar gewollt ist) und das Bedürfnis einzelner Charaktere nach Rache oder Wiedergutmachung.

Mittwoch, 15. Juli 2020

Das Dicke-Bücher-Camp 2020


In den Monaten Juli und August findet das Dicke-Bücher-Camp statt. Marina von Nordbreze und so. erzählt, dass sie 2018 die Idee dazu ganz spontan beim Zähneputzen hatte. Im Jahr darauf wurde das Camp sehr erfolgreich wiederholt und geht nun, 2020, in die dritte Runde. Aber was ist das überhaupt, das Dicke-Bücher-Camp?

Ich kann hier nur aus eigener Erfahrung sprechen, und die deckt sich wahrscheinlich mit denen vieler Leser*innen. Grundsätzlich lese ich sehr gerne dicke Bücher. Diesen kann (oder muss) man viel Zeit widmen, bekommt dafür aber ein umfangreiches, oftmals schmökeriges und allumfassendes Leseerlebnis geboten. Das ist super und trägt für mich zum Reiz des Lesens bei. Aber ...
Dann ist es auch so, dass die dicken Bücher in meinem Lesealltag gerne nach hinten rutschen, ich doch eher zum kürzeren, und damit schnelleren, Buch greife. Der Faktor Zeit spielt dabei unbewusst eine Rolle, vor allem, wenn viele ungelesene Bücher zur Auswahl stehen. Das ist natürlich schade. Dem kann das Dicke-Bücher-Camp entgegenwirken, vielleicht sogar ein neues Bewusstsein dafür schaffen, welch wunderbares Lesen umfangreiche Bücher sein können.

Sonntag, 12. Juli 2020

5 (Bücher) vom SuB #8


2019 startete ich eine Challenge. Ich hatte mir vorgenommen, endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff zu nehmen, bzw. abzubauen. Das motivierte mich stark und machte so großen Spaß, dass ich die Aktion 2020 fortführe. Mir ist diese Sache wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine damals rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschten, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der letzte Beitrag dazu war 5 (Bücher) vom SuB #7. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Weiter geht es mit 5 (Bücher) vom SuB #8 ...


Eine Geschichte der Zitrone von Jo Cotterill
Calypso wurde von ihrem Vater beigebracht, innere Stärke zu haben, sich selbst der beste Freund zu sein. Nach dem Tod ihrer Mutter hat diese Einstellung der 11-Jährigen auch immer gute Dienste geleistet. Sie ist meist alleine, verkriecht sich mit ihrem Vater zu Hause und liebt ihre Bücher. Eine beste Freundin hat Calypso nicht. Doch dann taucht Mae auf, die es ebenfalls liebt zu lesen. Eigentlich wehrt sich Calypso dagegen, aber Mae und sie werden allerbeste Freundinnen. Und plötzlich fällt Calypso auf, wie seltsam und einsam es bei ihr Zuhause ist.

"Eine Geschichte der Zitrone" ist ein sehr gefühlvolles und manchmal auch trauriges Buch. Denn Calypso gehört zu den Kindern, die sich aufgrund einer psychischen Erkrankung besonders stark und ein Elternteil kümmern müssen, sich dafür verantwortlich fühlen. Die Eltern-Kind-Rolle ist bei diesen Kindern vertauscht. Durch ihre neue Freundin und deren herzliche Familie erkennt Calypso ihre Situation ... und sie und ihr Vater bekommen Hilfe. Mich hat die Geschichte stark berührt, ich konnte darum auch nicht aufhören zu lesen. Die Autorin hat eine sehr feinfühlige Art die Situation darzustellen, und sie lässt ihre Charaktere nicht allein. Eine große Leseempfehlung!


Emmy & Oliver von Robin Benway
Emmy ist von ihren Eltern so ziemlich genervt. Sie wird ständig in Watte gepackt, bekommt viele Auflagen und Verbote. Freiheiten erkämpft sie sich heimlich. Doch das Ganze hat einen Grund, mit 7, in der zweiten Klasse, wurde Emmys bester Freund Oliver von seinem Vater von der Schule abgeholt und nie wieder nach Hause zurückgebracht. Er fehlt bis zum heutigen Tag. Nun ist Oliver zurück ... und die Situation ist schwierig. Am Verhalten von Emmys Eltern ändert sich nichts und sie und ihr bester Freund müssen sich wieder neu kennenlernen.

Das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe, hat mich begeistert. "Emmy & Oliver" war mein zweites Buch von ihr, und nun zähle ich Robin Benway wirklich zu meinen Lieblingsautorinnen. Die Geschichte ist sehr gefühlvoll und freundschaftlich, aber auch sehr warmherzig und voller Humor. Das zu Herzen gehende Thema wurde mit eine Leichtigkeit und doch großer Feinfühligkeit umgesetzt. Ich habe gar nichts daran auszusetzen, das Buch bekommt sofort einen ewigen Platz in meinem Regal.

Dienstag, 7. Juli 2020

"Wild: Sie hören dich denken" von Ella Blix



Das Thema
Sie hören dich denken. Doch du kannst sie nicht verstehen. Noch nicht.

