Mittwoch, 18. September 2019

Buchzugänge vs. Buchabgänge im August 2019

Er ist zwar schon eine Weile her, aber heute möchte ich mich nochmals mit meinem buchigen August beschäftigen. Zurückblicken, welche Bücher ich gelesen habe und welche neu hinzukamen. Im August habe ich nämlich so viele Bücher gelesen, wie gefühlt schon lange nicht mehr. Es lief einfach gut und meine Auswahl war relativ gemischt. Dabei waren Buchschätze, Kurzgeschichten, Bücher, von denen ich mehr erwartet habe, und sogar ein Abbruch. Meine sechs neuen Bücher sind fest in die Leseliste eingeplant, bis auf "Erebos 2". Das möchte ich erst lesen, wenn ich mich mit dem Vorgänger aufgefrischt habe.


Meine Buchzugänge im August - 6 Bücher



Dienstag, 10. September 2019

"Faye: Herz aus Licht und Lava" von Katharina Herzog



Das Thema
Seit der Ankunft auf Island geschehen merkwürdige Dinge. Gleich am ersten Abend führt ein Schwarm Glühwürmchen Faye zu einer Lichtung, auf der ein uralter Baum steht. Der Sage nach soll hier der Eingang zur Elfenwelt sein. Aber vor Jahren wurde das Herz des Baumes gestohlen. Und jetzt stirbt er. Faye beschließt, den Baum zu retten. Keine leichte Aufgabe. Vor allem seitdem ihr der impulsive und jähzornige Aron über den Weg gelaufen ist. Wenn Faye wüsste, auf was für ein Abenteuer sie sich da einlässt ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag


"Ach Faye!" Mum seufzte. "Sieh diese Woche doch einfach als Urlaub an."
Urlaub?! Diese Reise war kein Urlaub. Mum würde die ganze Zeit arbeiten. Und ich war völlig gegen meinen Willen in dieses Land gebracht worden, das es nur durch seine Fußballmannschaft zu einer bescheidenen Bekanntheit gebracht hatte und in dem es - ich hatte es recherchiert! - außer dicken Ponys ganz viel Natur überhaupt nichts gab.
- S. 36


Das Leseerlebnis
Nicht nur wegen der Mythen und Legenden übt Island auf viele Menschen eine große Anziehungskraft aus. Es ist ein Land der Extreme und der Gegensätze. Nicht umsonst nennt man es auch das Land aus Feuer und Eis. Katharina Herzog hat für ihren neuen Jugendroman "Faye: Herz aus Licht und Lava" den Schauplatz Island gewählt. Eine gute Idee, denn seit meiner Kindheit, seit Nonni und Manni, seit meiner Faszination für Islandpferde, schüren Bücher, die in diesem Land spielen, meine Neugierde. Die Geschichte selbst war dann, trotz wunderbarem Setting, leider nicht meine. Sie fällt für mich in eine Kategorie der Romantasy, an der ich mich schon lange "sattgelesen" habe.

Faye hat ein Händchen für Pflanzen, einen echten grünen Daumen. Trotzdem ist sie nicht begeistert, als sie mit ihrer Mutter nach Island reisen soll, denn die dortige Natur verspricht wenig Abwechslung. Und da Fayes Mutter den Neubau eines Hotels betreut, also den ganzen Tag arbeitet, geht Faye von gähnender Langeweile aus. Dieser Einruck ändert sich, als Faye auf der Lichtung, auf der das Hotel entstehen soll, einen uralten und kranken Baum entdeckt, über den die Einwohner Mythen erzählen. Was geschieht auf der Lichtung? Und warum entwickelt Faye hier in Island Fähigkeiten, die unmöglich erscheinen? Antworten erhofft sie sich auch von Aron, der es ihr mit seiner unnahbaren und düsteren Art alles andere als leicht macht.

Freitag, 6. September 2019

5 (Bücher) vom SuB #3


Anfang 2019 habe ich mir vorgenommen, endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff zu nehmen. Das ist mir wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschen, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Und weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der letzte Beitrag dazu war 5 (Bücher) vom SuB #2. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Und jetzt geht es weiter mit #3 ...


Eins von Sarah Crossan
Die Zwillinge Tippi und Grace sollen ab jetzt auf eine normale Schule gehen, weil sich die Eltern den Unterricht zu Hause nicht mehr leisten können. Die 16-jährigen Mädchen sind siamesische Zwillinge, ab der Hüfte zusammengewachsen, und befürchten an der neuen Schule einen Spießrutenlauf. Doch dort erleben sie nicht nur befremdliche Blicke und Unsicherheit, sondern auch echte Freundschaft. Als es Tippi und Grace gesundheitlich immer schlechter geht, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Vor dem Lesen wusste ich überhaupt nicht, was hier auf mich zukommt. Nur, dass der Roman in Gedichtform geschrieben ist. Die kurzen Kapitel sind optisch wie ein Gedicht verfasst, dadurch bekommen einzelne Sätze und Wörter eine sehr deutliche Gewichtung. Obwohl es keine Reime gibt, ist das Lesegefühl sehr besonders. Ich mag das sehr.
Die Geschichte selbst hat mich sehr berührt und aufgewühlt. Das Thema siamesische Zwillinge ist mir bisher noch in keinem Buch begegnet, Umsetzung und Feinfühligkeit empfand ich als perfekt. "Eins" ist ein Buch, an das man sich lange erinnern wird.


Die Quersumme von Liebe von Katrin Zipse
Luzie hat schon als Kind ihren Vater bei einem Wanderunfall verloren und auch ihre Oma ist schon seit einer ganzen Weile verstorben ... meint sie. Denn eines Tages findet sie im Hausmüll eine Todesanzeige, in der steht, dass ihre Oma erst kürzlich verstorben ist. Luzie beginnt nachzuforschen, denn sie mag sich nicht mehr mit den Familienlügen abfinden, die ihr Leben bestimmen. Dabei deckt sie bei sich selbst tief verschüttete Erinnerungen auf.

"Glücksdrachenzeit" der Autorin gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Und auch "Die Quersumme von Liebe" konnte mich voll und ganz für sich einnehmen. Die Geschichte ist düster, tragisch und tut oftmals sogar ziemlich weh. Neben der Tatsache, dass man unbedingt wissen möchte, was in Luzies Kindheit passiert ist, ist das Buch so gefühlvoll und echt, dass ich es wie im Rausch lesen musste. Und das Ende ... komplett wunderbar und berührend.

Montag, 2. September 2019

"OMG, diese Aisling!" von Sarah Breen und Emer McLysaght



Das Thema
Auf den ersten Blick führt Aisling ein beschauliches Leben. Mit 28 wohnt sie noch bei ihren Eltern in ihrem Heimatort Ballygobbard und träumt, wovon man in dieser verschlafenen Kleinstadt so träumen kann: einem Ring am Finger und der ganz großen Liebe. Doch selbst ein gefangener Brautstrauß und ein romantischer Trip nach Teneriffa bewirken bei ihrem Freund John nichts. Kurzerhand nimmt Aisling ihr Glück selbst in die Hand. Sie macht Schluss mit John und zieht nach Dublin zu ihrer hippen Kollegin Elaine. Die Folgen: neue, glamouröse Freundinnen (mit durchaus unglamourösen Problemen), ein Finanzskandal (mit dem sie fast nichts zu tun hat) und ein turbulentes Liebesdreieck (das in einem Viereck zu münden droht). Klingt nach Chaos? Klingt ganz nach Aisling!

© Klappentext, Cover- und Zitatrechte: bold


Ich bin einfach vom Dominoeffekt ausgegangen - John würde mir einen Antrag machen, meine Eltern würden uns ein Stück Land zur Hochzeit schenken und wir würden ein Haus mit fünf Schlafzimmern bauen (Niamh würde es eine Bruchbude nennen), mit einem begehbaren Kleiderschrank und einer riesigen Waschküche für mich und einer Männerhöhle für ihn. Innerhalb eines Jahres wäre ich schwanger und das wär's dann. So läuft das hier, so machen das alle unsere Freunde.
Aber wollte ich so ein Leben wirklich?
- S. 122/123


Das Leseerlebnis
"OMG, diese Aisling!" klang für mich ein bisschen nach einem Bridget-Jones-Leseerlebnis, und das ist komplett positiv gemeint. Eine etwas chaotische, verschrobene, dabei aber sehr charmante, junge Frau, die liebenswert ist und der die Leserherzen zufliegen - Potenzial für allerbesten Lesestoff also. Und ja, in Ansätzen konnte Aisling durchaus mein Herz gewinnen. Aber eben nur in Ansätzen. Ich hatte mit den Buch schöne Momente, aber auch leichte Durststrecken und machmal sogar Unverständnis. So richtig wurden die Geschichte und ich nicht miteinander warm.

