Mittwoch, 17. Juli 2019

"Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt" von Carol Weston



Das Thema
Vierzehn zu sein ist hart, findet Sofia. Und es ist noch härter, wenn man gerade seine Mutter verloren hat. Als würde man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmen. Aber zum Glück gibt es "Frag Kate", einen Online-Ratgeber, dem Sofia sich anvertraut. Nie hätte sie gedacht, wohin der E-Mail-Austausch führen würde! Sofias komplettes Leben wird auf den Kopf gestellt! Doch Veränderungen können durchaus etwas Positives sein - besonders, wenn man dabei einem süßen blonden Jungen namens Sam begegnet. Und Sofia ist nun auch nicht mehr jeden Tag traurig. Manchmal ist sie sogar richtig glücklich. Und sie begreift: Wenn du immer weiterkletterst, wirst du mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Du siehst, was hinter dir liegt, was vor dir liegt und: was in dir steckt.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carl Hanser Verlag


Jedes Jahr Anfang Dezember suchten wir uns auf dem Broadway einen Baum aus und schleppten ihn nach Hause in die 93. Straße. [...] Dann schmückten wir ihn gemeinsam und hörten dabei Weihnachtslieder, von 'Jingle Bells' bis 'Feliz Navidad', während Pepper, unser schwarzer Kater, um uns herumflitzte und mit der Tatze nach den niedrig hängenden, mausgroßen Kugeln schlug.
Das war unsere Familientradition. Ich hatte immer gedacht, es würde ewig so weitergehen.
Aber am 7. April war Mom gestorben, und mit ihr ein Teil von mir.
- S. 16


Das Leseerlebnis
Es gibt Bücher, die gewinnen meine Aufmerksamkeit alleine durch den Titel. Okay, und vielleicht in diesem Fall auch noch durch meine bevorzugte Farbgestaltung (türkis und verspielt). Auf "Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt" traf das vollständig zu. Der Titel klingt fröhlich und beschwerlich, lustig und traurig - machte mich darum sofort neugierig. Die Geschichte ist sehr herzlich und einfühlsam ... und sie zeigt auf, dass tiefe Trauer und persönliches Glück ganz nah beieinander liegen können.

Schon der Anfang berührte mich sehr. Sofia, die fast 15-jährige Hauptprotagonistin spricht ihre Leser*innen direkt an, indem sie darauf hinweist, dass die Geschichte an sich ziemlich traurig ist, anfangs zumindest. Dass das letzte Jahr sehr schlimm und ziemlich hart für sie war.
Sofia ist in New York City aufgewachsen und ihre Kindheit war wundervoll. Bis plötzlich, und völlig unvorhergesehen, ihre Mutter starb. Zwar geht es Sophia mittlerweile wieder besser (sofern es einem innerhalb eines knappen Jahres besser gehen kann), doch die Trauer sitzt tief. Als sie an "Frag Kate", einen Onlineratgeber schreibt, erhält sie prompt Antwort. Sofias Leben ändert sich komplett, und sie erkennt, dass neu nicht unbedingt schlecht bedeuten muss, dass sie trauern und gleichzeitig glücklich sein kann.

Mittwoch, 10. Juli 2019

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Juni 2019

Mein Vorsatz, mich 2019 vermehrt meinem SuB, meinen "alten", ungelesenen Büchern, zu widmen, geht nur langsam voran. Aber wie heißt es so schön: Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich bleibe also dran. Zum Glück (für mich) lese ich momentan mehr Bücher als neue dazukommen. Das macht es leichter, mein Ziel im Auge zu behalten. Ich habe noch viele schöne Bücher vor mir und kann mich auf einige Schätze freuen. Drei Bücher habe ich im Juni ins Regal gestellt, acht Bücher gelesen.


Meine Buchzugänge im Juni - 3 Bücher



Dienstag, 9. Juli 2019

"Dumme Ideen für einen guten Sommer" von Kiera Stewart



Das Thema
Für die 12-jährige Edie ist die Aussicht auf die Ferien so schlimm wie nie. Mit ihrer peinlichen Familie muss sie in einer Kleinstadt in Florida ausharren, um das Haus der verstorbenen Großmutter Petunia auf Vordermann zu bringen. Ihr einziger Trost: die Gesellschaft ihrer supercoolen Cousine Rae. Als die beiden eine Liste mit Petunias Ideen für den Sommer finden, beschließen sie Punkt für Punkt abzuhaken. Die vermeintlich guten Ideen stellen sich dabei eher als albern und unvernünftig heraus - doch manchmal sind es genau solche, die man für ein Abenteuer braucht.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


Während ich noch über ihre Antwort staune, saust über uns etwas vom Himmel. Blätter rascheln, Äste schwanken und ich erstarre. Eine Fledermaus! Eine Hexe! Hilfe!
"Das war wahrscheinlich eine Eule oder so was Ähnliches", sagt Rae.
Oder so was Ähnliches. Ich wünschte wirklich, sie würde so etwas nicht sagen. Bleiben wir doch einfach bei Eule. Definitiv eine Eule. Ein entzückendes, schuhuendes kleines Ding, das weise und freundlich ist. Damit sind wir auf der sicheren Seite.
- S. 105


Das Leseerlebnis
Ach schön, ein Sommerbuch für junge Leser*innen, das nach großem Lesespaß mit Tiefsinn klingt. Genau so waren meine Gedanken, als ich einen ersten Blick auf "Dumme Ideen für einen guten Sommer" warf. Es geht um Edie, die, an der Schwelle zur Jugendlichen, mitten im Hochsommer nicht nur bildlich über ihren Schatten springt. Das enthält zwar weniger Tiefsinn als gedacht, dafür mehr Nachdenklichkeit und ist herrlich lustig und charmant-verrückt erzählt.

Die fast 13-jährige Edie fühlt sich ohne ihre beste Freundin Taylor als ziemliche Aussenseiterin. Und jetzt fährt Taylor auch noch alleine auf die Sommeranfangs-Zeltparty, für die Edie von ihren Eltern keine Erlaubnis bekam. Stattdessen muss Edie mit ihrer Familie nach Florida fahren, um dort das Haus ihrer verstorbenen Großmutter Petunia zu renovieren. Stinklangweilig! Zum Glück ist auch Rae vor Ort, Edies coole Cousine. Gemeinsam entdecken die beiden eine Liste, auf der Großmutter Petunia Ideen für den Sommer 1962 gesammelt hat. Die beiden Mädchen beschließen die Liste umzusetzen ... und vielleicht wird dieser Sommer ja doch nicht so langweilig, wie Edie gedacht hatte.

Dienstag, 2. Juli 2019

"Die Entflohene" von Violaine Huisman



Das Thema
Ihr Fahrstil war sportlich, mit quietschenden Reifen fuhr sie über jede rote Ampel der Champs-Elysées, in der linken Hand die Zigarette, in der rechten das Steuer, auf dem Rücksitz die beiden Töchter. Catherine konnte ausrasten, ihre Kinder unflätig beschimpfen, um sie gleich danach in Liebe zu ertränken. Die kleine Violaine und ihre Schwester lieben die Mutter abgöttisch, aber sie ist krank, sie ist manisch-depressiv. Mit gnadenloser Aufrichtigkeit und großer Wärme erinnert sich Violaine Huisman an ihre schöne, witzige und widersprüchliche Mutter. Ein temporeicher, aufwühlender Roman über eine sehr unkonventionelle Familie.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: S. FISCHER


Seht zu, wie ihr zurechtkommt!, das war der ewige Refrain ihrer Litaneien, sie sagte, wir sollten uns verpissen und nicht dauernd angeschissen kommen, wir sollten mal damit aufhören, auf die ganze Welt zu scheißen, wir sollten endlich kapieren, dass sie sich einen Scheiß für die Fragen und Sorgen verhätschelter fauler Gören interessierte. Sehr zu, wie ihr zurechtkommt, ihr kotzt mich an mit euren bescheuerten Problemen! Das war aber nicht das Ende von Mamans Beschimpfungen, in der Regel fingen sie so erst an. - S. 12


Das Leseerlebnis
Violaine Huismans Roman "Die Entflohene" war nicht nur eine persönliche Empfehlung an mich, das Buch, bzw. die Geschichte ist zudem ein autobiographisches Debüt, weckte darum sofort mein Interesse. Ich kann kaum ermessen, wie weit die eigenen Erinnerungen zurückreichen, wie stark das Buch die Wirklichkeit wiedergibt. Seine Wirkung verfehlt es nicht. Der Roman ist eine Hommage an die eigene Mutter, die, manisch-depressiv und sehr exzentrisch, einen großen Einfluss auf das Leben ihrer Töchter hatte. Aus der Geschichte spricht ebenso Kritik wie Akzeptanz, Verstörung wie Verherrlichung ... und bedingungslose Liebe.

Der Erzählstil von "Die Entflohene" ist hochwertig und ausdrucksstark, passend zum feudalen Leben von Mutter und Töchtern in einem Frankreich der 1980er Jahre und früher. Dass dies ein eher anspruchsvolles Lesen ist, wird bereits beim ersten Satz klar, der sich verschachtelt über eine vollständige Buchseite zieht. Als Leserin wuchs ich an jeder Seite, lernte die Stimme der Autorin zu deuten und wurde mehr und mehr in die Geschichte gezogen.

Sonntag, 30. Juni 2019

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Juli 2019

Juli bedeutet Sommer, Hitze und hoffentlich viel Lesezeit. Gerade wird es mir nach der Mittagszeit auf der Terrasse fast schon zu warm zum Lesen, selbst im Schatten. Ohne Ventilator geht da gar nichts mehr. Aber ein kühles Plätzchen findet sich fast immer und darum habe ich auch gerne durch die Buchneuerscheinungen für Juli gestöbert. Elf Bücher, die mich besonders interessieren, wandern auf meine Wunschliste. Auf dass der Lesestoff nie ausgeht!


