Freitag, 18. Januar 2019

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Gefährliche Freundinnen" von Cat Clarke



FISCHER FJB (Oktober 2018),
Klappenbroschur, 352 Seiten,
übersetzt von Elisabeth Müller,
14,99 € [D]


Die 17-jährige Harper ist glücklich, als sie nach dem Tod ihrer Schwester in das exklusive Mädcheninternat Duncraggan Castle aufgenommen wird und direkt Anschluss an eine nette Vierer-Clique findet. Als ein neues Mädchen ins Internat kommt, freundet sich Harper mit ihr an. Kirsty, die auch eine Schwester verlorenen hat, scheint sie mehr als jede andere zu verstehen. Aber ihr Verhalten ist auch sonderbar. Warum ist Kirstys Leben das perfekte Spiegelbild von Harpers? Als ihre Verbindung zu Kirsty die Freundschaft zu den anderen Mädchen zu bedrohen beginnt, fängt Harper schließlich an, Fragen zu stellen. (Text- und Zitatrechte: FISCHER FJB)


Der einzige Trost ist, dass ich schon Schlimmeres erlebt habe. Wenn das Schlimmste, was du dir überhaupt vorstellen kannst, schon passiert ist, verblasst davor alles andere zur Bedeutungslosigkeit. Wenn ich mir das oft genug einrede, werde ich es vielleicht irgendwann auch glauben. - S. 275


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. "Gefährliche Freundinnen" ist mein drittes Buch, das ich von Autorin Cat Clarke gelesen habe. Und es war mir sofort klar, dass ich es lesen muss. Vor allem "Falsche Schwestern" hatte mich damals in einen bestürzenden Lesesog gezogen. Natürlich ist das neue Buch anders, vielleicht weniger ereignisreich. Trotzdem war "Gefährliche Freundinnen" das einzige Buch seit langer Zeit, das ich innerhalb eines Tages fertiggelesen hatte.
  2. Harpers Zwillingsschwester ist gestorben, und Harper hofft auf einen Neuanfang, einen Weg aus der Trauer, indem sie auf ein Internat gehen will - weg von zu Hause. Durch einen Lottogewinn der Eltern bekommt sie die Chance, ein exklusives Mädcheninternat zu besuchen. Dort freundet sie sich auch schnell mit Rowan, Lily und Ama an. Die vier Mädchen bilden eine Clique, ein eingeschworenes Team. Als Kirsty, ein neues Mädchen ans Internat kommt, freundet sich Harper auch mit ihr an. Die beiden haben so viel gemeinsam, dass es fast schon unheimlich ist. Doch umso besser sich Harper mit Kirsty versteht, umso mehr leidet die Freundschaft zu den anderen Mädchen.
  3. Mich hat vor allem die Freundschaft und Dynamik zwischen den Mädchen interessiert, und diese fand ich sehr plausibel und vielfältig. Das Buch ist nicht auf Sensationslust ausgelegt, hat aber etwas an sich, das ungemein fesselt. Als Leser merkt man auch schnell, dass mit Kirsty etwas nicht stimmt, dass sie Harper durch gezielte Manipulation ganz für sich alleine haben und von den anderen Mädchen entfremden will. Aber warum? Ich glaube diese Frage ist ein Grund, warum sich diese Geschichte so mitreißend lesen lässt.
  4. Im Buch geht es nicht nur um die Freundschaften im Internat, sondern auch um Harpers Hintergründe, ihre Trauer um die verlorene Schwester und um ihre Familie. Obwohl die Eltern nach dem Lottogewinn ihr bisheriges Leben weiterführen wollen, werden auch sie von Trauer überwältigt, haben das Bedürfnis nach Veränderung. Nach ein paar Irritationen akzeptiert Harper das auch.
  5. "Gefährliche Freundinnen" hat mich am Ende überrascht. Ich wartete immer auf den großen Knall, auf die Auflösung um Kirstys manipulatives Verhalten. Der Knall und die Auflösung kamen dann auch, und hier muss ich zugeben, dass ich Harper, und vor allem ihre drei besten Freundinnen Rowan, Lily und Ama, unterschätzt habe. Ich habe ein konsequenteres Verhalten erwartet und war über deren Großmut und ihre Freundlichkeit angenehm überrascht. Schön!

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

packend, freundschaftlich, figurativ, greifbar und großmütig



Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Gefährliche Freundinnen" war weniger ereignisreich und schaulustig als ich das erwartet hätte. Und gerade das hat mir gut gefallen, denn dadurch gewinnt die Geschichte an Authentizität. Im Grunde ist es ein Buch über eine Mädchenfreundschaft, die von Trauer, Schuldgefühlen und Selbstzweifeln überschattet wird. Das Ende könnte darum nicht passender und feinfühliger gewählt sein. Ich fand es wohltuend großmütig.