In Aislings Freundeskreis, auf dem irischen Land rund um Dublin, gibt es fast nur ein Thema: Hochzeit! Klar, dass Aisling sich persönlich ebenfalls einen Ring am Finger wünscht. Schließlich sind sie und ihr Freund John auch schon ewig zusammen. Doch John hat anscheinend andere Pläne (oder gar keine), denn er denkt gar nicht daran, Aisling zu heiraten. Frustriert macht Aisling mit ihm Schluss. Ein Fehler? Oder die richtige Entscheidung? Sie weiß es nicht. Dafür zieht sie erst Mal zu zwei Arbeitskolleginnen in eine ziemlich abgefahrene WG. Zwischen Partys, Wochenendtrips und Familiendramen versucht Aisling herauszufinden, was sie wirklich will.

Dienstag, 27. August 2019

"Der Fall der linkshändigen Lady: Ein Enola-Holmes-Krimi" von Nancy Springer



Das Thema
Enola versteckt sich in London noch immer vor dem genialsten Detektiv der Welt, ihrem eigenen Bruder Sherlock Holmes, und wartet auf weitere verschlüsselte Nachrichten ihrer Mutter. Als sie zufällig von der verschwundenen Lady Cecily erfährt und in den faszinierenden Kohlzeichnungen der offenbar sehr begabten Künstlerin eine Seelenverwandte erkennt, übernimmt Enola die Ermittlungen. In verschiedenen Verkleidungen auf den dunklen Londoner Straßen unterwegs und immer auf der Hut vor Mördern und Verbrechern, muss Enola die Hinweise entschlüsseln: eine angelehnte Leiter, ein gerissener Verkäufer, politische Flugblätter ... Um Lady Cecily zu retten, riskiert Enola mehr als sie sollte - und kommt dabei auch ihrem Bruder unerwartet nahe.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knesebeck Verlag


Was hätte Mutter mir gesagt, wäre sie hier? Da gab es keine Frage: "Du kommst sehr gut allein zurecht, Enola."
Eine Aussage, die ich stets als Kompliment aufgefasst hatte.
Doch an diesem Tag, als der Schmerz in meiner Kehle durch einen dicken Kloß verschlimmert wurde, begriff ich plötzlich und quälend, dass ich ... dass ich mehr wollte. Jemanden bei mir haben wollte.
Ich hatte es satt, allein zu sein.
Enola, alonE, alleine - ohne jemanden an meiner Seite.
- S. 46/47


Das Leseerlebnis
Bereits mit dem ersten Band der Enola Holmes-Reihe (der Schwester des berühmten Meisterdetektivs Sherlock Homes) hatte Nancy Springer bei mir einen Nerv getroffen. Ich fand die Geschichte wunderbar! Sehr hochwertig, klug und lebhaft. Da war es nur folgerichtig, dass ich weiterlesen wollte. "Der Fall der linkshändigen Lady" ist der zweite Fall für die junge Enola und gleichzeitig ein anziehender historischer (Jugend)-Krimi, der sich einzigartig und rasant lesen lässt.

Enola ist in London gestrandet. Sie ist immer noch auf der Suche nach ihrer "entlaufenen" Mutter, hat sogar über chiffrierte Nachrichten in Zeitungen manchmal Kontakt zu ihr. Doch ein Treffen gab es noch nicht. Enola führt ein gefährliches Leben. Tagsüber gibt sie sich als die Sekretärin eines erfundenen Perditors (= jemand, der verlorene Dinge aufspürt) aus, nachts zieht sie als barmherzige Nonne durch die Elendsviertel in London, um Menschen zu helfen und Nachforschungen anzustellen. Dabei erfährt Enola, dass auch ihr Bruder, Sherlock Holmes, eigene Nachforschungen über sie anstellt, sie unbedingt wiederfinden will. Und dann erfährt Enola von einer vermissten jungen Lady. Sie traut den Gerüchten darüber nicht, und beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln. Sie ahnt nicht, in welch große Gefahr sie sich damit begibt.

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im September 2019

Der Herbst naht mit großen Schritten und ebenso die Frankfurter Buchmesse - ein Fest für Bücherfans und Lesebegeisterte. Dementsprechend lässt sich meine buchige Wunschliste auch wieder ganz leicht reichhaltig füllen, bevor bald das Frühjahrsprogramm 2020 auf dem Plan steht. Zwölf neue Bücher habe ich entdeckt, die ich allesamt lesen würde und für die es darum auch heißt: Ab auf die Wunschliste!


Fantasy - Magie

(detaillierte Buchinfos gibt es mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


  

Montag, 26. August 2019

"Die Legende von Greg: Der krass katastrophale Anfang der ganzen Sache" von Chris Rylander



Das Thema
Als sein Vater von einem grauenvollen Bergtroll entführt wird, steht Gregs Leben Kopf. Denn anscheinend ist er kein stinknormaler, etwas verfressener Schüler - er stammt von einem uralten Zwergenvolk ab, das in einem Höhlensystem unter Chicago lebt. Nun droht ein Krieg mit den verfeindeten Elfen. Greg muss die Zwergenausbildung absolvieren, mit seiner sprechenden Axt umgehen lernen und gleichzeitig seinen Vater wiederfinden. Zu allem Übel ist sein bester Freund Edwin ausgerechnet ein Elf. Kann er ihm überhaupt trauen?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


Ich schaute zu Boden und gab mir alle Mühe, das Ganze hier komplett als Unsinn abzutun. Ich, ein Zwerg? Redende Äxte? Uralte Kriege mit Elfen und verlorener Magie? Bergtrolle? Das war so absurd!
Aber ich glaube, ich wusste wohl schon in diesem Moment, dass ich verzweifelt versuchte, die Wahrheit zu ignorieren. Einer Sache war ich mir jedoch sicher: Ich musste herausfinden, was mit meinem Dad passiert war, und ihn zurückholen.
Ob ich das hier alles nun glaubte oder nicht.
- S. 108


Das Leseerlebnis
"Der krass katastrophale Anfang der ganzen Sache" ist der Starttitel der Die Legende von Greg-Reihe, und auch das war wieder so ein Jugendbuch, das ich nach einem ersten Blick auf das Cover lesen wollte. Ich finde es sehr klasse! Irgendwie schürte es meine Erwartungen an eine turbulente, sicherlich humorvolle, und beeindruckende Geschichte. Meine Vorabmeinung bestätigte sich dann auch. Junge Jugendliche werden mit Gregs chaotisch-lustigem Abenteuer jede Menge Spaß haben. Ich hatte ihn jedenfalls. Ebenso mein Sohn (11), der die Geschichte kurz vor mir las.

Greg hat nicht viele Freunde. Genau genommen ist es nur ein einziger, nämlich Edwin, der während des kompletten Schulalltags zu Greg hält, auch wenn sich alle anderen über ihn lustig machen. Trotzdem findet Greg sein Leben ganz okay. Etwas komisch und merkwürdig zwar, aber okay. Das ändert sich allerdings, als Gregs Dad von einem ungewöhnlich großen und wütenden Etwas (einem Troll?) entführt wird. Denn nun erfährt Greg, dass er kein gewöhnlicher Junge, sondern ein Zwerg ist. Auch wenn sich das alles unglaublich anhört, möchte er seinen Vater zurückholen. Dabei hat Greg jedoch nicht den Konflikt zwischen Zwergen und Elfen bedacht. Und sein bester und einziger Freund Edwin ist ausgerechnet ein Elf.

Sonntag, 25. August 2019

"Exit Now!" von Teri Terry



Das Thema
Großbritannien nach dem Brexit: Die 15-jährige Sam lebt in einem goldenen Käfig. Hohe Mauern schirmen sie ab vor bettelnden Familien. Panzerglas schützt sie vor Bombenanschlägen. Auf Empfängen lächelt sie zu den Reden ihres einflussreichen Vaters. Doch als Sam die zwei Jahre ältere Ava kennenlernt, erwacht sie aus ihrer Erstarrung: Wieso gibt die Regierung den Jugendlichen die Schuld am Terror im Land? Warum kontrolliert die Polizei plötzlich ihre Handys und jede ihrer Bewegungen? Wohin verschwinden so viele Mädchen aus ihrer Schule? Sam und Ava fühlen sich, als würde ihnen die Luft zum Atmen genommen und sie wollen sich wehren. Aber wie, wenn das ganze Land sich gegen sie wendet?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Coppenrath Verlag


Endlich fahren drei Wagen ein. Als ich Dad aus einem aussteigen und ins Haus gehen sehe, ziehe ich die Vorhänge zu, mache das Licht an und schalte den Fernseher ein.
Ein bleicher Nachrichtensprecher mit ängstlichem Blick verliest die Neuigkeiten. Überall Aufstände. Plünderungen. Vandalismus. Es ist nicht mehr auszumachen, wer oder was dafür verantwortlich ist. Kann ja wohl schlecht alles auf das Konto der A4A gehen. Mir kommt es so vor, als würde sich jeder, der irgendwie unzufrieden ist, an der Zerstörung beteiligen.
- S. 153


Das Leseerlebnis
Die Bücher von Teri Terry habe ich alle (bis auf eines) gelesen. Sie gehören für mich zu den spannendsten überhaupt. Man wird völlig mitgerissen und während des Lesens sind die Nerven bis aufs Äußerste gespannt. Das neueste Buch "Exit Now!" spielt in keiner unbekannten Welt. Vielmehr ist es ein Prequel, eine Vorgeschichte zu den Ereignissen der Gelöscht-Trilogie (und die ist genial!). Es erzählt, wie sich die Situation entwickelt hat. Dazu greift die Autorin eine fiktive Entwicklung in England nach dem Brexit auf, die sich alles andere als unrealistisch darstellt. "Exit Now!" hat eigene Protagonisten und eine Handlung, die auch völlig eigenständig gelesen werden kann. Leser*innen werden danach aber wissen wollen, wie es weitergeht.

