Mittwoch, 17. April 2019

"Ellingham Academy: Was geschah mit Alice?" von Maureen Johnson



Das Thema
Willkommen in der Ellingham Academy!
Versteckt in den Bergen Vermonts ist die Privatschule der ideale Ort für die begabtesten Schüler des Landes – Bestsellerautoren, YouTube-Stars, Künstler, Erfinder. Doch das Internat umgibt eine tragische Geschichte. Vor mehr als 80 Jahren wurden Frau und Tochter des Schulgründers entführt. Genau deshalb wird Stevie Bell an der Akademie aufgenommen: Sie soll die bisher ungeklärte Ellingham-Affäre lösen.
Und schon bald erhält sie eine mysteriöse Botschaft, die einen Mord ankündigt. Als ein Schüler kurz darauf tot aufgefunden wird, ist Stevie überzeugt, dass es einen Zusammenhang zwischen diesem Todesfall und den Verbrechen aus der Vergangenheit gibt.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag


"Das mit den Elchen ist ja wohl gelogen", bemerkte Stevie Bell.
Ihre Mum drehte sich zu ihr um und sah aus wie so oft - ein bisschen müde und aus elterlichem Pflichtgefühl bemüht, sich mit dem auseinanderzusetzen, was Stevie zu sagen hatte.
"Was?", fragte sie.
Stevie deutete aus dem Busfenster. "Da." Draußen zog ein Straßenschild mit dem Wort "Elche" vorbei. "Das ist schon das fünfte, seit wir losgefahren sind. Ganz schön viele Versprechungen. Für ganz schön wenig Elch."
- S. 27


Das Leseerlebnis
Internats- oder Schulromane haben mir schon als junge Leserin gefallen, aber es gab auch eine Zeit, da hatte ich sie komplett aus den Augen verloren. Oder lagen sie einfach nicht mehr innerhalb des Buchtrends? Keine Ahnung. Jedenfalls hat sich das in letzter Zeit wieder geändert. Spannende und gerne charmante Kriminalromane sind im Jugendbuch gerade sehr aktuell. Darum habe ich mich auch ganz besonders auf "Ellingham Academy: Was geschah mit Alice", den ersten Teil der Ellingham Academy-Trilogie gefreut. Ein Internat-Roman oder Internat-Krimi, mit historischem Hintergrund, der sich sehr gut mit der Geschichte verbindet.

Die Ellingham Academy wurde in den 1930er Jahren von einem reichen Wohltäter gegründet. Seitdem haben besonders begabte Schüler die kostenlose Möglichkeit, hier ihr Potenzial auszuschöpfen. Auch Stevie wurde für dieses Jahr an der Academy angenommen. Allerdings sieht sie sich selbst als nicht besonders begabt, ihr absolutes Steckenpferd sind Kriminalromane und das Lösen von Mordfällen. Sie hat etwas Angst davor, nicht in die Lernumgebung zu passen oder nicht dazuzugehören. Der Klappentext ist, was Stevies "Aufgabe" betrifft, etwas irreführend. Stevie wird nicht an die Academy geholt, weil sie einen historischen Kriminalfall lösen soll. Das ist ihr eigenes Projekt: Sie will den dubiosen Entführungs- und Mordfall rund um die Familie des Gründers der Ellingham Academy zu lösen. Bisher ist das nämlich noch keinem gelungen, bzw. sind die Ergebnisse nicht logisch und fehlerhaft.

Der Schauplatz ist super gewählt und das Buch ist flüssig und sprachgewandt zu lesen. Mir machte es großen Spaß. Es sind zwar viele Namen, die man sich merken muss, trotzdem kam ich immer gut mit. Eine Besonderheit sind die zwei Geschichten die "Was geschah mit Alice?" erzählt - eine historische, in der Vergangenheit von 1936, und Stevies Ankunft und Zeit im Internat der Gegenwart. Spannung bringt eher der historische Fall, die Gegenwart orientiert sich zumeist, bzw. sehr lange am Schulalltag. Das macht das Buch aus und mein Interesse an der Geschichte war konstant groß.

Die Lovestory, die sich ganz plötzlich entwickelt, erschloss sich mir jedoch (noch) nicht so ganz. Ebenso wenig, was denn nun mit Alice geschah, denn das ist schließlich der Titel des Buches und von Stevie wird hier (noch) recht wenig aufgeklärt. Wahrscheinlich müssen sich Leser*innen bis zum nächsten Band der Reihe gedulden. Die Geschichte endet ziemlich abrupt mit einem "Fortsetzung folgt". Jetzt muss ich warten und hoffe, dass ich mich an beide Handlungsstränge beim Folgeband dann noch gut erinnern kann.

Das Fazit
"Ellingham Academy: Was geschah mit Alice?" fand ich gut gemacht, ganz besonders die Verknüpfung eines historischen Kriminalfalls mit den Erlebnissen von Stevie in der Gegenwart. Das bringt Spannung, ist ansprechend geschrieben und macht dadurch richtig viel Spaß. Ein super Schauplatz, ungewöhnlich und besonders durch die brisante Vergangenheit, sorgt für eine ganz eigene Atmosphäre. Mir gefiel das Buch, auch wenn mich Kleinigkeiten irritierten und der Ermittlungsfall (Was geschah denn nun mit Alice?) noch lange nicht gelöst ist. Ich übe mich in Geduld, die Auflösung wird folgen. 4 von 5 Sterne vergebe ich.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Loewe Verlag (Februar 2019) - Band 1/3 - Hardcover mit Schutzumschlag, 464 Seiten - 18,95 € [D]
Originaltitel: Truly Devious - Übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessika Komina - ab 13 Jahren