Seit einem erschreckenden Erlebnis auf einem Waldausflug mit der Schule ist Noomi nicht mehr dieselbe. Erinnerungsfetzen, die berauschend, aber auch verstörend sind, führen sie immer wieder zurück zu diesem Tag im Wald. Seitdem ist etwas mit ihr passiert, und sie muss herausfinden, was dort geschehen ist. Warum kann sie sich nicht erinnern? Warum fühlt sie sich seitdem den Tieren so nah?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Arena Verlag


[...] - knorriges Gestrüpp ging in verwachsenes Unterholz über und dann in übermannshohe Büsche. Von dort kam der Blick nicht. Er kam von dahinter.
Nur - dahinter war niemand!
Außer ... dem Wald.
Düstere Stämme reckten sich nach oben, von dichten Baumkronen überdacht, das Licht schaffte es nicht bis nach unten, der Waldboden lag im Schatten. Er kniff die Augen zusammen.
"Da draußen ist jemand", flüsterte er.
Die anderen hörten ihn nicht.
- S. 104


Das Leseerlebnis
Seit ich das erste Buch von Ella Blix (das sind die Autorinnen Antje Wagner und Tanja Witte) gelesen habe, war klar, dass ich auch jedes weitere lesen würde. Jetzt, nach etwas über zwei Jahren, gibt es ein neues Buch, und der Erscheinungstermin von "Wild: Sie hören dich denken" wurde von mir dick im Kalender notiert. Wieder einmal schreiben die Autorinnen sehr atmosphärisch und vereinnahmend. Ein ständiges Rätselraten ist auch dabei. Und das könnte unter Umständen sogar gruseln und erschrecken. Für mich war das Buch somit ein tolles Leseerlebnis und spannend noch dazu. Der Titel verrät schon viel, aber das ist nicht so schlimm. Ich möchte allerdings betonen, dass sich Lesegefühl und Spannung nochmals steigern, wenn man die Buchbeschreibung, bzw. den Klappentext außen vor lässt, sich vor dem Lesen nicht genau über den Inhalt informiert.

Noomi, Flix, Olympe und Ryan haben alle etwas ausgefressen und müssen nun Sozialstunden ableisten. Dafür werden sie unter Aufsicht ins Waldcamp Feel Nature geschickt, das die Jugendlichen renovieren und für zukünftige Erlebnis-Freizeiten bezugsfertig machen sollen. Doch schon in den ersten Stunden passieren merkwürdige Dinge. Persönliche Gegenstände der Jugendlichen verschwinden, und die Betreuer sind misstrauisch oder extrem launisch. Und es wird mit jedem Tag seltsamer.

Freitag, 3. Juli 2020

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Juli 2020

Der Juli hat schon begonnen. Also habe ich im Schnelldurchlauf die Programme der Verlage angeschaut, um Neuerscheinungen auszusuchen, die mich in diesem Monat am meisten interessieren. Bücher, die auf jeden Fall auf meiner Wunschliste landen. Natürlich wurde ich (trotz der Eile) fündig. 11 Bücher füge ich meiner Wunschliste hinzu. Ganz sicher werde ich ein paar davon demnächst auch lesen. Detaillierte Infos zu jedem Buch gibt es mit einem Klick auf dessen Cover.


  

After the Fire von Will Hill ... zog mich auf den ersten Blick in seinen Bann, auch wenn ich gar nicht richtig abschätzen kann, wie das Leseerlebnis sein wird. Es wirkt spannend, aber auch ein bisschen grausig. - Moonbeam lebte auf einer Farm der Gotteslegionäre. Nach einer schrecklichen Brandkatastrophe dort, gehört sie zu den wenigen Überlebenden. Zögerlich öffnet sich Moonbeam, um zu verarbeiten und zu erzählen, wie das Leben bei den Gotteslegionären war und wie es zu dem schrecklichen Feuer kam.
Ein Kleid aus Seide und Sternen von Elizabeth Lim ... hat mich aufgrund der kreativen und atmosphärischen Fantasywelt angesprochen, mit der das Buch beschrieben wird. Das Grundthema (Mädchen verkleidet sich als Junge) ist für mich zwar nicht neu, aber immer wieder spannend. Ich freu mich drauf. - Maia will die beste Schneiderin der Reiches werden, aber als Mädchen ist ihr die Ausübung dieses Berufes untersagt. Als der Kaiser einen Wettbewerb um den Posten des Hofschneiders ausruft, reist Maia unter dem Namen ihres Bruders an, um für ihren Traum zu kämpfen. Als letzte Aufgabe muss sie drei magische Kleider für die Prinzessin nähen, die aus Elementen von Sonne, Mond und Sternen gewirkt sind. Eine fast unmögliche Aufgabe, bei der Maia die Hilfe des Magiers Edan benötigt.
Der Fall des geheimnisvollen Fächers: Ein Enola-Holmes-Krimi von Nancy Springer ... Es ist kaum zu glauben, aber "Der Fall des geheimnisvollen Fächers" ist schon Band 4 der Enola Homes-Reihe. Die Bücher muss man gelesen haben. Sie sie sehr charmant-spannend und hochwertig dazu. - Enola erhält eine verzweifelte verschlüsselte Botschaft von ihrer Freundin. Um zu helfen, muss sich die kleine Schwester des berühmten Sherlock Holmes vielleicht sogar mit ihrem Bruder zusammentun. Denn das wird ihr kompliziertester Fall.

