Sonntag, 17. November 2019

"Wer ist Edward Moon?" von Sarah Crossan



Das Thema
Joe hat seinen Bruder seit zehn Jahren nicht gesehen, und das aus dem schlimmsten aller Gründe: Ed sitzt in der Todeszelle. Aber jetzt wurde Eds Hinrichtungsdatum festgelegt und Joe ist wild entschlossen, diese letzten Wochen mit seinem Bruder zu verbringen, egal, was andere Leute denken ...

Geschrieben von Carnegie Medal-Gewinnerin Sarah Crossan, wirft dieser ergreifende, aufwühlende, großherzige Roman wichtige Fragen auf: Welchen Wert misst man dem Leben bei? Was kann man vergeben? Und wie nimmt man Abschied voneinander?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Mixtvision Verlag


"Kann ich ihn noch mal anrufen?" fragte ich.
Die Mandarine lag noch
in meiner Hand.
Ich wollte sie Mom ins Gesicht werfen und ihr wehtun.
"Nein", meinte sie.
"Und rechne nicht damit, irgendwann überhaupt noch mal mit
ihm zu reden."
Ich glaubte ihr nicht.
Ich dachte, Ed würde anrufen.
Ich dachte, er würde heimkommen.
Tat er aber nicht.
- S. 9/10


Das Leseerlebnis
Sarah Crossan hat mich mit ihrem Buch "Eins" nachhaltig beeindruckt. So sehr, dass ihr neuestes Werk "Wer ist Edward Moon?" sofort auf meine Muss-ich-lesen-Liste gerückt ist. Und jetzt, nach dem Lesen, frage ich mich, warum ich nicht schon längst alle Bücher der Autorin gelesen habe. Ich bekam genau das, was ich vom Buch erwartete ... und noch viel mehr. "Wer ist Edward Moon?" thematisiert die Todesstrafe in den USA und ist gleichzeitig eine Familientragödie. Eine aufrüttelnde und harte Lektüre, die aber ebenso gefühlvoll ist und die ich jederzeit neu empfehlen würde.

Edward hat seine Familie von heute auf morgen verlassen, er hielt es zu Hause nicht mehr aus. Damals war sein Bruder Joe acht Jahre alt. Kurz darauf wurde Edward verhaftet und des Mordes an einem Polizisten angeklagt. Seitdem sitzt er in Texas in der Todeszelle. Nun, zehn Jahre später, wurde ein Hinrichtungstermin festgelegt. Joe, der sich mittlerweile mit seinem Leben arrangiert hat, so scheint es zumindest, beschließt, seinen Bruder im Gefängnis zu besuchen, und die letzten Wochen mit Ed zu verbringen, dem Bruder, den er als Kind verloren hat. Er möchte verstehen und ihn neu kennenlernen. Außerdem glaubt Joe fest an Eds Unschuld. Vielleicht gibt es ja noch eine Chance, die Todesstrafe abzuwenden.

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im November 2019

Bei den buchigen Neuerscheinungen bin ich heute bei November angekommen. Nur noch zwei Monate, dann ist das Buchjahr 2019 auch schon wieder vorbei. Geht es nur mir so oder rauscht man mit zunehmendem Alter immer schneller durchs Jahr? Acht Bücher, die mich im November brennend interessieren, habe ich auf meine Wunschliste gepackt. Welche ich davon tatsächlich lesen werde, wird sich zeigen.


Fantasy - Fiction

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)

  

Die Braut des Winters von Kerstin Arbogast ... Bücher von Kerstin Arbogast lese ich sehr gerne. Ich mag ihren spritzigen Stil und ihren Humor. "Die Braut des Winters" ist ein Einzelband und klingt nach einem tollen Fantasy-Märchen. - Prinz Aywen findet in den vereisten Wäldern eine junge Frau, bewusstlos, fast erfroren. Er nimmt sie mit auf sein Schloss. Sein Vater begegnet ihr mit Misstrauen, doch der Prinz öffnet ihr bald sein Herz. Doch die Unbekannte hütet ein Geheimnis, das das Schicksal von Prinz Aywen bestimmen kann.
Die Rebellion von Laterre von Jessica Brody und Joanne Rendell ... ist ein Sci-Fi-Roman und der Beginn einer Dilogie. - Einst versprach der Planet Laterre den Menschen Hoffnung. Doch heute verhungern die Armen in den Straßen, während die Elite gnadenlos herrscht. Eine Revolution scheint unausweichlich. Trotzdem hängt alles von drei jungen Menschen ab, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Rabenherz und Eismund von Nina Blazon ... Wow, ein neuer Roman von Nina Blazon! Das waren meine ersten Gedanken, als ich das Buch entdeckt habe. Die Autorin gehört zu meinen liebsten. Ich würde jedes Buch von ihr lesen. - Mailin geht beim Land über dem gefrorenen Himmel von einem Märchen aus. Doch als ihre Freundin Silja dorthin entführt wird, macht sich Mailin auf ins Reich des Winterkönigs. Sie bekommt Hilfe und schleicht sich in dessen Schloss ein.

Donnerstag, 24. Oktober 2019

"Strange the Dreamer: Der Junge, der träumte - Buch 1" von Laini Taylor



Das Thema
Lazlo Strange liebt es, Geheimnisse zu ergründen und Abenteuer zu erleben. Allerdings nur zwischen den Seiten seiner Bücher, denn ansonsten erlebt der junge Bibliothekar nur wenig Aufregendes. Er ist ein Träumer und schwelgt am liebsten in den Geschichten um die sagenumwobene Stadt Weep - ein mysteriöser Ort, um den sich zahlreiche Geheimnisse ranken. Eines Tages werden Freiwillige für eine Reise nach Weep gesucht, und für Lazlo steht sofort fest, dass er sich der Gruppe anschließen muss. Ohne zu wissen, was sie in der verborgenen Stadt erwartet, machen sie sich auf den Weg. Wird Lazlos Traum nun endlich Wirklichkeit?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: One Verlag


Gab es die Verborgene Stadt noch? Lebten ihre Bewohner? Was war vor zwei Jahrhunderten geschehen? Und was vor fünfzehn Jahren?
Welche Macht konnte einen Namen aus der Erinnerung der ganzen Welt austilgen?
Lazlo wollte losziehen und es herausfinden. Das war sein Traum, kühn und großartig: dorthin zu reisen, einmal um die halbe Welt, und die Mysterien selbst lösen.
Natürlich war es unmöglich.
Aber seit wann hielt das einen Träumer vom Träumen ab?
- S. 39


Das Leseerlebnis
Als ich entdeckte, dass Laini Taylors Strange the Dreamer-Reihe ins Deutsche übersetzt wird, war sofort klar, ich muss sie lesen. Daran führt (natürlich) kein Weg vorbei. Schließlich hatte mich die Autorin bereits mit ihrer Zwischen den Welten-Trilogie begeistert, die zwar äußerst komplex ist, sich aber wie ein Gedicht - unglaublich wortgewaltig und vereinnahmend - liest. Von "Strange the Dreamer: Der Junge, der träumte", dem Starttitel der neuen Reihe, erwartete ich Ähnliches. Und das habe ich auch bekommen. Wow, ich bin völlig entzückt! Eine Geschichte in dieser Form liest man selten, bzw. empfinde ich sie als einzigartig.

Einst hatte Krieg das Königreich Zosma in die Knie gezwungen. So viele starben, dass man Fuhrwerke voller Waisenkinder in die Klöster karrte. Diese Waisenkinder bekamen alle den Nachnamen Strange, so auch Lazlo. Lazlo Strange. Der Junge widersetzte sich andauernd der strengen Erziehung durch die Mönche, spielte lieber das Leben in einer geheimnisvollen Stadt nach, deren Geschichten das Einzige waren, das ihm Freude machte. Doch die Stadt wurde zum Mysterium, ihr Name aus Lazlos Gedächtnis und allen Aufzeichnungen der Welt gestohlen; aus den Gedanken gepflückt. Zurück blieb nur Weep. Auch heute noch ist Lazlo so fasziniert von der Verlorenen Stadt, dass er nicht nur zu einem Bibliothekar, sondern zu einem echten Experte für Weep wurde - ein Träumer, etwas verloren in seinen Gedanken und Wunschvorstellungen. Alles ändert sich, als eines Tages tatsächlich eine Gesandtschaft aus Weep auftaucht, womit nie jemand rechnete. Am allerwenigsten Lazlo Strange.

