Mittwoch, 27. November 2019

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Oktober 2019

Wir haben schon Ende November, dabei habe ich es bisher noch nicht einmal geschafft, auf meinen buchigen Oktober zurückzuschauen. Das hole ich jetzt nach. Denn für mich sind diese Monatsrückblicke gleichzusetzen mit einer Art Lesetagebuch, einer Statistik, wenn man so will. Ich schreibe sie sehr gerne.
Im Oktober sind nur zwei neue Bücher bei mir eingezogen. Das ist okay so, denn schließlich habe ich noch einige tolle Buchschätze, die darauf warten gelesen zu werden. Lesetechnisch gab es im letzten Monat ein paar echte Highlights, aber auch Bücher, die mich nicht vom Hocker gehauen haben, sogar einen Abbruch. Auch das ist okay, denn es fokussiert den persönlichen Lesegeschmack.


Meine Buchzugänge im Oktober - 2 Bücher



Montag, 25. November 2019

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Kingdoms of Smoke: Die Verschwörung von Brigant" von Sally Green



dtv Verlagsgesellschaft (September 2019), Band 1,
Hardcover/SU, 544 Seiten,
übersetzt von Alexandra Ernst,
18,95 € [D]

Prinzessin Catherine bereitet sich in Brigant auf ihre Hochzeit mit einem Mann vor, den sie nie getroffen hat.
Ambrose, dem Leibgardisten, der heimlich in die Prinzessin verliebt ist, droht unterdessen das Henkersschwert.
In Calidor ist der Diener March auf Rache an dem Mann aus, der für den Untergang seines Volkes verantwortlich ist.
Edyon wird in Pitoria von seiner unbekannten Vergangenheit eingeholt.
Und auf dem Nördlichen Plateau macht die junge Dämonenjägerin Tash eine mysteriöse Entdeckung.

Die Leben dieser fünf jungen Menschen werden untrennbar miteinander verknüpft. Ihren Ländern droht Schlimmeres als der nahende Krieg und in ihren Händen ruht das Schicksal ihrer Welt ... (Text-, Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft)


Boris zischte ihr ins Ohr: "Du schaust nicht hin, Schwester."
Catherine drehte sich um. Lady Annes Kopf wurde auf die Lanze gespießt, und dort, am Fuß des Schafotts, stand Noyes mit diesem Halblächeln auf den Lippen. Und noch während sie ihn anblickte, drehte er sich leicht zur Seite und schaute zu Ambrose. Da erkannte Catherine, wie dumm sie gewesen war: Dies hier war keine Strafe, keine Warnung und auch keine Lektion.
Es war eine Falle.
- S. 29


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Obwohl der erste Band der Kingdoms of Smoke-Reihe "Die Verschwörung von Brigant" rein optisch für mich zu den Wow-Büchern gehört, hatte ich vorab keine große Lust auf das Buch. Warum? Ich weiß auch nicht ... es ist so umfangreich, schon wieder eine neue Reihe, und eine große High-Fantasy-Welt (die auch noch sehr ruhig sein sollte) reizte mich eher weniger. Und dann die Überraschung: Ab dem ersten Kapitel fand ich das Buch super. Das hielt bis zum Schluss an, und ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung.
  2. Es geht um fünf Hauptcharaktere (und einige Nebendarsteller) - eine Prinzessin, ihren Leibwächter, einen Verräter, einen Bastard und eine junge Dämonenjägerin -, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird. Die meisten dieser Personen kennen sich nicht, und doch gibt es eine Verbindung, führen ihre Wege am Ende zusammen. Diese Entwicklung zu verfolge war alles andere als langweilig, dafür unterschwellig mitreißend, und hat mir großen Spaß gemacht.
  3. Die High-Fantasy-Welt der Reihe sollte vom Aufbau her bekannt sein. Es geht um diverse Königreiche und deren Beziehungen zueinander. Das macht aber nichts, denn der Grundkonflikt der Geschichte ist schnell erkannt, die Umsetzung war für mich fesselnd. Ein gruseliges und faszinierendes Element der Geschichte sind die Dämonen, deren Lebensatem, genannt Rauch, als eine Art Droge fungiert, die das Bewusstsein und die Kraft eines Menschen verändert. Der Besitz und Handel mit Dämonenrauch ist im Königreich verboten, was natürlich zu einigen Konflikten führt.
  4. Obwohl die Handlung aus fünf verschiedenen Sichtweise erzählt wird, fällt es nicht schwer, den einzelnen Wegen zu folgen und die Geschichte dementsprechend zusammenzusetzen. Das Buch hat einiges an Komplexität zu bieten, bleibt aber immer übersichtlich. Die Charaktere empfand ich als prinzipiell gut durchdacht, von kleinen Schwächen mal abgesehen, es gab aber durchaus Sichtweisen, die ich lieber gelesen habe als andere. Allen voran die Kapitel der jungen Dämonenjägerin Tash.
  5. "Die Verschwörung von Brigant" endet an einem Wendepunkt, einer Zusammenführung der einzelnen Geschichten der Hauptpersonen. Es ist tatsächlich so, dass man zu diesem Zeitpunkt so tief in der Geschichte steckt, dass man eine Fortsetzung gerne griffbereit hätte. Zum Glück lässt diese nicht lange auf sich warten.