Fantasy - Sci-Fi - Geister - Mystery

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


  

Mittwoch, 26. Juni 2019

"River of Violence" von Tess Sharpe



Das Thema
Harley ist acht, als sie ihrem Vater das erste Mal dabei zusieht, wie er einen Widersacher abknallt. Der Drogenbaron hat mehr Waffen geschmuggelt, mehr Meth gekocht, mehr Männer getötet, als irgendwer anders in der Gegend. Nun, da sie erwachsen ist, arbeitet Harley für ihn, stützt sein System und wird als seine Nachfolgerin gehandelt, obwohl sie den ewigen Kreislauf aus Mord, Leid und Rache hasst und durchbrechen möchte.
Gleichzeitig tritt die mächtige Springfield-Familie auf den Plan, Dukes größte Konkurrenz im Drogengeschäft, und inmitten dieses blutigen Revierkampfes muss Harley sich entscheiden: Für die Familie, ihren Vater, das System - oder für ihr Leben und ihre Freiheit.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: bold


Ich bin acht, als ich zum ersten Mal erlebe, wie mein Daddy einen Mann umbringt.
Ich soll es natürlich nicht sehen. Aber in den ersten Wochen nach Mommas Tod streune ich wild durch die Gegend, sobald mich Onkel Jake aus den Augen lässt.
Die meiste Zeit verbringe ich im Wald, spiele oben in den Hochsitzen oder probiere aus, wie weit ich auf Bäume hinaufklettern kann, wenn keiner mir hilft. Manchmal weine ich, weil Momma mir so fehlt, ich kann einfach nicht anders.
Aber wenn Daddy dabei ist, lasse ich es lieber.
- S. 9


Das Leseerlebnis
Spannung und eine eindrückliche Story - das versprach ich mir von "River of Violence", dem Thriller aus dem ersten Programm des neuen Verlagsimprints bold. Autorin Tess Sharpe soll hier einen harten und schonungslosen Roman vorgelegt haben, der auch noch meisterhaft geschrieben ist. Meine Erwartungen an das Buch wurden erfüllt, ich bin praktisch durch die Seiten gerast. Es ist schwer, Harley bei ihren Erlebnissen zuzusehen, aber mindestens genauso schwer, wegzuschauen.

Harleys Bestimmung ist es, eines Tages das Waffen- und Drogenimperium von Duke, Harleys Vater, zu übernehmen. Duke hat seine Tochter schon immer auf ihre Zukunft als Kopf der Familie McKenna vorbereitet - mit fragwürdigen Methoden und knallharter Hand. Und weil Harleys Mutter von einem Rivalen umgebracht wurde, wird die Sache nur noch verschärft und unumgänglich. Nach Duke ist Harley die Nummer zwei, sie kennt es nicht anders, und erkämpft sich die Loyalität seiner Mitarbeiter. Harley ist im Grunde nicht viel anders als ihr Vater und doch ist sie ihr Leben aus Gewalt und Rache leid. Ein Entkommen scheint unmöglich, als Harley einen Plan schmiedet.

Donnerstag, 20. Juni 2019

"Tödliches Spiel in Hongkong: Der sechste Fall für Wells & Wong" von Robin Stevens



Das Thema
Als Hazels geliebter Großvater stirbt und sie nach Hause reisen muss, freut sich Daisy, ihre Freundin in das fremde Hongkong begleiten zu dürfen. Doch als sie bei Hazels Familie eintreffen, entdecken sie zu ihrer Überraschung ein neues Familienmitglied: Baby Teddy. Daisy und Hazel finden, dass Baby Teddy schon genug Aufmerksamkeit bekommt, doch da stecken sie auf einmal mitten in einem neuen Abenteuer. Bevor sich Hazel an ihren neuen Bruder gewöhnen kann, wird Teddy entführt - und Hazel gerät sogar unter Mordverdacht! Die Mädchen müssen so gut wie niemals zuvor zusammenarbeiten und sich geheimnisvollen Verdächtigen und fadenscheinigen Detektiven stellen, um den Fall aufzuklären. Und dabei haben sie einen mächtigen Verbündeten ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knesebeck Verlag


"Hazel Wong, sei kein Kamel", sagte Daisy. "Nirgends in der Welt wäre ich liebe als hier. Natürlich ist es ganz anders als in England, genau das macht es ja so faszinierend. Ein feiner Detektiv wäre ich, würde ich auf dem Absatz kehrt machen und mich nach Hause trollen, nur weil mir ein Geruch nicht gefällt! Alles wird großartig, Hazel. Das Einzige, was jetzt noch fehlt, ist ..."
"Sag es nicht!", unterbrach ich sie schnell. Nicht hier. Wir sind wegen meines Großvaters in Hongkong, Daisy, das ist der einzige Grund."
- S. 29


Das Leseerlebnis
Es ist kaum zu glauben, aber "Tödliches Spiel in Hongkong" ist bereits Band 6 der charmant-spannenden Ein Fall für Wells & Wong-Reihe ... und weitere Bände werden folgen. Es kommt nicht mehr oft vor, dass eine Buchreiche so umfangreich ist und vor allem, dass ich das Gefühl habe, jeden einzelnen Band davon lesen zu müssen. Aber hier ist das so. Robin Stevens Krimireihe für junge Leser*innen hat Besonderheit und Charme, eben das gewisse Etwas, nach dem ich bei Jugendbüchern suche. Jedes Buch für sich ist für mich eine große Lesefreude. "Tödliches Spiel in Hongkong" hat sich da sofort angeschlossen.

Dieses Mal ermitteln Daisy Wells und Hazel Wong im fernen Hongkong. Eigentlich sollte es hier nicht sehr turbulent und spannend zugehen, denn die Mädchen sind mit dem Schiff nach Hongkong zu Hazels Familie gereist, weil ihr Großvater verstorben ist. Und obwohl Daisy auch hier einen Fall wittert, ist es Hazels Babybruder Teddy, der für Aufregung sorgt. Nicht nur, dass Hazel nichts vom jüngsten (und verehrten) Familienmitglied wusste, Teddy wird auch noch entführt. Und plötzlich findet sich Hazel inmitten einem Fall, in dem sie selbst zu den potenziell Verdächtigen gehört.

Freitag, 14. Juni 2019

"Das kalte Reich des Silbers" von Naomi Novik



Das Thema
Mirjem ist die Tochter eines gutherzigen Pfandleihers, der es nicht über sich bringt, Schulden einzutreiben. Als die Familie deshalb bittere Armut leidet, tritt Mirjem an die Stelle ihres Vaters. Unnachgiebig fordert sie zurück, was ihr zusteht. Sie ist erfolgreich, und bald heißt es, sie könne Silber zu Gold machen. Die Kunde davon dringt bis tief in die Wälder, zum gefürchteten Volk der Staryk - magische Wesen, die mehr aus Eis bestehen als aus Fleisch und Blut. Der König der Staryk entführt sie in sein Reich. Dort soll sie für ihn Silber zu Gold machen. Tut sie das nicht, wird der Staryk sie töten. Doch gleichzeitig versinkt die Menschheit nun in Kälte ...

© Klappentext, Cover- und Zitatrechte: cbj Verlag


Denn darum geht es in dieser Geschichte in Wahrheit: wie man es vermeidet, seine Schulden zu begleichen. Das wird normalerweise nicht erzählt. Ich aber weiß genau, wovon ich spreche. Mein Vater war nämliche ein Geldverleiher.
Er war nicht sehr gut darin. Wenn jemand seine Schulden nicht rechtzeitig beglich, dann erwähnte er es ihm gegenüber nicht einmal. Nur wenn unsere Schränke wirklich leer waren oder uns die Schuhe von den Füßen fielen, und wenn meine Mutter leise mit ihm sprach, nachdem wir zu Bett gegangen waren, dann machte er sich auf den Weg. Bedrückt brach er auf und klopfte an einige Türen, und es klang wie eine Entschuldigung, wenn er um einen Teil dessen bat, was man ihm noch zurückzugeben hatte.
- S. 5/6


Das Leseerlebnis
Naomi Novik hat eine ganz spezielle und gute Art, Geschichten zu erzählen. Bei beiden Büchern, die ich bisher gelesen haben, fühlte ich mich wie im Märchen oder an russische Sagen erinnert - sprachlich, sowie durch die Geschichte selbst. "Das kalte Reich des Silbers" ist hier keine Ausnahme. Es ist an das Märchen vom Rumpelstilzchen angelehnt, ausgeführt als historisches Wintermärchen mit Elfenmythos. Ganz, ganz wunderbar! Und obwohl die Geschichte inhaltlich ein ganz schöner Brocken ist, hat sie mich so fasziniert, dass ich mir gleichzeitig wünschte, sie würde noch lange nicht zu Ende gehen.

Mirjem, die Tochter eines jüdischen Geldverleihers, hat es satt, der Ungerechtigkeit zuzuschauen, die ihr Leben bestimmt. Weil ihr Vater ein viel zu gutherziger Geldverleiher ist, geht es der Familie schlecht. Sie kommen kaum über die Runden, sind immer kurz vor dem Verhungern und müssen teilweise betteln. Außerdem ziehen im langen Winter die Staryk, ein Elfenvolk, durch das Land, und rauben alles, was sich die Menschen mühsam angespart haben. Als Mirjem sechzehn Jahre alt wird, nimmt sie sich der Sache selbst an, löst ihren Vater ungefragt ab, und fordert bei allen Gläubigern deren Schulden zurück. Durch ihre Durchsetzungskraft und Kaltherzigkeit ist sie so erfolgreich, dass die Familie plötzlich ein kleines Vermögen anhäuft. Das kommt auch dem König der Staryk zu Ohren. Er verlangt von Mirjem, dass sie für ihn sechs Münzen aus Elfensilber in Goldmünzen verwandelt. Als Mirjem das gelingt, schlägt das Schicksal erneut zu.

