Montag, 12. November 2018

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "In der Nacht hör' ich die Sterne" von Paola Peretti



dtv Verlagsgesellschaft (Oktober 2018),
Hardcover m. SU, 224 Seiten,
übersetzt von Christiane Burkhardt,
18,00 € [D]


140 Schritte: So viele trennen Mafalda noch von dem Tag, an dem es vollkommen dunkel um sie herum sein wird. Als das Mädchen vor drei Jahren erfuhr, dass mit seinen Augen etwas nicht stimmt, flüchtete es auf den Kirschbaum im Schulhof. Dank der neuen Hausmeisterin fand es wieder zurück auf den Boden der Realität. Seitdem wird Mafalda von Estella morgens mit einem Pfiff begrüßt, sobald sie in die Straße zur Schule einbiegt. Anfangs kann sie von dort aus den Kirschbaum noch sehen. Doch mit jeder Woche werden es weniger Schritte. Tapfer geht sie ihrem Schicksal entgegen − unmerklich geleitet von Estella, die ihr zeigt, dass das Wesentliche im Leben für die Augen unsichtbar ist. (Text-, Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft)


Wenn man liebt, sieht man zwar nicht unbedingt besser, hat aber viel weniger Angst, irgendwo dagegenzulaufen. - S. 135


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Mafalda ist neun Jahre alt, geht in die 4. Klasse und hat eine seltene Augenkrankheit. Schon jetzt sieht sie nicht mehr gut, und kürzlich haben sie und ihre Eltern erfahren, das es nur noch etwa sechs Monate dauert, bis die dunklen Flecken in ihrem Sehfeld sich so stark ausgeweitet haben, dass Mafalda völlig erblinden wird. Während Mafaldas Eltern eher ängstlich und sorgenvoll mit ihrer Tochter umgehen, möchte sie selbst ihren eigenen Weg gehen ... und sie hat Freunde, die sie dabei begleiten.
  2. Was hat es mit den 140 Schritten auf sich? Das habe ich zuerst falsch verstanden, bzw. ging davon aus, dass Mafalda nur noch 140 Schritte zur Verfügung hat, bevor sie nichts mehr sehen kann. Es ist aber etwas anders. Mafalda misst den Abstand, bis sie den Kirschbaum direkt neben ihrer Schule erkennen kann in Schritten. Im Laufe des Buches wird die Schrittzahl immer geringer. Am Ende wird Mafalda völlig erblindet sein. Das ist auch optisch besonders hervorgehoben, und ich kann jetzt schon vorausschicken, dass alleine diese Tatsache mich während des Lesens sehr berührt hat. Die Geschichte steuert auf ein unausweichliches Ziel zu.
  3. Das Thema selbst hat mich stark berührt, noch mehr, weil Mafalda noch sehr jung ist. Die Wirkung wird noch dadurch verstärkt, dass Mafalda ihre Geschichte in der Ich-Form erzählt. Das wirkt zwar insgesamt recht kindlich, aber auch lebensnah-unsicher oder alterslos-klug. Da die Autorin in der Geschichte viel von sich selbst erzählt, nimmt man ihr jedes Wort ab. 
  4. Neben dem Umstand, dass Mafalda in kürzester Zeit erblinden wird, ist sie ein Mädchen mit konkreten Vorstellungen, aber auch Träumen und Unsicherheiten. Vordergründig möchte sie selbstbestimmt leben, und das wird ihr, gerade von ihren Eltern, nicht immer leicht gemacht. Im Laufe der Geschichte, vor allem am Ende, haben alle dazugelernt. Das ist sehr schön zu lesen. Ein verständige und scharfsinnige Freundin findet Mafalda in der kauzigen Hausmeisterin Estelle. Die beiden verbindet eine besondere Beziehung, was sich auf Mafaldas Entscheidungen und Ansichten auswirkt.
  5. Für mich ist es eine große Kunst, wenn ich ein Buch, das bedrückt und auch traurig macht, mit einem guten Gefühl schließen kann. Und das war bei "In der Nacht hör' ich die Sterne" definitiv der Fall. Ich habe gelächelt, wie Mafalda, und noch lange darüber nachgedacht.

