Montag, 2. September 2019

"OMG, diese Aisling!" von Sarah Breen und Emer McLysaght



Das Thema
Auf den ersten Blick führt Aisling ein beschauliches Leben. Mit 28 wohnt sie noch bei ihren Eltern in ihrem Heimatort Ballygobbard und träumt, wovon man in dieser verschlafenen Kleinstadt so träumen kann: einem Ring am Finger und der ganz großen Liebe. Doch selbst ein gefangener Brautstrauß und ein romantischer Trip nach Teneriffa bewirken bei ihrem Freund John nichts. Kurzerhand nimmt Aisling ihr Glück selbst in die Hand. Sie macht Schluss mit John und zieht nach Dublin zu ihrer hippen Kollegin Elaine. Die Folgen: neue, glamouröse Freundinnen (mit durchaus unglamourösen Problemen), ein Finanzskandal (mit dem sie fast nichts zu tun hat) und ein turbulentes Liebesdreieck (das in einem Viereck zu münden droht). Klingt nach Chaos? Klingt ganz nach Aisling!

© Klappentext, Cover- und Zitatrechte: bold


Ich bin einfach vom Dominoeffekt ausgegangen - John würde mir einen Antrag machen, meine Eltern würden uns ein Stück Land zur Hochzeit schenken und wir würden ein Haus mit fünf Schlafzimmern bauen (Niamh würde es eine Bruchbude nennen), mit einem begehbaren Kleiderschrank und einer riesigen Waschküche für mich und einer Männerhöhle für ihn. Innerhalb eines Jahres wäre ich schwanger und das wär's dann. So läuft das hier, so machen das alle unsere Freunde.
Aber wollte ich so ein Leben wirklich?
- S. 122/123


Das Leseerlebnis
"OMG, diese Aisling!" klang für mich ein bisschen nach einem Bridget-Jones-Leseerlebnis, und das ist komplett positiv gemeint. Eine etwas chaotische, verschrobene, dabei aber sehr charmante, junge Frau, die liebenswert ist und der die Leserherzen zufliegen - Potenzial für allerbesten Lesestoff also. Und ja, in Ansätzen konnte Aisling durchaus mein Herz gewinnen. Aber eben nur in Ansätzen. Ich hatte mit den Buch schöne Momente, aber auch leichte Durststrecken und machmal sogar Unverständnis. So richtig wurden die Geschichte und ich nicht miteinander warm.

In Aislings Freundeskreis, auf dem irischen Land rund um Dublin, gibt es fast nur ein Thema: Hochzeit! Klar, dass Aisling sich persönlich ebenfalls einen Ring am Finger wünscht. Schließlich sind sie und ihr Freund John auch schon ewig zusammen. Doch John hat anscheinend andere Pläne (oder gar keine), denn er denkt gar nicht daran, Aisling zu heiraten. Frustriert macht Aisling mit ihm Schluss. Ein Fehler? Oder die richtige Entscheidung? Sie weiß es nicht. Dafür zieht sie erst Mal zu zwei Arbeitskolleginnen in eine ziemlich abgefahrene WG. Zwischen Partys, Wochenendtrips und Familiendramen versucht Aisling herauszufinden, was sie wirklich will.

Aisling einen Stempel aufzudrücken, weil sie mit 28 Jahren noch zu Hause wohnt, wird ihr nicht ganz gerecht. Sie hat bereits alleine gewohnt, ist aber wegen einer Erkrankung ihres Vaters wieder nach Hause zurück gezogen. Ihr liegt etwas an ihrer Familie, obwohl die Beziehung zu ihrer Mutter zuweilen etwas schwierig ist. Und das war auch der Part der Geschichte, der mir am besten gefiel, und der zu Herzen ging. Mit der Familiengeschichte, dem Landleben und der Beziehung zwischen zwei Dörfern, gelang es den Autorinnen sehr gut, den irischen Charme und so manche Eigenheit einzufangen. Sehr schön!

Allerdings endeten damit auch schon meine zarten Sympathien für das Buch. Denn Aislings sonstigen Leben empfand ich als eher langweilig und nicht sonderbar charmant, oftmals sogar oberflächlich. Denn ihr Alltag besteht aus Kneipen-Besuchen, viel Alkohol, hippen und nicht so hippen Freundinnen, Kleidungsfragen, noch mehr Alkohol und Männerauswahl. Und mittendrin die chaotisch-unsichere-lustig-naive Aisling mit der Frage, was sie für sich selbst und ihre Zukunft will. Für einige ihrer Aktionen fehlte mir schlicht das Verständnis. Das kann man zwischendurch mal lesen, vielleicht hat man dabei sogar etwas Spaß, gefühlt war es mir jedoch zu wenig motivierend. Auch wenn versucht wurde, etwas Tiefsinn in die Geschichte zu bringen, fehlte mir gerade dieser. Eventuell wird Aislings Geschichte fortgesetzt, der Roman lässt sich aber auch als Einzelband lesen.

Das Fazit
Wer bei "OMG, diese Aisling!" einen charmant-chaotischen Roman für zwischendurch erwartet, der könnte mit dem Buch glücklich werden. In Ansätzen traf das auch bei mir zu, komplett warm wurde ich mit der Geschichte nicht. Es gibt Momente, die gehen zu Herzen, die amüsieren und fangen den irischen Charme der Geschichte auch gut ein. Es gibt aber auch Bücher, die können das besser. Generell war mir die Handlung zu oberflächlich, oftmals sogar unverständlich und fragwürdig. Daraus ergaben sich beim Lesen Durststrecken und Sympathien hielten nicht sehr lange an. Darum für mich nur Mittelmaß und 3 von 5 Sterne.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


bold (August 2019) - Klappenbroschur, 336 Seiten - 14,90 € [D]
Originaltitel: Oh My God, What a Complete Aisling - Übersetzt von Barbara König