Montag, 21. Oktober 2019

"Mord hinter den Kulissen: Der siebte Fall für Wells & Wong" von Robin Stevens



Das Thema
Im Londoner Rue Theater sollen Daisy und Hazel an einer Aufführung von „Romeo und Julia“ teilnehmen, um sie von weiteren detektivischen Ermittlungen abzuhalten. Doch irgendwie scheint die Gefahr sie zu verfolgen: Eifersucht, Morddrohungen und üble Scherze geraten außer Kontrolle - und dann wird im Theater eine Leiche gefunden. Die beiden Freundinnen setzen alles daran, den Fall aufzuklären. Als Daisy wegen einer Grippe das Bett hüten muss, ermittelt Hazel unterstützt von Alexander und George auf eigene Faust weiter, bevor der Mörder ein zweites Mal zuschlägt - oder nicht ...?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knesebeck Verlag


"[...] Es tut mit leid, dass Rose tot ist - ich mochte sie und sie war eine grandiose Julia. Aber ihr Tod wird uns einen Monat lang ein volles Haus garantieren, wenn nicht sogar zwei Monate - und das Rue hat das bitter nötig. Ich muss an mein Theater denken und das werde ich auch."
Sie stand auf und schritt aus dem Zimmer. Mir schwirrte der Kopf. Hatte Miss Crompton sich selbst und auch Inigo gerade das perfekte Tatmotiv gegeben? Es war beinahe zu grauenhaft.
Ich seufzte betreten und auch Inspektor Priestley seufzte. "Das wären dann alle", sagte er nachdenklich. "Einer von ihnen muss es gewesen sein. Nur wer?"
- S. 145


Das Leseerlebnis
Eine der optisch anziehendsten Reihen (weil so schön bunt und kreativ) ist die Wells & Wong- Reihe von Robin Stevens. Und auch inhaltlich hat diese Jugend-Krimireihe ab 12 einiges zu bieten. Mit "Mord hinter den Kulissen" ist mittlerweile der siebte Fall für die jungen Ermittlerinnen Daisy und Hazel erschienen. Jetzt könnte man davon ausgehen, dass es schwer fällt, jedes Buch der Reihe erneut zu bewerten. Denn hochwertig sind sie alle. Dem ist aber nicht so. Jeder Fall ist spannend und ziemlich tricky und mit dem humorvollen Charme der 30er-Jahre zudem ein ganz besonderes Leseerlebnis. Darum ist es auch jedes Mal wieder ein Freude mitzuerleben, was die Autorin sich diesmal für ihre Heldinnen ausgedacht hat.

Nach ihrem nervenaufreibenden Fall in Hongkong wurde beschlossen, dass die 15-jährigen Freundinnen Daisy Wells und Hazel Wong nicht sofort an ihr Mädcheninternat zurückkehren sollen. Vielmehr haben sie sich eine Pause verdient und verbringen diese, abgeschottet von Mord und Rätseln, bei Daisys Onkel in London. Doch der hat geschäftlich zu tun, lässt darum seine Beziehungen spielen, um die Mädchen sicher unterzubringen, und besorgt Daisy und Hazel kleine Schauspielrollen am berühmten Londoner Rue Theater. Doch, wer hätte es gedacht, unter den Schauspieler*innen herrschen Missgunst und Zwietracht, die zu einem Mord führen. Und schon schlittert die Detektei Wells & Wong ihrem nächsten Fall entgegen.

Samstag, 19. Oktober 2019

"Die Krone der Dunkelheit: Magieflimmern" von Laura Kneidl



Das Thema
Freya kennt die Wahrheit. Sie hat herausgefunden, was mit ihrem Bruder im Land der Fae geschehen ist, und nun bleibt für sie nur noch eines zu tun: Sie muss nach Thobria zurückkehren und sich ihrem Schicksal als zukünftige Königin stellen. Doch der Hof ist ein goldener Käfig voller Regeln und Verbote, dabei will Freya nichts sehnlicher als Magie wirken und Larkin finden, der als gesuchter Verbrecher noch immer auf der Flucht vor dem König ist.
Zeitgleich ziehen die geplatzte Krönung und das gescheiterte Attentat auf den jungen Fae-Prinzen Kheeran immer gravierendere Folgen nach sich. Unruhen brechen unter den Unseelie aus und womöglich findet diese Bedrohung schon bald einen Weg in das Reich der Menschen.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Piper Verlag


Es gab drei Dinge auf der Welt, die Freya mehr herbeisehnte als alle anderen: ihren Bruder, ihre Freiheit und Larkin Welborn. Weder Larkin noch Kheeran konnte sie bekommen, ihre Freiheit aber würde sie sich in der kommenden Nacht zurückholen.
Es waren keine verrosteten Gitterstäbe, die sie gefangen hielten, sondern das goldene Schloss ihres Schlafgemachs. [...] Doch an diesem Tag würde sie ausbrechen.
- S. 44


Das Leseerlebnis
Laura Kneidls Fantasyreihe "Die Krone der Dunkelheit" war auf drei Bücher ausgelegt. Mit dem Erscheinen des zweiten Bandes "Magieflimmern" wurde bekannt, dass die Reihe aufgestockt wurde. Sie besteht am Ende nun aus vier Reihentiteln. Nach Beendigung des Buches wurde mir auch schnell klar, warum. Es scheint unmöglich, dass die Geschichte nun in einem letzten Band zu Ende erzählt werden kann. "Magieflimmern" hat wieder alles, was ich an einer guter Fantasygeschichte schätzte: Eine spannende, gut durchdachte Welt, Charaktere, von denen man mehr lesen möchte und eine handwerklich hochwertige Geschichte. Darum ist es gut, dass sich nun alle Leser*innen auf noch zwei weitere Bücher dieser Reihe freuen dürfen.

Prinzessin Freya hat im Land der Fae ihren Bruder gesucht. Und auch gefunden. Nun ist sie zurück in ihrem eigenen Königreich, mit einem Geheimnis, das ihr dem Schlaf raubt. Getrennt von ihrem Beschützer, dem ehemaligen Wächter Larkin, muss sich Freya nun allen Anforderungen an eine zukünftige Königin stellen. Dabei trifft sie erneut auf den Piraten Elroy, der in ihrem Leben eine entscheidende Rolle spielen soll.
Währenddessen sitzt die Wächterin Ceylan im Palastgefängnis des Fae-Prinzen Kheeran. Sie wird beschuldigt, dessen Mutter getötet zu haben und wartet auf ihre Hinrichtung. Der wahre Täter weigert sich zu sprechen. Doch Ceylan und Kheeran haben einen guten Draht zueinander, nähern sich vorsichtig an. Dabei hat der Prinz der Fae nach seiner geplatzten Krönung gerade mit einer Menge Probleme zu kämpfen.

Sonntag, 13. Oktober 2019

Buchzugänge vs. Buchabgänge im September 2019

Vier neue Bücher habe ich im September in mein Regal gestellt. Dagegen habe ich sechs Bücher gelesen. Mit den meisten hatte ich ein tolles Leseerlebnis, aber gleichzeitig das Gefühl, sehr lange für jedes Buch zu benötigen. Nicht schlimm, manche Geschichten brauchen Zeit. Außerdem kann ich nicht jeden Monat einen richtigen Leserun haben, wie den im August. Mein Septemberlesen war also eher gechillt und mein Highlight eindeutig "Alles okay" und ebenso "King of Scars".


Meine Buchzugänge im September - 4 Bücher



Montag, 7. Oktober 2019

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Alles okay" von Nina LaCour



Carl Hanser Verlag (August 2019),
Hardcover mit SU, 208 Seiten,
übersetzt von Sophie Zeitz,
16,00 € [D]


Marin hat alles hinter sich zurückgelassen, ist Tausende Kilometer geflohen vor ihrem alten Leben, vor dem Verlust ihres geliebten Großvaters. Doch eines Tages steht plötzlich ihre beste Freundin Mabel vor der Tür. Und mit ihr all die Erinnerungen an zu Hause, an Sommernächte am Strand. Mit ihrer Beharrlichkeit gelingt es Mabel, Marin aus ihrem Kokon der Einsamkeit zu befreien. Und Marin begreift, dass sie eine Wahl hat: weiter im Verdrängen zu verharren oder zu ihren Freunden und ins Leben zurückzukehren. (Text-, Cover- und Zitatrechte: Carl Hanser Verlag)


"Langsam verstehe ich, warum du nicht mehr gerne liest."
Ich nicke. "Früher waren es bloß Geschichten. Aber jetzt sickern sie ins Leben und werden immer schrecklicher."
Mabel sieht weg, und ich frage mich, ob sie vielleicht nicht nachvollziehen kann, was ich ihr erzähle. Vielleicht denkt sie, ich übertreibe. Vielleicht hat sie recht. [...] Früher habe ich bei einer Geschichte geweint und das Buch zugeklappt, und dann war es vorbei. Jetzt hallt alles nach, sitzt fest wie ein Splitter und eitert.
"Du warst allein", stellt sie fest. "Die ganze Zeit."
- S. 115


