Mittwoch, 20. Februar 2019

"Heartless: Der Kuss der Diebin" von Sara Wolf



Das Thema
Zera ist mutig, stark und schön - und eine Gefangene, denn ihr Herz ist in der Gewalt einer Hexe. Will Zera ihr Herz zurück, muss sie ihrer Gebieterin einen neuen Diener beschaffen: den ebenso unverschämten wie attraktiven Prinz Lucien, der gerade auf Brautschau ist. Stiehlt Zera sein Herz - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes -, ist sie frei! Doch ihr eiskalter Plan gerät ins Wanken, als Lucien echte Gefühle in ihr weckt ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Ravensburger Buchverlag


"Kavardammt, das tut weh!" Jetzt, wo das Adrenalin verflogen ist, ist jede Bewegung eine Qual.
"Was sagte ich darüber, was ich davon halte, den Namen des Neues Gottes in meiner Gegenwart zu erwähnen?" Eine der Krähen ist vor meinen Füßen gelandet und spricht jetzt mit der Stimme einer Frau zu mir.
"Bitte heil mich", keuche ich. "Keine Vorträge. Bitte." [...]
Die Krähe ist geduldig. Wie gewöhnlich. Schließlich atme ich aus.
"Meinetwegen. Kavar ist ein Arsch. Amen."
"Zera!"
"Ich schreibe dir eine zehnseitige Abhandlung, wie viel bedeutender der Alte Gott ist, sobald du mich geheilt hast. Bitte. Ich sterbe."
"Zum dritten Mal in dieser Woche", bemerkt die Krähe trocken.
- S. 23


Das Leseerlebnis
Schon seit der Frankfurter Buchmesse hatte "Heartless: Der Kuss der Diebin", der Starttitel einer neuen Jugendbuch-Fantasy-Trilogie, mein Interesse. Ich mochte die Aufmachung und Covergestaltung sofort und auch die Geschichte klang cool. Zugegeben, auch etwas klischeebehaftet, vor allem, was die Fokussierung auf die Lovestory anbelangt. Und so blieb ein Restzweifel, ob mich das Buch wohl fesseln könnte. Jetzt kann ich sagen, ja, das konnte es. Vor allem während der ersten Buchhälfte kam ich kaum davon los, und hatte dabei wahnsinnig viel Spaß. Das lag daran, dass es sofort gut zur Sache geht. In Verbindung mit dem Humor fand ich das sehr gelungen.

Zera wurde von einer Hexe gerettet. Allerdings dadurch auch zu einer untoten Herzlosen, die nun an die Hexe gebunden ist und in deren Dienst steht. Zeras Hexe behandelt sie gut, ist aber nicht bereit, ihr das Herz, das in einem magischen Glas aufbewahrt wird, zurückzugeben. Das ändert sich, als ein Krieg zwischen Menschen und Hexen bevorsteht. Die Gemeinschaft der Hexen möchte den Krieg verhindern, indem der Kronprinz zu einem Herzlosen gemacht wird. Für diese Aufgabe wird Zera ausgewählt. Sie soll das Herz des Prinzen stehlen, wortwörtlich, und dafür ihr eigenes zurückbekommen. Damit ist der Grundkonflikt des Buches schon erzählt. Die Geschichte ist sehr mitreißend und einfach zu verfolgen, auch wenn von Beginn an klar wird, worauf das Ganze hinauslaufen wird. Denn der Prinz erobert natürlich Zeras (untotes) Herz und alles wird viel komplizierter als gedacht. Macht aber nichts, denn großen Lesespass bringt das Buch trotzdem mit.

Das Setting des Buches ist altertümlich, eine Fantasywelt mit teils fortschrittlicher, Steampunk-artiger Technik. Ich mochte das sehr. Oftmals wurde die moderne, zuweilen etwas schnodderige Sprache kritisiert. Doch gerade diese machte mir Spaß. Sie passt zu Zera, einer taffen und nicht auf den Mund gefallenen Hauptprotagonistin, und ich habe mich bei vielen Begebenheiten und manch herrlich-schrägem Schlagabtausch oder Wortspiel dabei ertappt, wie ich laut auflachte. Dagegen fand ich Prinz Lucien leider nicht sehr interessant. Groß gestört hat mich das nicht, denn es gibt viele Personen im Buch, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Die Handlung ist zudem nicht nur mitreißend, sondern auch sehr spannend, manchmal gruselig-hart. Gegen Ende fiel mir aber auf, dass die Autorin ein, zwei interessante Ansätze nicht weiter verfolgt, bzw. abgeschwächt hatte. Auch wurde mir hier Zeras innerer Monolog, das Hin und Her, ob sie dem Prinz das Herz nehmen soll, um ihr eigenes zurückzubekommen, oder sich ihren menschlichen Gefühlen für den Prinzen stellen soll, zu viel und leicht nervig. Ihre Entscheidung überrascht dann auch kaum. Der Schluss allerdings schon. Hier gibt es einen fiesen Cliffhanger. Der ist so spannend, dass man am liebsten sofort weiterlesen würde.

Das Fazit
Ich hatte es nicht erwartet, aber "Heartless: Der Kuss der Diebin" brachte so großen Lesespaß mit, wie ich ihn schon lange nicht mehr hatte. Trotz einer recht vorhersehbaren Grundstory gefielen mir die Charaktere und die Gestaltung der Fantasywelt sehr gut. Sogar die offensiv-unflätige Sprache passt gut zum fetzigen Humor des Buches. Erst gegen Ende wurde mir das Lovestory-Hin-und-Her dann doch zu aufdringlich. Die Freude am Buch hat das aber kaum beeinträchtigt. Man möchte schnell weiterlesen. 4 von 5 Sterne gibt es dafür von mir.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Ravensburger Buchverlag (Februar 2019) - Band 1/3 - Hardcover mit Schutzumschlag, 480 Seiten - 18,99 € [D]
Originaltitel: Bring me their hearts - Übersetzt von Simone Wiemken - ab 14 Jahren