Dienstag, 30. Juni 2020

"Children of Virtue and Vengeance: Flammende Schatten" von Tomi Adeyemi




Das Thema
Zélie und Prinzessin Amari haben das Unmögliche geschafft: Die Magie ist nach Orïsha zurückgekehrt. Doch das Ritual war mächtiger, als sie ahnen konnten. Es hat nicht nur die verschütteten Kräfte der Magier geweckt, sondern auch jene des Adels. Mit ihrer neugewonnenen Macht sind Zélies Feinde gefährlicher als je zuvor. Und sie wollen Rache.
Zélie muss einen Weg finden, das Land zu vereinen - oder zusehen, wie sich Orïsha in einem verheerenden Krieg zerreißt.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB


"Du hast kein Recht, über mich zu urteilen", zische ich. "Ich habe das alles nicht gewollt!"
"Niemand will so was, aber du bist nun mal hier. Du bist hier, und viele andere sind es nicht." Roën rauft sich die Haare, als wollte er sie ausreißen. "Du hast die Blutnacht überlebt. Die Soldaten. Du hast den Zorn eines Königs überlebt. Du bist kein Opfer, Zélie! Du bist hier! Hör auf, davonzulaufen!"
- S. 398


Das Leseerlebnis
Der zweite Band der Children of Blood and Bone-Trilogie war für mich ein Lesemuss, denn der Reihenstart war für mich sehr besonders und mitreißend. Bis auf die schon obligatorische Lovestory bei YA-Fantasy, ohne die das Buch auch sehr gut funktioniert hätte, hatte ich an Band 1 wirklich gar nichts auszusetzen. Band 2, "Children of Virtue and Vengeance: Flammende Schatten", ließ nun eine ganze Weile auf sich warten, aber umso größer war die Vorfreude. Um wieder gut in die Geschichte zu finden, und eventuell vergessene Dinge des Reihenstars in Erinnerung zu rufen, habe ich mich mit dem Hörbuch aufgefrischt, bevor es ans Lesen ging. Eine gute Entscheidung!

Die Magie ist zurück in Orïsha, Zélie und Amari habe es also tatsächlich geschafft. Allerdings bringt dieser Umstand dem Land noch lange nicht den erwarteten Frieden und die erhoffte Gerechtigkeit. Neben den Maji haben jetzt plötzlich auch einige adlige Menschen magische Fähigkeiten bekommen. Sie nennen sich Tîtáne und stehen mit den Maji im Magie-Wettstreit, bzw. unterstützen das Königshaus, das dadurch erneut an Stärke gewinnt. Dagegen steht eine Rebellenfront. Zélie und auch Amari müssen sich entscheiden, was sie erreichen wollen und auf welcher Seite sie kämpfen.

Freitag, 19. Juni 2020

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Mai 2020

Der Mai war ein schöner Monat, gefühlt gemütlich, aber eindrucksvoll, vor allem auch, was das Lesen anbelangt. Ich habe "Das Kind der Stürme" gelesen, das älteste und ein ziemlich umfangreiches meiner SuB-Bücher. Im Prinzip mag ich dicke Bücher schon immer sehr gerne, weil man sich so schön in die Geschichte schmökern kann. Allerdings schiebe ich sie auch immer wieder nach hinten, aus (fadenscheinigen) Zeitgründen. Vielleicht wäre es an der Zeit, diese Marotte wieder sein zu lassen. Und bevor der aktuelle Monat schon wieder vorbei ist, werfe ich einen buchigen Blick zurück auf den letzten ...


Meine Buchzugänge im Mai - 7 Bücher



Sonntag, 14. Juni 2020

"Heartless: Das Herz der Verräterin" von Sara Wolf



Das Thema
Prinz Lucien hätte nie erfahren dürfen, was Zera wirklich ist: eine Herzlose mit dem Ziel, ihm das Herz zu stehlen. Nun hält der junge Prinz Zera auf Abstand, doch die Erinnerungen an seine Blicke, seine Berührungen und seine Küsse brennen immer noch auf ihrer Haut. Da macht seine Schwester Zera ein verlockendes Angebot: Wenn sie ein uraltes magisches Monster zähmt, erhält sie ihr Herz zurück - und wird endlich frei sein ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Ravensburger Verlag


"Können wir aufhören, über mich zu reden, als wäre ich nicht da?", frage ich. "Und kommt zur Sache, wieso ihr mich herzitiert habt. Hätten wir diese lästige Angelegenheit nicht im Palast regeln können? Oder gibt es dort jemanden, der nichts von eurem kleinen Verhör wissen darf?"
Fiones Blick huscht zu Lucien, aber der Prinz lässt sich nichts anmerken und sieht mich unverwandt an.
"Du fährst jeden Morgen mit einer Kutsche zum Südtor", beginnt er. "Du gehst durch eine Tür und kommst etwa eine Stunde später wieder raus. Warum?"
"Wegen der Sehenswürdigkeiten?" Ich lächle unschuldig.
- S. 209


Das Leseerlebnis
Damals, beim ersten Heartless-Band "Der Kuss der Diebin", erwartete ich ein mehr oder weniger klassisches und sehr jugendliches Romantasy-Buch. In Ansätzen stimmte das auch, dennoch wurde ich positiv überrascht, denn der Lesespaß war enorm hoch, die Handlung mitreißend. Und weil das Buch mit einem fiesen Cliffhanger endete, erwartet ich dieses humorvoll-durchrüttelnde Leseerlebnis auch beim zweiten Heartless-Band "Das Herz der Verräterin". Und dieser ist sicherlich okay und lässt sich gut lesen. Trotzdem konnte mich die Fortsetzung nicht mehr so stark packen, war das Thema für mich nicht mehr so interessant wie zuvor.