Mittwoch, 12. Juni 2019

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Mai 2019

Sechs Jugendbücher und zwei Kinderbücher habe ich im Mai geschmökert. Hinzu kamen weitere Kinder- und Bilderbücher, die ich meinen Kindern vorgelesen habe, und die danach bei Damaris liest mini. vorgestellt und rezensiert wurden. Diese zähle ich aber nicht zu meiner Monatsstatistik dazu. Dem gegenüber stehen drei neue Bücher, die ich ins Regal stelle, die bald erscheinen und dementsprechend bald gelesen werden. 


Meine Buchzugänge im Mai - 3 Bücher



Montag, 10. Juni 2019

"Dark Palace: Die letzte Tür tötet" von Vic James



Das Thema
Wer überlebt, und wem kannst du trauen?

Englands magischer Adel schreckt bei seinen Intrigen vor keiner Brutalität zurück. Luke wurde unschuldig verurteilt und ist der Gefangene eines besonders grausamen Lords. Seine Schwester Abi versucht verzweifelt, ihn zu befreien. Wird sie es schaffen, bevor sein Willen vollständig gebrochen ist?

Ein atemberaubender Kampf um die Macht, bei dem unvorhersehbar bleibt, wer welches Spiel spielt und wer gewinnt.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB


Das Boot hüpfte wie ein Stein über die Meeresoberfläche. [...]
Ich werde dich zurückholen, Bruderherz, schwor sie sich.
Gischt spritzte ihr ins Gesicht. Aber das war auch das Einzige, das in ihren Augen brannte, das Einzige, was sie schmecken konnte, das Einzige, das über ihre Wangen zu ihren gesprungenen Lippen hinunterlief.
Dann flaute der Wind ab. Die Gischt verschwand.
Der Außenborder erstarb.
Das Boot fuhr nicht mehr weiter.
- S. 35


Das Leseerlebnis
Ganz sicher war ich mir nicht, ob ich nach "Zehn Jahre musst du opfern" die Dark Palace-Reihe weiterlesen möchte. Prinzipiell gefiel mir die Geschichte gut. Allerdings war sie mir teilweise zu verschlungen politisch, damit hatte ich damals nicht gerechnet, und die Lovestory, auch wenn sie eher leicht war, empfand ich als unnötig und nervig. Nun ja, dann gab es aber auch noch die andere Seite der Geschichte; eine unheimlich spannende und nervenaufreibende, die sehr krass und mitreißend war. Der Twist zwischen den normalen Mensch, den Gewöhnlichen und dem magischen Adel Englands, den Ebenbürtigen. Bei "Dark Palace: Die letzte Tür tötet" hat die Autorin zwar vieles beibehalten, ist viele Dinge aber auch von einer anderen, völlig unvorhersehbaren Seiten angegangen. Ich war überrascht wie gut mir das Buch gefiel und wie stark ich an den Seiten klebte.

Abi, eine Gewöhnliche und Sklavin, ist vom Anwesen der herrschenden Ebenbürtigen-Familie, den Jardines geflohen, als sie und ihre Eltern in die Sklavenstadt Milmoor gebracht werden sollten. Nun ist sie auf der Suche nach Luke, ihrem Bruder. Dieser wurde zu unrecht verurteilt und ist nun auf dem Schloss eines besonderes grausamen Ebenbürtigen-Lords gefangen. Luke hat keine Chance zu entkommen und Abi hat keine Chance zu ihm zu gelangen. Sie benötigt die Hilfe des Widerstands aus Gewöhnlichen und Ebenbürtigen. Denn auch wenn der magische Adel Englands vor keiner Intrige und Brutalität zurückschreckt, gibt es darunter Menschen, die beginnen, diese Methoden und das ganze System zu hinterfragen.

Dienstag, 4. Juni 2019

"Blackwood: Briefe an mich" von Britta Sabbag



Das Thema
Stell dir vor, du bekommst einen Brief von deinem zukünftigen Ich. Würdest du ihn lesen?
Für Gesine ist das keine Frage. Natürlich würde sie. Denn nach dem Tod ihrer Mutter muss sie alleine zu einer Verwandten nach Irland ziehen. In dem kleinen, verschlafenen Dörfchen Blackwood hat sie niemanden, mit dem sie so richtig über ihren Kummer sprechen kann. Auch nicht über Arian Mary, den unverschämt gutaussehenden Sohn der örtlichen Butterdynastie. Noch dazu machen sie die Dorfbewohner mit Geschichten über allerlei übernatürliches Zeug verrückt. Alles Quatsch, denkt sich Gesine. Bis sie in einem geheimnisvollen alten Schreibtisch einen Brief von ihrem zukünftigen Ich findet, der ihre Welt ganz schön durcheinanderbringt ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB


Ich konnte einfach nicht aufhören, ihn anzustarren. Seine weiche, leicht gebräunte Haut war so ganz anders als die typische irische Blässe, und seine Oberlippe war halbherzförmig, so dass sein sinnlicher Mund, der bei diesem Lächeln perfekte, weiße Zähne freigab, mich ganz nervös machte. Er hatte eine feine Nase und besonders ausgeprägte Gesichtszüge mit hohen Wangenknochen.
Der angesichts meiner aktuellen Situation bescheuertste Gedanke von allen schoss mir durch den Kopf: Er war das Schönste, das ich je gesehen hatte.
- S. 51


Das Leseerlebnis
Geschichten mit jungen Mädchen, denen etwas Besonderes oder Magisches passiert, lese ich immer gerne. Wenn dann noch der Humor passt und das Buch einen ganz eigenen Charme versprüht, umso besser. Und das alles trifft auf "Blackwood: Briefe an mich" auch zu. Beste Vorraussetzungen also für ein schönes und humorvolles Leseerlebnis. Und trotzdem wurde ich während dem Lesen zusehends kritischer, nicht, weil mir die Geschichte nicht gefiel, denn da tat sie prinzipiell schon. Es gab nur einige Punkte, die ich hinterfragte und die das Buch für mich nicht zum erwarteten Highlight machten.

Gesines Mutter ist gestorben. Darum wurde verfügt, dass Gesine nach Irland, zu ihrer Tante Wanda ziehen soll. Am Anfang des Buches kommt Gesine also im urigen und etwas speziellen Städtchen Blackwood an. Ihr Start ist nicht einfach, völlig verständlich für mich, nach solch einem traurigen Schicksalsschlag. Allerdings liegt Gesines Anecken nicht an ihrer Trauer, sondern an ihrer Tollpatschigkeit und fehlenden Weitsicht. Zwar versucht sie ziemlich schnell wieder von Blackwood wegzukommen, lässt sich aber aufgrund eines hübschen, wunderschönen und faszinierenden Jungen schnell "überreden" zu bleiben. Und hier kam für mich der erste Kritikpunkt auf, denn ich nahm Gesine ihre Trauer zu keiner Zeit richtig ab. Für mich wirkte der Todesfall der Mutter wie ein Werkzeug, um Gesine an den Handlungsort zu bringen.

Sonntag, 2. Juni 2019

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Juni 2019

Mit dem Juni scheint auch der Sommer bei uns angekommen zu sein. Es ist sonnig und warm bis heiß. Das bedeutet hoffentlich viel Lesezeit im Freien, auf der Terrasse oder am See. Und da mir der Lesestoff niemals ausgehen soll, was er ganz sicher auch nicht tut, habe ich nach buchischen Juni-Neuerscheinungen gestöbert. Einige habe ich gefunden, die mich brennend interessieren und darum sofort auf meine Wunschliste wandern ...


Fantasy - Mystery

(genaue Buchinfos gibt es mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


  

Montag, 27. Mai 2019

"Morgen ist heute schon vorbei" von Clare Furniss



Das Thema
Hatties Sommerferien verlaufen so gar nicht nach Plan. Alle ihre Freunde sind verreist, nur sie muss arbeiten und darf ihre kleinen Geschwister babysitten. Und außerdem hat sie gerade festgestellt, dass sie schwanger ist ... von ihrem besten Freund Reuben. Dann platzt Hatties exzentrische Großtante Gloria in ihr Leben, mit Vorliebe für Gin und Zigarillos - und einer Demenzdiagnose. Das ungleiche Paar begibt sich auf einen Roadtrip durch das sommerliche England mit dem Ziel, Glorias Vergangenheit noch einmal lebendig werden zu lassen, bevor die Erinnerungen für immer verblassen. Und um Hattie Zeit zu geben, eine Entscheidung zu treffen, die ihr ganzes Leben bestimmen kann. Denn Glorias Erinnerungen haben viel mehr mit Hatties Leben zu tun, als sie vermutet ...

© Klappentext-, Cover- und Ziatrechte: Rowohlt Taschenbuch Verlag


"Erinnerst du dich noch daran, was ich über Erinnerungen gesagt habe?", fragt sie schließlich. "Das wir ohne Erinnerungen nichts sind?"
Ich nicke.
"Nun, ich will nicht Nichts sein", sagt sie leise und mehr zu sich selbst.
Und ich fange an zu verstehen. Wenn Gloria ihre Erinnerungen mit mir teilt, dann können sie nicht verschwinden. Sie kann nicht verschwinden.
- S. 148


Das Leseerlebnis
Dieses Buch hatte mich schon mit dem Klappentext. Ein junges Mädchen und eine alte Frau auf einem Roadtrip, verbunden durch Erinnerungen und Entscheidungen, die sie für ihr Leben treffen müssen. Ja, das klang für mich so gut, dass ich "Morgen ist heute schon vorbei" auf meine Prioleseliste setzte. Sobald ich es in den Händen hielt, begann ich zu lesen und war von Anfang bis Ende begeistert und sehr gerührt. Obwohl es von zwei unterschiedlichen Frauen handelt, die vor einem Berg von zukünftigen Problemen stehen und die beide verletzt und enttäuscht wurden, besteht zwischen ihnen eine Verbindung, von der sie profitieren können. Das Buch ist traurig und bewegend, aber auch voller Weisheit und Stärke.