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. "Alles okay" ist so ein Buch, bei dem ich nicht richtig einschätzen konnte, wie die Geschichte auf mich wirkten würde. Ich wusste, dass das Thema des Buches Trauer (und Einsamkeit) ist. Außerdem geht es um die Beziehung zwischen Marin und ihrer Freundin Mabel. Wie nahe mir die Geschichte geht, und wie stark ich sie in mich aufsaugen würde, das hätte ich nie gedacht. "Alles okay", das Porträt eines Mädchens, gehört zu den schönsten und besten Jugendbüchern, die ich gelesen habe.
  2. Als Marins Großvater stirbt, hat sie niemanden mehr. Zumindest keine direkten Familienangehörigen. Anstatt sich ihren Freunden anzuvertrauen, die ihr Hilfe und Beistand anbieten, flieht sie Tausende Kilometer in die Stadt ihres zukünftigen Colleges. Die Übergangszeit bis Studienbeginn verbringt sie allein in einer Hotelabsteige, und auch ihre neue Zimmernachbarin am College kann die Einsamkeit nie ganz vertreiben. In den Winterferien bekommt Marin Besuch von ihrer alten Freundin Mabel. Was ist damals passiert? Was der Grund, der Marin so stark aus der Bahn geworfen hat?
  3. Nur 200 Seiten ist die Geschichte dick. Der Aktionsradius beschränkt sich auf Marins College und die wenigen Tage, die sie dort gemeinsam mit ihrer Freundin Mabel verbringt. Und doch ist die Wirkung des Romans enorm. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich an die Geschichte zurückdenke. In Rückblenden erfahren Leser*innen, was in Marins Vergangenheit passiert ist, ihre Beziehung zu Mabel und deren Familie, und das Leben mit ihrem Großvater. 
  4. Das Lesegefühl ist ein leises, schmerzvolles und trauriges. Nina LaCour hat eine solch poetische und kraftvolle Erzählweise, dass ich ab Seite 1 stark gefesselt und berührt war. Das zog sich durch das komplette Buch. Die Geschichte hat trotz ihrer Zartheit und Zerbrechlichkeit etwas überwältigend Menschliches. Ich werde mich an "Alles okay" immer mit einem Klos im Hals erinnern, aber auch an ein wunderbares, intensives Leseerlebnis.
  5. Ich bin froh, dass die Autorin für Marins Geschichte, ein Ende gewählt hat, das ihr und den Leser*innen, trotz aller Traurigkeit, gut tut. Eine Entscheidung gegen die Einsamkeit, ein guter Schritt in Richtung Zukunft. Man wünscht Marin wirklich das Allerbeste.

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

berührend, traurig, festsetzend, poetisch und zart



Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Alles okay" ist für mich eines des schönsten und besten Jugendbücher. Die Geschichte von Marin (und Mabel) hat mich tief berührt und sich in mir festgesetzt. Wie viel Einsamkeit und Trauer kann ein Mensch ertragen? Wie viel Hoffnung und Verständnis können gute Freunde geben? Das Buch ist zart und poetisch, gleichzeitig überaus menschlich und kraftvoll. Ein einzigartiger Buchschatz und (m)eine Herzensgeschichte durch und durch.


© Damaris liest.




Donnerstag, 3. Oktober 2019

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Oktober 2019

Oktober bedeutet Herbst und natürlich die Frankfurter Buchmesse. Viele schöne Neuerscheinungen stehen also auf der Liste. Auch, wenn ich in diesem Jahr nicht auf der Messe bin, habe ich einige Verlagsprogramme durchstöbert und Bücher gefunden, die sofort auf meine Wunschliste gewandert sind. Dreizehn Stück. Hier sind sie.


Fantasy - Science Fiction - Magie

(genaue Buchinfos gibt es mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


 

Die Wiege aller Welten von Jeremy Lachlan ... soll eine Mischung aus Fantasy- und Science-Fiction-Elementen sein und mit einer großen Portion Humor aufwarten. Meines Wissens ist es ein Reihenstart. Es geht um ein Schloss, das der Eingang zur den Anderwelten ist. Voller Fallgruben und Labyrinthe. Und um eine kleine Heldin, die gegen die gefährlichsten Gegner antritt. Klingt gut.
Ein Himmel aus Gold von Laura Wood ... spielt in den 20er Jahren, und hört sich sehr spannend an. - Ein herrschaftliches, leerstehendes Haus übt eine große Anziehungskraft auf die 17-jährige Lou aus. Immer wieder schleicht sie sich hinein, um in der alten Bibliothek zu lesen. Bis sie eines Tages von den Besitzern überrascht wird. Diese laden Lou zu ihren rauschenden Festen ein.


 

Dienstag, 1. Oktober 2019

"King of Scars: Thron aus Gold und Asche" von Leigh Bardugo



Das Thema
Niemand weiß, was der junge König von Ravka, während des blutigen Bürgerkrieges durchgemacht hat. Und wenn es nach Nikolai selbst geht, soll das auch so bleiben. [...]
Doch mit jedem Tag wird in dem jungen König eine dunkle Magie stärker und stärker und droht, alles zu zerstören, was er aufgebaut hat. Schließlich begibt Nikolai sich mit einem jungen Mönch und der legendären Grisha-Magierin Zoya auf eine gefährliche Reise zu jenen Orten in Ravka, an denen die stärkste Magie überdauert hat. Denn nur dort besteht eine Chance, sein dunkles Vermächtnis zu bannen. Einige Geheimnisse sind jedoch nicht dafür geschaffen, verborgen zu bleiben - und einige Wunden werden niemals heilen.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knaur Verlag


Zu seiner Überraschung nahm Zoya seine Hand. "Komm zurück", sagte sie. "Versprich, dass du zurückkommst."
Da er sehr wahrscheinlich sterben würde, gestattete er es sich, seine Hand kurz an ihr außergewöhnliches Gesicht zu legen. Ihr Haut fühlte sich kühl unter seinen Fingern an.
"Natürlich werde ich zurückkommen", sagte er. "Ich traue niemandem sonst zu, meine Grabrede zu halten."
Ein Lächeln verzog ihre Lippen. "Die hast du bereits geschrieben?"
"Sie ist sehr gut. Du wärst überrascht, wie viele Synonyme es für gut aussehend gibt."
- S. 437/438


Das Leseerlebnis
"King of Scars" oder der erste Band der Thron aus Gold und Asche-Dilogie war für mich eine der am meisten herbeigesehnten Neuerscheinungen des Jahres 2019. Es ist der sechste Roman, der in Leigh Bardugos phantastischem 'Grishaverse' spielt und soll auch als eigenständige Reihe funktionieren. Dennoch empfehle ich dingend, und um die Großartigkeit dieser Geschichte genießen zu können, zuvor mindestens die Grisha-Trilogie, besser auch noch die Krähen-Dilogie, gelesen zu haben. Es hat schon einen Grund, warum die Autorin die Bücher in dieser Reihenfolge veröffentlich hat. Im Prinzip steht jede Reihe für sich, aber es bestehen große Zusammenhänge und Überschneidungen, sodass "King of Scars" ohne die beiden anderen Reihen an Bedeutung (und Spaß!) verliert. Kennt man alle vorangegangenen Bücher, dann gehört auch dieses zu den besten Leseerlebnissen überhaupt.

Nikolai Lantsov ist der junge Zar von Ravka. Doch mit seinem Titel hat er nicht nur die täglichen politischen Herausforderungen geerbt, aus der vergangenen Zeit des Bürgerkrieges hat er ein besonders finsteres Anhängsel mitgebracht. Eine dunkle Magie, eine Art Monster, hat sich in Nikolais Körper festgesetzt, und mit jeder Woche wird es stärker, droht den Herrscher vollständig zu verdrängen. Als Nikolai und seine Ratgeber von einer Möglichkeit erfahren, das Monster zu bannen, begibt er sich mit seiner Grisha-Kommandeurin Zoya auf eine gefährliche Reise.
Zeitgleich wurde die Grisha Nina von Zar Nikolai beauftragt, im Nachbarland auf die Suche nach bedrohten Grisha zu gehen und sie in die Sicherheit nach Ravka zu schmuggeln. Außerdem ist da noch eine private und emotionale Sache, die Nina dringend erledigen muss. Was sie aber auf ihrer Mission entdeckt ist so furchtbar, dass Nina sich weigert, untätig zuzusehen.