Nach dem emotional-frustrierenden Ende von Band 1 (man wolle damals sofort weiterlesen), hält sich die Handlung in "Das Herz der Verräterin" nicht mit Erklärungen auf, es geht direkt weiter. Wie gut, dass ich nochmals in die letzten Kapitel des Vorgängerbandes geschnuppert hatte, denn das Lesen lag ja schließlich schon eine ganze Weile zurück. Die Situation von Zera ändert sich nun komplett, wird völlig auf den Kopf gestellt, und es gab gleich zu Beginn tatsächlich eine Szene, die mich so stark überraschte, dass mir fast die Augen aus dem Kopf fielen. Beste Vorraussetzungen also für ein spannendes und mitreißendes Leseerlebnis.

Sonntag, 7. Juni 2020

"Vengeful: Die Rache ist mein" von V. E. Schwab



Das Thema
Was ist besser, als die Frau des mächtigsten Mannes der Stadt zu sein? Die mächtigste Frau der Stadt zu sein - ohne Mann.
Als Marcella von ihrem eigenen Ehemann, dem Unterweltboss Marcus Riggins, umgebracht wird, schwört sie Rache. Und weil sie mit einer zerstörerischen Superkraft wiedererweckt wird, fällt es ihr nicht schwer, sie auch zu bekommen. Gegen alle Widerstände setzt sich Marcella an die Spitze des Imperiums ihres Mannes und merzt ihre Feinde gnadenlos aus. Auch mit der Hilfe anderer EOs, die sie um sich schart. Alles läuft wie am Schnürchen - bis sie ihren größten Fehler begeht: Sie spielt Victor Vale und Eli Ever gegeneinander aus - ohne zu ahnen, welche Dämonen sie damit entfesselt ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER Tor


Die Spannung raste durch seinen Körper. Er nahm einen schwarzen Gummikeil aus seinem Mantel und steckte ihn sich noch gerade rechtzeitig zwischen die Zähne, bevor ein Knie nachgab und sein Körper unter der Belastung zusammenbrach.
Victor kämpfte dagegen an - wie immer -, aber Sekunden später lag er auf dem Rücken, und seine Muskeln verkrampften sich, als die Spannung ihren Höhepunkt erreichte. Sein Herzschlag ging stolpernd, geriet aus dem Takt ...
Und er starb.
- S. 26/27


Das Leseerlebnis
Mit dem Reihenstart "Vicious: Das Böse in uns" hat Autorin V. E. Schwab mich so stark vereinnahmt und eingesaugt, dass das Buch zu einem wahrlich bösen Lieblingshit wurde. Es gibt Buchkonzepte, die ähnlich aufgebaut sind, jedoch konnte mich keines zuvor so stark düster begeistern und auch mitreißen wie "Vicious". Und weil fast jedem Ende ein Anfang innewohnt (so auch hier), war das Lesen des Nachfolgers "Vengeful: Die Rache ist mein" von mir nicht nur sehr stark erwünscht, es war unumgänglich. Auch die Fortsetzung hat mich durchgeschüttelt und fasziniert-beeindruckt zurückgelassen.

Im ersten Band geht es darum, wie die brillanten Medizinstudenten Victor Vale und Eli Ever durch Studien an sich selbst zu EOs (Extraordinären - Menschen mit besonderen Fähigkeiten) werden, jeweils eigene Ziele verfolgen und dadurch zu Todfeinden werden. In "Vengeful" wird diese Handlung übergangslos fortgeführt. Jedoch haben sich nun einige Gegebenheiten verändert und spielen für die jetzige Geschichte eine große Rolle. Es gibt ein neues Forschungszentrum, in dem EOs, so auch Eli, eingesperrt und sadistischen Experimenten ausgesetzt sind. Und auch bei Victor ist seit seiner Wiederauferstehung nicht mehr alles in Ordnung. Seine Gabe hat einen "Defekt", der ihn zwingt, ein Heilmittel zu finden. Und dann gibt es diesmal, inmitten vieler wichtiger Nebenpersonen, noch eine dritte Hauptprotagonistin. Marcella wurde von ihrem Mann umgebracht und erwacht im Krankenhaus als EO. Nun schwört sie Rache und möchte die mächtigste Frau der Stadt, der Kopf der Mafia, werden.

Mittwoch, 3. Juni 2020

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Juni 2020

Bevor ich mich ans Zusammensuchen der buchigen Juni-Neuerscheinungen machte, ging ich eigentlich davon aus, dass es mehr sein würden. Schlussendlich wurden es nämlich nur vier Bücher, die mich besonders stark interessieren und die darum im Juni auf meiner Wunschliste landen. Dass mir das ein oder andere Highlight durch die Lappen geht, kann ich natürlich nie ganz ausschließen. Darum halte ich, ganz unabhängig von meiner Wunschliste, immer die Augen auf. Jetzt aber erst mal zu meiner Juni-Auswahl. Genaue Infos zu den Büchern gibt es wie immer mit einem Klick auf das jeweilige Cover.