Hattie ist gerade mal siebzehn und schwanger ... von ihrem besten Freund Reuben. Reuben, der gerade auf Reisen ist, um sich sich treiben zu lassen, vielleicht auch die Hörner abzustoßen. Hattie zögert eine Entscheidung hinaus, denn obwohl sie Reuben gut kennt, ist sie in ihn verliebt. Und plötzlich bekommt sie Kontakt zu ihrer Großtante Gloria, einer exzentrischen alten Dame mit einer Alzheimer-Diagnose. Gloria wird nach und nach ihre Erinnerungen verlieren. Obwohl die beiden einen schwierigen Start haben, und Gloria wahrlich keine einfache Person ist, unternehmen sie eine kleine Reise durch England. Gloria möchte sich nochmals erinnern und ihre Vergangenheit aufarbeiten, bevor sie alles vergessen wird. Hattie möchte diese Zeit nützen, um eine Entscheidung für ihr Leben zu treffen.

Montag, 20. Mai 2019

"Zusammen sind wir unendlich" von Melissa Keil



Das Thema
Sophia ist ein Mathegenie voller Selbstzweifel - schließlich landen genug Wunderkinder unter der Brücke! Und ein Smalltalk-Gen hat sie auch nicht abbekommen. Nun zieht auch noch ihre Freundin Elsie, die einzige Person, die sie versteht, zum Studium in die USA: ewige Einsamkeit vorprogrammiert. Wäre da nicht Josh, der Hobby-Magier, der schon lange in Sophia verliebt ist. In einem Anfall von Mut steckt er eine Spielkarte in ihr Federmäppchen. Die Herz Zwei. Für Josh eine eindeutige Liebeserklärung, für Sophia ein Rätsel. Er muss also deutlicher werden; zum Beispiel mit einem Feueralarm ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


Ich hasse Fotografiertwerden und ich kann mein Gesicht auf Fotos einfach nicht ertragen. Egal, was ich im Moment des Knipsens auch denke oder empfinde - auf dem Bild sieht mein Gesicht immer total leer aus. Vielleicht weil ich aus Zahlen bestehe, aus Ziffern und Daten und Fakten und merkwürdig herumfunkenden Synapsen; vielleicht bin ich in der realen Welt auch irgendwie blasser, weniger da als andere Menschen. - S. 207


Das Leseerlebnis
Liebesgeschichten mit dem gewissen Etwas, die anders sind und bei denen zwei völlig unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen, mag ich sehr. Gerne auch etwas nerdig, speziell eben. Mit Sophia, deren Welt aus Zahlen, Logik und Fakten besteht, und Josh, dem etwas unsicheren Hobby-Magier, treffen zwei Menschen aufeinander, die, rein objektiv, überhaupt nicht zusammenpassen ... und gerade darin liegt der Reiz und die Anziehung, die "Zusammen sind wir unendlich" ausmachen.

Auf den ersten Blick sind Sophia und Josh gar nicht so verschieden. Beide haftet das Gefühl von in sich gekehrten Außenseitern an, die ihren Platz im Leben noch nicht komplett gefunden haben. Doch während Josh an sich arbeitet, auf Menschen zugeht und Freunde hat, bewegt sich Sophia immer mehr auf den Rand der Einsamkeit zu. Nicht unbedingt wissentlich, aber durch ihren Geniestatus, und ihre Art zu denken, wirkt sie auf andere sonderbar und auch unnahbar. Selbst die Beziehung zu Sophias einziger Freundin Elsie verschlechterte sich (unmerklich) von Woche zu Woche.
Josh mag Sophia schon eine ganze Weile. Um sie auf ihn Aufmerksam zu machen, startet Josh einige sehr coole Aktionen, bei denen ihm sein großes Hobby, Trickzaubern, behilflich ist.

Donnerstag, 16. Mai 2019

"Der Fall des verschwundenen Lords: Ein Enola-Holmes-Krimi" von Nancy Springer



Das Thema
Anders als ihre berühmten älteren Brüder Sherlock und Mycroft führt Enola Holmes ein freies aber abgeschiedenes Leben auf dem Land - bis eines Tages ihre Mutter verschwindet und ihr neben versteckten Banknoten auch einige verschlüsselte Hinweise hinterlässt. Heimlich macht sich Enola auf den Weg ins düstere viktorianische London, um ihre Mutter zu suchen. Doch dort wird sie in die Entführung eines jungen Lords verwickelt und muss in zwielichtigen Gegenden vor mörderischen Gaunern fliehen - immer auf der Hut vor ihren scharfsinnigen Brüdern, die sie zur Erziehung in ein Internat stecken wollen. Wird sie es zwischen all dem Chaos schaffen, die Hinweise zu entschlüsseln und gleichzeitig dem Internat zu entkommen?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knesebeck Verlag


[...] - ich war ihr also durchaus wichtig, redete ich mir ein. Mit Nachdruck. Und zwar gleich mehrmals an diesem Abend.
Ich hatte zwar keine Ahnung, wo Mum sein könnte, rechnete aber damit, dass sie im Laufe der Nacht entweder nach Hause kommen oder aber eine Nachricht schicken würde. Ich verlor nicht viel Schlaf darüber.
Doch am nächsten Morgen schüttelte Lane den Kopf. Nein, die Dame des Hauses sei noch nicht zurückgekehrt. Nein, man habe auch nichts von ihr gehört.
- S. 11/12


Das Leseerlebnis
Bei einem ersten Blick auf "Der Fall des verschwundenen Lords" wollte ich das Buch lesen. Hier stimmt nicht nur die zauberhafte Covergestaltung, auch die Geschichte passt genau zu meiner momentanen Begeisterung für charmant-spannende Jugendkrimis. Enola Holmes, die jüngere Schwester des bekannten Detektivs Sherlock Holmes, ermittelt in ihrem ersten Fall, auf den sie aber eher zufällig gestoßen wird. Und das ist genauso anschaulich wie vortrefflich umgesetzt. Ich freue mich jetzt schon auf jeden weiteren Band der Enola-Holmes-Krimis.

Enola lebt mit ihrer Mutter und wenigen Angestellten auf einem Gutshof. Ihre Brüder, darunter auch der berühmte Meisterdetektiv Sherlock Holmes, leben in London. Enolas Mutter gilt als gedankenverloren und unkonventionell, denn als Dame des Hauses setzt sie sich für Frauenrechte ein, malt viel und ist nicht oft im Haus. Sie hat Enola nicht umsonst so genannt. Rückwärts bedeutet ihr Name nämlich alone (engl. Wort f. allein), denn die Mutter ist schon immer der Ansicht, dass Enola bestens allein zurechtkommt. Doch ausgerechnet an ihrem vierzehnten Geburtstag verschwindet die Mutter spurlos, gilt als durchgebrannt. Sie hat Enola jedoch einige Hinweise hinterlassen. So macht sich das Mädchen auf den Weg nach London, um ihre Mutter zu suchen. Unterwegs stößt sie zufällig auf den Fall eines verschwundenen jungen Lords.

Samstag, 11. Mai 2019

Buchzugänge vs. Buchabgänge im April 2019

Im April habe ich sieben Bücher gelesen. Im Nachhinein hat mich das überrascht, ich dachte, es wären weniger. Für jedes Buch habe ich gefühlt lange gebraucht. Nicht, weil sie schlecht waren; meine Zeit gab einfach nicht mehr her. Natürlich ist das Lesen an sich kein Wettbewerb, ich bemerke an mir aber immer eine gewisse Unzufriedenheit, wenn ich nicht so kann wie ich will. Dafür waren im April ein paar richtige Kracher dabei. Wirklich gut und erinnerungswürdig! Und mit den vier Neuzugängen bin ich auch ganz happy ...


Meine Buchzugänge im April - 4 Bücher



Dienstag, 7. Mai 2019

"Lies mich!", "Nein, mich!, "Bitte mich zuerst!" - Meine Hassliebe, der SuB


Das ist mein SuB. Etwa 80 Bücher ist er hoch und seit mehreren Jahren meine Hassliebe. Sieht er nicht schön aus? Ich finde ihn wunderschön, vor allem so schön ungelesen. Für alle Nicht-Buchblogger*innen, Gelegenheitsleser*innen oder Neugierigen - SuB bedeutet Stapel ungelesener Bücher und beschreibt die Sammlung der Bücher, die eine Vielleserin wie ich hortet, mit dem Ziel sie irgendwann einmal zu lesen. Irgendwann kann in ein paar Tagen, Wochen, Monaten, aber auch erst in ein paar Jahren sein. Im schlimmsten Fall werden SuB-Bücher gar nicht gelesen, im allerschlimmsten Fall am Ende aussortiert, weil die Sammlerin keine Lust mehr darauf hat. Du siehst, ich spreche hier von mir selbst, denn genau diese Situation war innerhalb meiner Zeit als Buchbloggerin mein ständiger Begleiter. Davor, das heißt vor etwa acht Jahren, gab es bei mir keinen SuB. Bücher wurden gekauft und danach gelesen. Zwar sammelten sich auch mal 3-5 Stück an, zu einem Problem wurden diese aber nicht.
Vor über sechs Jahren, im Januar 2013, habe ich einen ähnlichen Beitrag "Der ewige Kampf gegen der SuB oder Das Luxusproblem einer Buchbloggerin" geschrieben. Damals hatte mein Stapel ungelesener Bücher die Hälfte des Umfangs von heute. Die gedankliche Belastung war dieselbe. Es wird Zeit, dass sich etwas ändert!