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

zielbewusst, ruhig-vorwärtstreibend, vereinnahmend, gelungen und spannend




Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Kingdoms of Smoke: Die Verschwörung von Brigant" ist für mich ein Reihenstart, der ziemlich konstant fesselt und den ich als sehr schmökerig und gelungen empfinde. Ja, es mag ein paar Schwächen bei einzelnen Hauptcharakteren geben, die man aber getrost "überlesen" kann, denn die Geschichte ist stimmig und aktuell. Die High-Fantasy-Welt ist gut zu begreifen, und wie die Wege von fünf Einzelschicksalen zusammengeführt werden, ist vereinnahmend und immer zielbewusst. Sehr schön!


© Damaris liest.



Reiheninfo Kingdoms of Smoke-Trilogie:

Band 1 - Die Verschwörung von Brigant
Band 2 - Dämonenzorn, 2020
Band 3 - ?




Mittwoch, 20. November 2019

5 (Bücher) vom SuB #4


Anfang 2019 habe ich mir vorgenommen, endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff zu nehmen. Das ist mir wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschen, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Und weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der letzte Beitrag dazu war 5 (Bücher) vom SuB #3. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Und jetzt geht es weiter mit #4 ...


In my Dreams: Wie ich mein Herz im Schlaf verlor von Claudia Siegmann
Das ehemals adelige Anwesen Runmore Manor wurde zu einem gemütlichen Hotel umgebaut. Und hier lebt auch Lu Runmore mit ihrer Familie. Lu kann Geister sehen, die früher auf dem Anwesen gewohnt haben, aber das stört sie nicht groß, sie hat sich mit ihnen arrangiert. Doch in letzter Zeit beginnt Lu zu schlafwandeln und hat seltsame Träume, die bis in die Wirklichkeit nachwirken. Was geschieht im Hotel? Und warum schleicht Ben, ein Gast, nachts durch die Hotelgänge?

Ich hatte mit meinem Griff zu "In my Dreams" nicht gedacht, welch süsses und humorvolles Jugendbuch da auf mich warten würde. Die Geistergeschichte ist charmant und total lustig und turbulent-spannend aufgebaut. Sie erinnerte mich an das Lesegefühl, das ich bei Büchern von Kerstin Gier oder Dagmar Bach habe. Diese Art von Geschichten finde ich klasse und komplett zum Wohlfühlen. "In my Dreams" ist abgeschlossen, ein Einzelband.


Wer braucht schon Liebe? von Denise Deegan
Die 16-jährige Alex hat ein Leben, das sich viele erträumen. Ihr Vater ist ein Rockstar, sie geht auf eine angesagte Schule und hat zwei allerbeste Freundinnen. Doch seit dem Tod ihrer Mutter, vor nicht mal einem Jahr, lässt Alex niemanden mehr an sich ran. Auch ihr Vater arbeitet rund um die Uhr, ist nicht für Alex da. Erst David McFadden, den Alex anfangs rundum doof findet, gelingt es, ihr harte Schale aufzubrechen.