© Damaris liest.



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Donnerstag, 17. Januar 2019

"Jetzt ist alles, was wir haben" von Amy Giles



Das Thema
Sei die Beste. Und wenn nötig, sei unsichtbar.
Mit diesem Credo hat Hadley McCauley in ihrer Familie gelernt zu überleben. Perfekte Schülerin, perfekte Sportlerin, perfekte Tochter: Nur so kann sie ihren Vater bei Laune halten. Denn hinter der makellosen Fassade der McCauleys verbirgt sich ein hässliches Geheimnis. Um ihre kleine Schwester Lila vor dem unberechenbaren Vater zu schützen, tut Hadley alles. Doch dann tritt Charlie Simmons in ihr Leben und zwischen den beiden entwickelt sich eine verzweifelt-intensive Beziehung. Unterdessen eskaliert daheim die Gewalt, und Hadleys Strategie, nichts preiszugeben, greift nicht mehr. Doch auch als es zur Katastrophe kommt, schweigt sie ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: cbj Verlag


Ich habe immer gewusst, dass es darauf hinauslaufen würde. Wir passen nicht in die Schublade einer Missbrauchsfamilie. Der denkbar schlimmste Fall ist eingetreten: Wir habe die schlafende Bestie geweckt - und jetzt sind wir ihr ausgesetzt.
Ich weiß, warum CPS nichts rausfinden konnte. Ich habe meine Spuren so perfekt verwischt, dass es jetzt so scheint, als wären sie nie dagewesen.
- S. 318


Das Leseerlebnis
Tragische Jugendbücher gibt es zu fast jedem Thema. Auch psychischer oder körperlicher Missbrauch wird immer wieder aufgegriffen. Oftmals bedrücken mich diese Bücher sehr, was sie auch sollen, und beschäftigen mich tagelang. In "Jetzt ist alles, was wir haben" schaut die Autorin in eine Missbrauchsfamilie, die nach außen hin glänzt. Und auch hier war ich fast ein bisschen überrascht, wie stark das Buch unter die Haut geht, sich gleichzeitig aber wunderbar und mitreißend lesen lässt. Ein Pageturner durch und durch.

Hadley wird von ihrem Vater zu Höchstleistungen angetrieben. Auf sportlicher und schulischer Ebene muss sie immer die Beste sein, und auch bei ihren Hobbys bestimmt der Vater. Niemals ist sie ihm gut genug, nie scheint er zufrieden. Neben diesem psychischen Druck verliert Hadleys Dad nicht selten die Kontrolle über seinen Jähzorn. Darauf möchte ich hier nicht näher eingehen, mich hat das Gesamtbild der Situation sehr belastet. Hadley erträgt diese Zustände und die permanenten Drohungen nur, um ihre jüngere Schwester vor dem Vater zu schützen. Von der Mutter kann sie keine Hilfe erwarten, und vor ihren Freunden und Lehrern versucht sie das Bild einer Musterfamilie aufrecht zu erhalten. Als sich Hadley in Charlie verliebt, und damit nicht nur eine der kompromisslosen Regeln ihres Vaters bricht, droht die Situation zu Hause zu eskalieren.

Dienstag, 15. Januar 2019

"Das Mädchen aus Feuer und Sturm" von Renée Ahdieh



Das Thema
Mariko ist die Tochter eines mächtigen Samurai und kennt ihren Platz im Leben. So klug und erfinderisch sie auch sein mag - über ihre Zukunft entscheiden andere. Als sie erfährt, dass sie den Sohn des Kaisers heiraten soll, nimmt sie ihr Schicksal hin. Doch auf dem Weg zu ihrer Hochzeit entkommt sie nur knapp einem blutigen Überfall - und nutzt ihre Chance, die Freiheit zu kosten: Als Junge verkleidet schmuggelt sie sich unter die Banditen und lernt eine ganz neue Welt kennen. Und sie verliert ihr Herz ... ausgerechnet an den Feind.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: One Verlag


Zuerst brauchte sie eine Möglichkeit, für den Schwarzen Clan von Nutzen zu sein. Dann - wenn die Männer sich in falscher Sicherheit wiegten - würde sie zuschlagen. Unbehagen machte sich in ihrer Brust breit, als sie diese Vorgehensweise erwog. Denn sie war nicht ehrenhaft, sie war reine Täuschung. Noch verstörender als ihre Entscheidung, die Kleidung eines Jungen anzuziehen und den Schwarzen Clan auszuspionieren.
Ein wahrer Krieger würde sich seinem Feind stellen, ohne zurückzuzucken. Sich nicht im Schatten umherschlängeln.
- S. 150