Montag, 23. September 2019

"The Black Coats: ... denn wir vergeben keine Schuld" von Colleen Oakes



Das Thema
Die Frauen des mysteriösen Geheimbundes "Black Coats" haben sich geschworen, gewalttätigen Männern eine Lektion zu erteilen. Als Thea eine Einladung erhält, sieht sie endlich ihre Chance gekommen, sich am Mörder ihrer Cousine zu rächen. Doch die Vergeltungsaktionen eskalieren und Thea zweifelt am Sinn ihrer Mission: Sorgt Rache wirklich für Gerechtigkeit? Kann sie noch aussteigen - oder ist es längst zu spät?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Gulliver von Beltz & Gelberg


"Die Black Coats. Das ist eine ..."
"Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, Frauen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, die Schreckliches erleiden mussten." Nixon umkreiste sie jetzt wie ein Wolf. "Thea, bist du es nicht leid, jeden Tag Angst zu haben, stets in Begleitung nach Hause zu gehen, wenn es dunkel ist, deine Türen abzuschließen, darauf zu achten, dass deine Shorts nicht zu kurz sind, weil du sonst ungewollt Aufmerksamkeit erregst? Die Black Coats glauben, dass es unsere Aufgabe ist, als Zünglein an der Waage für Gerechtigkeit zu sorgen. [...]"
- S. 37/38


Das Leseerlebnis
Gerechtigkeit ist für viele Menschen ein Grundbedürfnis. Sehr schnell fühlen wir uns auf die Füße getreten, wenn es, unserer Meinung nach, ungerecht zugeht oder wir uns im Nachteil sehen. Anders sieht es mit Rache aus. Wer nach Rache verlangt, oder diese ausübt, macht sich schuldig an einer anderen Person. Das Thema ist interessant und emotional, und genau darum wollte ich Colleen Oakes' Roman "The Black Coats: ... denn wir vergeben keine Schuld" lesen. Zugleich hoffte ich natürlich auch auf einen spannenden Jugendthriller, und den habe ich auch bekommen.

Thea ist nach dem gewaltvollen Tod ihrer Cousine, ihrer besten Freundin, nicht mehr dieselbe. Vor allem, weil deren Mörder nie verurteilt wurde. Als Läuferin hat sich sich zurückgezogen, richtige Freunde sind ihr nicht geblieben. Im Gegenteil, sie wird von allen Menschen in ihrer Umgebung mit Samthandschuhen angefasst. Und plötzlich erhält Thea eine geheimnisvolle und zugleich aufregende Einladung. Sie hat die Chance einem Geheimbund aus Frauen beizutreten, den Black Coats. Diese sorgen eigenmächtig für Gerechtigkeit und erteilen gewalttätigen Männern eine Lektion. Thea steigt sofort ein, denn endlich hat sie die Chance, sich am Mörder ihrer Cousine zu rächen. Doch was ist der Preis dafür?

Mittwoch, 18. September 2019

Buchzugänge vs. Buchabgänge im August 2019

Er ist zwar schon eine Weile her, aber heute möchte ich mich nochmals mit meinem buchigen August beschäftigen. Zurückblicken, welche Bücher ich gelesen habe und welche neu hinzukamen. Im August habe ich nämlich so viele Bücher gelesen, wie gefühlt schon lange nicht mehr. Es lief einfach gut und meine Auswahl war relativ gemischt. Dabei waren Buchschätze, Kurzgeschichten, Bücher, von denen ich mehr erwartet habe, und sogar ein Abbruch. Meine sechs neuen Bücher sind fest in die Leseliste eingeplant, bis auf "Erebos 2". Das möchte ich erst lesen, wenn ich mich mit dem Vorgänger aufgefrischt habe.


Meine Buchzugänge im August - 6 Bücher



Dienstag, 10. September 2019

"Faye: Herz aus Licht und Lava" von Katharina Herzog



Das Thema
Seit der Ankunft auf Island geschehen merkwürdige Dinge. Gleich am ersten Abend führt ein Schwarm Glühwürmchen Faye zu einer Lichtung, auf der ein uralter Baum steht. Der Sage nach soll hier der Eingang zur Elfenwelt sein. Aber vor Jahren wurde das Herz des Baumes gestohlen. Und jetzt stirbt er. Faye beschließt, den Baum zu retten. Keine leichte Aufgabe. Vor allem seitdem ihr der impulsive und jähzornige Aron über den Weg gelaufen ist. Wenn Faye wüsste, auf was für ein Abenteuer sie sich da einlässt ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag


"Ach Faye!" Mum seufzte. "Sieh diese Woche doch einfach als Urlaub an."
Urlaub?! Diese Reise war kein Urlaub. Mum würde die ganze Zeit arbeiten. Und ich war völlig gegen meinen Willen in dieses Land gebracht worden, das es nur durch seine Fußballmannschaft zu einer bescheidenen Bekanntheit gebracht hatte und in dem es - ich hatte es recherchiert! - außer dicken Ponys ganz viel Natur überhaupt nichts gab.
- S. 36


Das Leseerlebnis
Nicht nur wegen der Mythen und Legenden übt Island auf viele Menschen eine große Anziehungskraft aus. Es ist ein Land der Extreme und der Gegensätze. Nicht umsonst nennt man es auch das Land aus Feuer und Eis. Katharina Herzog hat für ihren neuen Jugendroman "Faye: Herz aus Licht und Lava" den Schauplatz Island gewählt. Eine gute Idee, denn seit meiner Kindheit, seit Nonni und Manni, seit meiner Faszination für Islandpferde, schüren Bücher, die in diesem Land spielen, meine Neugierde. Die Geschichte selbst war dann, trotz wunderbarem Setting, leider nicht meine. Sie fällt für mich in eine Kategorie der Romantasy, an der ich mich schon lange "sattgelesen" habe.

Faye hat ein Händchen für Pflanzen, einen echten grünen Daumen. Trotzdem ist sie nicht begeistert, als sie mit ihrer Mutter nach Island reisen soll, denn die dortige Natur verspricht wenig Abwechslung. Und da Fayes Mutter den Neubau eines Hotels betreut, also den ganzen Tag arbeitet, geht Faye von gähnender Langeweile aus. Dieser Einruck ändert sich, als Faye auf der Lichtung, auf der das Hotel entstehen soll, einen uralten und kranken Baum entdeckt, über den die Einwohner Mythen erzählen. Was geschieht auf der Lichtung? Und warum entwickelt Faye hier in Island Fähigkeiten, die unmöglich erscheinen? Antworten erhofft sie sich auch von Aron, der es ihr mit seiner unnahbaren und düsteren Art alles andere als leicht macht.

Freitag, 6. September 2019

5 (Bücher) vom SuB #3


Anfang 2019 habe ich mir vorgenommen, endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff zu nehmen. Das ist mir wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschen, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Und weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der letzte Beitrag dazu war 5 (Bücher) vom SuB #2. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Und jetzt geht es weiter mit #3 ...


Eins von Sarah Crossan
Die Zwillinge Tippi und Grace sollen ab jetzt auf eine normale Schule gehen, weil sich die Eltern den Unterricht zu Hause nicht mehr leisten können. Die 16-jährigen Mädchen sind siamesische Zwillinge, ab der Hüfte zusammengewachsen, und befürchten an der neuen Schule einen Spießrutenlauf. Doch dort erleben sie nicht nur befremdliche Blicke und Unsicherheit, sondern auch echte Freundschaft. Als es Tippi und Grace gesundheitlich immer schlechter geht, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Vor dem Lesen wusste ich überhaupt nicht, was hier auf mich zukommt. Nur, dass der Roman in Gedichtform geschrieben ist. Die kurzen Kapitel sind optisch wie ein Gedicht verfasst, dadurch bekommen einzelne Sätze und Wörter eine sehr deutliche Gewichtung. Obwohl es keine Reime gibt, ist das Lesegefühl sehr besonders. Ich mag das sehr.
Die Geschichte selbst hat mich sehr berührt und aufgewühlt. Das Thema siamesische Zwillinge ist mir bisher noch in keinem Buch begegnet, Umsetzung und Feinfühligkeit empfand ich als perfekt. "Eins" ist ein Buch, an das man sich lange erinnern wird.


Die Quersumme von Liebe von Katrin Zipse
Luzie hat schon als Kind ihren Vater bei einem Wanderunfall verloren und auch ihre Oma ist schon seit einer ganzen Weile verstorben ... meint sie. Denn eines Tages findet sie im Hausmüll eine Todesanzeige, in der steht, dass ihre Oma erst kürzlich verstorben ist. Luzie beginnt nachzuforschen, denn sie mag sich nicht mehr mit den Familienlügen abfinden, die ihr Leben bestimmen. Dabei deckt sie bei sich selbst tief verschüttete Erinnerungen auf.

"Glücksdrachenzeit" der Autorin gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Und auch "Die Quersumme von Liebe" konnte mich voll und ganz für sich einnehmen. Die Geschichte ist düster, tragisch und tut oftmals sogar ziemlich weh. Neben der Tatsache, dass man unbedingt wissen möchte, was in Luzies Kindheit passiert ist, ist das Buch so gefühlvoll und echt, dass ich es wie im Rausch lesen musste. Und das Ende ... komplett wunderbar und berührend.

