Mittwoch, 21. August 2019

"Die goldenen Wölfe" von Roshani Chokshi



Das Thema
Paris zur Zeit der Weltausstellung 1889: Der wohlhabende Hotelier und Kunstexperte Séverin Montagnet-Alarie begibt sich mit einem Team aus Spezialisten auf die Suche nach einem besonders wertvollen Artefakt, dem Horus-Auge. Doch ihre Mission in das dunkle Herz der französischen Metropole ist voller Magie und Gefahren. Und was sie dort finden werden, dürfte die Welt verändern ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Arctis Verlag


"[...] Noch einmal möchten wir uns bei den beiden Häusern Frankreichs bedanken und ihre Bereitschaft honorieren, Gastgeber dieser Frühlingsauktion zu sein. Ehre, Haus Nyx. Ehre, Haus Kore."
Séverin hob die Hände, applaudierte aber nicht. Die lange Narbe auf seiner Handfläche schimmerte silbern im Licht des Kronleuchters - eine Erinnerung an das Erbe, das man ihm verwehrt hatte.
Als letzter Angehöriger der Montagnet-Alarie-Linie und Erbe von Haus Vanth flüstere Séverin dennoch: Ehre, Haus Vanth.
Vor zehn Jahren hatte der Orden die Blutlinie von Haus Vanth für ausgestorben erklärt.
Der Orden hatte gelogen.
- S. 16


Das Leseerlebnis
Zuerst ging ich bei "Die goldenen Wölfe" von einem Einzeltitel aus. Das ist aber nicht so, denn das Buch ist der Starttitel einer Fantasy-Trilogie. Zum Glück! Denn schon während des Lesens war klar, dass ich mehr will. Mehr von Autorin Roshani Chokshi. Und noch viel mehr von dieser genialen Geschichte! Hier stimmt nicht nur das überaus schön anzusehende Cover (das zudem noch perfekt zur Story passt), auch der Inhalt überzeugt sofort. Er fasziniert komplett, amüsiert aufs Allerbeste und ist spannend bis zum Schluss. Und jetzt sitze ich hier und frage mich, wie ich die Wartezeit bis zum Folgeband aushalten soll. Ein fieses Gefühl, aber gleichzeitig die Bestätigung, dass "Die goldenen Wölfe" ein top Reihenstart ist.

Im Frankreich des 19. Jahrhunderts gibt es vier Häuser des Ordens von Babel. Oder besser gab, denn mittlerweile sind nur noch zwei Häuser übrig geblieben. Der Orden von Babel schützt magische Fragmente, die Quelle aller Schmiedekunst (eine Art Magieausübung). Séverin ist ein Dieb und wurde selbst betrogen. Als der Erbe eines der nicht mehr vorhandenen Häuser möchte er sich selbst zu seinem Recht verhelfen, sein Haus wieder auferstehen lassen. Dafür lässt er sich auf einen gefährlichen Deal ein. Mit seinem Diebesteam macht er sich auf die Suche nach einem mächtigen Artefakt, das in den falschen Händen das Ende der bekannten Welt bedeuten könnte.

Aufgrund der Beschreibung gelang es mir nicht so richtig, die Geschichte einzuordnen. Doch hatte ich einmal zu lesen begonnen, konnte ich nicht mehr damit aufhören. Ein klein wenig muss man sich einlesen, um einen Überblick zu bekommen und sich an die hochwertige Sprache, passend zur Handlung im 19. Jahrhundert, zu gewöhnen. Dann überwiegt eindeutig eines - Spaß! Das Team um Séverin, bzw. der ständige Schlagabtausch und manche (meist neckende) Streiterei, ist so lustig und einzigartig, dass ich aus dem Schmunzeln gar nicht mehr herauskam. Dazu hat jedes Teammitglied seinen eigene (oft tragische) Hintergrundgeschichte, ist herrlich divers und liebenswert cool. Jeder Charakter ist meisterhaft dargestellt und ausgearbeitet. In dieser Form kenne ich das von wenigen Autor*innen, und deren Bücher gehören dann zu meinen liebsten.

Die Geschichte ist voller Rätsel und Entdeckungen, voller Eigenheiten und Wunderlichem. Hier muss man konstant am Ball bleiben, um der Handlung lückenlos folgen zu können. Genau so mag ich das. Außerdem spricht die Autorin Themen an, die aktuell sind, die wachrütteln und nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Am Ende ist der Weg für einen Folgeband bereitet und einige Auflösungen ließen mich nägelkauend und schockiert zurück. Hatte ich schon erwähnt, dass ich möglichst schnell mehr will?

Das Fazit
Mit "Die goldenen Wölfe" hatte ich definitiv die allerbesten Lesestunden. Das Buch hat alles, was ich von einer mitreißenden Geschichte erwarte. Eine spannende, mysteriöse und völlig fesselnde Handlung. Wunderbar diverse und eigen(sinnige) Charaktere, die bei aller Dramatik so viel Humor und Spaß in die Geschichte bringen, dass man nicht möchte, dass das Buch jemals zu Ende geht. Zum Glück ist das erst der Anfang, wobei ich mir fast nicht vorstellen kann, dass es noch besser geht. Große Klasse! 5 von 5 Sterne vergebe ich für den Reihenauftakt.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Arctis Verlag (August 2019) - Band 1/3 - Hardcover, 448 Seiten - 19,00 € [D]
Originaltitel: The Gilded Wolves - Übersetzt von Hanna Christine Fliedner und Jennifer Thomas - ab 14 Jahren