Die 15-jährige Sam, Tochter des Vize-Premierministers von England, lebt in London nach dem Brexit. Die Grenzen sind geschlossen, es kommt immer öfter zu Aufständen und Aktionen der Bevölkerung. Man merkt, dass die Menschen unzufrieden sind, die Gesellschaft gespalten ist. Statt den Diskurs zu suchen, greift die Regierung mit immer härteren und menschenverachtenden Maßnahmen durch, versucht Recht und Ordnung wieder herzustellen. Dabei gibt sie vor allen den Jugendlichen die Schuld an der Situation im Land.
Als Sam die Schülerin Ava kennenlernt, die von ihren Eltern als Nachhilfe für ihre Tochter engagiert wird, entwickelt sich zwischen den beiden mehr als Vertrautheit. Sam erkennt, dass seitens der Regierung großes Unrecht geschieht. Sie beschließt, sich zu wehren und Widerstand zu leisten. Als Tochter des Vize-Premierministers ist das genauso schwierig wie gefährlich.

Mittwoch, 21. August 2019

"Die goldenen Wölfe" von Roshani Chokshi



Das Thema
Paris zur Zeit der Weltausstellung 1889: Der wohlhabende Hotelier und Kunstexperte Séverin Montagnet-Alarie begibt sich mit einem Team aus Spezialisten auf die Suche nach einem besonders wertvollen Artefakt, dem Horus-Auge. Doch ihre Mission in das dunkle Herz der französischen Metropole ist voller Magie und Gefahren. Und was sie dort finden werden, dürfte die Welt verändern ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Arctis Verlag


"[...] Noch einmal möchten wir uns bei den beiden Häusern Frankreichs bedanken und ihre Bereitschaft honorieren, Gastgeber dieser Frühlingsauktion zu sein. Ehre, Haus Nyx. Ehre, Haus Kore."
Séverin hob die Hände, applaudierte aber nicht. Die lange Narbe auf seiner Handfläche schimmerte silbern im Licht des Kronleuchters - eine Erinnerung an das Erbe, das man ihm verwehrt hatte.
Als letzter Angehöriger der Montagnet-Alarie-Linie und Erbe von Haus Vanth flüstere Séverin dennoch: Ehre, Haus Vanth.
Vor zehn Jahren hatte der Orden die Blutlinie von Haus Vanth für ausgestorben erklärt.
Der Orden hatte gelogen.
- S. 16


Das Leseerlebnis
Zuerst ging ich bei "Die goldenen Wölfe" von einem Einzeltitel aus. Das ist aber nicht so, denn das Buch ist der Starttitel einer Fantasy-Trilogie. Zum Glück! Denn schon während des Lesens war klar, dass ich mehr will. Mehr von Autorin Roshani Chokshi. Und noch viel mehr von dieser genialen Geschichte! Hier stimmt nicht nur das überaus schön anzusehende Cover (das zudem noch perfekt zur Story passt), auch der Inhalt überzeugt sofort. Er fasziniert komplett, amüsiert aufs Allerbeste und ist spannend bis zum Schluss. Und jetzt sitze ich hier und frage mich, wie ich die Wartezeit bis zum Folgeband aushalten soll. Ein fieses Gefühl, aber gleichzeitig die Bestätigung, dass "Die goldenen Wölfe" ein top Reihenstart ist.

Im Frankreich des 19. Jahrhunderts gibt es vier Häuser des Ordens von Babel. Oder besser gab, denn mittlerweile sind nur noch zwei Häuser übrig geblieben. Der Orden von Babel schützt magische Fragmente, die Quelle aller Schmiedekunst (eine Art Magieausübung). Séverin ist ein Dieb und wurde selbst betrogen. Als der Erbe eines der nicht mehr vorhandenen Häuser möchte er sich selbst zu seinem Recht verhelfen, sein Haus wieder auferstehen lassen. Dafür lässt er sich auf einen gefährlichen Deal ein. Mit seinem Diebesteam macht er sich auf die Suche nach einem mächtigen Artefakt, das in den falschen Händen das Ende der bekannten Welt bedeuten könnte.

Montag, 19. August 2019

"Auf der Suche nach dem Kolibri" von Ava Dellaira



Das Thema
Marilyn weiß genau, wie ihre Zukunft aussehen soll: Nach der Schule will sie einfach nur weit weg, an ihrer Wunsch-Uni studieren und Fotografin werden. Dann lernt sie James kennen, der sie in ihren Träumen unterstützt, ihr aber auch zeigt, dass es sich lohnt, im Hier und Jetzt zu leben. Bis sie vom Schicksal auseinandergerissen werden.
Angie hat keine Ahnung, was sie mit ihrem Leben anfangen will. Sie weiß nur, dass sie unbedingt in Erfahrung bringen muss, was wirklich mit ihrem Vater James passiert ist. Laut ihrer Mutter Marilyn ist er bereits vor ihrer Geburt bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Aber dann findet Angie Hinweise darauf, dass ihre Mutter nicht die ganze Wahrheit erzählt hat. Mit ihrem Exfreund macht sie sich auf den Weg nach L.A., um endlich herauszufinden, woher sie kommt und wer sie ist.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Magellan Verlag


Ihre Blicke treffen sich. Und dann.
Sie tut es, weil die Möwen am Abendhimmel kreisen, weil die Palmen im warmen Wind rascheln, weil der Mond riesig und beinahe voll zwischen den Hochhäusern hervorlugt. Weil sie ihn gerade beim Fußball geschlagen hat, weil er noch immer der beste Freund ist, den sie je hatte, weil sie das Blut in ihren Adern rauschen fühlt. [...] Weil er verständnisvoll war, als sie ihm das Bild von ihren Eltern gezeigt hat. Weil sie sich mit ihm weniger allein fühlt. Weil sie ihrer Furcht entkommen will, das damalige Glück ihrer Eltern nicht wiederherstellen zu können. Und die tut es ohne Zögern. Sie küsst ihn.
  - S. 217/218


Das Leseerlebnis
Ava Dellaira ist die Autorin von "Love Letters to the Dead". Damit wurde sie auch im deutschsprachigen Raum bekannt. Gelesen habe ich ihr Debüt nicht. Ihre Premiere hatte die Autorin bei mir mit "Auf der Suche nach dem Kolibri". Und ja, ich habe mich vom wunderschönen Cover ködern lassen, ebenso wie von der Inhaltsbeschreibung. Die Geschichte ist auf der einen Seite melancholisch und stimmungsvoll, und auf der anderen überwältigend und verzweifelt-romantisch. Ich könnte die Attribute des Buches mit Adjektiven überschwemmen und habe doch nicht das Gefühl, der Geschichte auch nur in Ansätzen gerecht zu werden.

Im Buch geht es um James, den einen Vater, den Angie nie kennenlernen durfte, dessen Verbleib sie umtreibt, und den sie unbedingt aufklären will. Und es geht um Marilyn, Angies Mutter, die mit James glücklich war, bis sie auseinandergerissen wurden. Was ist damals passiert? Und warum hat Marilyn ihrer Tochter nie die Wahrheit über das Verschwinden von James gesagt?

