Sonntag, 22. Dezember 2019

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Unglaublich wild und wunderbar" von Jenny McLachlan



Carlsen Verlag (November 2019),
Klappenbroschur, 336 Seiten,
übersetzt von Birgit Schmitz,
15,00 [D]


Annie kann es kaum erwarten, endlich mit dem College anzufangen. Die tägliche Zugfahrt dorthin nimmt sie gern in Kauf, wenn sie so ihrer allzu besorgten Mutter entkommt. Voller Begeisterung stürzt sie sich in ihr neues Leben und alles, was dazugehört. Sich zu verlieben steht nicht besonders weit oben auf ihrer Liste. Anders bei Fab, der gleich am ersten Tag in Annies Englischkurs auftaucht: sehr groß, sehr überschwänglich und sofort Hals über Kopf in Annie verliebt. Doch die hält ihn erst einmal auf Abstand. Erst einmal. (Text-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag)


Und nachdem er sich hingesetzt hat zieht er noch ein Twix aus der Tasche. "Das ist für dich."
Ich glaube nicht, dass je ein Twix schöner ausgesehen hat.
Ich kann ihn kaum anschauen. "Die mag ich am liebsten", sage ich.
"Ich weiß."
"Danke."
"Ist nur ein Twix, Annie", erwidert er achselzuckend, aber dann schenkt er mir ein typisches Fab-Lächeln, so eines, das von einem Ohr zum anderen geht, und ich schöpfe Hoffnung, dass mein Plan - nur vielleicht - doch noch aufgeht.
- S. 290


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Ein Neuanfang oder neuer Lebensabschnitt ist für junge Menschen eine große Sache. Für sie geht es darum, altes hinter sich zu lassen, Dinge zu wagen und offen für neue Möglichkeiten zu sein. Das zu verfolgen ist interessant, und weil ich gerne zeitgenössische Jugendbücher mit einer süß-humorvollen Lovestorys lese, war "Unglaublich wild und wunderbar" bei mir auch sofort auf der Wunschliste gelandet.
  2. Ein Coming-of-Age-Roman ist das Buch nicht mehr unbedingt. Denn Annie ist schon etwas älter, hat bereits die Entwicklung zur jungen Erwachsenen hinter sich. Die Geschichte startet mit ihrem ersten Tag am College, den Annie kaum erwarten konnte. Sie freut sich auf ein neues Leben, neuen Freunde und Bekanntschaften und auf neue Herausforderungen. Eine feste Beziehung steht für sie überhaupt nicht zur Debatte, sich zu verlieben rangiert ziemlich weit unten auf ihrer momentanen Lebensliste. Als sie Fab begegnet, ändert sich ihre Meinung (zuerst) nicht. Fab ist nicht nur äußerst groß und liebenswürdig, sondern auch sehr überschwänglich und vereinnahmend.
  3. "Unglaublich wild und wunderbar" ist tatsächlich das einzige Jugendbuch, an das ich mich erinnere, das direkte Inklusion beinhaltet, weil die Hauptprotagonistin selbst mit einer körperlichen Behinderung lebt. Aufgrund einer zerebralen Kinderlähmung benötigt Hauptprotagonisten Annie zeitweise einen Rollstuhl. Immer dann, wenn ihr das Laufen zu anstrengend wird, was durch ihren ungelenken Gang, der Bewegungsstörung, recht häufig der Fall ist. Innerhalb der Geschichte fühlt sich dieser Umstand ganz natürlich an, und ich habe mich sehr gefreut, dass Jenny McLachlan das in ihr Buch einfließen lässt.
  4. Mit der Lovestory hat die Autorin das Rad natürlich nicht neu erfunden: Ein Mädchen will keine Beziehung, verliebt sich schlussendlich aber doch. Macht nichts, denn gerade dieser Punkt liest sich süffig und wirklich süß. Fabs Annäherungsversuche könnten manche Leser*innen als übergriffig interpretieren, weil er trotz Annies Nein einfach nicht aufgibt. Doch Fab hat das Herz am rechte Fleck, gerade seine Rolle empfand ich als frisch und liebenswert. Das erkennt auch Annie.
  5. Insgesamt ist der Autorin hier eine wirklich süße und jugendlich-humorvolle Geschichte gelungen, die zuweilen auch tief blicken lässt. Theoretisch könne man sie in einem Rutsch weglesen. Die Verbindungen zu "Sturmhöhe" sind toll! Es gab wenige Stellen, die mich ganz leicht genervt haben, was aber wohl eher meinem Alter als der Geschichte selbst geschuldet ist. Schön ist auch, dass sich die Geschichte so lebensnah liest und sie fast ohne künstliche Dramatik auskommt. Mit dem Ende war ich sehr glücklich.

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

jugendlich-süß, inklusiv, süffig, lustig und natürlich-lebensnah




Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Unglaublich wild und wunderbar" ist die jugendlich-süße und zuweilen auch lustige Geschichte eines Mädchens, das vor einem Neuanfang steht, mit einer Lovestory, die man gerne liest. Denn das Buch fesselt mit seiner lebensnahen Spannung so stark, dass man es kaum aus der Hand legen möchte. Außerdem wird mit dieser Geschichte gezeigt, dass Inklusion, dargestellt durch einer Hauptprotagonistin mit einer zerebralen Lähmung, gerade in Büchern ganz natürlich möglich ist. Das gefiel mir besonders gut. Wirklich lesenswert!


© Damaris liest.