Freitag, 6. September 2019

5 (Bücher) vom SuB #3


Anfang 2019 habe ich mir vorgenommen, endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff zu nehmen. Das ist mir wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschen, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Und weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der letzte Beitrag dazu war 5 (Bücher) vom SuB #2. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Und jetzt geht es weiter mit #3 ...


Eins von Sarah Crossan
Die Zwillinge Tippi und Grace sollen ab jetzt auf eine normale Schule gehen, weil sich die Eltern den Unterricht zu Hause nicht mehr leisten können. Die 16-jährigen Mädchen sind siamesische Zwillinge, ab der Hüfte zusammengewachsen, und befürchten an der neuen Schule einen Spießrutenlauf. Doch dort erleben sie nicht nur befremdliche Blicke und Unsicherheit, sondern auch echte Freundschaft. Als es Tippi und Grace gesundheitlich immer schlechter geht, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Vor dem Lesen wusste ich überhaupt nicht, was hier auf mich zukommt. Nur, dass der Roman in Gedichtform geschrieben ist. Die kurzen Kapitel sind optisch wie ein Gedicht verfasst, dadurch bekommen einzelne Sätze und Wörter eine sehr deutliche Gewichtung. Obwohl es keine Reime gibt, ist das Lesegefühl sehr besonders. Ich mag das sehr.
Die Geschichte selbst hat mich sehr berührt und aufgewühlt. Das Thema siamesische Zwillinge ist mir bisher noch in keinem Buch begegnet, Umsetzung und Feinfühligkeit empfand ich als perfekt. "Eins" ist ein Buch, an das man sich lange erinnern wird.


Die Quersumme von Liebe von Katrin Zipse
Luzie hat schon als Kind ihren Vater bei einem Wanderunfall verloren und auch ihre Oma ist schon seit einer ganzen Weile verstorben ... meint sie. Denn eines Tages findet sie im Hausmüll eine Todesanzeige, in der steht, dass ihre Oma erst kürzlich verstorben ist. Luzie beginnt nachzuforschen, denn sie mag sich nicht mehr mit den Familienlügen abfinden, die ihr Leben bestimmen. Dabei deckt sie bei sich selbst tief verschüttete Erinnerungen auf.

"Glücksdrachenzeit" der Autorin gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Und auch "Die Quersumme von Liebe" konnte mich voll und ganz für sich einnehmen. Die Geschichte ist düster, tragisch und tut oftmals sogar ziemlich weh. Neben der Tatsache, dass man unbedingt wissen möchte, was in Luzies Kindheit passiert ist, ist das Buch so gefühlvoll und echt, dass ich es wie im Rausch lesen musste. Und das Ende ... komplett wunderbar und berührend.


Mein bester letzter Sommer von Anne Freytag
Tessa ist ist todkrank. Eigentlich hat sie immer auf den perfekten Jungen gewartet, doch jetzt läuft ihr die Zeit davon. Denn Tessa wird innerhalb eines Jahres sterben. Ausgerechnet da begegnet sie Oskar und für Tessa ist es die Liebe auf den ersten Blick. Sie vertraut Oskar, und er überrascht sie mit einem tollen Plan. Er schenkt ihr einen besten letzten Sommer.

Das Buch war für mich ein schnelles Lesevergnügen, denn nach 60 Seiten habe ich "Mein bester letzter Sommer" abgebrochen. Eine Geschichte mit einem allerbesten letzten Sommer hätte für mich großes Potenzial gehabt. Stattdessen gab es Instalove, ewige innere Tessa-Monologe und ihre Schwärmereien für einen Jungen, mit dem sie noch (fast) kein Wort gewechselt hat. Nö, das brauche ich in Büchern nicht. Da hätte ich mehr erwartet.


Und in mir der unbesiegbare Sommer von Ruta Sepetys
Im Juni 1941 wird Lina und ihre Familie von der sowjetischen Geheimpolizei abgeholt. Sie wissen noch nicht, dass sie ihrer Heimat Litauen entrissen, und in Arbeitslager nach Sibirien deportiert werden. Eine monatelange Reise voller Qualen, Leid und Hunger stehen ihnen bevor. Lina beginnt zu zeichnen und ihre Eindrücke aufzuschreiben. Das ist zwar lebensgefährlich, doch es ist ihr wichtig, dass die Erlebnisse von Millionen von Balten nicht in Vergessenheit geraten.

Ruta Sepetys "Salz für die See" hat mich tief ergriffen. "Und in mir der unbesiegbare Sommer" tat das ebenso. Die Geschichte lässt einen nicht mehr los. Es ist unvorstellbar, richtig grauenhaft, was Lina und alle in russische Gulags Deportierten erleiden mussten. Doch zwischen all der Hoffnungslosigkeit findet man auch viel Liebe, Freundschaft und Kraft. Der Roman ist zwar fiktiv, entspricht aber Tatsachen, die Autorin recherchiert und mit Überlebenden dieser Zeit besprochen hat. Ein Buch, das jeder lesen sollte.


The Hate U Give von Angie Thomas
Die 16-jährige Starr ist in einem schwarzen Viertel aufgewachsen, wird von ihren Eltern aber auf eine Privatschule geschickt und hat einen weißen Freund. Sie ist sich den Konflikten, die dadurch immer wieder entstehen voll bewusst. Als sie nach einer Party mit einem Freund auf dem Nachhauseweg ist, wird dieser von einem Polizisten erschossen. Starr muss sich entscheiden, ob sie weiterhin Mitläuferin ist und schweigt, oder ob sie ihre Stimme erhebt.

"The Hate U Give" liest sich wie ein Film (und das sage ich, ohne die tatsächliche Verfilmung des Buches zu kennen). Ich bin durch die Seiten gerauscht und konnte es kaum weglegen. Das Buch ist sehr authentisch und auch erschütternd. Es macht auf die dramatischen Verhältnisse und Vorurteile aufmerksam, die immer noch zwischen schwarzen und weißen Menschen herrschen, die Ungerechtigkeit, die Schwarze jeden Tag erfahren müssen, aber auch die problematischen Strukturen, die innerhalb dieser Gesellschaft zu finden sind. Ungeachtet des Hintergrundes und der Message fand ich das Buch sehr cool und aufrüttelnd zu lesen.