Mittwoch, 14. August 2019

"Das Herz aus Eis und Liebe" von Renée Ahdieh



Das Thema
Nachdem der Schwarze Clan aufgeflogen ist und Ōkami gefangen genommen wurde, hat Mariko keine Wahl mehr. Sie muss Prinz Raiden und ihrem Bruder nach Inako folgen und sich als Braut des Prinzen den Gefahren und Intrigen stellen, die am Hof auf sie lauern. Von nun an sind Klugheit und Umsicht ihre Waffen. Damit will sie die Ränkeschmiede aufdecken und für Gerechtigkeit sorgen. Doch hinter jedem Geheimnis verbirgt sich ein weiteres. Werden Mariko und Okami aus diesem Lügennetz entkommen?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: One Verlag


Ein Grinsen hob eine Seite von Ōkamis Gesicht und betonte eine diagonale Narbe durch seine Lippen. "Mein Geist lebt auf einem Berg. Deiner lebt auf einem Feld. Sollte der Berg vor dem Feld niederknien?" Er entblößte weiße Zähne in einem dunklen Lächeln, dann nickte er in Richtung des Strohs vor ihm. "Oder wird das Feld auf mich zukriechen?"
"Du verräterisches Schwein." Mit einem Schritt in die Zelle zog Raiden seine Waffe zischend aus ihrer Saya. "Du wirst deinen himmlischen Herrscher mit Respekt ansprechen."
- S. 56


Das Leseerlebnis
Renée Ahdiehs Startitel der Samurai-Dilogie "Das Mädchen aus Feuer und Sturm" empfand ich als überraschend und unterhaltsam - einfach großartig. Die Autorin hat eine historisch-phantastische Geschichte geschrieben, die mit ihrem fernöstlichen Setting sofort in ihren Bann zieht und insgesamt komplett überzeugt. Mit "Das Herz aus Eis und Liebe" wird genau das fortgeführt und die zweiteilige Reihe zu einem vereinnahmenden Ende gebracht. Ich fand das Buch toll!

Nach einem, bzw. zwei Kapiteln einer Art Intro, wird sofort wieder klar, mit welch mitreißender und komplexer Geschichte man es hier zu tun hat. Danach geht es fast nahtlos mit Marikos und Ōkamis Schicksal weiter, darüber, dass eine große Ungerechtigkeit aufgeklärt, und die Ehre zweier Fürstenfamilien wieder hergestellt wird. Das ist das Grundgerüst, das sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, neben der Tatsache, dass Mariko wissen will, wer den Anschlag auf ihr Leben angeordnet hat, nach dem sie den Schwarzen Clan getroffen hat.
Ōkami hat sich dem neuen und grausamen Kaiser ausgeliefert und wird nun unter dem Palast gefangen gehalten. Er soll auf jeden Fall sterben. Gleichzeitig ist Mariko zu ihrem Verlobten, Prinz Raiden, in den Palast gezogen. Sie schmiedet Pläne, Ōkami zu befreien, die auch beinhalten, den Prinzen zu heiraten. Dunkle Mächte verfolgen im Kaiserpalast ein ganz eigenes Ziel und auch der Schwarze Clan formiert sich neu, um Recht und Ehre wieder herzustellen.

Sonntag, 11. August 2019

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Juli 2019

Kühlt der Sommer tatsächlich schon ein wenig ab? Hoffentlich nicht. Nun schaue ich aber erst mal zurück auf meinen Juli-Lesemonat, denn lesenswerte Geschichten gab es viele. Ich habe sommerlich schöne und humorvolle Bücher gelesen. Ebenso epische Fantasy und auch relativ harte Kost. Hinzu kamen fünf neue Bücher; manche überraschend, andere bewusst. Und zufällig sind alle in diversen Blautönen gestaltet. Der Inhalt macht neugierig.


Meine Buchzugänge im Juli - 5 Bücher



Donnerstag, 8. August 2019

"Glück und los!: Lina und die Sache mit den Wünschen" von Dagmar Bach



Das Thema
Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen, das wär's! Früher war Lina überzeugt, dass sie das kann und eine echte Glücksbringerin ist: Um sie herum gingen urplötzlich geheime Wünsche in Erfüllung. Doch das ist schon lange her. Und was genau es war, das die Wünsche wahr werden ließ, hat Lina nie herausgefunden. Schade eigentlich, denn nun hat sie selbst einen riesengroßen Wunsch: Sie will sich endlich, endlich richtig verlieben, mindestens auf den ersten Blick! Wild entschlossen versucht sich Lina wieder an der Sache mit den Wünschen. Leider enden all ihre Experimente im größten Chaos ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER KJB


Aber die Zwillinge zeigten weiterhin keine Reaktion.
"Bist du Vincent? Oder Arthur?", fragte ich den Linken von beiden, der mich durch seinen dunkelbraunen Haarvorhang anstarrte. [...]
Nachdem der nix sagte, probierte ich es mit dem anderen.
"Äh, und du bist ...?"
Ich erntete einen mürrischen Blick. "Hundemüde. Können wir jetzt fahren, bitte?"
"Also, Papa, du hast es gehört. Hundemüde und der Schweiger wollen heim."
- S. 15/16


Das Leseerlebnis
Ende 2018 hat Dagmar Bach ihre ZIMT-Trilogie mit einem Sequel beendet. An die Bücher, jedes einzelne davon, denke ich heute noch gerne zurück. Die Reihe ist komplett wunderbar. Im erwähnten ZIMT-Sequel gab es bereits eine Begegnung mit Lina, der Hauptprotagonisten aus "Glück und los!", das der Beginn einer neuen Reihe der Autorin ist. Und natürlich stand das Buch ganz oben auf meiner Leseliste. Ich erwartete eine jugendlich-charmante und zauberhafte (im wahrsten Sinne des Wortes) Geschichte mit viel Humor. Und genau diese habe ich auch bekommen. Ein sehr süßer und großer Lesespaß!

Die Sache mit Lina und den Wünschen ist vielleicht Zufall, vielleicht aber auch nicht. Schon immer galt sie als Glücksbinger der Familie, was auch an dem traditionellen Familienpostfach liegt, an das Kinder ihre Herzenswünsche schicken können. Momentan hat Lina aber noch viel mehr im Kopf, ihr Leben als turbulent zu beschreiben, wäre untertrieben. Mit den Zwillingen von Papas Freundin wird die Patchworkfamilie zwar komplett, aber auch um einiges komplizierter und gewöhnungsbedürftiger. Und als Lina sich den neuesten Mitteilungen aus dem Wunschpostfach annimmt, und alles daransetzt, die Wünsche darauf zu erfüllen, geht die Sache ganz schön nach hinten los. Statt Wunscherfüllung folgt ein riesengroßes Chaos. Aber warum nur? Irgendetwas stimmt doch da nicht.

Sonntag, 4. August 2019

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Spinster Girls: Was ist schon Liebe?" von Holly Bourne



dtv Verlagsgesellschaft (Juni 2019), Band 3,
Klappenbroschur, 448 Seiten,
übersetzt von Nina Frey,
10,95 € [D]


Alles, was Amber will, ist ein bisschen Liebe von ihrer Mutter. Über die Sommerferien reist Amber zu ihr nach Kalifornien. Sie hofft, dort all die Fragen stellen zu können, die ihr schon lange auf der Seele brennen. Und dann verliebt sie sich auch noch. Ausgerechnet in Kyle, das wandelnde amerikanische Surfer-Klischee, hinter dem alle Mädchen her sind. Zum Glück hat sie ihre besten Freundinnen, Evie und Lottie, mit denen sie den Sommer über via Smartphone und Skype in Verbindung bleibt und die ihr mit Rat und Tat und jeder Menge Mädelspower zur Seite stehen. (Cover- und Textrechte: dtv Verlagsgesellschaft)


Ich betrat das, was die nächsten sechs Wochen mein Zuhause sein sollte. Es war schlicht. Ein schmales Bett, ein winziger Schrank, ein Nachttisch. Das war's. Und da war es, mein Foto. Von mir und Mum. Gerahmt auf dem Nachttisch, der auf wackeligen Beinen schwankte, wenn man auf ihn zuging. [...]
Meine Finger prickelten.
Warum stand das im Gästezimmer und nicht in ihrem Schlafzimmer? Kam Mum nur herein und sah es sich an, wenn sie in der Stimmung war, sich an ihre Tochter zu erinnern?
- S. 49


