Mittwoch, 31. Oktober 2018

"Vom Ende eines langen Sommers" von Beate Teresa Hanika



Das Thema
Marielle lebt als Bildhauerin in Amsterdam. An einem der ersten warmen Frühlingstage kehrt die Vierzigjährige mit einem riesigen Strauß roter und blassrosa Tulpen vom Bloemenmarkt zurück und findet vor ihrer Wohnungstür ein Paket. Altmodisch verschnürt und geheimnisvoll. Der Inhalt: Tagebücher ihrer vor kurzem verstorbenen Mutter Franka. Ein Leben lang fühlte Marielle sich von ihr unverstanden. Immer war ihr diese stolze, kühle Frau fremd geblieben. Nun beginnt sie zu lesen. Von jenem langen Sommer 1944, den Franka auf einem Gut in der Toskana verbracht hatte. Von einer Begegnung, die das Leben der jungen Frau für immer veränderte. Und von einem Verhängnis, das über die Generationen hinweg zu wirken scheint.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: btb Verlag


Bei vielen Dingen ist es einem nicht klar, dass man sie zum letzten Mal erlebt. Der letzte Blick auf den Liebhaber, der nie wiederkehrt, das letzte Wort, das man mit jemandem spricht, das einen für immer verlässt. Mir war nicht klar, dass es der letzte Sommer mit meiner Mutter werden sollte. - S. 7


Das Leseerlebnis
Die belletristischen Romane von Beate Teresa Hanika sind für mich ein Lesemuss, genauso wie ihre Jugendbücher. Und so stand auch "Vom Ende eines langes Sommers" auf meiner langen Wunschliste, sobald ich davon erfuhr. Im Buch geht es um eine Mutter-Tochter-Beziehung und darum, wie Erlebnisse aus der Vergangenheit die Zukunft eines jeden Menschen beeinflussen. Sicherlich kein neues Thema und auch keine neue Art der Darstellung. Aber eine ganz besondere! Ich fühlte mich sehr ergriffen von diesem spröde-gefühlvollen Roman, der mich auch über das Lesen hinaus beschäftigt.

Montag, 29. Oktober 2018

High Fantasy wie sie sein soll! - "Die Krone der Dunkelheit" von Laura Kneidl


Was das Lesen betrifft, ist das Buchgenre High Fantasy wohl so etwas wie mein Steckenpferd. Nach Der Herr der Ringe, später Eragon und diversen Elfen-, Zwerge- und Orks-Romanen, begleitet mich dieses Genre immer wieder. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das jemals ändern wird. An High Fantasy schätze ich die ganz eigene, oftmals magisch-altertümliche Welt, den Schmökerumfang vieler dieser Bücher und natürlich die Charaktere, die das Lesen zu einem Erlebnis machen.
Umso mehr freute ich mich, als ich in den Neuerscheinungen "Die Krone der Dunkelheit", das aktuellste Buch von Laura Kneidl, entdeckte. Nach Sichtung der Beschreibung war für mich klar, dass dies High Fantasy zu sein scheint, die wie für mich geschrieben ist. Mir war sofort klar, dass ich das Buch lesen möchte. Das habe ich inzwischen auch getan ... und mochte die Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite. Wie zuerst fälschlich angenommen, ist "Die Krone der Dunkelheit" kein Einzelband, sondern wir als Trilogie erscheinen. Ich kann mich also noch auf zwei Nachfolgebände freuen.


Um was geht es im Buch? (Es wird nicht zu viel verraten) ...

Magie ist in Thobria, dem Land der Menschen, verboten - doch Prinzessin Freya wirkt sie trotzdem. Und das nicht ohne Grund. Vor Jahren wurde ihr Zwillingsbruder entführt und seitdem versucht Freya verzweifelt, ihn zu finden. Endlich verrät ihr ein Suchzauber, wo er sich aufhält: in Melidrian, dem sagenumwobenen Nachbarland, das von magischen Wesen und grausamen Kreaturen, den Elva, bewohnt wird. Gemeinsam mit dem unsterblichen Wächter Larkin begibt sich Freya auf den Weg dorthin und muss ungeahnten Gefahren ins Auge blicken.