Montag, 6. Mai 2019

"Elias & Laia: In den Fängen der Finsternis" von Sabaa Tahir



Das Thema
Das Martialenimperium steht am Abgrund: Imperator Marcus überzieht das Land mit dem Blut der Unschuldigen, während Blutgreif Helena diese zu schützen versucht. Weit im Osten weiß Laia, dass sie den Nachtbringer aufhalten muss, und das ohne Elias. Denn Elias ist nun als Seelenfänger an die Zwischenstatt, das Geisterreich, gebunden. Dazu verdammt, einer uralten Macht bedingungslos zu dienen - auch wenn dies bedeutet, die Frau aufzugeben, die er liebt.
Ihrer aller Schicksal ist miteinander verknüpft. Und sie alle kämpfen gegen eine uralte Macht, deren Zerstörungskraft sie unterschätzen ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: One Verlag


"Hörst du mich? Das hier ist nicht unser Ende."
"Du warst noch nie ein guter Lügner." Schnell drückt sie die Hände auf ihre schwimmenden Augen. "Fang jetzt nicht damit an."
Ihr Rücke ist kerzengerade, als sie davongeht, und als sie die Hütte erreicht, erhebt sich Darin, der davor sitzt. Sie geht rasch an ihm vorbei, und er folgt ihr.
Ich sehe ihr nach, bis sie nur noch ein Schatten am Horizont ist.
Dreh dich um, denke ich. Nur noch einmal. Dreh dich um.
Sie tut es nicht. Und vielleicht ist das ebenso gut. - Elias, S. 82


Das Leseerlebnis
Als bekannt wurde, dass "In den Fängen der Finsternis" erscheint, Band 3 der Elias & Laia-Reihe, war ich völlig aus dem Häuschen. Trotzdem war schon einige Zeit vergangen, seitdem mich Sabaa Tahir mit dem Vorgängerband begeistern konnte. So ist das eben manchmal. Darum wollte ich mich auch auffrischen und Band 1 und 2 der Reihe wurde von mir nochmals als Hörbuch genossen. Die Geschichten haben mich nicht nur erneut mitgerissen, sie waren auch der perfekte Wiedereinstieg in das neue Buch. "In den Fängen der Finsternis" ist besser als gut, es ist genial!

Zu meiner Überraschung befinden sich im dritten Band nun drei schön gestaltete Umgebungskarten, weshalb ich davon ausging, dass die Handlung hier nochmals komplexer würde und man sich mit den Karten besser zurechtfinden würde. Ich hätte sie nicht unbedingt benötigt, eine Aufwertung der Geschichte sind sie allemal.

Freitag, 3. Mai 2019

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Ein wirklich erstaunliches Ding" von Hank Green



bold (Februar 2019),
Hardcover, 448 Seiten,
übersetzt von Katarina Ganslandt,
22,00 € [D]


Stell dir vor, Außerirdische kommen auf die Erde - und du postest das allererste Video davon.
Genau so verläuft "Tag X" für die 23-jährige April. Ihr Clip von "Carl", einer mysteriösen, aber beeindruckenden Roboter-Skulptur, geht über Nacht viral und katapultiert sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Überall auf der Welt sind Carls aufgetaucht - und niemand weiß, woher oder warum.
Die Ungewissheit lässt eine mediale Hysterie ausbrechen - Schock, Neugier und Angst treffen auf Sensationslust und apokalyptische Fantasien.
Immer mehr Verschwörungstheoretiker, die sogenannten Defender, sehen in der außerirdischen Intelligenz eine Bedrohung, gegen die es zu kämpfen gilt - und dazu gehört auch deren Entdeckerin April ... (Text- und Coverrechte: bold)


Also legte ich die Karten offen auf den Tisch.
"Gestern Abend hat sich etwas ergeben, das alles ändern könnte. Von einer glaubwürdigen Quelle habe ich eine Information erhalten, die darauf hindeutet, [...] dass die Carls nicht von der Erde stammen."
Meine Worte hingen schwer im Raum.
Jennifer Putnam schaute Andys Vater an, der besorgt zu Andy rüberschaute, der wiederum mich anschaute. Ich hätte auch gern mich selbst angeschaut, wenn das möglich gewesen wäre.
- S. 103


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. "Ein wirklich erstaunliches Ding", das erste Buch von Autor Hank Green, interessierte mich sofort. Und das nicht nur, weil ich von jedem Buch seines Bruders John Green überzeugt war und allerbeste Lesestunden hatte. Na gut, vielleicht war der berühmte Autorenname sogar ein Bonus, aber eben nicht alles. Ich wusste über die Geschichte vorab nur ein paar Stichpunkte: Portrait der Generation von Social Media, Roboter und Globalisierung. Das klang gut. Das ist gut! Schon nach ein paar Seiten wurde ich mitgerissen und war hellauf begeistert.
  2. Schaue ich mir jetzt den Klappentext an, dann nimmt er für mich etwas viel vorweg. Es ist nämlich lange nicht klar, wer oder was dieser Carl, diese riesige Roboterstatue, überhaupt ist. Klar ist anfangs nur, dass die 23-jährige April die Statue, die zeitgleich an vielen Orten der Erde auftaucht, eines Nachts in New York entdeckt. Und zwar als erste. Sie ist so fasziniert davon, dass sie gemeinsam mit einem Freund ein spontanes Video dreht und ins Netz stellt. Das Video wird der meistgesehene Clip ever und löst für April eine Aufmerksamkeitshysterie aus, die ihr Leben von Grund auf ändert.
  3. April ist kein sonderlich sympathischer Charakter, aber ich mochte sie ... weil sie ehrlich ist. Sie trägt ihr Herz auf der Zunge und ist sehr schlagfertig. Plötzlich hat sie alles: Geld und Ruhm, echte und falsche Freundschaften und eine permanente Aufmerksamkeit, die ihr schmeichelt, ja sie abhängig macht, aber auch stark unter Druck setzt. Dessen ist sie sich auch voll bewusst und ihre Entwicklung wird im Roman hautnah beschrieben. Ich kam nicht von den Seiten los.
  4. Der andere Grund, der mich permanent ans Buch fesselte, war die Geschichte selbst. Zuerst einmal finde ich sie herrlich modern und zeitgemäß geschrieben, voller Humor und Unterhaltung, vor allem voller Wahrheiten. Ich habe nicht nur ein Mal mit den Kopf genickt. Der Handlungsverlauf ist ziemlich unvorhergesehen und manchmal auch ganz schön abgedreht und crazy. Zuweilen so krass, dass ich auf meinem Leseplatz hibbelte. Das Buch ist eine Mischung aus einem Gesellschaftsportrait und einer Sci-Fi-Story.
  5. Gegen Ende legt die Geschichte nochmals an Spannung zu, man kommt (sehr bildlich) kaum zum Luftholen. Der Schluss des Buches hat mich etwas ratlos - nicht schlimm, nur ein bisschen - zurückgelassen. Vielleicht hätte ich mir mehr Deutlichkeit gewünscht, aber da April die ganze Handlung rückblickend erzählt, bin ich mir sicher, dass ich das Ende richtig verstanden habe. Ich musste erst mal tief durchatmen.

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

zeitgemäß, abgefahren, elektrisierend, wahrhaftig und fesselnd



Zusammengefasst vom Fazitbär:
Für mich war "Ein wirklich erstaunliches Ding" ein Roman, der mir im Gedächtnis bleibt. Tatsächlich erstaunlich für ein Debüt, mit einer Geschichte, die sich total echt anfühlt, obwohl hier Realität und Science Fiction aufeinandertreffen. Mit ging die ganze Handlung ziemlich unter die Haut, fast so, als wäre ich dabei gewesen. Wer eine abgedreht-crazy Geschichte mag, die humorvoll geschrieben ist, hinter der aber auch Tiefsinn und Wahrheit steckt, der sollte dieses Buch lesen. Toll!


© Damaris liest.




Mittwoch, 1. Mai 2019

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Mai 2019

Die buchigen Mai-Neuerscheinungen empfinde ich als relativ übersichtlich. Sechs Bücher sind auf meiner Wunschliste gelandet. Das wird sich die kommenden Monate sicherlich wieder ändern. Von mir gibt es jetzt eine kurze Inhaltsbeschreibung und manchmal den Grund, warum mich das betreffende Buch interessiert. Zu allen Büchern gibt es detaillierte Informationen vom Verlag, wenn du auf das Cover klickst ...


  

Dienstag, 30. April 2019

"Beautiful Liars: Geliebte Feindin" von Katharine McGee



Das Thema
New York, 2119: Im höchsten Wolkenkratzer der Welt leben die Reichen oben und die Armen unten. Doch vor dem Gesetz sind sie alle gleich.

Der Tower hat ein zweites Todesopfer gefordert - und als die Polizei die Ermittlungen aufnimmt, geraten Leda, Avery, Rylin, Watt und Calliope in einen Strudel aus Lügen und Verrat. Während sich die Schlinge immer enger zuzieht, setzen die fünf Jugendlichen alles daran, ihre Geheimnisse zu bewahren. Sie ahnen nicht, dass sich in ihrer Mitte ein gefährlicher Strippenzieher verbirgt. Jemand, der über Leichen geht, um sein Ziel zu erreichen.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Ravensburger Buchverlag


Das Mädchen hoffte, sie würden ihr vergeben, was sie im Begriff war zu tun. Aber sie hatte keine Wahl. Entweder das oder sie würde weiterhin ein verkümmertes, elendes, halbherziges Leben führen, der einzigen Person beraubt, die es lebenswert gemacht hatte. [...]
Das Mädchen wischte sich über die Augen, als hätte der Wind ihr die Tränen hineingetrieben.
"Es tut mir leid", sagte sie, obwohl niemand in der Nähe war, der es hören konnte.
- S. 8/9


Das Leseerlebnis
Mit "Beautiful Liars: Geliebte Feindin" geht eine Trilogie zu Ende, die ich unheimlich gerne gelesen habe. Trotz des Umfangs und der vielen Geschichten innerhalb der Geschichte, flogen die Seiten dahin. Der Mix aus genialem Setting (alleine der Tausend-Stockwerke-Tower) Spannung und Charakterstudie hat großen Spaß gemacht. Es ist egal, dass sich mir die Untertitel der Bücher nur am Rande erschlossen, die Cover zwar Eyecatcher sind, aber nicht unbedingt die Story repräsentieren - jedes der Bücher hat meine Erwartungen übertroffen. Obwohl ich "Geliebte Feindin" tendenziell etwas kontrollierter, fast schon gemütlich empfand, hatte auch der Abschlussband etwas Mitreißendes und Eindrückliches.