"Wer braucht schon Liebe?" machte mir zu Beginn großen Spaß. Zwar ist Alex als Protagonistin schon sehr speziell, aber ich habe ihre Situation gut verstanden, konnte nachvollziehen, wie es ihr geht. Auch die Lovestory mit David fand ich frisch und schön zu lesen. Ab der Mitte des Buches ändert sich das, denn David muss umziehen. Alex Reaktion darauf ist völlig überzogen, ihr Verhalten nur noch bockig und verbohrt. Schwer zu ertragen. Ich weiß zwar, was die Autorin damit bezwecken wollte, gefallen hat es mir aber ab diesem Zeitpunkt nicht mehr richtig. Am Ende lässt mich das Buch mit gemischten Gefühlen zurück. Es war okay, und trotzdem nervig. Zwei weitere Bände der Reihe, in denen es um Alex' Freundinnen geht, habe ich aussortiert. Ich möchte sie nicht mehr lesen.

Sonntag, 17. November 2019

"Wer ist Edward Moon?" von Sarah Crossan



Das Thema
Joe hat seinen Bruder seit zehn Jahren nicht gesehen, und das aus dem schlimmsten aller Gründe: Ed sitzt in der Todeszelle. Aber jetzt wurde Eds Hinrichtungsdatum festgelegt und Joe ist wild entschlossen, diese letzten Wochen mit seinem Bruder zu verbringen, egal, was andere Leute denken ...

Geschrieben von Carnegie Medal-Gewinnerin Sarah Crossan, wirft dieser ergreifende, aufwühlende, großherzige Roman wichtige Fragen auf: Welchen Wert misst man dem Leben bei? Was kann man vergeben? Und wie nimmt man Abschied voneinander?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Mixtvision Verlag


"Kann ich ihn noch mal anrufen?" fragte ich.
Die Mandarine lag noch
in meiner Hand.
Ich wollte sie Mom ins Gesicht werfen und ihr wehtun.
"Nein", meinte sie.
"Und rechne nicht damit, irgendwann überhaupt noch mal mit
ihm zu reden."
Ich glaubte ihr nicht.
Ich dachte, Ed würde anrufen.
Ich dachte, er würde heimkommen.
Tat er aber nicht.
- S. 9/10


Das Leseerlebnis
Sarah Crossan hat mich mit ihrem Buch "Eins" nachhaltig beeindruckt. So sehr, dass ihr neuestes Werk "Wer ist Edward Moon?" sofort auf meine Muss-ich-lesen-Liste gerückt ist. Und jetzt, nach dem Lesen, frage ich mich, warum ich nicht schon längst alle Bücher der Autorin gelesen habe. Ich bekam genau das, was ich vom Buch erwartete ... und noch viel mehr. "Wer ist Edward Moon?" thematisiert die Todesstrafe in den USA und ist gleichzeitig eine Familientragödie. Eine aufrüttelnde und harte Lektüre, die aber ebenso gefühlvoll ist und die ich jederzeit neu empfehlen würde.

Edward hat seine Familie von heute auf morgen verlassen, er hielt es zu Hause nicht mehr aus. Damals war sein Bruder Joe acht Jahre alt. Kurz darauf wurde Edward verhaftet und des Mordes an einem Polizisten angeklagt. Seitdem sitzt er in Texas in der Todeszelle. Nun, zehn Jahre später, wurde ein Hinrichtungstermin festgelegt. Joe, der sich mittlerweile mit seinem Leben arrangiert hat, so scheint es zumindest, beschließt, seinen Bruder im Gefängnis zu besuchen, und die letzten Wochen mit Ed zu verbringen, dem Bruder, den er als Kind verloren hat. Er möchte verstehen und ihn neu kennenlernen. Außerdem glaubt Joe fest an Eds Unschuld. Vielleicht gibt es ja noch eine Chance, die Todesstrafe abzuwenden.