Montag, 2. September 2019

"OMG, diese Aisling!" von Sarah Breen und Emer McLysaght



Das Thema
Auf den ersten Blick führt Aisling ein beschauliches Leben. Mit 28 wohnt sie noch bei ihren Eltern in ihrem Heimatort Ballygobbard und träumt, wovon man in dieser verschlafenen Kleinstadt so träumen kann: einem Ring am Finger und der ganz großen Liebe. Doch selbst ein gefangener Brautstrauß und ein romantischer Trip nach Teneriffa bewirken bei ihrem Freund John nichts. Kurzerhand nimmt Aisling ihr Glück selbst in die Hand. Sie macht Schluss mit John und zieht nach Dublin zu ihrer hippen Kollegin Elaine. Die Folgen: neue, glamouröse Freundinnen (mit durchaus unglamourösen Problemen), ein Finanzskandal (mit dem sie fast nichts zu tun hat) und ein turbulentes Liebesdreieck (das in einem Viereck zu münden droht). Klingt nach Chaos? Klingt ganz nach Aisling!

© Klappentext, Cover- und Zitatrechte: bold


Ich bin einfach vom Dominoeffekt ausgegangen - John würde mir einen Antrag machen, meine Eltern würden uns ein Stück Land zur Hochzeit schenken und wir würden ein Haus mit fünf Schlafzimmern bauen (Niamh würde es eine Bruchbude nennen), mit einem begehbaren Kleiderschrank und einer riesigen Waschküche für mich und einer Männerhöhle für ihn. Innerhalb eines Jahres wäre ich schwanger und das wär's dann. So läuft das hier, so machen das alle unsere Freunde.
Aber wollte ich so ein Leben wirklich?
- S. 122/123


Das Leseerlebnis
"OMG, diese Aisling!" klang für mich ein bisschen nach einem Bridget-Jones-Leseerlebnis, und das ist komplett positiv gemeint. Eine etwas chaotische, verschrobene, dabei aber sehr charmante, junge Frau, die liebenswert ist und der die Leserherzen zufliegen - Potenzial für allerbesten Lesestoff also. Und ja, in Ansätzen konnte Aisling durchaus mein Herz gewinnen. Aber eben nur in Ansätzen. Ich hatte mit den Buch schöne Momente, aber auch leichte Durststrecken und machmal sogar Unverständnis. So richtig wurden die Geschichte und ich nicht miteinander warm.

In Aislings Freundeskreis, auf dem irischen Land rund um Dublin, gibt es fast nur ein Thema: Hochzeit! Klar, dass Aisling sich persönlich ebenfalls einen Ring am Finger wünscht. Schließlich sind sie und ihr Freund John auch schon ewig zusammen. Doch John hat anscheinend andere Pläne (oder gar keine), denn er denkt gar nicht daran, Aisling zu heiraten. Frustriert macht Aisling mit ihm Schluss. Ein Fehler? Oder die richtige Entscheidung? Sie weiß es nicht. Dafür zieht sie erst Mal zu zwei Arbeitskolleginnen in eine ziemlich abgefahrene WG. Zwischen Partys, Wochenendtrips und Familiendramen versucht Aisling herauszufinden, was sie wirklich will.

Dienstag, 27. August 2019

"Der Fall der linkshändigen Lady: Ein Enola-Holmes-Krimi" von Nancy Springer



Das Thema
Enola versteckt sich in London noch immer vor dem genialsten Detektiv der Welt, ihrem eigenen Bruder Sherlock Holmes, und wartet auf weitere verschlüsselte Nachrichten ihrer Mutter. Als sie zufällig von der verschwundenen Lady Cecily erfährt und in den faszinierenden Kohlzeichnungen der offenbar sehr begabten Künstlerin eine Seelenverwandte erkennt, übernimmt Enola die Ermittlungen. In verschiedenen Verkleidungen auf den dunklen Londoner Straßen unterwegs und immer auf der Hut vor Mördern und Verbrechern, muss Enola die Hinweise entschlüsseln: eine angelehnte Leiter, ein gerissener Verkäufer, politische Flugblätter ... Um Lady Cecily zu retten, riskiert Enola mehr als sie sollte - und kommt dabei auch ihrem Bruder unerwartet nahe.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knesebeck Verlag


Was hätte Mutter mir gesagt, wäre sie hier? Da gab es keine Frage: "Du kommst sehr gut allein zurecht, Enola."
Eine Aussage, die ich stets als Kompliment aufgefasst hatte.
Doch an diesem Tag, als der Schmerz in meiner Kehle durch einen dicken Kloß verschlimmert wurde, begriff ich plötzlich und quälend, dass ich ... dass ich mehr wollte. Jemanden bei mir haben wollte.
Ich hatte es satt, allein zu sein.
Enola, alonE, alleine - ohne jemanden an meiner Seite.
- S. 46/47


Das Leseerlebnis
Bereits mit dem ersten Band der Enola Holmes-Reihe (der Schwester des berühmten Meisterdetektivs Sherlock Homes) hatte Nancy Springer bei mir einen Nerv getroffen. Ich fand die Geschichte wunderbar! Sehr hochwertig, klug und lebhaft. Da war es nur folgerichtig, dass ich weiterlesen wollte. "Der Fall der linkshändigen Lady" ist der zweite Fall für die junge Enola und gleichzeitig ein anziehender historischer (Jugend)-Krimi, der sich einzigartig und rasant lesen lässt.

Enola ist in London gestrandet. Sie ist immer noch auf der Suche nach ihrer "entlaufenen" Mutter, hat sogar über chiffrierte Nachrichten in Zeitungen manchmal Kontakt zu ihr. Doch ein Treffen gab es noch nicht. Enola führt ein gefährliches Leben. Tagsüber gibt sie sich als die Sekretärin eines erfundenen Perditors (= jemand, der verlorene Dinge aufspürt) aus, nachts zieht sie als barmherzige Nonne durch die Elendsviertel in London, um Menschen zu helfen und Nachforschungen anzustellen. Dabei erfährt Enola, dass auch ihr Bruder, Sherlock Holmes, eigene Nachforschungen über sie anstellt, sie unbedingt wiederfinden will. Und dann erfährt Enola von einer vermissten jungen Lady. Sie traut den Gerüchten darüber nicht, und beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln. Sie ahnt nicht, in welch große Gefahr sie sich damit begibt.

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im September 2019

Der Herbst naht mit großen Schritten und ebenso die Frankfurter Buchmesse - ein Fest für Bücherfans und Lesebegeisterte. Dementsprechend lässt sich meine buchige Wunschliste auch wieder ganz leicht reichhaltig füllen, bevor bald das Frühjahrsprogramm 2020 auf dem Plan steht. Zwölf neue Bücher habe ich entdeckt, die ich allesamt lesen würde und für die es darum auch heißt: Ab auf die Wunschliste!


Fantasy - Magie

(detaillierte Buchinfos gibt es mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


  

Montag, 26. August 2019

"Die Legende von Greg: Der krass katastrophale Anfang der ganzen Sache" von Chris Rylander



Das Thema
Als sein Vater von einem grauenvollen Bergtroll entführt wird, steht Gregs Leben Kopf. Denn anscheinend ist er kein stinknormaler, etwas verfressener Schüler - er stammt von einem uralten Zwergenvolk ab, das in einem Höhlensystem unter Chicago lebt. Nun droht ein Krieg mit den verfeindeten Elfen. Greg muss die Zwergenausbildung absolvieren, mit seiner sprechenden Axt umgehen lernen und gleichzeitig seinen Vater wiederfinden. Zu allem Übel ist sein bester Freund Edwin ausgerechnet ein Elf. Kann er ihm überhaupt trauen?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


Ich schaute zu Boden und gab mir alle Mühe, das Ganze hier komplett als Unsinn abzutun. Ich, ein Zwerg? Redende Äxte? Uralte Kriege mit Elfen und verlorener Magie? Bergtrolle? Das war so absurd!
Aber ich glaube, ich wusste wohl schon in diesem Moment, dass ich verzweifelt versuchte, die Wahrheit zu ignorieren. Einer Sache war ich mir jedoch sicher: Ich musste herausfinden, was mit meinem Dad passiert war, und ihn zurückholen.
Ob ich das hier alles nun glaubte oder nicht.
- S. 108


Das Leseerlebnis
"Der krass katastrophale Anfang der ganzen Sache" ist der Starttitel der Die Legende von Greg-Reihe, und auch das war wieder so ein Jugendbuch, das ich nach einem ersten Blick auf das Cover lesen wollte. Ich finde es sehr klasse! Irgendwie schürte es meine Erwartungen an eine turbulente, sicherlich humorvolle, und beeindruckende Geschichte. Meine Vorabmeinung bestätigte sich dann auch. Junge Jugendliche werden mit Gregs chaotisch-lustigem Abenteuer jede Menge Spaß haben. Ich hatte ihn jedenfalls. Ebenso mein Sohn (11), der die Geschichte kurz vor mir las.