Zur selben Zeit setzt die rebellische Ceylan alles daran bei den Wächtern aufgenommen zu werden, welche die Grenze zwischen Thobria und Melidrian schützen. Ihr gesamtes Dorf wurde einst von blutrünstigen Elva ausgelöscht, und Ceylan sehnt sich nicht nur nach Rache, sondern möchte auch um jeden Preis verhindern, dass so etwas noch einmal geschieht. Doch ihr Ungehorsam bringt sie bei den Wächtern immer wieder in Schwierigkeiten, bis sie schließlich bestraft wird: Sie soll als Repräsentantin an der Krönung des Fae-Prinzen teilnehmen. Dafür muss sie nach Melidrian reisen, in ein Land, in dem es vor Feinden nur so wimmelt.

Und während sich die beiden Frauen ihrem Schicksal stellen, regt sich eine dunkle Macht in der Anderswelt, welche Thobria und Melidrian gleichermaßen bedrohen wird ... (Text- und Coverrechte: Piper Verlag)


Wenn du an meiner vollständigen Meinung (die nicht spoilert) zu "Die Krone der Dunkelheit" interessiert bist, findest du hier meine Rezension dazu.

Sonntag, 28. Oktober 2018

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Spinster Girls: Was ist schon typisch Mädchen?" von Holly Bourne



dtv Verlagsgesellschaft (August 2018), Band 2,
Klappenbroschur, 416 Seiten,
übersetzt von Nina Frey,
10,95 € [D]


Wir sind stark, wir lassen uns nichts sagen und küssen trotzdem. Wir sind die Spinster Girls!

Alles, was Lottie will, ist die Welt zu verändern. Dafür startet sie ein Experiment: Einen Monat lang möchte sie mit ihren Freundinnen auf ihrem Vlog auf jede sexuell diskriminierende Situation aufmerksam machen, die ihnen im Alltag widerfährt. Ebenso wichtig ist Lottie aber das Vorstellungsgespräch an der Eliteuni Cambridge, auf das sie sich schon seit Jahren vorbereitet. Und dann ist da auch noch Will, der sie tagtäglich auf die Palme bringt. Hat sie sich zu viel vorgenommen? (Text-, Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft)


Der Lkw stand hinter der Ecke.
Zwei Bauarbeitertypen, die vorne drinsaßen, hatten mich gleich entdeckt. Sie starrten durch die Windschutzscheibe. In einer Art, dass ich sofort einen Knoten im Magen hatte.
Einen Knoten der weiblichen Intuition.
Einen "Gleich gibt's Ärger"-Knoten.
Nein - scheiß drauf. Das war keine weibliche Intuition. Ich bin ja keine Hellseherin - ich bin nur einfach extrem erfahren, was sexuelle Belästigung angeht, wie eigentlich jede Mädchen auf diesem Plantet, das es wagt, irgendwo zu Fuß hinzugehen.
- S. 10


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. "Was ist schon typisch Mädchen?" ist der zweite Band der Spinster Girls-Trilogie. Und obwohl Leser auf bekannte Charaktere treffen - es geht schließlich um die drei Freundinnen Evie, Lottie und Amber -, kann man das Buch auch völlig eigenständig lesen. Denn nun hat Lottie die Hauptrolle im Buch und erzählt die komplette Geschichte in der Ich-Form.
  2. Holly Bourne widmet sich in ihrer Reihe Themen des Feminismus. In diesem Band ist Sexismus das vordergründige Thema. Aber auch Freundschaft, Selbstfindung und Liebe. Wären diese Themen in ein Sachbuch verpackt, würde ich wohl eher zögerlich dazu greifen. Der Autorin gelingt hier aber erneut der Spagat zwischen Aufklärung und Unterhaltung, zwischen Ernsthaftigkeit und Humor. Das gefiel mir diesmal so gut, dass "Was ist schon typisch Mädchen?" mir sogar noch einen Ticken besser gefiel als "Was ist schon normal?" (und das war schon richtig gut).
  3. Lottie ist selbstsicher und schlagfertig, sie steht mit beiden Beinen im Leben und weiß in ihrem jungen Alter schon, was sie will. Sie möchte die Welt verändern. Das könnte man so stehen lassen, und das ist auch die allgemeine Meinung, die alle von Lottie haben. Dennoch hat trägt auch sie Unsicherheit und ganz spezifische Lebensfragen mit sich herum. Nach einem sexistischen Vorfall/Übergriff auf dem Weg zur Schule, beschließt Lottie, einen ganzen Monat lang auf jede sexistische Situation aufmerksam zu machen, und sei sie auch noch so klein.
  4. Ich muss sagen, dass ich manchmal sehr erschrocken war, wie viel Alltagssexismus Lottie und ihre Freundinnen erleben. Das wird im Buch sehr gut dargestellt und ist bei uns ganz sicher nicht anders. Hier schärft die Geschichte definitiv ein stückweit den Blick, macht auf Dinge aufmerksam (und auch wütend) und sensibilisiert. Der Wunsch wächst, die Situation generell zu ändern, gegen Sexismus und Diskriminierung anzukämpfen. Lottie ist hier sehr authentisch, wenn auch nicht "einfach", aber das ist auch gar nicht nötig.
  5. Doch auch Lottie marschiert nicht immer als selbstsicheres Energiebündel durch den Alltag. Auch für sie gibt es Rückschläge und Verzweiflung. Auch zeigt die Autorin gut auf, wie man sich in einem Vorhaben verlieren kann, wie man sich fast schon manisch hineinsteigern kann, bis alles im Leben droht zu entgleiten. Es gibt einiges zu verarbeiten. Am Ende bleibt der Wunsch, etwas ändern zu wollen und man entlässt Lottie mit einem guten Gefühl in ihre Zukunft.