 

Glück und wieder!: Lina und die Sache mit den Wünschen von Dagmar Bach ... ist der zweite Band der Trilogie. Band 1 war so ein herzliches und lustiges Leseerlebnis (genau wie ich das von Dagmar Bach schon kennen), dass "Glück und wieder!" natürlich ein Lesemuss ist. Ich freue mich sehr darauf.
Muse of Nightmares: Das Geheimnis des Träumers - Buch 1 von Laini Taylor ... wird auf jeden Fall gelesen! Das Buch ist im Prinzip Band 3 der Reihe, bzw. Buch 1 der zweiten Dilogie. Klingt kompliziert, ist es aber gar nicht. Die zwei Originalausgaben wurden für die deutsche Übersetzung gesplittet, bei uns gibt es also vier Reihenbände oder besser, jeweils zwei Dilogien. Die Vorgänger waren so klasse, dass sie mir immer noch tief unter die Haut gehen. Wer bereits Bücher von Laini Taylor kennt, wird abschätzen können, wie großartig und besonders sie schreibt.


 

Roadtrip mit Lasergirl und Beyoncé von Tjibbe Veldkamp ... klingt irgendwie niedlich (ein Huhn namens Beyoncé fährt den Roadtrip mit) und rührend, aber auch sehr spannend. - Ate hat mit Baptiste nun einen einzigen Freund, den er zwar noch nie getroffen hat, ihm aber täglich per WhatsApp schreibt. Als Baptiste sein Handy verkaufen muss, beschließt Ate, ihm sein altes zu bringen. Von den Niederlanden nach Belgien. Doch Baptiste ist nicht der, für den Ate ihn gehalten hat.
Wozu wir fähig sind von Laila El Omari ... Laut Inhaltsangabe gehe ich hier von einem Jugendthriller oder Jugendkrimi aus. Die Handlung hört sich wirklich spannend an. - Alina hat ihr Leben an der Uni unter Kontrolle und ist, gemeinsam mit ihrem gut aussehenden Freund, die Königin der Clique. Als der charmante Alexander auf dem Campus auftaucht, an seiner Seite die undurchsichtige Leonora, wird schnell klar, dass die beiden etwas planen. Und sie wissen ziemlich viel über Alinas und ihre Clique.



Auf die Wunschliste!




Sonntag, 24. Mai 2020

"The Frost Files: Letzte Hoffnung" von Jackson Ford



Das Thema
Mit ihren psychokinetischen Fähigkeiten ist Teagan Frost das wertvollste Mitglied einer geheimen Einsatzgruppe der US-Regierung. Nicht dass sie viel Wert darauf legt. Wenn es nach ihr ginge, würde sie sich einfach mal zurücklehnen, ein Bier trinken und so tun, als wäre sie ansatzweise normal. Stattdessen schickt die Regierung sie auf geheime Einbruchsmissionen, die für sie keine wirkliche Herausforderung darstellen - bis eines Tages nach einem ihrer Einsätze der Chef einer global agierenden Textilfirma ermordet aufgefunden wird. Über Nacht wird Teagan zur gesuchten Mörderin, und sie bekommt nur 24 Stunden, um ihre Unschuld zu beweisen und den wahren Tätet zu finden. Eine halsbrecherische Jagd quer durch Los Angeles beginnt.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knaur Verlag


Im Nachhinein ist es vielleicht nicht die beste Idee, aus dem Fenster eines Wolkenkratzers zu springen.
Nicht weil ich sterben würde oder so. Das habe ich total unter Kontrolle.
Es war nicht so clever, weil ich Annie Cruz mitnehmen musste. Und wie sich herausstellt, ist Annie sehr laut.
"Teagan", brüllt sie. Ihre Fäuste hämmern auf meinen Rücken, aber ich kann sie durch das Rauschen der Luft kaum hören. "Teagan!"
- S. 5


Das Leseerlebnis
Eine junge Frau, die Dinge mit ihren Gedanken bewegen kann, die also psychokinetische Fähigkeiten hat, und mit ihrem Team auf Verbrecherjagd geht? Na, das klingt doch super. Irgendwie nach einer Mischung aus X-Men und Superheldin und nach viel Potenzial für superspannenden Lesestoff. Und ich glaube, genau das möchte Jackson Ford mit "The Frost Files: Letze Hoffnung" erreichen. Er möchte unterhalten und auch ein bisschen verwirren. Und er hat eine Heldin erschaffen, die so interessant ist, dass man am Ende mehr von ihr lesen möchte.

Teagan Frost hat Superheldenkräfte und ist damit einzigartig auf der Welt. Sie ist eine Psychokinetin, kann Gegenstände alleine mit Hilfe ihrer Gedanken bewegen. Wie sie zu diesen Kräften kam, das weiß man als Leser*in noch nicht sofort, das ist ein Bestandteil der Charaktervorstellung oder - entwicklung. Durch ihre Fähigkeiten ist Teagan das wertvollste Mitglied ihres Teams, das von einer geheimen Regierungsorganisation dazu eingesetzt wird, Verbrecher zu jagen. Allerdings hilft das Einsatzteam nur dabei, Beweise zu beschaffen. Morde sind nicht vorgesehen. Dadurch gehört Teagan zu "den Guten", obwohl ihr Team im Geheimen agiert. Als jedoch nach einem dieser Einsätze der Chef einer großen Firma tot aufgefunden wird, mit einer Stahlstange um den Hals gewickelt, wird Teagan des Mordes bezichtigt. Denn nur sie ist fähig, einen Menschen auf diese Art umzubringen. Teagan und ihr Team haben nur eine Tag zeit, den Mord aufzuklären und herauszufinden, wer ihr die Schuld in die die Schuhe schieben möchte.