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

herzbewegend, natürlich, lebendig, geistvoll-positiv und schmerzvoll



Zusammengefasst vom Fazitbär:
"In der Nacht hör' ich die Sterne" ist ein schmerzvolles Buch, für Protagonisten und Leser. Es ist ein Geschichte über ein kleines Mädchen, das weiß, dass es innerhalb kurzer Zeit vollständig dunkel in seinem Leben sein wird. Mich hat das berührt und auch traurig gemacht, ABER auch beeindruckt. Vor allem, weil man das Buch am Ende mit einem positiven Gefühl abschließen kann. So schön und klug. Es ist wirklich lesenswert.


© Damaris liest.



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Freitag, 9. November 2018

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Oktober 2018

Wenn die Frankfurter Buchmesse ansteht, dann lese ich für gewöhnlich viel weniger als sonst. Das klingt zwar kontrovers, schließlich geht es dort um nichts anderes als um Bücher, ist aber dennoch nachvollziehbar. Die Messe ist ein tolles Erlebnis, jedes Mal aufs Neue, aber auch ein randvolles. Die Tage sind durchgeplant und so voller Eindrücke, dass sogar am späten Abend noch der Kopf voll ist. Mehr als ein paar Seiten in meinem aktuellen Buch, sind da für mich selten drin. Außerdem war meine Buchauswahl am Anfang des Monats eher enttäuschend. Doch dann wurde es besser. Am Ende war es zwar ein durchwachsener, aber trotzdem guter Lesemonat für mich.


Meine Buchzugänge im Oktober - 9 Bücher



Dienstag, 6. November 2018

"Gun Love" von Jennifer Clement



Das Thema
"Wähl niemals den Notruf, kauf dir eine Waffe!"

Seit ihrer Geburt lebt Pearl im Auto, sie vorne, ihre Ausreißer-Mutter auf der Rückbank. Vierzehn Jahre stehen die beiden jetzt schon am Rande eines Trailerpark irgendwo in Florida. Draußen vor der Windschutzscheibe ist die Welt den Waffen verfallen: Kinder wachsen mit Pistolen statt Haustieren auf, Schießübungen immer und überall, mal Alligatoren, mal den Fluss, mal Polizisten im Visier, und sonntags sitzt man beim Gottesdienst mit der geschulterten Schrotflinte in der ersten Reihe. Doch im Ford Mercury wirken andere Kräfte, hier lernt Pearl das Träumen. Bis ein schöner Mann und seine Pistolen alles verändern ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Suhrkamp Verlag


Dank meiner Mutter wusste ich, dass die Erinnerung der einzige Ersatz für die Liebe war. Dank meiner Mutter wusste ich, dass die Traumwelt der einzige wirklich wichtige Ort war.
Meine Mutter sagte immer, Träumen ist billig. Es kostet nichts. Im Traum muss man weder Rechnungen noch Miete zahlen. Im Traum kann man ein Haus bauen und man wird zurückgeliebt.
- S. 221


Das Leseerlebnis
Aufgrund des hervorragend gelungenen Covers, erregte Jennifer Clements Roman "Gun Love" sofort meine Aufmerksamkeit. Nachdem ich den Klappentext gesehen hatte war klar, ich muss dieses Buch lesen. Denn es geht um eine Mutter-Tochter-Beziehung, inmitten eines Lebens am Rande der Gesellschaft. Dass Autoren gerne in Extremen erzählen, ist mir klar. Doch das dargestellte Szenario wirkte bei aller Dramatik so echt und plausibel, dass ich ganz genau hinsehen wollte. Das habe ich dann auch; von Anfang bis Ende und manchmal sogar, indem ich zurückgeblättert habe. "Gun Love" hat mich beeindruckt, aber auch stark bedrückt.

Für Menschen wie dich und mich ist ein Leben, wie die 14-jährige Pearl es führt, wahrscheinlich kaum vorstellbar. Pearl lebt mit ihrer Mutter im Auto. Auf dem Parkplatz eines Trailerparks in Florida. Und das schon seit vierzehn Jahren, also seit dem Zeitpunkt, als Pearls Mutter mit ihrem Neugeborenen von zu Hause weglief. Von klein auf ist die Müllkippe Pearls Spielplatz, die Vordersitze des Autos ihr Bett. Doch obwohl das Mädchen inmitten von Trostlosigkeit und Gewalt aufwächst, haben Mutter und Tochter eine ganz besondere, fast schon verträumte Beziehung zueinander. Aber auch Pearls Mutter ist einsam. Als sie einem Mann die Autotür und ihr Herz öffnet, ändert das plötzlich alles.