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Mit "Was ist schon Liebe?" ist jetzt endlich der dritte Band der Spinster Girls-Trilogie erschienen. Es geht um drei Freundinnen, Evie, Lottie und Amber, die den Spinster Club gegründet haben, um gemeinsam über Themen des Feminismus zu diskutieren. In jedem Buch spielt eines der Mädchen die Hauptrolle, dieses Mal Amber. Die Geschichte unterscheidet sich in der Hinsicht, dass Amber zu ihrer Mutter in die USA fliegt, sie hat also ihre zwei Freundinnen nicht direkt um sich. Rat holt sich Amber von Evie und Lottie per SMS oder Videochat. Dadurch liest sich das Buch auch etwas anders als die beiden Vorgänger, aber mindestens genauso gut.
  2. Die Beziehung zwischen Amber und ihrer Mutter ist stark belastet. Denn die alkoholkranke Frau hat Ambers Familie nach einer Therapie verlassen, um mit einem neuen Partner in den USA zu leben. Amber hofft, ihrer Mutter wieder ein Stück näher zu kommen, indem sie den Sommer bei ihr in Kalifornien verbringt. Doch das scheint nicht der Fall, im Gegenteil. Amber wird enttäuscht und mit allem konfrontiert, vor dem sie Angst hatte. Zum Glück hat sie Freunde, die zu ihr halten und sie hat den Mut, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
  3. Die inhaltliche Zusammenfassung des Buchs hört sich irgendwie hochdramatisch und überhaupt nicht lustig an. Ich kann aber sagen, dass "Was ist schon Liebe?" ein tolles Leseerlebnis ist. Ein Sommerbuch mit viel Humor, aber auch mit Anspruch und ein paar dramatischen, aber plausiblen, Höhepunkten. Die über 400 Seiten lesen sich weg wie nichts, und auch die Atmosphäre, inklusive Ambers Erlebnissen in den USA, passt wunderbar zur Geschichte.
  4. Leider war das Thema Feminismus in diesem Band eher ein Nebenprodukt, bzw. wurde mir zu wenig abgegrenzt. Und war das nicht das Hauptanliegen der Autorin? Hier geht es eher darum, seinen Weg zu finden und Mut zu haben. In diesem Kontext finde ich Ambers Sprache und Meinungen auch nicht sehr feministisch, sondern teilweise vorurteilsbelastet, verletzend und diskriminierend. Alkohol spielt auch in diesem Buch eine große Rolle, allerdings hier in einem Zusammenhang, der wachrütteln sollte.
  5. Als die Geschichte dem Ende zuging, hätte ich noch ewig weiterlesen können. Man merkt, dass die Autorin ursprünglich einen Road-Trip-Roman geplant hatte. Das fand ich klasse! Trotzdem ist der Schluss völlig okay und gut gewählt. Bis auf Kleinigkeiten, die mir während des Lesens auffielen, hatte ich viel Spaß und eine tolle Zeit mit "Was ist schon Liebe?".

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

frech-lustig, schmökerig, sommerlich, fühlbar und entschlossen



Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Spinster Girls: Was ist schon Liebe?" ist leider schon der letzte Band der Spinster Girls-Trilogie. Jedes der Bücher war ein tolles Leseerlebnis, auch dieses. Ambers Geschichte hat mich mitgerissen, amüsiert und manchmal auch erschreckt. Es ist nicht nur ein wunderbares Sommerbuch, sondern auch eine Geschichte über Mut und eigene Entscheidungen. Dass das ursprüngliche Thema der Reihe, Feminismus, in dieser Geschichte gefühlt etwas zu kurz kam, ändert an der guten Zeit mit "Was ist schon Liebe?" nichts. Ich mochte das Buch sehr!


© Damaris liest.



Reiheninfo Spinster Girls-Trilogie:

Band 1 - Was ist schon normal?
Band 2 - Was ist schon typisch Mädchen?
Band 3 - Was ist schon Liebe?




Donnerstag, 1. August 2019

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im August 2019

Der August ist immer ein Killermonat für Büchermenschen. So viele Neuerscheinungen! Wunschlisten werden platzen, Kontostände leiden und Buchhändler*innen sich (hoffentlich) freuen. Alle Büchersüchtigen freuen sich über eine Flut an Auswahl neuer Bücher. Auch ich habe mich umgeschaut und mir einundzwanzig buchige Neuerscheinungen rausgepickt, die ich sofort meiner Wunschliste hinzufügen werde. Einundzwanzig!


Fantasy - Dystopie - Magie

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


 

Die Goldenen Wölfe von Roshani Chokshi ... ist mir zu allererst wegen des wunderhübschen Covers aufgefallen. Es geht um eine Schatzsuche zur Zeit der Pariser Weltausstellung 1889 und soll in einer faszinierenden Welt voller Magie spielen.
King of Scars: Thron aus Gold und Asche von Leigh Bardugo ... Die Bücher von Leigh Bardugo sind nach der Grischa-Trilogie, Krähen-Dilogie und diversen Kurzgeschichten für mich ein muss. "Thron aus Gold und Asche" ist der Beginn einer neuen Dilogie über Nikolai Lantsov, den jungen König von Ravka. Das Buch spielt im Grischa-Universum, kann aber als unabhängige Reihe gelesen werden.


  

Sonntag, 28. Juli 2019

5 (Bücher) vom SuB #2


2019 soll das Jahr sein, in dem ich endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff nehme. Das ist mir wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschen, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Und weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der Anfang wurde bereits mit 5 (Bücher) vom SuB #1 gemacht. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Weiter geht's ...


Nur drei Worte vom Becky Albertalli
Simon vergisst in der Schule versehentlich, sich von seinem Mail-Account abzumelden. Und weil ein Mitschüler nun von den Mails zwischen Simon und Blue weiß, wird er erpresst. Denn Simon ist schwul, möchte aber selbst bestimmen, wann er sein Coming-out hat. Hoffentlich bekommt Blue nichts von den Erpressungsversuchen mit, denn Simons Leben ist auch so schon kompliziert genug.

"Nur drei Worte" ist ein sehr menschlich-sympathischer Coming-out-Jugendroman mit einem tollen Hauptprotagonisten. Simon lässt Leser*innen direkt in sein Inneres blicken, hat einen tollen Humor, aber auch Ängste und übersprudelnde Gefühle. Die Handlung wirkt spritzig-natürlich, nur selten ein bisschen inszeniert. Man kann das Buch fast in einem Rutsch durchlesen. Ich empfand es als herzlich und wunderbar und irgendwie auch jugendlich romantisch, auch wenn mir an ein bis zwei Stellen zu viele Klischees bedient wurden. Am Ende war ich dann sehr glücklich mit dem Buch.


Im Herzen der Zorn von Elizabeth Miles
Em hat mit den Furien einen Pakt geschlossen. Weil sie aber nicht darüber reden darf, scheint ihre große Liebe JD nun für sie verloren. Em verändert sich zusehends, möchte aber um JD kämpfen.
Gleichzeitig taucht ein neues Mädchen in Ascension auf. Skylar möchte ihr altes Leben hinter sich lassen und endlich beliebt und geschätzt werden. Dafür freundet sie sich mit Meg an und ihr Plan, zu den beliebtesten Jugendlichen zu gehören, scheint aufzugehen. Doch sie hat keine Ahnung, wer Meg wirklich ist.

Band 1 der Furien-Trilogie "Im Herzen die Rache" lag schon so lange zurück, dass ich das Buch vor diesem zweiten Band nochmals gelesen habe. Das war auch sinnvoll, ich konnte mich nur noch bruchstückhaft an die Handlung erinnern. "Im Herzen der Zorn" gefiel mir grundsätzlich gut, das Buch war intrigant, mit sehr spannenden und oftmals auch gruselig-abgedrehten Stellen. Doch es gehört auch zu den Büchern, deren Zeit für mich irgendwie vorbei ist. Ich ging davon aus, diese Trilogie im Regal behalten zu wollen, weiß aber jetzt schon, dass ich mich von ihr trennen werde ... nach dem Lesen von Band 3.

Mittwoch, 24. Juli 2019

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Immer kommt mir das Leben dazwischen" von Kathrin Schrocke



Mixtvision Verlag (Juli 2019),
Hardcover, 192 Seiten,
14,00 € [D]

Seit Karl im Traum sein toter Opa erschienen ist, will er unbedingt Youtube-Star werden. Aber immer kommt ihm etwas dazwischen: Seine Oma will in eine Hippie-WG ziehen, sein Schwarm Irina schleppt eine Katzenfrau als ersten Follower an und seine oberschlauen Cousins lüften ein Familiengeheimnis. Als sich dann auch noch die Polizei an Karls Fersen heftet, ist das Chaos perfekt ... (Text-, Cover- und Zitatrechte: Mixtvision Verlag)


Im Traum hat mir Opa empfohlen, die Schule zu schmeißen. Er gab mir den Rat, Youtube-Star zu werden, unglaublich viel Kohle zu scheffeln und die eingebildeten Mädels aus meiner Klasse links liegen zu lassen.
Danach bin ich mit einem fetten Grinsen im Gesicht aufgewacht. Das war die erste spirituelle Berufsberatung in meinem Leben!
- S. 5


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Ein Sommerabend im Juli. Ich sitze im Garten (den ich eigentlich noch aufräumen wollte) und greife zu "Immer kommt mir das Leben dazwischen". Knapp 200 Seiten ist die Geschichte schlank, motiviert dadurch ungemein, um nur mal kurz reinzulesen. Dachte ich. Denn nach den ersten Seiten war klar, ich lasse den Garten Garten sein und lese lieber weiter. Das Buch ist herrlich!
  2. Herrlich lustig, herrlich verrückt und herrlich warmherzig, so liest sich Kathrin Schrockes Roman, der sehr nah an den aktuellen Interessen der jugendlichen Zielgruppe geschrieben ist: Youtube, Minecraft, Smartphone und erste Liebe. Aber nicht ohne etwas Selbstironie und Augenzwinkern. Dazu kommen die vielen turbulenten und charmant-komischen Erlebnisse des 13-jährigen Karl, der die Geschichte erzählt. Ihm ist es auch geschuldet, dass ich das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekam oder alle drei Seiten laut auflachen musste (die belustigten Blicke meiner Kinder inklusive).
  3. In Karls Familie geht es drunter und drüber. Zuerst erscheint ihm im Traum sein toter Opa und empfiehlt ihm Youtube-Star zu werden und die Schule hinzuschmeißen. Sehr zum Missfallen von Karls Avocado liebenden Eltern natürlich. Genau diese trennen sich dann aber auf Zeit, was Karls Leben nicht einfacher macht. Und dann will auch noch seine Oma in das Wohnprojekt Mehrgenerationenhaus, eine stadtbekannte Hippie-WG, ziehen. Und weil davon niemand erfahren soll, organisieren Karl und seine kuriosen Cousins (Master und Desaster!) den Umzug.
  4. Doch die Geschichte ist mehr als die reine Aneinanderreihung von cool-witzigen Ereignissen oder der Humor, der sich durchs ganze Buch zieht. Feinfühlig wird die Gedankenwelt des jungen Karl dargestellt, dessen Leben ganz sicher nicht nur aus Turbulenz und Sonnenschein besteht. Es ist ebenso eine  Pubertäts- wie auch eine Familiengeschichte.
  5. Am Ende war mir klar, ich werde dieses Buch behalten und für meine Kinder bewahren. Sie müssen das lesen! Vielleicht in ein bis zwei Jahren (oder doch schon früher?) Wirklich klasse!