Greg hat nicht viele Freunde. Genau genommen ist es nur ein einziger, nämlich Edwin, der während des kompletten Schulalltags zu Greg hält, auch wenn sich alle anderen über ihn lustig machen. Trotzdem findet Greg sein Leben ganz okay. Etwas komisch und merkwürdig zwar, aber okay. Das ändert sich allerdings, als Gregs Dad von einem ungewöhnlich großen und wütenden Etwas (einem Troll?) entführt wird. Denn nun erfährt Greg, dass er kein gewöhnlicher Junge, sondern ein Zwerg ist. Auch wenn sich das alles unglaublich anhört, möchte er seinen Vater zurückholen. Dabei hat Greg jedoch nicht den Konflikt zwischen Zwergen und Elfen bedacht. Und sein bester und einziger Freund Edwin ist ausgerechnet ein Elf.

Sonntag, 25. August 2019

"Exit Now!" von Teri Terry



Das Thema
Großbritannien nach dem Brexit: Die 15-jährige Sam lebt in einem goldenen Käfig. Hohe Mauern schirmen sie ab vor bettelnden Familien. Panzerglas schützt sie vor Bombenanschlägen. Auf Empfängen lächelt sie zu den Reden ihres einflussreichen Vaters. Doch als Sam die zwei Jahre ältere Ava kennenlernt, erwacht sie aus ihrer Erstarrung: Wieso gibt die Regierung den Jugendlichen die Schuld am Terror im Land? Warum kontrolliert die Polizei plötzlich ihre Handys und jede ihrer Bewegungen? Wohin verschwinden so viele Mädchen aus ihrer Schule? Sam und Ava fühlen sich, als würde ihnen die Luft zum Atmen genommen und sie wollen sich wehren. Aber wie, wenn das ganze Land sich gegen sie wendet?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Coppenrath Verlag


Endlich fahren drei Wagen ein. Als ich Dad aus einem aussteigen und ins Haus gehen sehe, ziehe ich die Vorhänge zu, mache das Licht an und schalte den Fernseher ein.
Ein bleicher Nachrichtensprecher mit ängstlichem Blick verliest die Neuigkeiten. Überall Aufstände. Plünderungen. Vandalismus. Es ist nicht mehr auszumachen, wer oder was dafür verantwortlich ist. Kann ja wohl schlecht alles auf das Konto der A4A gehen. Mir kommt es so vor, als würde sich jeder, der irgendwie unzufrieden ist, an der Zerstörung beteiligen.
- S. 153


Das Leseerlebnis
Die Bücher von Teri Terry habe ich alle (bis auf eines) gelesen. Sie gehören für mich zu den spannendsten überhaupt. Man wird völlig mitgerissen und während des Lesens sind die Nerven bis aufs Äußerste gespannt. Das neueste Buch "Exit Now!" spielt in keiner unbekannten Welt. Vielmehr ist es ein Prequel, eine Vorgeschichte zu den Ereignissen der Gelöscht-Trilogie (und die ist genial!). Es erzählt, wie sich die Situation entwickelt hat. Dazu greift die Autorin eine fiktive Entwicklung in England nach dem Brexit auf, die sich alles andere als unrealistisch darstellt. "Exit Now!" hat eigene Protagonisten und eine Handlung, die auch völlig eigenständig gelesen werden kann. Leser*innen werden danach aber wissen wollen, wie es weitergeht.

Die 15-jährige Sam, Tochter des Vize-Premierministers von England, lebt in London nach dem Brexit. Die Grenzen sind geschlossen, es kommt immer öfter zu Aufständen und Aktionen der Bevölkerung. Man merkt, dass die Menschen unzufrieden sind, die Gesellschaft gespalten ist. Statt den Diskurs zu suchen, greift die Regierung mit immer härteren und menschenverachtenden Maßnahmen durch, versucht Recht und Ordnung wieder herzustellen. Dabei gibt sie vor allen den Jugendlichen die Schuld an der Situation im Land.
Als Sam die Schülerin Ava kennenlernt, die von ihren Eltern als Nachhilfe für ihre Tochter engagiert wird, entwickelt sich zwischen den beiden mehr als Vertrautheit. Sam erkennt, dass seitens der Regierung großes Unrecht geschieht. Sie beschließt, sich zu wehren und Widerstand zu leisten. Als Tochter des Vize-Premierministers ist das genauso schwierig wie gefährlich.

Mittwoch, 21. August 2019

"Die goldenen Wölfe" von Roshani Chokshi



Das Thema
Paris zur Zeit der Weltausstellung 1889: Der wohlhabende Hotelier und Kunstexperte Séverin Montagnet-Alarie begibt sich mit einem Team aus Spezialisten auf die Suche nach einem besonders wertvollen Artefakt, dem Horus-Auge. Doch ihre Mission in das dunkle Herz der französischen Metropole ist voller Magie und Gefahren. Und was sie dort finden werden, dürfte die Welt verändern ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Arctis Verlag


"[...] Noch einmal möchten wir uns bei den beiden Häusern Frankreichs bedanken und ihre Bereitschaft honorieren, Gastgeber dieser Frühlingsauktion zu sein. Ehre, Haus Nyx. Ehre, Haus Kore."
Séverin hob die Hände, applaudierte aber nicht. Die lange Narbe auf seiner Handfläche schimmerte silbern im Licht des Kronleuchters - eine Erinnerung an das Erbe, das man ihm verwehrt hatte.
Als letzter Angehöriger der Montagnet-Alarie-Linie und Erbe von Haus Vanth flüstere Séverin dennoch: Ehre, Haus Vanth.
Vor zehn Jahren hatte der Orden die Blutlinie von Haus Vanth für ausgestorben erklärt.
Der Orden hatte gelogen.
- S. 16


Das Leseerlebnis
Zuerst ging ich bei "Die goldenen Wölfe" von einem Einzeltitel aus. Das ist aber nicht so, denn das Buch ist der Starttitel einer Fantasy-Trilogie. Zum Glück! Denn schon während des Lesens war klar, dass ich mehr will. Mehr von Autorin Roshani Chokshi. Und noch viel mehr von dieser genialen Geschichte! Hier stimmt nicht nur das überaus schön anzusehende Cover (das zudem noch perfekt zur Story passt), auch der Inhalt überzeugt sofort. Er fasziniert komplett, amüsiert aufs Allerbeste und ist spannend bis zum Schluss. Und jetzt sitze ich hier und frage mich, wie ich die Wartezeit bis zum Folgeband aushalten soll. Ein fieses Gefühl, aber gleichzeitig die Bestätigung, dass "Die goldenen Wölfe" ein top Reihenstart ist.

Im Frankreich des 19. Jahrhunderts gibt es vier Häuser des Ordens von Babel. Oder besser gab, denn mittlerweile sind nur noch zwei Häuser übrig geblieben. Der Orden von Babel schützt magische Fragmente, die Quelle aller Schmiedekunst (eine Art Magieausübung). Séverin ist ein Dieb und wurde selbst betrogen. Als der Erbe eines der nicht mehr vorhandenen Häuser möchte er sich selbst zu seinem Recht verhelfen, sein Haus wieder auferstehen lassen. Dafür lässt er sich auf einen gefährlichen Deal ein. Mit seinem Diebesteam macht er sich auf die Suche nach einem mächtigen Artefakt, das in den falschen Händen das Ende der bekannten Welt bedeuten könnte.

Montag, 19. August 2019

"Auf der Suche nach dem Kolibri" von Ava Dellaira



Das Thema
Marilyn weiß genau, wie ihre Zukunft aussehen soll: Nach der Schule will sie einfach nur weit weg, an ihrer Wunsch-Uni studieren und Fotografin werden. Dann lernt sie James kennen, der sie in ihren Träumen unterstützt, ihr aber auch zeigt, dass es sich lohnt, im Hier und Jetzt zu leben. Bis sie vom Schicksal auseinandergerissen werden.
Angie hat keine Ahnung, was sie mit ihrem Leben anfangen will. Sie weiß nur, dass sie unbedingt in Erfahrung bringen muss, was wirklich mit ihrem Vater James passiert ist. Laut ihrer Mutter Marilyn ist er bereits vor ihrer Geburt bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Aber dann findet Angie Hinweise darauf, dass ihre Mutter nicht die ganze Wahrheit erzählt hat. Mit ihrem Exfreund macht sie sich auf den Weg nach L.A., um endlich herauszufinden, woher sie kommt und wer sie ist.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Magellan Verlag


Ihre Blicke treffen sich. Und dann.
Sie tut es, weil die Möwen am Abendhimmel kreisen, weil die Palmen im warmen Wind rascheln, weil der Mond riesig und beinahe voll zwischen den Hochhäusern hervorlugt. Weil sie ihn gerade beim Fußball geschlagen hat, weil er noch immer der beste Freund ist, den sie je hatte, weil sie das Blut in ihren Adern rauschen fühlt. [...] Weil er verständnisvoll war, als sie ihm das Bild von ihren Eltern gezeigt hat. Weil sie sich mit ihm weniger allein fühlt. Weil sie ihrer Furcht entkommen will, das damalige Glück ihrer Eltern nicht wiederherstellen zu können. Und die tut es ohne Zögern. Sie küsst ihn.
  - S. 217/218


Das Leseerlebnis
Ava Dellaira ist die Autorin von "Love Letters to the Dead". Damit wurde sie auch im deutschsprachigen Raum bekannt. Gelesen habe ich ihr Debüt nicht. Ihre Premiere hatte die Autorin bei mir mit "Auf der Suche nach dem Kolibri". Und ja, ich habe mich vom wunderschönen Cover ködern lassen, ebenso wie von der Inhaltsbeschreibung. Die Geschichte ist auf der einen Seite melancholisch und stimmungsvoll, und auf der anderen überwältigend und verzweifelt-romantisch. Ich könnte die Attribute des Buches mit Adjektiven überschwemmen und habe doch nicht das Gefühl, der Geschichte auch nur in Ansätzen gerecht zu werden.