Selbst wenn es schon einige Zeit her ist, seit man die Vorgängerbände gelesen hat, ist die Geschichte schnell wieder präsent. Das liegt daran, dass Autorin Katharine McGee in den Gedanken ihrer Charaktere oftmals kleine Rückblicke gibt, ohne die Handlung damit zu überladen. Erinnerungen werden dadurch aber perfekt aufgefrischt. In "Geliebte Feindin" geht es hauptsächlich um das gemeinsame Geheimnis von Avery, Leda, Rylin und Watt, das durch polizeilichte Ermittlungen ans Licht zu kommen droht. Doch jeder der Jugendlichen, die aus verschiedenen Gesellschaftsklassen innerhalb des Towers stammen, hat auch eine ganz eigene Rolle in der Geschichte. Besonders Avery leidet unter den Erwartungen und dem Druck, der durch ihren Star-Status auf ihr lastet.

Donnerstag, 25. April 2019

5 (Bücher) vom SuB #1


Ich hatte es lange vor, und jetzt ist es soweit: 2019 ist das Jahr, in dem ich endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff nehme. Das ist mir wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschen, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Und weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Dafür suche ich mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Los geht's ...


Wenn ihr uns findet von Emily Murdoch
Carey lebt mit ihrer kleinen Schwester Nessa in einem kaputten Wohnwagen, mitten in einem riesigen Wald. Dorthin hat sie ihre Mutter gebracht, die fast nie da ist, die Mädchen monatelang alleine lässt. Doch dann werden die verwahrlosten Mädchen gefunden, vom Jugendamt und ihrem Vater. Eine neues Leben und eine Aufarbeitung der Dinge, die geschehen sind beginnt.

"Wenn ihr uns findet" habe ich fast am Stück verschlungen, und die Geschichte hat mir mehrfach das Herz gebrochen. Es ist kaum auszuhalten, was man hier liest und was die Mädchen durchgemacht haben. Das Buch ist sehr ausdrucksstark geschrieben und geht tief unter die Haut. Ich las es mit einem permanenten Knoten im Magen und komme jetzt, auch nach dem Ende, gedanklich nicht davon los. Ein Highlight!


Lamento: Im Bann der Feenkönigin von Maggie Stiefvater
Was mit ihr geschieht, kann die 16-jährige Deirdre selbst nicht so richtig erklären. Ständig und überall findet sie vierblättrige Kleeblätter. Sie kann plötzlich Dinge sehen, die andere nicht sehen können. Und dann steht ihr auch noch der Junge gegenüber, den Deirdre schon öfter in ihnen Träumen gesehen hat. Sie wird in eine gefährliche Welt hineingezogen, aus der es kein Entkommen gibt.

Maggie Stiefvaters erstes Buch "Lamento" erschien 2009 (leider gibt es den PAN Verlag schon seit einigen Jahren nicht mehr), und ich finde, das merkt man dem Buch auch an. Für mich war die Geschichte etwas über ihrer Zeit. Ich sag's mal lapidar runtergebrochen "normales und scheinbar unscheinbares Mädchen verliebt sich in paranormalen Jungen", und der Stil/Ausdruck ist auch (noch) nicht das, was ich von der Autorin gewöhnt bin. Ihr Hang manche Dinge nur anzureißen, und nicht näher zu erklären, zeigt sich schon hier. Aber das Buch hat auch etwas Soghaftes und düster Unheimliches, es wird richtig böse. Ich meine - Feen! Es gefiel mir schlussendlich so gut, dass es im Regal bleiben darf.

Mittwoch, 17. April 2019

"Ellingham Academy: Was geschah mit Alice?" von Maureen Johnson



Das Thema
Willkommen in der Ellingham Academy!
Versteckt in den Bergen Vermonts ist die Privatschule der ideale Ort für die begabtesten Schüler des Landes – Bestsellerautoren, YouTube-Stars, Künstler, Erfinder. Doch das Internat umgibt eine tragische Geschichte. Vor mehr als 80 Jahren wurden Frau und Tochter des Schulgründers entführt. Genau deshalb wird Stevie Bell an der Akademie aufgenommen: Sie soll die bisher ungeklärte Ellingham-Affäre lösen.
Und schon bald erhält sie eine mysteriöse Botschaft, die einen Mord ankündigt. Als ein Schüler kurz darauf tot aufgefunden wird, ist Stevie überzeugt, dass es einen Zusammenhang zwischen diesem Todesfall und den Verbrechen aus der Vergangenheit gibt.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag


"Das mit den Elchen ist ja wohl gelogen", bemerkte Stevie Bell.
Ihre Mum drehte sich zu ihr um und sah aus wie so oft - ein bisschen müde und aus elterlichem Pflichtgefühl bemüht, sich mit dem auseinanderzusetzen, was Stevie zu sagen hatte.
"Was?", fragte sie.
Stevie deutete aus dem Busfenster. "Da." Draußen zog ein Straßenschild mit dem Wort "Elche" vorbei. "Das ist schon das fünfte, seit wir losgefahren sind. Ganz schön viele Versprechungen. Für ganz schön wenig Elch."
- S. 27


Das Leseerlebnis
Internats- oder Schulromane haben mir schon als junge Leserin gefallen, aber es gab auch eine Zeit, da hatte ich sie komplett aus den Augen verloren. Oder lagen sie einfach nicht mehr innerhalb des Buchtrends? Keine Ahnung. Jedenfalls hat sich das in letzter Zeit wieder geändert. Spannende und gerne charmante Kriminalromane sind im Jugendbuch gerade sehr aktuell. Darum habe ich mich auch ganz besonders auf "Ellingham Academy: Was geschah mit Alice", den ersten Teil der Ellingham Academy-Trilogie gefreut. Ein Internat-Roman oder Internat-Krimi, mit historischem Hintergrund, der sich sehr gut mit der Geschichte verbindet.

Die Ellingham Academy wurde in den 1930er Jahren von einem reichen Wohltäter gegründet. Seitdem haben besonders begabte Schüler die kostenlose Möglichkeit, hier ihr Potenzial auszuschöpfen. Auch Stevie wurde für dieses Jahr an der Academy angenommen. Allerdings sieht sie sich selbst als nicht besonders begabt, ihr absolutes Steckenpferd sind Kriminalromane und das Lösen von Mordfällen. Sie hat etwas Angst davor, nicht in die Lernumgebung zu passen oder nicht dazuzugehören. Der Klappentext ist, was Stevies "Aufgabe" betrifft, etwas irreführend. Stevie wird nicht an die Academy geholt, weil sie einen historischen Kriminalfall lösen soll. Das ist ihr eigenes Projekt: Sie will den dubiosen Entführungs- und Mordfall rund um die Familie des Gründers der Ellingham Academy zu lösen. Bisher ist das nämlich noch keinem gelungen, bzw. sind die Ergebnisse nicht logisch und fehlerhaft.

Donnerstag, 11. April 2019

"Sadie: Stirbt sie, wird niemand die Wahrheit erfahren" von Courtney Summers



Das Thema
Ihre kleine Schwester Mattie ist das einzige, was für Sadie wirklich zählt. Ihr möchte sie die Geborgenheit geben, die ihr selbst immer gefehlt hat. Als Mattie tot aufgefunden wird, bricht Sadie der Boden unter den Füßen weg. Nach ergebnislosen Polizeiermittlungen macht sie sich selbst auf die Suche nach Matties Mörder. Koste es, was es wolle. Journalist West McCray widmet Sadies Verschwinden einen True-Crime-Podcast, der zu einer fieberhaften Spurensuche wird. Kannte Sadie den Mörder? McCray muss herausfinden, was passiert ist, und hofft, dass er nicht zu spät kommt.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Belz & Gelberg


"Sie ist tot", flüstere ich und weiß nicht, warum ich das laut sage, weil es schmerzt, es laut auszusprechen, zu spüren, wie wahr mir diese Worte über die Lippen kommen, real werden in der realen Welt. Aber Sie ist tot ist der Grund, warum ich noch am Leben bin.
Sie ist tot ist der Grund, warum ich einen Mann töten werde. Wie viele Menschen leben mit einem Wissen wie diesem weiter? - S. 117


Das Leseerlebnis
Die Texte von Courtney Summers sollen sich durch eigensinnige und kompromisslose Frauenfiguren auszeichnen. Schon das lieferte mir einen Grund für "Sadie: Stirbt sie, wird niemand die Wahrheit erfahren", das neueste Buch der Autorin. Besonders stark interessiert hat mich hier aber der Erzählstil, der neben der Haupthandlung teilweise in Form eines Podcasts erfolgt und eine ganz eigene Sicht auf das Geschehen liefert. Das Buch ist Lesespaß vom Allerfeinsten, auch wenn ich denke, dass Spaß nicht das Wort sein sollte, mit dem ich mein Lesegefühl bei "Sadie" beschreibe. Denn dazu ist das Thema zu schockierend, die Atmosphäre zu beklemmend. Besser, das Buch hat mich mit Haut und Haaren verschlungen.