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

punktgenau, witzig, turbulent, feinfühlig und herzlich



Zusammengefasst vom Fazitbär:
Wer meint, nur mal eben in "Immer kommt mir das Leben dazwischen" reinlesen zu wollen, der wird schnell eines Besseren belehrt. Denn einmal damit begonnen, ist es fast nicht möglich das Buch zur Seite zu legen. Die Geschichte ist vordergründig herrlich crazy und witzig, wurde am Zahn der Zeit (und mit ganz viel Herz) geschrieben, besitzt aber auch viel Feingefühl für ihre Protagonisten und damit die jugendliche Zielgruppe. Nicht verpassen, unbedingt lesen!


© Damaris liest.




Dienstag, 23. Juli 2019

"Mitternacht" von Christoph Marzi



Das Thema
Es gibt einen Ort, an dem die Geister leben, eine Welt, die unsere berührt, eine Stadt, in der mit Geschichten und Albträumen Handel getrieben wird. Ein Missgeschick lässt Nicholas James, den alle nur den "gewöhnlichen Jungen" nennen, diese Welt betreten - und alles ändert sich: Peter Chesterton, ein reisender Geist, nimmt sich seiner an. Das Findelgeistmädchen Agatha stiehlt sein Herz. Und etwas, das im Dunkeln lauert, gewinnt an Macht. Die Wege, die Nicholas beschreitet, führen ihn dorthin, wo alle Hoffnungen geboren und alle Träume gestorben sind, an einen Ort, den die Geister voller Ehrfurcht "Mitternacht" nennen. Eine Geschichte von der Macht der Bücher und der Gefahr des Vergessens, in einer Welt der Geister.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Piper Verlag


Er lächelte verschlafen und zufrieden, drehte sich auf dem schmalen Bett zur Seite und knüllte sich das Kopfkissen bequem.
In dem Moment bemerkte er die Silhouette des Mannes, der neben seinem Bett stand und ihn beobachtete. Das war der Augenblick, in dem sich sein Leben änderte und die Dinge ins Rollen kamen.
"Wer sind Sie?" Nicholas setzte sich ruckartig auf. Das Herz schlug ihm auf einmal bis zum Hals.
Der Mann, der nur ein Schatten und darüber hinaus noch sehr dünn war (ein dünner Schatten, könnte man sagen), erschrak ebenfalls. So jedenfalls schien es. Er fuhr zurück, ein wenig nur, machte aber keine Anstalten abzuhauen. "Niemand", sagte er leise.
- S. 10


Das Leseerlebnis
Christoph Marzi schreibt beeindruckende und mitreißende Bücher. Darum hatte ich sein neuestes Buch "Mitternacht" auch seit der Ankündigung auf dem Schirm. Der Erscheinungstermin verschob sich mehrfach, doch endlich war es da ... und ja, es hat mich mitgerissen. Das Buch kann, egal ob es irgendwann fortgeführt werden sollte, als Einzelband gelesen werden. Die Geschichte ist top, bis auf eine Einschränkung, weshalb mir eine Bewertung auch unglaublich schwer fällt. Ich versuche es trotzdem.

Nicholas James lebt auf einem Hausboot in London. Er verdient seinen Lebensunterhalt als Autor, allerdings hat er bis dato erst ein einziges Buch veröffentlicht (das für die Geschichte aber von großer Relevanz ist). Eines nachts sieht er einen Mann, den er eigentlich nicht sehen dürfte. Durch ihn gelangt er in ein alternatives London, eine Geisterwelt. In dieser ist es den dort lebenden Geistern wichtig, dass ihre Geschichten, die Erinnerung an sie, lebendig bleiben. Denn sonst verblassen die Geister und lösen sich auf. Dadurch entsteht im Geisterlondon ein Handel mit Geschichten, in den auch Nicolas hineingezogen wird. Es wird für ihn sehr gefährlich und nervenaufreibend.

Samstag, 20. Juli 2019

Meine Lieblingsbücher aus dem Magellan Verlag & "Happy Birthday, Magellan!"-Gewinnspiel (Werbung)

Am 21. Juli feiert der Magellan Verlag seinen 5. Geburtstag. Nicht umsonst nennt er sich "Der Verlag mit dem Wal", ist doch das Logo ein äußerst niedlicher und einprägsamer kleiner Wal. Wow, wohin ist nur die Zeit verschwunden? Ich kann mich erinnern, wie aufgeregt und freudig ich war, als ich von der Gründung dieses neuen Kinder- und Jugenbuchverlags hörte. Unabhängig, unwiderstehlich und besonders nachhaltig. Das konnte nur gut werden, und das wurde es auch. Ein begeistertes Happy Birthday, Magellan! kommt darum von Herzen und ich freue mich auf viele weitere Bücher vom Wal.

Innerhalb der letzten fünf Jahre habe ich einige Bücher des Verlags gelesen. Nicht wenige haben bei mir einen solch bleibenden Eindruck hinterlassen, dass ihnen für immer ein Ehrenplatz in meinem Regal sicher ist. Meine kleine und feine Sammlung Magellan-Bücher kannst du auf dem Bild sehen. Drei Bücher kürte ich bisher zum Lieblingsbuch. Mit ihnen hatte ich nicht nur allerbeste Lesestunden, sie vermittelten mir dieses ganz spezielle Gefühl, diese besondere und enthusiastische Liebe zum Buch. Gerade fällt mir übrigens auf, dass ich ein Buch für das Foto vergessen habe. Wie schade, auch wenn es noch nicht gelesen wurde; "Mein Weg aus unsichtbarer Tinte" ist ausgerechnet von der Autorin meines liebsten Magellan-Lieblingsbuches ... und das folgt gleich.

Mittwoch, 17. Juli 2019

"Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt" von Carol Weston



Das Thema
Vierzehn zu sein ist hart, findet Sofia. Und es ist noch härter, wenn man gerade seine Mutter verloren hat. Als würde man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmen. Aber zum Glück gibt es "Frag Kate", einen Online-Ratgeber, dem Sofia sich anvertraut. Nie hätte sie gedacht, wohin der E-Mail-Austausch führen würde! Sofias komplettes Leben wird auf den Kopf gestellt! Doch Veränderungen können durchaus etwas Positives sein - besonders, wenn man dabei einem süßen blonden Jungen namens Sam begegnet. Und Sofia ist nun auch nicht mehr jeden Tag traurig. Manchmal ist sie sogar richtig glücklich. Und sie begreift: Wenn du immer weiterkletterst, wirst du mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Du siehst, was hinter dir liegt, was vor dir liegt und: was in dir steckt.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carl Hanser Verlag


Jedes Jahr Anfang Dezember suchten wir uns auf dem Broadway einen Baum aus und schleppten ihn nach Hause in die 93. Straße. [...] Dann schmückten wir ihn gemeinsam und hörten dabei Weihnachtslieder, von 'Jingle Bells' bis 'Feliz Navidad', während Pepper, unser schwarzer Kater, um uns herumflitzte und mit der Tatze nach den niedrig hängenden, mausgroßen Kugeln schlug.
Das war unsere Familientradition. Ich hatte immer gedacht, es würde ewig so weitergehen.
Aber am 7. April war Mom gestorben, und mit ihr ein Teil von mir.
- S. 16


Das Leseerlebnis
Es gibt Bücher, die gewinnen meine Aufmerksamkeit alleine durch den Titel. Okay, und vielleicht in diesem Fall auch noch durch meine bevorzugte Farbgestaltung (türkis und verspielt). Auf "Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt" traf das vollständig zu. Der Titel klingt fröhlich und beschwerlich, lustig und traurig - machte mich darum sofort neugierig. Die Geschichte ist sehr herzlich und einfühlsam ... und sie zeigt auf, dass tiefe Trauer und persönliches Glück ganz nah beieinander liegen können.