Im Buch geht es um James, den einen Vater, den Angie nie kennenlernen durfte, dessen Verbleib sie umtreibt, und den sie unbedingt aufklären will. Und es geht um Marilyn, Angies Mutter, die mit James glücklich war, bis sie auseinandergerissen wurden. Was ist damals passiert? Und warum hat Marilyn ihrer Tochter nie die Wahrheit über das Verschwinden von James gesagt?

Mittwoch, 14. August 2019

"Das Herz aus Eis und Liebe" von Renée Ahdieh



Das Thema
Nachdem der Schwarze Clan aufgeflogen ist und Ōkami gefangen genommen wurde, hat Mariko keine Wahl mehr. Sie muss Prinz Raiden und ihrem Bruder nach Inako folgen und sich als Braut des Prinzen den Gefahren und Intrigen stellen, die am Hof auf sie lauern. Von nun an sind Klugheit und Umsicht ihre Waffen. Damit will sie die Ränkeschmiede aufdecken und für Gerechtigkeit sorgen. Doch hinter jedem Geheimnis verbirgt sich ein weiteres. Werden Mariko und Okami aus diesem Lügennetz entkommen?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: One Verlag


Ein Grinsen hob eine Seite von Ōkamis Gesicht und betonte eine diagonale Narbe durch seine Lippen. "Mein Geist lebt auf einem Berg. Deiner lebt auf einem Feld. Sollte der Berg vor dem Feld niederknien?" Er entblößte weiße Zähne in einem dunklen Lächeln, dann nickte er in Richtung des Strohs vor ihm. "Oder wird das Feld auf mich zukriechen?"
"Du verräterisches Schwein." Mit einem Schritt in die Zelle zog Raiden seine Waffe zischend aus ihrer Saya. "Du wirst deinen himmlischen Herrscher mit Respekt ansprechen."
- S. 56


Das Leseerlebnis
Renée Ahdiehs Startitel der Samurai-Dilogie "Das Mädchen aus Feuer und Sturm" empfand ich als überraschend und unterhaltsam - einfach großartig. Die Autorin hat eine historisch-phantastische Geschichte geschrieben, die mit ihrem fernöstlichen Setting sofort in ihren Bann zieht und insgesamt komplett überzeugt. Mit "Das Herz aus Eis und Liebe" wird genau das fortgeführt und die zweiteilige Reihe zu einem vereinnahmenden Ende gebracht. Ich fand das Buch toll!

Nach einem, bzw. zwei Kapiteln einer Art Intro, wird sofort wieder klar, mit welch mitreißender und komplexer Geschichte man es hier zu tun hat. Danach geht es fast nahtlos mit Marikos und Ōkamis Schicksal weiter, darüber, dass eine große Ungerechtigkeit aufgeklärt, und die Ehre zweier Fürstenfamilien wieder hergestellt wird. Das ist das Grundgerüst, das sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, neben der Tatsache, dass Mariko wissen will, wer den Anschlag auf ihr Leben angeordnet hat, nach dem sie den Schwarzen Clan getroffen hat.
Ōkami hat sich dem neuen und grausamen Kaiser ausgeliefert und wird nun unter dem Palast gefangen gehalten. Er soll auf jeden Fall sterben. Gleichzeitig ist Mariko zu ihrem Verlobten, Prinz Raiden, in den Palast gezogen. Sie schmiedet Pläne, Ōkami zu befreien, die auch beinhalten, den Prinzen zu heiraten. Dunkle Mächte verfolgen im Kaiserpalast ein ganz eigenes Ziel und auch der Schwarze Clan formiert sich neu, um Recht und Ehre wieder herzustellen.

Sonntag, 11. August 2019

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Juli 2019

Kühlt der Sommer tatsächlich schon ein wenig ab? Hoffentlich nicht. Nun schaue ich aber erst mal zurück auf meinen Juli-Lesemonat, denn lesenswerte Geschichten gab es viele. Ich habe sommerlich schöne und humorvolle Bücher gelesen. Ebenso epische Fantasy und auch relativ harte Kost. Hinzu kamen fünf neue Bücher; manche überraschend, andere bewusst. Und zufällig sind alle in diversen Blautönen gestaltet. Der Inhalt macht neugierig.


Meine Buchzugänge im Juli - 5 Bücher



Donnerstag, 8. August 2019

"Glück und los!: Lina und die Sache mit den Wünschen" von Dagmar Bach



Das Thema
Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen, das wär's! Früher war Lina überzeugt, dass sie das kann und eine echte Glücksbringerin ist: Um sie herum gingen urplötzlich geheime Wünsche in Erfüllung. Doch das ist schon lange her. Und was genau es war, das die Wünsche wahr werden ließ, hat Lina nie herausgefunden. Schade eigentlich, denn nun hat sie selbst einen riesengroßen Wunsch: Sie will sich endlich, endlich richtig verlieben, mindestens auf den ersten Blick! Wild entschlossen versucht sich Lina wieder an der Sache mit den Wünschen. Leider enden all ihre Experimente im größten Chaos ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER KJB


Aber die Zwillinge zeigten weiterhin keine Reaktion.
"Bist du Vincent? Oder Arthur?", fragte ich den Linken von beiden, der mich durch seinen dunkelbraunen Haarvorhang anstarrte. [...]
Nachdem der nix sagte, probierte ich es mit dem anderen.
"Äh, und du bist ...?"
Ich erntete einen mürrischen Blick. "Hundemüde. Können wir jetzt fahren, bitte?"
"Also, Papa, du hast es gehört. Hundemüde und der Schweiger wollen heim."
- S. 15/16


Das Leseerlebnis
Ende 2018 hat Dagmar Bach ihre ZIMT-Trilogie mit einem Sequel beendet. An die Bücher, jedes einzelne davon, denke ich heute noch gerne zurück. Die Reihe ist komplett wunderbar. Im erwähnten ZIMT-Sequel gab es bereits eine Begegnung mit Lina, der Hauptprotagonisten aus "Glück und los!", das der Beginn einer neuen Reihe der Autorin ist. Und natürlich stand das Buch ganz oben auf meiner Leseliste. Ich erwartete eine jugendlich-charmante und zauberhafte (im wahrsten Sinne des Wortes) Geschichte mit viel Humor. Und genau diese habe ich auch bekommen. Ein sehr süßer und großer Lesespaß!

Die Sache mit Lina und den Wünschen ist vielleicht Zufall, vielleicht aber auch nicht. Schon immer galt sie als Glücksbinger der Familie, was auch an dem traditionellen Familienpostfach liegt, an das Kinder ihre Herzenswünsche schicken können. Momentan hat Lina aber noch viel mehr im Kopf, ihr Leben als turbulent zu beschreiben, wäre untertrieben. Mit den Zwillingen von Papas Freundin wird die Patchworkfamilie zwar komplett, aber auch um einiges komplizierter und gewöhnungsbedürftiger. Und als Lina sich den neuesten Mitteilungen aus dem Wunschpostfach annimmt, und alles daransetzt, die Wünsche darauf zu erfüllen, geht die Sache ganz schön nach hinten los. Statt Wunscherfüllung folgt ein riesengroßes Chaos. Aber warum nur? Irgendetwas stimmt doch da nicht.