Dienstag, 19. Mai 2020

"Can you help me find you?" von Amy Noelle Parks



Das Thema
Evie Beckham hatte bisher kein Interesse an Jungs. Sie ist vollkommen mit ihrer Liebe zur Mathematik beschäftigt. Außerdem hat sie zahlreiche Ängste. Aber in der letzten Zeit fühlt sie sich immer mutiger, auch dank ihres besten Freundes Caleb. Sogar mutig genug für einen Flirt mit Leo, dem süßen Neuen an der Schule ...
Caleb wusste, dass die empfindsame Evie noch nicht bereit für die Liebe war. Aber er hatte immer angenommen, eines Tages wäre ER der Auserwählte! Doch niemand verliebt sich in den lustigen besten Freund, und er beschließt, sie zunächst online, als geheimnisvoller Fremder, für sich zu gewinnen. Dummerweise geht sein Plan auf.
Evie kämpft nun mit sich, weil sie doppelt verliebt ist.
Caleb grübelt, wann er aus der Deckung kommt.
Und Leo macht eigentlich alles richtig ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: WJB, Rowohlt Verlag


"Wenn du wirklich nicht interessiert bist, könntest du doch ein gutes Wort für mich einlegen", sagt Leo. "Oder mir einen Tipp geben?"
Leo ist nicht der Erste, der mich bittet, ihm zu helfen, Evies Code zu knacken. Aber ich biete meinen Mitschülern nie technischen Support.
Es gefällt mir, dabei zuzusehen, wie sie spektakulär scheitern.
Denn seinen wir ehrlich: Ich bin total verliebt in Evie Beckham.
- S. 10


Das Leseerlebnis
"Can you help me find you?" klang für mich sofort nach einer süßen und fluffigen Jugendlovestory. Allerdings auch ein bisschen nach einer Dreiecksbeziehung, bzw. einem Mädchen, dass sich nicht zwischen zwei Jungs entscheiden kann. Und das ist im Normalfall so gar nicht mehr nach meinem Lesegeschmack. Doch dahingehend hat mich die Geschichte überrascht. Sie ist wirklich süß und herzlich, aber zusätzlich noch so viel mehr, nämlich klug und freundschaftlich und realistisch. Für mich ein (nahezu) perfektes Leseerlebnis.

Evie und Caleb sind seit Kindertagen beste Freunde. Und sie sind auch junge Genies im Bereich Naturwissenschaften. Darum gehen sie auf die Newton Academy, eine Schule, die angehende Mathematiker*innen, Physiker*innen oder Programmierer*innen fördert. Das Thema Jungs prallt so ziemlich an Evie ab, ihre komplette Leidenschaft gilt der Mathematik. Außerdem hat sie mit diversen Ängsten zu kämpfen, fühlt sich aber bei Caleb, der sie schon immer kennt, sicher und geschützt. Was sie nicht weiß: Caleb ist schon seit einer ganzen Weile in Evie verliebt, hat aber keine Ahnung, wie er ihr das sagen soll, ohne die einzigartige Freundschaft zu zerstören. Als Leo, ein neuen Schüler, an die Newton Academy kommt, und mit Evie zusammen sein will, erwidert sie zum ersten Mal dieses Interesse und wird Leos feste Freundin. Doch Caleb bleibt nicht untätig.

Samstag, 16. Mai 2020

Buchzugänge vs. Buchabgänge im April 2020

Für den April 2020 wird mir wohl immer das Stichwort Corona in Erinnerung bleiben. Und vorbei ist die Sache ja noch lange nicht. Corona, das bedeutet grob umrissen Homeschooling, Social Distancing, Mund- und Nasenschutzmasken und vor allem #stayhome und #bleibgesund. Und bei all den Schwierigkeiten und Umstellungen bedeutet es für mich auch Lesezeit und neue Bücher. Solange ich gesund bin und es mir möglich ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich das jemals ändern wird. Darum gibt es heute auch wieder meinen buchigen Rückblick auf den April, mit meinen neuen Büchern und denen, die ich gelesen habe.


Meine Buchzugänge im April - 7 Bücher



Dienstag, 12. Mai 2020

"Kill the Queen: Die Splitterkrone 1" von Jennifer Estep



Das Thema
Im Königreich Bellona bestimmen die magischen Fähigkeiten einer jeden Person über deren Ansehen und Rang. Da die junge Lady Everleigh anscheinend über keinerlei Magie verfügt, verbringt sie die meiste Zeit in den Schatten des königlichen Hofs. Üblicherweise wird sie vom restlichen Adel übersehen und vergessen. Doch dunkle Mächte arbeiten innerhalb des Palasts. Als Everleighs Cousine, die Kronprinzessin Vasilia, ihre Mutter ermordet und den Thron besteigt, verändert sich alles. Evie selbst kann Vasilias Anschlag nur dank ihrer geheimen Fähigkeit entkommen - sie ist immun gegen Magie, die auf sie gerichtet wird. Auf ihrer Flucht stößt Evie auf den berüchtigten Gladiator Lucas Sullivan, einem mächtigen Magier, den ein Geheimnis umgibt ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: ivi