Schon der Anfang berührte mich sehr. Sofia, die fast 15-jährige Hauptprotagonistin spricht ihre Leser*innen direkt an, indem sie darauf hinweist, dass die Geschichte an sich ziemlich traurig ist, anfangs zumindest. Dass das letzte Jahr sehr schlimm und ziemlich hart für sie war.
Sofia ist in New York City aufgewachsen und ihre Kindheit war wundervoll. Bis plötzlich, und völlig unvorhergesehen, ihre Mutter starb. Zwar geht es Sophia mittlerweile wieder besser (sofern es einem innerhalb eines knappen Jahres besser gehen kann), doch die Trauer sitzt tief. Als sie an "Frag Kate", einen Onlineratgeber schreibt, erhält sie prompt Antwort. Sofias Leben ändert sich komplett, und sie erkennt, dass neu nicht unbedingt schlecht bedeuten muss, dass sie trauern und gleichzeitig glücklich sein kann.

Mittwoch, 10. Juli 2019

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Juni 2019

Mein Vorsatz, mich 2019 vermehrt meinem SuB, meinen "alten", ungelesenen Büchern, zu widmen, geht nur langsam voran. Aber wie heißt es so schön: Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich bleibe also dran. Zum Glück (für mich) lese ich momentan mehr Bücher als neue dazukommen. Das macht es leichter, mein Ziel im Auge zu behalten. Ich habe noch viele schöne Bücher vor mir und kann mich auf einige Schätze freuen. Drei Bücher habe ich im Juni ins Regal gestellt, acht Bücher gelesen.


Meine Buchzugänge im Juni - 3 Bücher



Dienstag, 9. Juli 2019

"Dumme Ideen für einen guten Sommer" von Kiera Stewart



Das Thema
Für die 12-jährige Edie ist die Aussicht auf die Ferien so schlimm wie nie. Mit ihrer peinlichen Familie muss sie in einer Kleinstadt in Florida ausharren, um das Haus der verstorbenen Großmutter Petunia auf Vordermann zu bringen. Ihr einziger Trost: die Gesellschaft ihrer supercoolen Cousine Rae. Als die beiden eine Liste mit Petunias Ideen für den Sommer finden, beschließen sie Punkt für Punkt abzuhaken. Die vermeintlich guten Ideen stellen sich dabei eher als albern und unvernünftig heraus - doch manchmal sind es genau solche, die man für ein Abenteuer braucht.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


Während ich noch über ihre Antwort staune, saust über uns etwas vom Himmel. Blätter rascheln, Äste schwanken und ich erstarre. Eine Fledermaus! Eine Hexe! Hilfe!
"Das war wahrscheinlich eine Eule oder so was Ähnliches", sagt Rae.
Oder so was Ähnliches. Ich wünschte wirklich, sie würde so etwas nicht sagen. Bleiben wir doch einfach bei Eule. Definitiv eine Eule. Ein entzückendes, schuhuendes kleines Ding, das weise und freundlich ist. Damit sind wir auf der sicheren Seite.
- S. 105


Das Leseerlebnis
Ach schön, ein Sommerbuch für junge Leser*innen, das nach großem Lesespaß mit Tiefsinn klingt. Genau so waren meine Gedanken, als ich einen ersten Blick auf "Dumme Ideen für einen guten Sommer" warf. Es geht um Edie, die, an der Schwelle zur Jugendlichen, mitten im Hochsommer nicht nur bildlich über ihren Schatten springt. Das enthält zwar weniger Tiefsinn als gedacht, dafür mehr Nachdenklichkeit und ist herrlich lustig und charmant-verrückt erzählt.

Die fast 13-jährige Edie fühlt sich ohne ihre beste Freundin Taylor als ziemliche Aussenseiterin. Und jetzt fährt Taylor auch noch alleine auf die Sommeranfangs-Zeltparty, für die Edie von ihren Eltern keine Erlaubnis bekam. Stattdessen muss Edie mit ihrer Familie nach Florida fahren, um dort das Haus ihrer verstorbenen Großmutter Petunia zu renovieren. Stinklangweilig! Zum Glück ist auch Rae vor Ort, Edies coole Cousine. Gemeinsam entdecken die beiden eine Liste, auf der Großmutter Petunia Ideen für den Sommer 1962 gesammelt hat. Die beiden Mädchen beschließen die Liste umzusetzen ... und vielleicht wird dieser Sommer ja doch nicht so langweilig, wie Edie gedacht hatte.

Dienstag, 2. Juli 2019

"Die Entflohene" von Violaine Huisman



Das Thema
Ihr Fahrstil war sportlich, mit quietschenden Reifen fuhr sie über jede rote Ampel der Champs-Elysées, in der linken Hand die Zigarette, in der rechten das Steuer, auf dem Rücksitz die beiden Töchter. Catherine konnte ausrasten, ihre Kinder unflätig beschimpfen, um sie gleich danach in Liebe zu ertränken. Die kleine Violaine und ihre Schwester lieben die Mutter abgöttisch, aber sie ist krank, sie ist manisch-depressiv. Mit gnadenloser Aufrichtigkeit und großer Wärme erinnert sich Violaine Huisman an ihre schöne, witzige und widersprüchliche Mutter. Ein temporeicher, aufwühlender Roman über eine sehr unkonventionelle Familie.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: S. FISCHER


Seht zu, wie ihr zurechtkommt!, das war der ewige Refrain ihrer Litaneien, sie sagte, wir sollten uns verpissen und nicht dauernd angeschissen kommen, wir sollten mal damit aufhören, auf die ganze Welt zu scheißen, wir sollten endlich kapieren, dass sie sich einen Scheiß für die Fragen und Sorgen verhätschelter fauler Gören interessierte. Sehr zu, wie ihr zurechtkommt, ihr kotzt mich an mit euren bescheuerten Problemen! Das war aber nicht das Ende von Mamans Beschimpfungen, in der Regel fingen sie so erst an. - S. 12


Das Leseerlebnis
Violaine Huismans Roman "Die Entflohene" war nicht nur eine persönliche Empfehlung an mich, das Buch, bzw. die Geschichte ist zudem ein autobiographisches Debüt, weckte darum sofort mein Interesse. Ich kann kaum ermessen, wie weit die eigenen Erinnerungen zurückreichen, wie stark das Buch die Wirklichkeit wiedergibt. Seine Wirkung verfehlt es nicht. Der Roman ist eine Hommage an die eigene Mutter, die, manisch-depressiv und sehr exzentrisch, einen großen Einfluss auf das Leben ihrer Töchter hatte. Aus der Geschichte spricht ebenso Kritik wie Akzeptanz, Verstörung wie Verherrlichung ... und bedingungslose Liebe.

Der Erzählstil von "Die Entflohene" ist hochwertig und ausdrucksstark, passend zum feudalen Leben von Mutter und Töchtern in einem Frankreich der 1980er Jahre und früher. Dass dies ein eher anspruchsvolles Lesen ist, wird bereits beim ersten Satz klar, der sich verschachtelt über eine vollständige Buchseite zieht. Als Leserin wuchs ich an jeder Seite, lernte die Stimme der Autorin zu deuten und wurde mehr und mehr in die Geschichte gezogen.

Sonntag, 30. Juni 2019

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Juli 2019

Juli bedeutet Sommer, Hitze und hoffentlich viel Lesezeit. Gerade wird es mir nach der Mittagszeit auf der Terrasse fast schon zu warm zum Lesen, selbst im Schatten. Ohne Ventilator geht da gar nichts mehr. Aber ein kühles Plätzchen findet sich fast immer und darum habe ich auch gerne durch die Buchneuerscheinungen für Juli gestöbert. Elf Bücher, die mich besonders interessieren, wandern auf meine Wunschliste. Auf dass der Lesestoff nie ausgeht!