Sonntag, 4. August 2019

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Spinster Girls: Was ist schon Liebe?" von Holly Bourne



dtv Verlagsgesellschaft (Juni 2019), Band 3,
Klappenbroschur, 448 Seiten,
übersetzt von Nina Frey,
10,95 € [D]


Alles, was Amber will, ist ein bisschen Liebe von ihrer Mutter. Über die Sommerferien reist Amber zu ihr nach Kalifornien. Sie hofft, dort all die Fragen stellen zu können, die ihr schon lange auf der Seele brennen. Und dann verliebt sie sich auch noch. Ausgerechnet in Kyle, das wandelnde amerikanische Surfer-Klischee, hinter dem alle Mädchen her sind. Zum Glück hat sie ihre besten Freundinnen, Evie und Lottie, mit denen sie den Sommer über via Smartphone und Skype in Verbindung bleibt und die ihr mit Rat und Tat und jeder Menge Mädelspower zur Seite stehen. (Cover- und Textrechte: dtv Verlagsgesellschaft)


Ich betrat das, was die nächsten sechs Wochen mein Zuhause sein sollte. Es war schlicht. Ein schmales Bett, ein winziger Schrank, ein Nachttisch. Das war's. Und da war es, mein Foto. Von mir und Mum. Gerahmt auf dem Nachttisch, der auf wackeligen Beinen schwankte, wenn man auf ihn zuging. [...]
Meine Finger prickelten.
Warum stand das im Gästezimmer und nicht in ihrem Schlafzimmer? Kam Mum nur herein und sah es sich an, wenn sie in der Stimmung war, sich an ihre Tochter zu erinnern?
- S. 49


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Mit "Was ist schon Liebe?" ist jetzt endlich der dritte Band der Spinster Girls-Trilogie erschienen. Es geht um drei Freundinnen, Evie, Lottie und Amber, die den Spinster Club gegründet haben, um gemeinsam über Themen des Feminismus zu diskutieren. In jedem Buch spielt eines der Mädchen die Hauptrolle, dieses Mal Amber. Die Geschichte unterscheidet sich in der Hinsicht, dass Amber zu ihrer Mutter in die USA fliegt, sie hat also ihre zwei Freundinnen nicht direkt um sich. Rat holt sich Amber von Evie und Lottie per SMS oder Videochat. Dadurch liest sich das Buch auch etwas anders als die beiden Vorgänger, aber mindestens genauso gut.
  2. Die Beziehung zwischen Amber und ihrer Mutter ist stark belastet. Denn die alkoholkranke Frau hat Ambers Familie nach einer Therapie verlassen, um mit einem neuen Partner in den USA zu leben. Amber hofft, ihrer Mutter wieder ein Stück näher zu kommen, indem sie den Sommer bei ihr in Kalifornien verbringt. Doch das scheint nicht der Fall, im Gegenteil. Amber wird enttäuscht und mit allem konfrontiert, vor dem sie Angst hatte. Zum Glück hat sie Freunde, die zu ihr halten und sie hat den Mut, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
  3. Die inhaltliche Zusammenfassung des Buchs hört sich irgendwie hochdramatisch und überhaupt nicht lustig an. Ich kann aber sagen, dass "Was ist schon Liebe?" ein tolles Leseerlebnis ist. Ein Sommerbuch mit viel Humor, aber auch mit Anspruch und ein paar dramatischen, aber plausiblen, Höhepunkten. Die über 400 Seiten lesen sich weg wie nichts, und auch die Atmosphäre, inklusive Ambers Erlebnissen in den USA, passt wunderbar zur Geschichte.
  4. Leider war das Thema Feminismus in diesem Band eher ein Nebenprodukt, bzw. wurde mir zu wenig abgegrenzt. Und war das nicht das Hauptanliegen der Autorin? Hier geht es eher darum, seinen Weg zu finden und Mut zu haben. In diesem Kontext finde ich Ambers Sprache und Meinungen auch nicht sehr feministisch, sondern teilweise vorurteilsbelastet, verletzend und diskriminierend. Alkohol spielt auch in diesem Buch eine große Rolle, allerdings hier in einem Zusammenhang, der wachrütteln sollte.
  5. Als die Geschichte dem Ende zuging, hätte ich noch ewig weiterlesen können. Man merkt, dass die Autorin ursprünglich einen Road-Trip-Roman geplant hatte. Das fand ich klasse! Trotzdem ist der Schluss völlig okay und gut gewählt. Bis auf Kleinigkeiten, die mir während des Lesens auffielen, hatte ich viel Spaß und eine tolle Zeit mit "Was ist schon Liebe?".

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

frech-lustig, schmökerig, sommerlich, fühlbar und entschlossen



Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Spinster Girls: Was ist schon Liebe?" ist leider schon der letzte Band der Spinster Girls-Trilogie. Jedes der Bücher war ein tolles Leseerlebnis, auch dieses. Ambers Geschichte hat mich mitgerissen, amüsiert und manchmal auch erschreckt. Es ist nicht nur ein wunderbares Sommerbuch, sondern auch eine Geschichte über Mut und eigene Entscheidungen. Dass das ursprüngliche Thema der Reihe, Feminismus, in dieser Geschichte gefühlt etwas zu kurz kam, ändert an der guten Zeit mit "Was ist schon Liebe?" nichts. Ich mochte das Buch sehr!


© Damaris liest.



Reiheninfo Spinster Girls-Trilogie:

Band 1 - Was ist schon normal?
Band 2 - Was ist schon typisch Mädchen?
Band 3 - Was ist schon Liebe?




Donnerstag, 1. August 2019

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im August 2019

Der August ist immer ein Killermonat für Büchermenschen. So viele Neuerscheinungen! Wunschlisten werden platzen, Kontostände leiden und Buchhändler*innen sich (hoffentlich) freuen. Alle Büchersüchtigen freuen sich über eine Flut an Auswahl neuer Bücher. Auch ich habe mich umgeschaut und mir einundzwanzig buchige Neuerscheinungen rausgepickt, die ich sofort meiner Wunschliste hinzufügen werde. Einundzwanzig!


Fantasy - Dystopie - Magie

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


 

Die Goldenen Wölfe von Roshani Chokshi ... ist mir zu allererst wegen des wunderhübschen Covers aufgefallen. Es geht um eine Schatzsuche zur Zeit der Pariser Weltausstellung 1889 und soll in einer faszinierenden Welt voller Magie spielen.
King of Scars: Thron aus Gold und Asche von Leigh Bardugo ... Die Bücher von Leigh Bardugo sind nach der Grischa-Trilogie, Krähen-Dilogie und diversen Kurzgeschichten für mich ein muss. "Thron aus Gold und Asche" ist der Beginn einer neuen Dilogie über Nikolai Lantsov, den jungen König von Ravka. Das Buch spielt im Grischa-Universum, kann aber als unabhängige Reihe gelesen werden.


  

Sonntag, 28. Juli 2019

5 (Bücher) vom SuB #2


2019 soll das Jahr sein, in dem ich endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff nehme. Das ist mir wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschen, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Und weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der Anfang wurde bereits mit 5 (Bücher) vom SuB #1 gemacht. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Weiter geht's ...


Nur drei Worte vom Becky Albertalli
Simon vergisst in der Schule versehentlich, sich von seinem Mail-Account abzumelden. Und weil ein Mitschüler nun von den Mails zwischen Simon und Blue weiß, wird er erpresst. Denn Simon ist schwul, möchte aber selbst bestimmen, wann er sein Coming-out hat. Hoffentlich bekommt Blue nichts von den Erpressungsversuchen mit, denn Simons Leben ist auch so schon kompliziert genug.

"Nur drei Worte" ist ein sehr menschlich-sympathischer Coming-out-Jugendroman mit einem tollen Hauptprotagonisten. Simon lässt Leser*innen direkt in sein Inneres blicken, hat einen tollen Humor, aber auch Ängste und übersprudelnde Gefühle. Die Handlung wirkt spritzig-natürlich, nur selten ein bisschen inszeniert. Man kann das Buch fast in einem Rutsch durchlesen. Ich empfand es als herzlich und wunderbar und irgendwie auch jugendlich romantisch, auch wenn mir an ein bis zwei Stellen zu viele Klischees bedient wurden. Am Ende war ich dann sehr glücklich mit dem Buch.


Im Herzen der Zorn von Elizabeth Miles
Em hat mit den Furien einen Pakt geschlossen. Weil sie aber nicht darüber reden darf, scheint ihre große Liebe JD nun für sie verloren. Em verändert sich zusehends, möchte aber um JD kämpfen.
Gleichzeitig taucht ein neues Mädchen in Ascension auf. Skylar möchte ihr altes Leben hinter sich lassen und endlich beliebt und geschätzt werden. Dafür freundet sie sich mit Meg an und ihr Plan, zu den beliebtesten Jugendlichen zu gehören, scheint aufzugehen. Doch sie hat keine Ahnung, wer Meg wirklich ist.

Band 1 der Furien-Trilogie "Im Herzen die Rache" lag schon so lange zurück, dass ich das Buch vor diesem zweiten Band nochmals gelesen habe. Das war auch sinnvoll, ich konnte mich nur noch bruchstückhaft an die Handlung erinnern. "Im Herzen der Zorn" gefiel mir grundsätzlich gut, das Buch war intrigant, mit sehr spannenden und oftmals auch gruselig-abgedrehten Stellen. Doch es gehört auch zu den Büchern, deren Zeit für mich irgendwie vorbei ist. Ich ging davon aus, diese Trilogie im Regal behalten zu wollen, weiß aber jetzt schon, dass ich mich von ihr trennen werde ... nach dem Lesen von Band 3.