Freitag, 5. April 2019

"Zorngeboren: Die Empirium-Trilogie" von Claire Legrand



Das Thema
Rielle Dardenne rettet ihren Freund den Kronprinzen - mithilfe der sieben Arten der Elementarmagie. Doch die Einzigen, die diese außergewöhnliche Fähigkeit besitzen sollen, sind laut Prophezeiung zwei Königinnen: die Sonnenkönigin des Heils und die Blutkönigin der Zerstörung. Kann Rielle in sieben Prüfungen beweisen, dass sie die Sonnenkönigin ist?
Tausend Jahre später: Die Kopfgeldjägerin Eliana Ferracora besitzt magische Kräfte und glaubt, damit unantastbar zu sein - bis eines Tages ihre Mutter und andere Frauen verschwinden. Eliana schließt sich einer gefährlichen Mission an und entdeckt, dass das Böse im Herzen des Imperiums noch schrecklicher ist, als sie es sich jemals hat vorstellen können ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Arctis Verlag


Simon schützte sein Gesicht und beugte den Kopf über den Säugling in seinen Armen. [...] Eine Sekunde später zerbrach die Stille mit einem ohrenbetäubenden Knall, der die Berge zum Beben brachte und Simon beinahe von den Füßen riss.
Das Schloss rutschte unter ihm weg. In der Luft über der Hauptstadt lag plötzlich ein Brandgeruch. Einer der umliegenden Berge stürzte in sich zusammen, und dann noch einer und noch einer.

Halte sie gut fest - da war die Frauenstimme wieder, hoch und deutlich hörte Simon sie in seinem Kopf. Lass sie auf keinen Fall los. - S. 21


Das Leseerlebnis
Irgendwo hatte ich aufgeschnappt, dass Autorin Claire Legrand mehr als dreizehn Jahre lang an ihrem Fantasy-Roman "Zorngeboren" geschrieben hat. Ich meine ... dreizehn Jahre! Das ist schon eine ganz eigenen Hausnummer. In meiner Vorstellung gibt es für solch ein Buch nur zwei Möglichkeiten: Entweder, die Autorin hat sich in etwas verrannt und das Buch ist so umfangreich, verschachtelt und vollgeladen, dass das Lesen keine große Freude mehr macht. Oder, der Roman ist so differenziert und durchdacht ausgearbeitet, dass er zu den Büchern gehört, die man nicht mehr vergisst. Für mich trifft auf "Zorngeboren" letzteres zu. Die Geschichte ist in jeder Hinsicht perfekt, einfach großartig. Das ist Fantasy, wie ich sie lesen will.

Die Geschichte startet mit einem Prolog, einem Wendepunkt in der Welt von Avitas, in der "Zorngeboren" spielt. Schon diese wenigen Seiten haben mich so stark fasziniert, dass ich für die komplette Geschichte das Allerbeste erwartete, was sich dann auch bewahrheitete. Eine Königin legt ihr Reich in Schutt und Asche, ein machhungriger Engel ist böse-verzweifelt und ein neugeborenes Mädchen wird ins Ungewisse gerettet. Und dann beginnt die Geschichte. Oder sollte ich besser sagen, die Geschichten.

"Zorngeboren" enthält zwei Geschichten, die von Rielle und die von Eliana. Sie handeln aber nicht zum gleichen Zeitpunkt; zwischen den Leben der beiden jungen Frauen liegen mehr als Tausend Jahre. Und doch sind Rielles und Elianas Bestimmungen miteinander verknüpft. Wie das sein kann und auf welche Art und Weise, das erfuhr ich nach und nach. Die Handlungen sind sehr verflochten und komplex. Avitas ist ein großes und phantastisches Reich. Es gibt das Empirium (die Magie, die Urkraft) und das Imperium (ein unterdrückendes Machtgefüge), dazu sieben magische Elemente, ihre jeweiligen Tempel, Religionen, Farben, Heilige, Anhänger, usw. Wem das jetzt schon zu viel erscheint, dem kann ich versichern, dass sich das Buch außerordentlich gut lesen lässt. Man "wächst" mit der Story, es ist ein moderner und gleichzeitig klassischer Fantasyschmöker der nicht mehr loslässt.

Das Frauenbild gefiel mir sehr gut, weil die Autorin nichts in Schwarz-Weiss zeichnet und die Charakterentwicklung wunderbar gelungen ist. Die Handlung ist hart, oft schonungslos, aber auch humorvoll und spritzig-taff. Am Ende angelangt, ist die Geschichte natürlich keineswegs zu Ende. Noch nicht einmal die Szene des Prologs ist erreicht. Ich bin jetzt schon sicher, dass die Folgebände Die Empirium-Trilogie zu einem epischen Fantasyhighlight machen. Bis dahin gibt es in diesem ersten Band ein Worldbuilding, das nicht besser sein könnte, Charaktere, die von Anfang bis Ende überzeugen und kein einziges Kapitel, das nicht spannend ist. Ein optisches Highlight, inklusive Sammelkarten mit Beschreibung der Hauptcharaktere, ist "Zorngeboren" allemal.

Das Fazit
Ich wiederhole mich gerne, "Zorngeboren" ist (Jugend)-Fantasy, wie ich sie lesen will. Wenn man bereits beim Prolog "Wow, das wird großartig!" denkt, und sich dieser Gedanke während des ganzes Buches wiederholt - "Wow, das IST großartig!" -, dann ist eigentlich alles gesagt. Das Jugendbuch kann in punkto Fantasywelt, Stil, Charakterentwicklung und Komplexität locker mit den großen Genrekollegen mithalten. Ich bin jetzt noch fasziniert von der Geschichte. Ein verdienter Lieblingsbuchstatus mit 5 von 5 Sternen.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Arctis Verlag (Februar 2019) - Band 1/3 - Hardcover, 592 Seiten - 20,00 € [D]
Originaltitel: Furyborn - The Empirium Trilogy - Übersetzt von Alexandra Rak und Ariane Böckler - ab 14 Jahren