Fantasy - Sci-Fi - Geister - Mystery

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


  

Mittwoch, 26. Juni 2019

"River of Violence" von Tess Sharpe



Das Thema
Harley ist acht, als sie ihrem Vater das erste Mal dabei zusieht, wie er einen Widersacher abknallt. Der Drogenbaron hat mehr Waffen geschmuggelt, mehr Meth gekocht, mehr Männer getötet, als irgendwer anders in der Gegend. Nun, da sie erwachsen ist, arbeitet Harley für ihn, stützt sein System und wird als seine Nachfolgerin gehandelt, obwohl sie den ewigen Kreislauf aus Mord, Leid und Rache hasst und durchbrechen möchte.
Gleichzeitig tritt die mächtige Springfield-Familie auf den Plan, Dukes größte Konkurrenz im Drogengeschäft, und inmitten dieses blutigen Revierkampfes muss Harley sich entscheiden: Für die Familie, ihren Vater, das System - oder für ihr Leben und ihre Freiheit.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: bold


Ich bin acht, als ich zum ersten Mal erlebe, wie mein Daddy einen Mann umbringt.
Ich soll es natürlich nicht sehen. Aber in den ersten Wochen nach Mommas Tod streune ich wild durch die Gegend, sobald mich Onkel Jake aus den Augen lässt.
Die meiste Zeit verbringe ich im Wald, spiele oben in den Hochsitzen oder probiere aus, wie weit ich auf Bäume hinaufklettern kann, wenn keiner mir hilft. Manchmal weine ich, weil Momma mir so fehlt, ich kann einfach nicht anders.
Aber wenn Daddy dabei ist, lasse ich es lieber.
- S. 9


Das Leseerlebnis
Spannung und eine eindrückliche Story - das versprach ich mir von "River of Violence", dem Thriller aus dem ersten Programm des neuen Verlagsimprints bold. Autorin Tess Sharpe soll hier einen harten und schonungslosen Roman vorgelegt haben, der auch noch meisterhaft geschrieben ist. Meine Erwartungen an das Buch wurden erfüllt, ich bin praktisch durch die Seiten gerast. Es ist schwer, Harley bei ihren Erlebnissen zuzusehen, aber mindestens genauso schwer, wegzuschauen.

Harleys Bestimmung ist es, eines Tages das Waffen- und Drogenimperium von Duke, Harleys Vater, zu übernehmen. Duke hat seine Tochter schon immer auf ihre Zukunft als Kopf der Familie McKenna vorbereitet - mit fragwürdigen Methoden und knallharter Hand. Und weil Harleys Mutter von einem Rivalen umgebracht wurde, wird die Sache nur noch verschärft und unumgänglich. Nach Duke ist Harley die Nummer zwei, sie kennt es nicht anders, und erkämpft sich die Loyalität seiner Mitarbeiter. Harley ist im Grunde nicht viel anders als ihr Vater und doch ist sie ihr Leben aus Gewalt und Rache leid. Ein Entkommen scheint unmöglich, als Harley einen Plan schmiedet.

Donnerstag, 20. Juni 2019

"Tödliches Spiel in Hongkong: Der sechste Fall für Wells & Wong" von Robin Stevens



Das Thema
Als Hazels geliebter Großvater stirbt und sie nach Hause reisen muss, freut sich Daisy, ihre Freundin in das fremde Hongkong begleiten zu dürfen. Doch als sie bei Hazels Familie eintreffen, entdecken sie zu ihrer Überraschung ein neues Familienmitglied: Baby Teddy. Daisy und Hazel finden, dass Baby Teddy schon genug Aufmerksamkeit bekommt, doch da stecken sie auf einmal mitten in einem neuen Abenteuer. Bevor sich Hazel an ihren neuen Bruder gewöhnen kann, wird Teddy entführt - und Hazel gerät sogar unter Mordverdacht! Die Mädchen müssen so gut wie niemals zuvor zusammenarbeiten und sich geheimnisvollen Verdächtigen und fadenscheinigen Detektiven stellen, um den Fall aufzuklären. Und dabei haben sie einen mächtigen Verbündeten ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knesebeck Verlag


"Hazel Wong, sei kein Kamel", sagte Daisy. "Nirgends in der Welt wäre ich liebe als hier. Natürlich ist es ganz anders als in England, genau das macht es ja so faszinierend. Ein feiner Detektiv wäre ich, würde ich auf dem Absatz kehrt machen und mich nach Hause trollen, nur weil mir ein Geruch nicht gefällt! Alles wird großartig, Hazel. Das Einzige, was jetzt noch fehlt, ist ..."
"Sag es nicht!", unterbrach ich sie schnell. Nicht hier. Wir sind wegen meines Großvaters in Hongkong, Daisy, das ist der einzige Grund."
- S. 29


Das Leseerlebnis
Es ist kaum zu glauben, aber "Tödliches Spiel in Hongkong" ist bereits Band 6 der charmant-spannenden Ein Fall für Wells & Wong-Reihe ... und weitere Bände werden folgen. Es kommt nicht mehr oft vor, dass eine Buchreiche so umfangreich ist und vor allem, dass ich das Gefühl habe, jeden einzelnen Band davon lesen zu müssen. Aber hier ist das so. Robin Stevens Krimireihe für junge Leser*innen hat Besonderheit und Charme, eben das gewisse Etwas, nach dem ich bei Jugendbüchern suche. Jedes Buch für sich ist für mich eine große Lesefreude. "Tödliches Spiel in Hongkong" hat sich da sofort angeschlossen.

Dieses Mal ermitteln Daisy Wells und Hazel Wong im fernen Hongkong. Eigentlich sollte es hier nicht sehr turbulent und spannend zugehen, denn die Mädchen sind mit dem Schiff nach Hongkong zu Hazels Familie gereist, weil ihr Großvater verstorben ist. Und obwohl Daisy auch hier einen Fall wittert, ist es Hazels Babybruder Teddy, der für Aufregung sorgt. Nicht nur, dass Hazel nichts vom jüngsten (und verehrten) Familienmitglied wusste, Teddy wird auch noch entführt. Und plötzlich findet sich Hazel inmitten einem Fall, in dem sie selbst zu den potenziell Verdächtigen gehört.

Freitag, 14. Juni 2019

"Das kalte Reich des Silbers" von Naomi Novik



Das Thema
Mirjem ist die Tochter eines gutherzigen Pfandleihers, der es nicht über sich bringt, Schulden einzutreiben. Als die Familie deshalb bittere Armut leidet, tritt Mirjem an die Stelle ihres Vaters. Unnachgiebig fordert sie zurück, was ihr zusteht. Sie ist erfolgreich, und bald heißt es, sie könne Silber zu Gold machen. Die Kunde davon dringt bis tief in die Wälder, zum gefürchteten Volk der Staryk - magische Wesen, die mehr aus Eis bestehen als aus Fleisch und Blut. Der König der Staryk entführt sie in sein Reich. Dort soll sie für ihn Silber zu Gold machen. Tut sie das nicht, wird der Staryk sie töten. Doch gleichzeitig versinkt die Menschheit nun in Kälte ...

© Klappentext, Cover- und Zitatrechte: cbj Verlag


Denn darum geht es in dieser Geschichte in Wahrheit: wie man es vermeidet, seine Schulden zu begleichen. Das wird normalerweise nicht erzählt. Ich aber weiß genau, wovon ich spreche. Mein Vater war nämliche ein Geldverleiher.
Er war nicht sehr gut darin. Wenn jemand seine Schulden nicht rechtzeitig beglich, dann erwähnte er es ihm gegenüber nicht einmal. Nur wenn unsere Schränke wirklich leer waren oder uns die Schuhe von den Füßen fielen, und wenn meine Mutter leise mit ihm sprach, nachdem wir zu Bett gegangen waren, dann machte er sich auf den Weg. Bedrückt brach er auf und klopfte an einige Türen, und es klang wie eine Entschuldigung, wenn er um einen Teil dessen bat, was man ihm noch zurückzugeben hatte.
- S. 5/6


Das Leseerlebnis
Naomi Novik hat eine ganz spezielle und gute Art, Geschichten zu erzählen. Bei beiden Büchern, die ich bisher gelesen haben, fühlte ich mich wie im Märchen oder an russische Sagen erinnert - sprachlich, sowie durch die Geschichte selbst. "Das kalte Reich des Silbers" ist hier keine Ausnahme. Es ist an das Märchen vom Rumpelstilzchen angelehnt, ausgeführt als historisches Wintermärchen mit Elfenmythos. Ganz, ganz wunderbar! Und obwohl die Geschichte inhaltlich ein ganz schöner Brocken ist, hat sie mich so fasziniert, dass ich mir gleichzeitig wünschte, sie würde noch lange nicht zu Ende gehen.

Mirjem, die Tochter eines jüdischen Geldverleihers, hat es satt, der Ungerechtigkeit zuzuschauen, die ihr Leben bestimmt. Weil ihr Vater ein viel zu gutherziger Geldverleiher ist, geht es der Familie schlecht. Sie kommen kaum über die Runden, sind immer kurz vor dem Verhungern und müssen teilweise betteln. Außerdem ziehen im langen Winter die Staryk, ein Elfenvolk, durch das Land, und rauben alles, was sich die Menschen mühsam angespart haben. Als Mirjem sechzehn Jahre alt wird, nimmt sie sich der Sache selbst an, löst ihren Vater ungefragt ab, und fordert bei allen Gläubigern deren Schulden zurück. Durch ihre Durchsetzungskraft und Kaltherzigkeit ist sie so erfolgreich, dass die Familie plötzlich ein kleines Vermögen anhäuft. Das kommt auch dem König der Staryk zu Ohren. Er verlangt von Mirjem, dass sie für ihn sechs Münzen aus Elfensilber in Goldmünzen verwandelt. Als Mirjem das gelingt, schlägt das Schicksal erneut zu.