5 Adjektive, die mit spontan zum Buch einfallen

witzig, durchdacht, wichtig, ausdrucksvoll und aktuell



Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Spinster Girls: Was ist schon typisch Mädchen?" hat mich zuerst einmal einfach nur gut unterhalten. Denn die Geschichte ist so pfiffig und rasant, dass man nur noch lesen möchte. Dazu hat das Buch einen Humor, der Spaß macht. Im Vordergrund steht aber auch das Thema Aktionismus gegen (Alltags)-Sexismus und Diskriminierung. In allen Facetten und sehr bekannt dargestellt. Damit sensibilisiert die Geschichte und erwirkt den starken Wunsch, etwas zu ändern. Und genau das ist der Sinn und Zweck des Buches. Lesen!


© Damaris liest.



Reiheninfo Spinster Girls-Trilogie:

Band 2 - Was ist schon typisch Mädchen?
Band 3 - Was ist schon Liebe?




Donnerstag, 25. Oktober 2018

Ich lese aktuell ... Drei Buchreihen, die ich noch 2018 beenden möchte

Erst vor kurzem stand ich vor meinem SuB-Stapel (für mich ein großer Stapel ungelesener Buchschätze!) und blickte ziemlich versonnen auf all die schönen Bücher, die nur darauf warten, von mir gelesen zu werden. Unter anderem auch auf eine Reihe, bei der ich nie über Band 1 hinauskam, deren restliche zwei Bücher aber seit geraumer Zeit in meinem Besitz sind. Und plötzlich war sie da, die Motivation, die den Anstoß zu einem persönlichen Jahresendprojekt gab: Ich möchte 2018 noch drei begonnene Buchreihen beenden!
Und weil sich die Motivation nicht sofort wieder verabschiedete, habe ich mich noch eine vierte ausgesucht ... sozusagen als Bonus.


Mystic City - Tage des Verrats & Schatten der Macht



Die Mystic City-Reihe von Theo Lawrence war es, die den Ausschlag für mein kleinen Projekt gab. Sie ist tatsächlich eine der ältesten Buchreihen auf meinem SuB. Nach dem ersten Band "Das gefangene Herz", von 2013, habe ich mir zwar die beiden Nachfolger zum jeweiligen Erscheinungstermin gekauft, gelesen habe ich sie bis jetzt aber noch nicht. Ich bezweifle auch, dass diese Art von Jugendfantasy heute noch auf meiner Wunschliste landen würde, denn (kitschige) Romantasy, wenngleich mit tollem Setting, lese ich nicht mehr gerne, bzw. ignoriere ich meist gekonnt. Das hat sich bei einem Auffrischungslesen des ersten Bandes auch bestätigt. Trotzdem möchte ich die Reihe mit "Tage des Verrats" und "Schatten der Macht" beenden und werde auch damit starten.


