Montag, 15. Oktober 2018

"Auf immer gefangen" von Erin Summerill



Das Thema
Tessa will endlich ein ruhiges Leben führen, an der Seite von Cohen, dem Freund aus Kindertagen. Doch seit sie mit ihrer neu entdeckten Fähigkeit den jungen König Aodren gerettet hat, sind sie durch ein magisches Band vereint - vielleicht unlösbar. Dass Aodren Tessa als Adlige an den Hof holen will, macht es nicht leichter. Denn dort erwarten sie Menschen, die ihre Magie missbrauchen wollen. Tessa muss ihre Kräfte beherrschen lernen, sonst sind ihr Leben, das Königreich und vor allem ihr Herz in größter Gefahr.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


Mein Blick folgt der Richtung und heftet sich auf die Bergflanke, wo fünfzig Schritte hangaufwärts eine Frau in Sicht kommt. Ihr schwarzer Umhang bläht sich in einem plötzlichen Windstoß. [...] Geräuschlos schreitet sie auf uns zu. Sie erinnert mich an einen Winterwolf: eisgraublaue Augen unter messerdünnen, silbrigen Brauen, elfenbeinfarbene Haut und hellbraunes Haar mit mondlichtweißen Strähnen.
Und obwohl jede Farbe und jedes Leben in ihr verblasst zu sein scheinen, verströmt sie eine gefräßige Dunkelheit. - S. 42


Das Leseerlebnis
Nachdem mir Band 1 der Königreich der Wälder-Reihe, "Auf immer gejagt", tolle Lesestunden bescherte, freute ich mich natürlich extrem auf Band 2. Auch "Auf immer gefangen" hat eine allerschönste Gestaltung bekommen. Besser geht es bei einem Buch kaum. Und weil das Auge bei mit immer mitliest, waren das schon mal die besten Vorraussetzungen für einen feinen Reihenabschluss. Und wieder konnte mich die Geschichte begeistern, sie ist wirklich top. Die Lovestory dafür leider weniger. Nach der Hälfte trübte sich mein Leseerlebnis dadurch stark ein. Schade, aber so ist das eben manchmal.

Erin Summerill führt die Geschichte gut weiter. Ein Wiedereinstieg fiel mir nicht schwer, auch wenn der erste Band doch schon eine Weile zurück lag. Ein angenehmer und mitreißender Stil machten das Buch für mich zu einem Fest. Die Beschreibungen sind so prächtig, dass sich "Auf immer gefangen" wie ein Film liest. Hauptprotagonistin Tessa ist schlagfertig und taff, eine Heldin, wie ich sie mag. Dadurch, dass sie König Aodren das Leben rettete, hat sie ihr Verbindungsband zu Freund Cohen verloren. Stattdessen ist sie nun durch das Band an den König gebunden. Weil das Tessa aber gar nicht recht, sondern ziemlich unangenehm ist, ging ich zuerst nicht von einer Dreieckslovestory aus (will ja auch niemand mehr lesen, oder?). Tessa verheimlicht ihr Band zum König vor Cohen, was sie im Laufe der Handlung in einen immer größeren Konflikt stürzt. Zwar besteht seitens König Aodren ein starkes Interesse an Tessa, das findet anfangs jedoch fast ausschließlich in dessen Gedanken statt. Doch leider wird dann irgendwann doch mehr daraus.

Tessa bemerkt das Interesse des Königs, für sie gibt es aber nur Cohen. Zuerst. Doch dann beginnt die Autorin dick in die Klischeekiste zu greifen und bringt Tessa und König Aodren in Situationen, in denen sie sich gefühlsmäßig annähern (müssen). Das endete in einer Höhlenszene, ich muss hier mit den Stichworten "Unterkühlung" und "Wärme spenden" spoilern, deren Ausführung fast schon peinlich war. Warum nur? Die Geschichte hätte so viel mehr hergegeben! Und dabei bleibt es nicht. Aodren und Tessa bleiben auf Schmusekurs, Cohen ist weit weg. Zu allem Überfluss wird Tessa auch noch bockig und verletzt (häh?), als ihr Freund die Sache aufdeckt. Plötzlich ist Cohen der "Schuldige", obwohl ganz eindeutig Tessa Mist gebaut hat. Spätestens da hatte sie mich nicht mehr auf ihrer Seite.

Trotz meiner Kritik an der Dreieckslovestory, denn das war sie für mich, war das Ende des Romans zufriedenstellend. Ich empfinde das Buch noch immer als eine tolle High-Fantasy-Geschichte für Jugendliche, die für mich durch das unsinnige Gefühlswirrwarr, mit Szenen, die einfach nur doof und kitschig waren, abgewertet wurde. Das tut mir persönlich sehr leid, denn zu Beginn empfand ich "Auf immer gefangen" sogar stärker als den Vorgängerband.

Das Fazit
"Auf immer gefangen" wurde von mir lang und sehnlichst erwartet. Das Buch hat eine filmreife und vereinnahmende Geschichte. Es liest sich so süffig, dass die Seiten nur so dahinfliegen. Im Prinzip also eine tolle jugendliche High-Fantasy-Geschichte. Aber nur im Prinzip. Denn eine Dreieckslovestory, mit mir unverständlichen und fast schon peinlichen Szenen und Ansichten, hat meine Lesefreude bis zuletzt getrübt und die hohen Erwartungen nicht erfüllt. Und obwohl die Geschichte am Ende gut abgeschlossen ist, bleibt das Warum. Es hätte perfekt sein können. In dieser Form für mich leider nur Mittelmaß. 3 von 5 Sterne.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Carlsen Verlag (August 2018) - Band 2/2 - Hardcover mit Schutzumschlag, 464 Seiten - 19,99 € [D]
Originaltitel: Ever the Brave - Übersetzt von Nadine Püschel - ab 14 Jahren



Reiheninfo Königreich der Wälder-Dilogie:

Band 2 - Auf immer gefangen