Das Leseerlebnis
Romane mit fernöstlichem Setting, bzw. historischem und asiatischem Thema stehen bei mir gerade hoch im Kurs. Besonders im Jugendbuch. Darum hatte Renée Ahdiehs neues Buch "Das Mädchen aus Feuer und Sturm" auch meine sofortige Aufmerksamkeit. Außerdem konnte mich die Autorin mit ihrer Zorn und Morgenröte-Dilogie sehr begeistern, weshalb meine Erwartung hoch war. Und sie wurde nicht enttäuscht. Marikos Geschichte, oder besser, deren Anfang - sie geht nämlich noch weiter -, konnte mich ab der ersten Seite fesseln und hat mich während des ganzen Buches nicht mehr losgelassen. Der Roman ist sehr gewinnend und besonders. Die feine Ader Magie, die man beim Lesen nicht immer augenscheinlich wahrnimmt, macht die Geschichte (fast) perfekt.

Dass sich ein Mädchen oder eine junge Frau als Junge verkleidet, um ihre Herkunft zu vertuschen, ist in Büchern kein neues Thema. Auch Mariko sieht keine andere Möglichkeit. Als Tochter eines Samurai-Fürsten sollte sie eigentlich den Sohn des Kaisers heiraten. Aber auf dem Weg in die Kaiserstadt wird ihr Geleitzug überfallen und Mariko entgeht nur ganz knapp dem Tod. Alles deutet darauf hin, dass der Schwarze Clan, ein Haufen Gesetzloser, für den Überfall verantwortlich ist. Doch warum will der Schwarze Clan Marikos Tod? Oder wurde er beauftragt? Genau das möchte Mariko herausfinden. Statt zurück nach Hause zu gehen, macht sie sich auf die Suche nach den Banditen, verkleidet als junger Mann.

Mittwoch, 9. Januar 2019

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Dezember 2018

Mit dem Dezember habe ich auch einen kurzen Blick zurück auf 2018 geworfen. Knapp 90 Jugend- und All-Age-Bücher habe ich gelesen. Das waren in den letzten Jahren zwar immer mehr, damals habe ich aber auch Bereiche in meinem Leben vernachlässigt, die mir wichtig sind. Natürlich würde ich manchmal gerne nur lesen, lesen, lesen. Aber ich habe das hinterfragt. Lesen ist kein Wettbewerb! Soll heißen; wenn es mir wichtiger ist zu lesen, statt zum Beispiel etwas mit den Kindern zu unternehmen oder Freunde zu treffen, dann läuft irgendetwas für mich falsch. 6-10 Bücher pro Monat sind ausreichend viel und für ein liebstes Hobby völlig okay. Kinder- oder Vorlesebücher zähle ich nicht dazu. Das sind zwar auch eine ganze Menge, hier mag ich aber keine Statistik führen oder in Zahlen denken. Dagegen ist die Monatsstatistik meiner ausgewählten Romane immer ein schöner Rückblick, eine Dokumentation für später. Jetzt aber zum letzten Rückblick für 2018, mein buchiger Dezember.


Meine Buchzugänge im Dezember - 12 Bücher



Sonntag, 6. Januar 2019

"Cinder & Ella" von Kelly Oram



Das Thema
Nach einem schweren Autounfall hat Ella ein Jahr voller OPs und Rehas hinter sich. Und nun muss sie auch noch zu ihrem Vater und dessen neuer Familie ziehen, die sie überhaupt nicht kennt. Ella will nur eins: ihr altes Leben zurück. Deshalb beschließt sie, sich nach langer Zeit wieder bei ihrem Chatfreund Cinder zu melden. Er ist der Einzige, der sie wirklich versteht, und obwohl sie ihn noch nie getroffen hat, ist Ella ist schon eine halbe Ewigkeit heimlich in ihn verliebt. Was sie nicht weiß: Auch Cinder hat Gefühle für sie. Und er ist der angesagteste Schauspieler in ganz Hollywood.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: One Verlag


