Dienstag, 15. Januar 2019

"Das Mädchen aus Feuer und Sturm" von Renée Ahdieh



Das Thema
Mariko ist die Tochter eines mächtigen Samurai und kennt ihren Platz im Leben. So klug und erfinderisch sie auch sein mag - über ihre Zukunft entscheiden andere. Als sie erfährt, dass sie den Sohn des Kaisers heiraten soll, nimmt sie ihr Schicksal hin. Doch auf dem Weg zu ihrer Hochzeit entkommt sie nur knapp einem blutigen Überfall - und nutzt ihre Chance, die Freiheit zu kosten: Als Junge verkleidet schmuggelt sie sich unter die Banditen und lernt eine ganz neue Welt kennen. Und sie verliert ihr Herz ... ausgerechnet an den Feind.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: One Verlag


Zuerst brauchte sie eine Möglichkeit, für den Schwarzen Clan von Nutzen zu sein. Dann - wenn die Männer sich in falscher Sicherheit wiegten - würde sie zuschlagen. Unbehagen machte sich in ihrer Brust breit, als sie diese Vorgehensweise erwog. Denn sie war nicht ehrenhaft, sie war reine Täuschung. Noch verstörender als ihre Entscheidung, die Kleidung eines Jungen anzuziehen und den Schwarzen Clan auszuspionieren.
Ein wahrer Krieger würde sich seinem Feind stellen, ohne zurückzuzucken. Sich nicht im Schatten umherschlängeln.
- S. 150


Das Leseerlebnis
Romane mit fernöstlichem Setting, bzw. historischem und asiatischem Thema stehen bei mir gerade hoch im Kurs. Besonders im Jugendbuch. Darum hatte Renée Ahdiehs neues Buch "Das Mädchen aus Feuer und Sturm" auch meine sofortige Aufmerksamkeit. Außerdem konnte mich die Autorin mit ihrer Zorn und Morgenröte-Dilogie sehr begeistern, weshalb meine Erwartung hoch war. Und sie wurde nicht enttäuscht. Marikos Geschichte, oder besser, deren Anfang - sie geht nämlich noch weiter -, konnte mich ab der ersten Seite fesseln und hat mich während des ganzen Buches nicht mehr losgelassen. Der Roman ist sehr gewinnend und besonders. Die feine Ader Magie, die man beim Lesen nicht immer augenscheinlich wahrnimmt, macht die Geschichte (fast) perfekt.

Dass sich ein Mädchen oder eine junge Frau als Junge verkleidet, um ihre Herkunft zu vertuschen, ist in Büchern kein neues Thema. Auch Mariko sieht keine andere Möglichkeit. Als Tochter eines Samurai-Fürsten sollte sie eigentlich den Sohn des Kaisers heiraten. Aber auf dem Weg in die Kaiserstadt wird ihr Geleitzug überfallen und Mariko entgeht nur ganz knapp dem Tod. Alles deutet darauf hin, dass der Schwarze Clan, ein Haufen Gesetzloser, für den Überfall verantwortlich ist. Doch warum will der Schwarze Clan Marikos Tod? Oder wurde er beauftragt? Genau das möchte Mariko herausfinden. Statt zurück nach Hause zu gehen, macht sie sich auf die Suche nach den Banditen, verkleidet als junger Mann.

Neben der Haupthandlung rund um Mariko und den Schwarzen Clan, gibt es einige weitere Nebenhandlungen, die das Buch zu einem gefühlt umfangreichen oder überschaubar komplexen Gesamtwerk machen. Überhaupt muss man sich beim Lesen etwas umstellen, denn die Autorin taucht hier tief in die historisch-japanische Kultur ein, die sie nach meinem Verständnis auch sehr gut wiedergibt. So steht zum Beispiel vor allen Vornamen zuerst der Familienname (Hattori Mariko) und die Geschichte wird durch viele japanische Wörter, Redewendungen und Lehren aufgewertet. Am Ende des Buches befindet sich diesbezüglich ein Glossar, das ich fürs Lesen aber nicht unbedingt gebraucht hätte. Wer jetzt denkt, dass sich das alles ganz schön kompliziert anhört, der kann unbesorgt sein. Die Geschichte ist atmosphärisch und machmal ungewöhnlich, aber jederzeit gut verständlich.

An einigen Stellen empfand ich die Ausführungen und Gedanken von Mariko etwas lang. Wenn, als Beispiel, eine Person eine Frage an Mariko stellt, die Antwort darauf aber erst zwei Seiten später folgt, weil dazwischen ein innerer Monolog stattfindet, dann fällt es mir schwer die ursprüngliche Frage im Blick zu behalten. Das ist aber mein einziger (kleiner) Kritikpunkt. Ansonsten bietet die Geschichte viel unterschwellige Spannung mit Intrigen und Machtspielen, die genau richtige Portion Lovestory und einige unerwartete Überraschungen, vor allem am Ende. Für die Auflösung aller Fragen muss man sich bis Band 2 gedulden. Mir fällt das Warten schwer.

Das Fazit
Was für ein großartiger und überraschender Roman! Das waren meine Gedanken nach dem Lesen von "Das Mädchen aus Feuer und Sturm". Meine minimale Kritik ist rein subjektiv, ansonsten fühlte ich mich allerbestens unterhalten, wurde mitgerissen und verblüfft. Wer historisch-fernöstliche Geschichten mit phantastischen Elementen mag, die nahezu perfekt erzählt sind, kann mit diesem Buch nicht viel falsch machen. Ich kann die Fortsetzung kaum erwarten. 4,5 von 5 Sterne vergebe ich dafür.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


One Verlag (September 2018) - Band 1/2 - Hardcover mit Schutzumschlag, 415 Seiten - 18,00 € [D]
Originaltitel: A Flame in the Mist - Übersetzt von Martina M. Oepping - ab 14 Jahren



Reiheninfo Samurai-Dilogie:

Band 1 - Das Mädchen aus Feuer und Sturm