Vasilia lächelte mich an, kostete den Moment richtig aus. Der selbstgefällige, höhnische Triumph in ihrer Miene sorgte dafür, dass eiskalte Wut sich in meinem Körper ausbreitete und meine Entschlossenheit genauso stärkte wie meine Magie.
"Die Königin ist tot", spottete Vasilia. "Lang lebe die Königin."
Dann warf sie ihren Arm nach vorne und schleuderte ihre Magie auf mich.
Der Blitz traf mich mitten in die Brust, riss mich von den Beinen und schleuderte mich nach hinten, über die Mauer hinweg in die Tiefe.
- S. 114/115


Das Leseerlebnis
Der erste Band der Splitterkrone-Trilogie, "Kill the Queen", war auch mein erstes Buch von Jennifer Estep. Die Autorin hat eine große Fangemeinde, und ich hatte gehört, dass ihre Bücher Spaß machen und ihre Heldinnen ziemlich pfiffig und taff sind. Darum war ich neugierig. Beides kann ich bestätigen. Ganz unabhängig vom Jugendbuch-Trendthema magische Königreiche, hatte ich mit "Kill the Queen" mitreißende und spannende Lesestunden, unterlegt mit Humor und einer Hauptprotagonistin, von der ich gerne mehr lesen würde. Beste Vorraussetzungen also für diesen Reihenstart und die Folgebände.

Im Königreich Bellona werden Bürger aufgrund ihrer magischen Fähigkeiten kategorisiert. Hier wohnt Evie zwar direkt am Königshof, schließlich ist sie eine entfernte Verwandte der Königin, verfügt aber nur über wenig und unbedeutende Magie. Darum ist ihr Ansehen nicht gerade hoch, sie wird von den Adeligen ausgenutzt. Als die Tochter der Königin, Prinzessin Vasilia, einen Mordanschlag gegen ihre eigene Mutter und alle Verwandten verübt, um selbst den Thron zu besteigen, entkommt Evie nur knapp. Sie schließt sich einer Truppe von Gladiatoren an und hofft, dass die neue Königin Vasilia sie dort nicht entdeckt. Ein gefährliches Unterfangen.

Sonntag, 10. Mai 2020

5 (Bücher) vom SuB #7


2019 startete ich eine Challenge. Ich hatte mir vorgenommen, endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff zu nehmen, bzw. abzubauen. Das motivierte mich stark und machte so großen Spaß, dass ich die Aktion 2020 fortführe. Mir ist diese Sache wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine damals rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschten, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der letzte Beitrag dazu war 5 (Bücher) vom SuB #6. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Jetzt folgt die #7 der Aktion ...


All the strangest things are true von April Genevieve Tucholke
Midnight ist fasziniert von Poppy. Poppy, die gemein ist und berechnend und andere wie Marionetten nach ihrem Willen tanzen lässt. Das weiß Midnight auch, und so ist er froh, ans andere Ende der Stadt zu ziehen, weit weg von Poppy. Dafür lernt er Wink kennen, das Mädchen vom gegenüberliegenden Farmhaus der berüchtigten Familie Bell. Wink ist verträumt, zurückhaltend und mysteriös, nicht ganz von dieser Welt. Aber gleichzeitig so echt, dass sie Midnight Halt gibt. Doch was passiert wirklich hier? Jemand weiß es.

"All the strangest things are true" ist wohl eines der seltsamsten Jugendbücher, die ich je gelesen haben. Alleine die Namen. Und dann dieses nagende Gefühl beim Lesen. Seltsam und faszinierend. So stark, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Manchmal auch beängstigend, toxisch und mysteriös. Am Ende wartet ein Twist, der nicht so einfach nachzuvollziehen ist, der einiges an Überlegungen benötigt. Die Verknüpfungen von Geschichten in der Geschichte bedeutet viel Kopfarbeit. Das Buch lässt mich etwas verstört zurück, ich weiß nicht, ob ich damit richtig glücklich bin ... jedoch ist da auch dieses leise Anklopfen in mir, dass es irgendwie großartig war.


Emma, der Faun und das vergessene Buch von Mechthild Gläser
Weil ihr Vater der Schulleiter ist, besucht Emma ein sehr exklusives Internat - Schloss Stolzenburg. Als Emma mit ihren Freundinnen die alte Bibliothek entmüllt und aufräumt, um dort einen Aufenthaltsraum und Literaturclub zu gründen, findet sie in einem Geheimfach ein altes Buch. Dies stellt sich als eine Art Internatschronik heraus. Doch nicht nur, denn alles, was in die Chronik geschrieben wird, wird wahr. Begeistert nützt Emma das zuerst aus, um Dinge zu "verbessern", dann kommt sie einem alten Geheimnis auf die Spur. Und der Erkenntnis, dass die Chronik zwar nützlich, aber ebenso gefährlich sein kann.

"Emma, der Faun und das vergesse Buch" ist Jugendliteratur wie ich sie mag - charmant, witzig und spannend. Es ist ein Buch, dass man mit einem Haps verschlingen mag, weil man mit dem Lesen gar nicht aufhören kann. Und ich war andauernd am Grinsen. Die Handlung ist herrlich charmant und vor allem amüsant. Es gibt eine kleine Lovestory, diese nimmt aber nicht den Hauptteil der Handlung ein und passt sehr gut. Zwecks Auflösung gelingt es Mechthild Gläser dann auch tatsächlich, ihre Leser*innen mit Spekulationen hinzuhalten. Am Ende kommt dann noch eine Art kurzes Zwischenspiel, dass das Buch rund abschließt. Gefiel mir sehr!