Sonntag, 4. November 2018

"Eliminiert" von Teri Terry



Das Thema
Shay hat den Verursacher der tödlichen Epidemie gefunden. Doch um Dr. 1 endgültig das Handwerk zu legen, muss sie mehr über seinen Plan erfahren. Zum Schein schließt sie sich seinen Anhängern an - und riskiert damit, den einzigen Menschen zu verlieren, der ihr wichtig ist. Ihre große Liebe Kai weiß nichts von Shays wahren Motiven und hält sie für eine Verräterin. Shay ist hin- und hergerissen: Sie braucht Kai an ihrer Seite, um Dr. 1 zu stoppen, doch gleichzeitig will sie ihn um jeden Preis beschützen. Denn im großen Plan von Dr. 1 gibt es keinen Platz für immune Menschen wie Kai ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Coppenrath Verlag


Aber nun ist es zu spät. Meine Füße lassen sich nicht überlisten, folgen keinem Weg, den ich mir zuvor ausgedacht habe.
Vielleicht beim nächsten Mal.
Dann höre ich tief in mir den Ruf.
'Lara, komm.'
Und ein weiterer Reflex zwingt mich zurückzulaufen, mit einem einzigen Ziel und Zweck.
Gehorsam.
Blinder Gehorsam.
- S. 10


Das Leseerlebnis
Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich damals, 2017, zu Teri Terrys "Infiziert" gegriffen habe. Zwar hatte ich generell große Erwartungen an ein spannendes Lesen, dass ich die Geschichte aber so schockiert und gebannt verfolgen würde, hätte ich damals nicht gedacht. Das Buch ist für mich heute noch ein bestes Beispiel für atemloses und mitreißendes Lesen. Auch "Manipuliert", der Nachfolgeband, gefiel mir ausgesprochen gut. Nun wird die Trilogie mit "Eliminiert" abgeschlossen. Wunderbar abgeschlossen. Das Buch mag, wie auch die Vorgänger, in der Ausführung ein paar Schwächen haben. Es liest sich aber erneut so klasse, dass ich darüber fast vollständig hinwegsehen kann.

Shay hat sich ihrem gruseligen Vater angeschlossen, aber nur, weil sie hofft, Kais Schwester Callie in seiner sektenähnlichen Kommune zu finden. Sie vertraut fest darauf, dass diese Botschaft an Kai übermittelt wird und er ihre Beweggründe versteht. Kai hingegen glaubt weiterhin, dass Shay ihn verlassen hat und kann nicht nachvollziehen, warum sie (scheinbar) ihrem Vater vertraut. Denn der ist es, der für die grausige Epidemie verantwortlich ist. Was Kai nicht weiß, seine Begleitung und gute Freundin Freja verschweigt ihm Shays Botschaft, die alles richtigstellen könnte. Denn Freja hat ihre eigenen Beweggründe.
Dies ist wohl der Grundkonflikt, auf den die Handlung aufgebaut ist. Offensichtlich geht es aber noch um viel mehr. Shay sucht Callie und Kai ist mit Freya unterwegs. So gliedert sich die Handlung auch in zwei Erzählstränge. Shay und Kai sind tatsächlich fast während der ganzen Geschichte getrennt. Macht aber nichts, denn die Autorin legt ihr Gewicht, statt auf die Lovestory, hier auf andere Dinge. Und das gefiel mir ausgesprochen gut. Auch, wie der Roman in Sachen Liebe beendet wurde. Das war sehr plausibel und nicht forciert auf Friede-Freude-Eierkuchen ausgelegt.

Donnerstag, 1. November 2018

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im November 2018

Das Jahr geht langsam dem Ende zu. Umso übersichtlicher sieht es bei den buchischen Neuerscheinungen aus, und vor allem bei denen, die mich interessieren. Macht aber gar nichts, denn mein Stapel ungelesener Bücher ist hoch, die Wunschliste noch höher. Trotzdem habe ich sechs November-Neuerscheinungen gefunden, überwiegend Fantasytitel, denen ein Platz auf meiner Wunschliste sicher ist. Detaillierte Buchinfos gibt es wie immer mit einem Klick auf das jeweilige Cover.