"Du hast ihn noch nie persönlich getroffen. Alles, was er sagt, könnte gelogen sein - wie willst du das wissen?"
Ich gebe zu, dass ich mich genau das auch gefragt hatte, weil Cinders Leben ein wenig nach dem eines Rockstars klang, aber inzwischen kannte ich ihn lange genug, um überzeugt zu sein, dass er kein Lügner war. "Das glaube ich wirklich nicht, Mom. Kann schon sein, dass er manchmal ein bisschen übertreibt, aber wer tut das nicht? Und was macht das schon? Er ist bloß ein Internetfreund. Er lebt in Kalifornien.
"Ganz genau. Warum also verschwendest du so viel Zeit mit ihm?"
"Weil ich ihn mag. Mit ihm kann ich reden. Er ist mein bester Freund."
- S. 11/12


Das Leseerlebnis
"Oh, toll! Eine Cinderella-Story." Das waren, zugegeben, erst meine zweiten oder dritten Gedanken, als ich "Cinder & Ella" entdeckte. Den Märchen-Bezug zu den Namen der beiden Hauptprotagonisten stellte ich nämlich erst nach einer Weile her. Machte aber nichts, denn dass ich dieses Buch lesen wollte, war mir auf den ersten Blick klar. Die wunderschöne Optik ist einfach nur anziehend (Türkis ist sowas von komplett meines!) und der Klappentext klang auch nicht schlecht. Dazu kam später, dass gefühlt jeder über die Geschichte sprach und sie in den höchsten Tönen lobte. Und ja, ich fand sie nett und unterhaltsam. Aber eben auch nicht mehr - nur nett. Statt dem vielgelobten Tiefsinn, lag der Fokus eindeutig auf der Unterhaltung und einer süßen, siehe Buchtitel, Cinderella-Lovestory.

Zunächst beginnt die Geschichte sehr tragisch und traurig. Ella verliert bei einem Unfall ihre Mutter. Sie selbst behält schwerste Verbrennungsnarben, ist für ihr Leben gezeichnet. Nach langer Reha muss Ella auch noch zur neuen Familie ihres Vaters ziehen, der sie und ihre Mutter vor Jahren verließ. Kontakt zu früheren Freunden hat sie keinen mehr. Die einzige verbliebene Bezugsperson ist ihr bester Freund Cinder, eine Internetbekanntschaft. Doch bei ihm hat sie sich seit dem Unfall nicht mehr gemeldet. Was Ella nicht weiß, Cinder ist ein Hollywood-Star. Und plötzlich wohnt sie ganz in seiner Nähe.

Freitag, 4. Januar 2019

"Mortal Engines: Krieg der Städte" von Philip Reeve



Das Thema
Niemand hatte mit einem Attentat gerechnet. Als das Mädchen mit dem Tuch vor dem Gesicht ein Messer zückt, um den Obersten Historiker Londons, Thaddeus Valentine, umzubringen, kann ihm der junge Gehilfe Tom in letzter Sekunde das Leben retten. Er verfolgt das Mädchen, das jedoch durch einen Entsorgungsschacht in die Außenlande entkommt. Dass Valentine, statt seinem Retter zu danken, den Jungen gleich mit hinausstößt, konnte ebenfalls beim besten Willen keiner ahnen ...
Damit beginnt Toms abenteuerliche Odyssee durch die Großen Jagdgründe zurück nach London. Begleitet wird er von der unbeirrbaren Hester Shaw, die fest entschlossen ist, den Mord an ihren Eltern zu rächen. Sie treffen auf Sklavenhändler und Piraten, werden von einem halbmenschlichen Kopfgeldjäger verfolgt und von einer Aeronautin namens Anna Fang gerettet. Und all das, während Valentine plant, mittels einer Superwaffe aus dem Sechzig-Minuten-Krieg die Feinde der fahrenden Städte zu vernichten ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER Tor


Tom spürte eine starke, sanfte Hand auf seiner Schulter und dann - er begriff gar nicht, wie es dazu kam - eine Drehung, einen Stoß, und schon kippte er über das Geländer und stürzte, wie gerade Hester Shaw gestürzt war, und griff vergeblich nach dem glatten Rand des Müllschachts. Er hat mich geschubst!, schoss es Tom durch den Kopf, und sein Erstaunen war noch größer als die Angst vor dem schwarzen Abgrund, der ihn verschlang. - S. 37


Das Leseerlebnis
Steampunk-Romane haben es bei mir nicht leicht. Irgendwie ist dieses Genre nicht ganz meines, und ich kann nicht genau definieren, warum das so ist. Obwohl meist spannend und ungewöhnlich, kann ich selten einen wirklichen Bezug zu den Personen dieser Geschichten aufbauen. Außerdem erscheinen sie mir meist recht technisch. Bei "Mortal Engines: Krieg der Städte" war das anders. Dieses Buch wollte ich lesen, beim ersten Blick auf das beeindruckende Cover und nicht zuletzt den vielversprechenden Trailer der Kinoverfilmung. Autor Philip Reeve hat seine Geschichte im Original bereits 2001 veröffentlicht, erst jetzt erscheinen alle vier Bände in kurzem Zeitabstand auch auf Deutsch.