Die Geschichte beginnt damit, dass Sadie verschwunden ist. Die Polizei findet ihr Auto und einige persönliche Dinge, hat aber sonst nur wenige Infos. Sadie war auf einer Suche, der Suche nach dem Mörder ihrer kleinen Schwester Mattie. Weil die Polizei nicht weit kommt, und die Ersatzoma der Mädchen nach Mattie nicht auch noch Sadie verlieren will, bittet sie einen Reporter um Hilfe. Dieser begibt sich auf Spurensuche und hält seine Erlebnisse und Ergebnisse in einem Radio-Podcast fest. Zuerst sind die Zusammenhänge noch unklar, doch der Reporter deckt Stück für Stück Teile einer unheilvollen Familiengeschichte auf.

Montag, 8. April 2019

Buchzugänge vs. Buchabgänge im März 2019

Der März ist vorbei und nun steht schon Ostern vor der Tür. Im vergangenen Monat habe ich viel gelesen und hatte einen richtigen Bücherrun - eines besser als das andere, bzw. fast nur Bücher, die mir viel Freude gemacht haben und deren Geschichten mir lange im Gedächtnis bleiben werden. So soll das sein. Ein paar neue Bücher gab es auch. Sie liegen schon bereit und werden auch bald gelesen. Jetzt schaue ich aber erst mal auf den März zurück und schwelge in Erinnerungen.


Meine Buchzugänge im März 2019 - 7 Bücher



Freitag, 5. April 2019

"Zorngeboren: Die Empirium-Trilogie" von Claire Legrand



Das Thema
Rielle Dardenne rettet ihren Freund den Kronprinzen - mithilfe der sieben Arten der Elementarmagie. Doch die Einzigen, die diese außergewöhnliche Fähigkeit besitzen sollen, sind laut Prophezeiung zwei Königinnen: die Sonnenkönigin des Heils und die Blutkönigin der Zerstörung. Kann Rielle in sieben Prüfungen beweisen, dass sie die Sonnenkönigin ist?
Tausend Jahre später: Die Kopfgeldjägerin Eliana Ferracora besitzt magische Kräfte und glaubt, damit unantastbar zu sein - bis eines Tages ihre Mutter und andere Frauen verschwinden. Eliana schließt sich einer gefährlichen Mission an und entdeckt, dass das Böse im Herzen des Imperiums noch schrecklicher ist, als sie es sich jemals hat vorstellen können ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Arctis Verlag


Simon schützte sein Gesicht und beugte den Kopf über den Säugling in seinen Armen. [...] Eine Sekunde später zerbrach die Stille mit einem ohrenbetäubenden Knall, der die Berge zum Beben brachte und Simon beinahe von den Füßen riss.
Das Schloss rutschte unter ihm weg. In der Luft über der Hauptstadt lag plötzlich ein Brandgeruch. Einer der umliegenden Berge stürzte in sich zusammen, und dann noch einer und noch einer.

Halte sie gut fest - da war die Frauenstimme wieder, hoch und deutlich hörte Simon sie in seinem Kopf. Lass sie auf keinen Fall los. - S. 21


Das Leseerlebnis
Irgendwo hatte ich aufgeschnappt, dass Autorin Claire Legrand mehr als dreizehn Jahre lang an ihrem Fantasy-Roman "Zorngeboren" geschrieben hat. Ich meine ... dreizehn Jahre! Das ist schon eine ganz eigenen Hausnummer. In meiner Vorstellung gibt es für solch ein Buch nur zwei Möglichkeiten: Entweder, die Autorin hat sich in etwas verrannt und das Buch ist so umfangreich, verschachtelt und vollgeladen, dass das Lesen keine große Freude mehr macht. Oder, der Roman ist so differenziert und durchdacht ausgearbeitet, dass er zu den Büchern gehört, die man nicht mehr vergisst. Für mich trifft auf "Zorngeboren" letzteres zu. Die Geschichte ist in jeder Hinsicht perfekt, einfach großartig. Das ist Fantasy, wie ich sie lesen will.

Die Geschichte startet mit einem Prolog, einem Wendepunkt in der Welt von Avitas, in der "Zorngeboren" spielt. Schon diese wenigen Seiten haben mich so stark fasziniert, dass ich für die komplette Geschichte das Allerbeste erwartete, was sich dann auch bewahrheitete. Eine Königin legt ihr Reich in Schutt und Asche, ein machhungriger Engel ist böse-verzweifelt und ein neugeborenes Mädchen wird ins Ungewisse gerettet. Und dann beginnt die Geschichte. Oder sollte ich besser sagen, die Geschichten.

Freitag, 29. März 2019

"Batman: Nightwalker" von Marie Lu



Das Thema
Der junge Millionenerbe Bruce Wayne jagt in seinem Sportwagen eigenmächtig einem Polizeiflüchtigen hinterher. Der Täter kann gefasst werden. Er ist Mitglied der Nightwalker, die in Bruce’ Heimatstadt Gotham City vor allem die reiche Elite terrorisieren. Bruce jedoch wird wegen Missachtung polizeilicher Anordnungen zu Sozialstunden verurteilt, und zwar ausgerechnet im Hochsicherheitstrakt des örtlichen Gefängnisses. Dort trifft er auf Madeleine, ebenfalls Mitglied der Nightwalker, die seit Wochen jegliche Aussage verweigert. Bruce hingegen scheint sie zu vertrauen. Sie warnt ihn, dass er als Nächster auf der Liste der Nightwalker steht. Doch welche Rolle spielt sie selbst dabei?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft


Mehrere Polizisten warfen sie hart zu Boden; ihr Gesicht schrappte über Kiesel und Gras. [...]
"Wir haben sie!", rief einer von ihnen in sein Funkgerät. Seine Stimme war heiser vor Adrenalin.
Ja, ihr habt mich ..., dachte sie, als sich das kalte Metall der Handschellen um ihre Handgelenke schloss. Die Wange auf den Boden gepresst, erlaubte sie sich hinter ihrem schwarzen Schal ein kleines, spöttisches Lächeln.
... fürs Erste. - S. 10


Das Leseerlebnis
Die Geschichte von Batman kenne ich recht gut. Allerdings weniger aus den Comics, sondern vielmehr aus diversen Verfilmungen. Diese weichen, je nach Regisseur, natürlich voneinander ab; einen Überblick über Charaktere, Grundkonflikt und Handlungsort habe ich aber dennoch. Nicht umsonst ist Batman einer meiner liebsten Superhelden. Seine Geschichte(n) faszinieren mich immer wieder aufs Neue. Darum war ich, was Marie Lus Roman "Batman: Nightwalker", der als dritter Band der DC Icons-Reihe erschien, angeht, ein kleines Bisschen voreingenommen. Aber auch super neugierig, wie die Autorin Batmans Geschichte interpretiert. Und ja, ich hatte viel Spaß mit Batman, bzw. hier mit einer Geschichte des jungen Bruce Wayne.

Das mag auf den ersten Blick vielleicht überraschen, denn um Batman geht es im Buch eher weniger. Vielmehr geht um um den 18-jährigen Bruce Wayne, der gerade als Erbe eines Großkonzerns, und somit jüngster Milliardär der Welt, in die Fußstapfen seiner verstorbenen Eltern getreten ist. Als er eigenmächtig, ohne Polizeierlaubnis, ein Mitglied der Nightwalker verfolgt, eine Bande, die Gotham City terrorisiert, wird er zu Sozialstunden im Hochsicherheitsgefängnis der Stadt verurteilt. Dort begegnet er Madeleine, die Dinge über die Nightwalker weiß, aber nicht zur Kooperationen bereit ist. Bis sie anfängt, Bruce mit Insiderinformationen zu versorgen.

Mittwoch, 27. März 2019

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im April 2019

Wenn ich mir die Buchneuerscheinungen im April anschaue, habe ich das Gefühl, etwas durchatmen zu können. Warum, weiß ich nicht genau, immerhin füge ich sieben neue Bücher meiner Wunschliste hinzu. Einige davon interessieren mich brennend, bzw. gehe ich davon aus, dass sich hinter den schönen Cover ebenso schöne Geschichten verstecken. Ich bin sicher, erste Meinungen werden das bestätigen. Detaillierte Buchinfos gibt es mit einem Klick auf das jeweilige Cover ...


 

Drei Schritte zu dir von Rachel Lippincott, Mikki Daughtry und Tobias Iaconis ... erinnert mich von der Story her sehr stark an "Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt". Das ist aber rein subjektiv, die Thematik ist sicher anders. - Stella benötigt eine neue Lunge, nur damit hat sie eine Überlebenschance. Bis es soweit ist, muss sich sich ausnahmslos von jedem fernhalten, um ihr Immunsystem nicht zu gefährden. Dagegen setzt Will auf volles Risiko. Sobald er 18 ist, will er dem Krankenhaus den Rücker kehren und endlich etwas von der Welt sehen.
Dumme Ideen für einen guten Sommer von Kiera Stewart ... Gerade die Bücher für junge Jugendliche sprechen mit manchmal ganz besonders an. So auch dieses hier. Es klingt total gut. - Die 12-jährige Edie hat schlimme Ferien vor sich. Mit ihrer peinlichen Familie muss sie das Haus ihrer verstorbenen Großmutter auf Vordermann bringen. Zum Glück ist ihrer supercoole Cousine Rae auch da. Die beiden finden eine Liste der Großmutter mit Ideen für den Sommer und beschließen, diese Punkt für Punkt abzuhaken.