Donnerstag, 7. Mai 2020

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Charlotte & Ben: Ein Freund kann alles verändern" von Erin Entrada Kelly



dtv Verlagsgesellschaft (März 2020),
Hardcover/SU, 224 Seiten,
übersetzt von Birgitt Kollmann,
14,95 € [D]


Charlotte und Ben haben viel gemeinsam: Sie sind hochbegabt, haben Sorgen um ihre Eltern, sind nicht gerade beliebt und versuchen die Schule ohne allzu viele Kratzer zu überstehen. Kennengelernt haben sie sich beim Online Scrabble. Und ohne sich jemals gesehen zu haben - schließlich liegen zwischen ihren Wohnorten mehr als 2.000 km - erzählen sich Charlotte und Ben am Telefon ganz viel über sich selbst. Allerdings hat das, was sie sich erzählen, nicht immer etwas mit der Wahrheit zu tun. Sie nutzen die Chance, die Person zu sein, die sie gern wären. Dabei merken sie, dass der zu sein, der man ist, viel besser ist, als der zu sein, den andere aus einem machen wollen. (Text-, Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft)


Charlotte zuckte erschrocken zusammen. Als sie sich umdrehte, sah sie verschwommen eine Gestalt vor sich. Dann erkannte sie die nicht zusammenpassenden Socken.
"Hi", sagte Charlotte."Was machst du denn hier oben?"
Magda setzte sich zu ihr in den Schatten. Ihr Gesicht glänzte verschwitzt. Ihr leuchtend gelbe Lunchbox, die sie schon in der Fünften gehabt hatte, stellt sie neben sich.
"Dasselbe könnte ich dich fragen", sagte sie. "Ich esse mittags immer hier oben." Dabei wies sie mit ihrem Kopf auf die Lunchbox.
Fast hätte Charlotte "Warum?" gefragt, aber eigentlich kannte sie die Antwort schon.
- S. 142


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Ich weiß nicht warum, aber ich ging bei "Charlotte & Ben" davon aus, dass es sich bei den Protagonisten um Jugendliche handelt, die sich irgendwann kennenlernen, vielleicht sogar mit Lovestory, usw. Es kam aber anders, denn Charlotte und Ben sind jünger, 12 und 11 Jahre alt. Sie haben zwar einige Gemeinsamkeiten, kennen sich aber nur vom Online-Scrabble, weil sie sehr weit voneinander entfernt wohnen. Und obwohl sie in der Geschichte vergleichsweise selten miteinander telefonieren, werden sie zu einer Stütze für den jeweils anderen. 
  2. Charlotte ist hochbegabt. Ihr Wissensgebiet übersteigt das anderer Kinder bei weitem. Sie hat sich auch damit abgefunden, dass sie als komisch-nerdig und zurückgezogen gilt, schon wegen ihrer relativ alten Eltern, und wohl niemals viele Freundinnen haben wird. Charlotte hat eine einzige beste Freundin, und das genügt ihr. Doch die Interessen der beiden scheinen immer weiter auseinanderzudriften, die Freundschaft verändert sich, droht zu zerbrechen. Das belastet Charlotte sehr.
  3. Auch Ben ist hochbegabt. Zusätzlich muss bei ihm alles eine bestimmt Ordnung und Struktur haben. Er ist nicht sehr beliebt, und das weiß er auch. Eigentlich spricht er nur regelmäßig mit seinen Eltern. Aber jetzt möchte er das unbedingt ändern und ins Schülerparlament gewählt werden. Stattdessen wird Ben lächerlich gemacht und gemobbt. Und dann wollen sich auch noch seine Eltern scheiden lassen. Eine große Belastung für den 11-Jährigen.
  4. Jeder für sich, und doch auch gemeinsam, lernen Ben und Charlotte mit dem Umbruch, ihrer neuen Lebenssituation, klarzukommen. Das ist für beide schmerzhaft und verwirrend, führt aber zu heilsamen Erkenntnissen. Als Leser*in ist es wirklich herzbewegend und sehr persönlich, die Protagonisten zu begleiten, manchmal auch traurig. Das Buch hat mich sehr vereinnahmt.
  5. Was mich außerdem sehr berührte, ist, dass "Charlotte & Ben" nicht unbedingt gut oder happy endet, sondern eben sehr realistisch. Das bedeutet, dass nicht alle Sorgen verpuffen, dass das Leben plötzliche einfach und sonnig ist. Aber es bedeutet ebenso, dass es weitergeht, dass sich Dinge verändern und neue Situationen auch Hoffnung für die Zukunft beinhalten können. Ich fand's klasse! 

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

gefühlvoll-tiefgründig, hochwertig, besonders, traurig und hoffnungsvoll



Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Charlotte & Ben: Ein Freund kann alles verändern" hat mich berührt und traurig gemacht, und es hat mich mit seiner klugen und authentischen Geschichte völlig für sich eingenommen. Das Buch macht vor allem deutlich, dass das Leben weitergeht. Immer, und nicht unbedingt so, wie wir uns das vorstellen. Am Ende ist sicher, Leben bedeutet Veränderung, und das muss nicht zwangsläufig schlecht sein. In Veränderung kann auch Hoffnung und Freude stecken. Ein wunderbares Buch!


© Damaris liest.