Ganz einfach ausgedrückt, ist "Krieg der Städte" ein futuristischer Abenteuerroman. Die Geschichte spielt lange nach unserer Zeit. Die Technik ist zwar rückständiger und ursprünglicher, jedoch finden sich auch einige Sci-Fi-Elemente darin, die (meiner Meinung nach) hoffentlich nur Vision bleiben. Es ist die Zeit des Städtedarwinismus. Mobile Städte jeder Größe rollen, angetrieben von Verbrennungsöfen, auf riesigen Kettengliedern durchs Land und verschlingen einander nach dem Recht des Stärkeren. In einer dieser Städte, London, lebt Tom als niedriger Gildengehilfe. Als er den Mord an einem Gildeoberhaupt verhindert und, statt Dank, aus der rollenden Stadt geschubst wird, beginnt sein Abenteuer innerhalb einer unwirklichen und brutalen Welt.

Mittwoch, 2. Januar 2019

"Wicker King" von Kayla Ancrum



Das Thema
Ein Brand in einer alten Lagerhalle. Am Tatort zwei Siebzehnjährige, einer davon mit Verbrennungen, die beide in die Psychiatrie eingeliefert werden.

Einige Monate zuvor: In der Schule hängen August und Jack mit völlig verschiedenen Typen rum, privat verbindet die beiden aber seit Langem eine intensive Freundschaft. Doch Jack, Vorzeigeschüler, Spitzensportler, Mädchenschwarm, entwickelt immer stärkere Halluzinationen und driftet mehr und mehr in eine Fantasiewelt ab. In dieser ist er der König, der "Wicker King", und August ist sein Ritter. Um Jack nah zu bleiben und zu verhindern, dass dieser sich endgültig in seiner Scheinwelt verliert, lässt sich August auf das Spiel ein ...

© Kappentext-, Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft


Rina schoss herum und blitzte ihn an. "Wenn du für ihn verantwortlich bist, dann solltest du auch so verantwortungsoll sein, dass Problem in Ordnung zu bringen. Wenn du auf ihn aufpasst, dann tu's gefälligst auch richtig", flüsterte sie in Rage.
"Was glaubst du wohl, was ich mache?", keifte August zurück.
"Ich glaube, du gibst dein Bestes." Rina warf das nasse Geschirrtuch in das Becken. "Aber das Beste zu geben, reicht manchmal nicht", sagte sie dann ein bisschen weniger heftig. "Manchmal muss man einfach aufhören und andere ihr Bestes geben lassen. Um selbst zu überleben."
- S. 221


Das Leseerlebnis
Als ich Kayla Ancrums "Wicker King" zur Hand nahm, wusste ich wenig bis nichts über die Geschichte. Und dann ist da noch die einzigartig-besondere und herausragende Gestaltung des Buches, die nicht nur neugierig macht und dafür sorgt, dass man das Buch freudig beginnt, sondern die Geschichte so greifbar darstellt, dass sie den Leser mitten ins Buch zieht. "Wicker King" hat ein Thema, das nicht verschwiegen werden sollte, dessen Umsetzung jedoch wirklich hart und düster-bedrückend, eventuell auch verstörend sein kann. Ebenso wichtig wie das Thema ist die Tatsache, dass sich Leser darauf einstellen sollten, welch spezielle Geschichte da auf sie zukommt.

August und Jack sind schon immer befreundet, sehr intensiv befreundet. Und das, obwohl beide getrennte Freundeskreise haben und in der Schule zu verschiedenen Gruppierungen gehören. Privat ist es so, dass beide aus einem eher vernachlässigten Elternhaus kommen, unterschiedlich zwar, jedoch jeweils sehr problematisch. Daraus entwickelt sich eine gegenseitige Fürsorge, eine Art verpflichtende Abhängigkeit. Vor allem August hat das Gefühl, für Jack dasein zu wollen und auf ihn achtgeben zu müssen. Als Jack Halluzinationen entwickelt, und immer mehr in eine Fantasiewelt abdriftet, macht August dieses "Spiel" mit, vor allem, um Jack zu schützen. Eigentlich weiß August, dass Jack Hilfe braucht. Denn die Psychose wird nicht besser, sondern schlimmer ... und gefährlich für sie beide.