Montag, 25. März 2019

"Niemalswelt" von Marisha Pessl



Das Thema
Seit Jims ungeklärtem Tod hat Bee keinen ihrer Freunde mehr gesprochen. Als sich die fünf ein Jahr später in einem noblen Wochenendhaus an der Küste wiedertreffen, entgehen sie nachts nur knapp einem Autounfall. Unter Schock und vom Regen durchnässt kehren sie ins Haus zurück. Doch dann klopft ein geheimnisvoller Unbekannter an die Tür und eröffnet ihnen das Unfassbare: Der Unfall ist wirklich passiert und es gibt nur einen Überlebenden. Die Freunde sind in einer Zeitschleife zwischen Tod und Leben gefangen, in der sie dieselben elf Stunden immer wieder durchlaufen - bis sie sich geeinigt haben, wer von ihnen überlebt.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


"Ich bin kein Nachbar."
Wieder musterte er uns, diesmal abwartend.
"Es wäre wirklich am besten, wenn ich hereinkäme, um es euch zu erklären."
"Sagen sie uns hier, was Sie wollen", erwiderte Cannon.
Der Mann nickte. Er wirkte nicht überrascht. [...]
Er hatte keinen Schirm bei sich und es stand kein fremdes Auto in der Einfahrt. Wie war er dann hierhergekommen, ohne auch nur einen Tropfen abzukriegen? Die Frage hing beunruhigend in der Luft wie ein diffuser Gasgeruch.
"Ihr seid alle tot", sagte er.
- S. 41/42


Das Leseerlebnis
Marisha Pessls Romane sind hochwertig und werden von vielen Leser*innen sehr geschätzt. Mit "Niemalswelt" wagt die Autorin etwas Neues, denn das Buch ist ihr erster Roman für Jugendliche und junge Erwachsene. Für mich ein ganz klassischer All-Age-Titel, dessen Beschreibung mich sofort in den Bann zog. Ist das Buch ein Mystery-Thriller, ein Zeitreiseroman oder eine düstere Gesellschaftskritik? Diese Frage stellte ich mir zu Beginn, konnte aber nicht richtig festmachen, mit was ich zu rechnen hatte. Vielleicht steckt ein bisschen etwas von allem in der Geschichte. Losgelassen hat sie mich zu keiner Sekunde. Für mich ist es eine der besten Geschichte in diesem Genre. So gut, dass man sie am liebsten sofort nochmal lesen möchte.

Beatrice hatte bei ihren Freunden schon immer einen Sonderstatus: Schwester Bee - gut, nett und mit blütenreiner Weste. Auch wenn Bees Freunde zumeist aus immens reichem Elternhaus kamen, waren sie doch beste Freunde und eine eingeschworene Clique. Bis zu Jims Tod, der immer irgendwie mysteriös und ungeklärt blieb. Seit diesem Zeitpunkt hatte Bee mit keinem ihrer Freunde mehr gesprochen. Ein Jahr später wagt sie es und sucht die vier anlässlich einer Feier in einer Villa an der Küste auf. Vielleicht hofft Bee auf einen Neuanfang. Gleich zu Beginn entgehen die wiedervereinten Freunde nur knapp einem Autounfall.
Und dann ist das Grundthema schnell erklärt: Ein Mann taucht auf, der sich als Wächter vorstellt und den Freunden erklärt, dass der Unfall tatsächlich passiert ist, sie eigentlich alle tot wären. Stattdessen sind sie nun in einer Art Zeitschleife gefangen, der Niemalswelt, bis sie sich per Abstimmung entscheiden, wer von ihnen überleben wird.

Samstag, 23. März 2019

"Wörter mit L" von Tamara Bach



Das Thema
Auf einmal sind alle verliebt. Paulines beste Freundin Natascha und die blöde Leonie auch. Angeblich sogar Paulines Mutter. Aber das kann Pauline sich nun wirklich nicht vorstellen. Trotzdem benehmen sich plötzlich alle so komisch und streiten sich um nichts und wieder nichts, fast als würden sie nicht mehr dieselbe Sprache sprechen. Aber zum Glück sind da Lukas und sein dreibeiniger Hund. Vielleicht wissen die noch, wie man einfach nur einen Schneemann baut.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


Ich glaub, ich bin wütend. [...]
Auf Leonie.
Auf Natascha.
Auf alles.
Weil auf einmal alles anders ist.
Ich komm mich vor, als wäre ich zwei Wochen krank gewesen und komm jetzt in die Schule und versteh gar nichts mehr, weil jeder Lehrer mit einem neuen Thema angefangen hat. Weil alle dabei waren, nur ich nicht.
Als könnten alle plötzlich eine neue Sprache und ich versteh nur Lalula.
- S. 75/76


Das Leseerlebnis
Tamara Bachs Bücher für Jugendliche habe ich (fast) alle gelesen. Ich würde sagen, dass es allesamt Bücher sind, zu denen Leser*innen einen Zugang finden müssen, vor allem Erwachsene wie ich. Weil sie einen Nerv treffen, weil sie ehrlich sind. Die Geschichten sind echt, manchmal etwas spröde, aber gefühlvoll und punktgenau. Die Autorin hat die besondere Gabe, die Gefühle und Gedanken von Kindern und Jugendlichen so darzustellen wie sie tatsächlich sind. Dafür benötigt es keine Action und keine künstlich erzeugte Spannung. Es sind Geschichten über das Leben, über Entwicklungsschritte und das Erwachsenwerden. "Wörter mit L" ist ein Buch für Kinder, bzw. jüngere Jugendliche. Es hat mich mit seiner Glaubwürdigkeit wieder einmal beeindruckt.

Pauline ist elf Jahre alt. Sie wohnt die Hälfte der Woche bei ihrem Papa und dessen Frau und die andere Hälfte bei ihrer Mama, findet das auch völlig okay so. Eine wichtige Konstante in Paulines Leben ist ihre beste Freundin Natascha. Zusammen können die Mädchen lachen, Dinge unternehmen oder auch einfach nur rumhängen. Sie verstehen sich ohne Worte. Doch dann unterhält sich Natascha plötzlich überraschend oft mit Leonie und schreibt einen Brief an einen Jungen, den sie mehr als toll findet. Und Paulines Mama hat plötzlich viel weniger Zeit, weil sie, wie Papa sagt, wieder verliebt ist. Warum verändern sich plötzlich alle? Und warum scheinen plötzlich alle eine komplett andere Sprache zu sprechen als Pauline selbst? Zum Glück ist da noch Paulines Halbbruder Jonathan, ein Hund mit drei Beinen, Musik und ihre Schreibmaschine.

Dienstag, 19. März 2019

"Der Atem einer anderen Welt" von Seanan McGuire



Das Thema
Kinder und Jugendliche sind zu allen Zeiten in Kaninchenlöcher gefallen, durch alte Kleiderschränke ins Zauberland vorgestoßen oder auf einer Dampflok in magische Welten gereist. Aber ... was geschieht eigentlich mit denen, die zurückkommen?
Mit Nancy, die die Hallen der Toten besucht hat und den Rest ihres Lebens am liebsten still wie eine Statue verbringen würde. Und mit Christopher, den Jungen mit der Knochenflöte, der die Toten für sich tanzen lassen kann. Sumi, die das Chaos braucht wie die Luft zum Atmen, weil sie aus einer Unsinnswelt kommt. Oder Jack & Jill, die mit Vampiren und Wissenschaftlern unter einem blutig-roten Mond aufgewachsen sind.
Als sie sich in "Eleanor Wests Haus für Kinder auf Abwegen" treffen, ahnen sie nicht, dass ihnen ihr größtes Abenteuer noch bevorsteht ...


© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER Tor


"Ich werde mich nicht hinstellen und behaupten, die Tür ist für immer geschlossen, denn da kann man nie sicher sein. Aber eins steht fest: Ihre Chancen, überhaupt durch eine Tür zu gehen, standen nie gut, und jetzt stehen sie noch schlechter. Der Blitz schlägt nie zweimal an derselben Stelle ein, heißt es. Nun, die Wahrscheinlichkeit, dass Sie zweimal vom Blitz getroffen werden, ist weit höher als die, dass Sie eine zweite Tür finden". - S. 56


Das Leseerlebnis
Soviel kann ich jetzt schon sagen; mein erstes Buch von Autorin Seanan McGuire hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Dabei war mir nicht ganz klar, um was es in "Der Atem einer anderen Welt" genau geht. Stichworte wie 'Alice im Wunderland', 'Magische Welten' oder 'Zaubertüren' mussten genügen. Doch das reichte, und das Buch hatte sich meine Aufmerksamkeit gesichert. Es ist schwer auszudrücken, was ich beim Lesen empfand, denn so stark hat mich schon lange kein Roman mehr in seinen Bann gezogen. Meine Gefühle schwankten zwischen Begeisterung, Bestürzung und auch Grusel. Ein wirklich geniales Leseerlebnis.

Der recht umfangreiche Roman besteht aus drei Novellen, die jeweils etwa ein Drittel des Buches ausmachen. "Der Atem einer anderen Welt" enthält also keine fortlaufende Geschichte, sondern drei, jede für sich allein stehende (Kurz)-Geschichten. Und doch hängen sie auch zusammen, bzw. besitzen Überschneidungen.
Die erste Geschichte Der Atem einer anderen Welt handelt von Nancy, die durch eine Tür in eine magische Welt gelangt ist, nun zurückkehrte und sich in unserer Welt kaum mehr zurecht findet. Die Hallen der Toten sind ihr Zuhause, und sie möchte unbedingt dorthin zurück. Für Kinder wie Nancy, die eine Tür zurück suchen, gibt es eine Art Internat, geführt von Eleanor West. Sie hilft diesen Kindern, die von ihrer Familie meist abgelehnt werden. Als Nancy in der Schule von Eleanor West ankommt, hat sich keine Ahnung, wie groß das Abenteuer sein wird, das sie dort erwartet.