Chroniken der Unterwelt - City of Heavenly Fire



Was habe ich die Chroniken der Unterwelt von Cassandra Clare geliebt! Alle Bände. Vom ersten bis zum fünften. Völlig unverständlich, warum Band 6, "City of Heavenly Fire", damals lange vorbestellt, seit über zwei Jahren noch immer ungelesen vor sich hindümpelt. Vielleicht war es der Buchumfang, der mich schlussendlich vom Lesen abgehalten hat. Der Abschlussband ist nämlich mit Abstand das dickste Buch der Reihe. Das soll sich aber jetzt ändern, und CoHF wird 2018 noch gelesen. Die Handlung der Vorgängerbände ist mir noch bekannt. Ich möchte trotzdem schauen, dass vorher einen Grobüberblick über Band 4 und 5 bekomme. Auf Wikipedia findet man den jeweiligen Plot (Englisch) als relativ ausführliche Übersicht.

Montag, 22. Oktober 2018

"Die Krone der Dunkelheit" von Laura Kneidl



Das Thema
Magie ist in Thobria verboten - doch Prinzessin Freya wirkt sie trotzdem. Und das nicht ohne Grund. Vor Jahren wurde ihr Bruder entführt, seitdem versucht sie verzweifelt, ihn zu finden. Endlich verrät ihr ein Suchzauber, wo er sich aufhält: in Melidrian, dem sagenumwobenen Nachbarland, das von magischen Wesen bewohnt wird. Gemeinsam mit dem unsterblichen Wächter Larkin begibt sich Freya auf die gefährliche Reise dorthin.
Zur selben Zeit setzt die rebellische Ceylan alles daran bei den Wächtern aufgenommen zu werden, welche die Grenze zwischen Thobria und Melidrian schützen. Nicht zuletzt, weil sie Rache nehmen möchte an jenen blutrünstigen Kreaturen von jenseits der Mauer, die einst ihr ganzes Dorf ausgelöscht haben. Doch ihr Ungehorsam bringt Ceylan immer wieder in Schwierigkeiten.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Piper Verlag


"Euer Bruder kann sich glücklich schätzen, Euch zu haben", sagte Larkin. Seine Worte klangen wie ein Kompliment, das Freya aber nicht annehmen wollte. Sie war nicht so selbstlos, wie er glaubte. Ja, sie liebte Talon, und sein Leben stand für sie an oberste Stelle, aber sie wollte auch keine Königin werden. Sie scheute sich vor der Verantwortung, der Aufmerksamkeit und vor ihrem eigenen Volk. Diese Last wollte sie auf die Schulter ihres Bruders laden, und daran war rein gar nichts Nobles oder Ehrenwertes. - S. 429


Das Leseerlebnis
Laura Kneidl hat schon einige Bücher geschrieben. Bücher für Jugendliche und für Erwachsene. Nun folgte mit "Die Krone der Dunkelheit" der erste High-Fantasy-Roman der Autorin und zugleich der Beginn einer dreibändigen Reihe. Warum ich das Buch lesen wollte? Weil meine Leseleidenschaft mit High Fantasy geschürt wurde und ich dieses Genre wahrscheinlich immer lesen möchte. Weil mich "Die Krone der Dunkelheit" alleine durch das Cover und die Kurzbeschreibung (mit zwei weiblichen Hauptcharakteren!) sofort für sich eingenommen hat. Und weil sich jetzt, nach Beendigung, meine Wünsche in Bezug auf das Buch bewahrheitet haben. Es kann sich wirklich sehen und lesen lassen!

Das Lesegefühl bei "Die Krone der Dunkelheit" war für mich nicht neu. Das machte aber gar nichts, denn es war die eigene Auslegung, die mich durch die Seiten trug. Auch hier gibt es eine phantastische Welt, mit Menschen, Fantasywesen und Magie. Eine wunderschön gezeichnete Umgebungskarte und Charakterplaketten - aber erst in der Buchmitte - sorgten dafür, dass ich mich sofort wohl mit dem Buch fühlte. Auch der Einstieg fiel mir leicht. Erzählt wird die Geschichte aus der Sichtweise diverser Charaktere, die alle eine entscheidende Rolle im Buch spielen. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf Freya und Ceylan, deren Erlebnisse in zwei Handlungssträngen zum Mitfiebern einladen.

Dienstag, 16. Oktober 2018

Dieses Buch bleibt im Regal #49

Eine Aktion von Damaris liest.
Bei der monatlichen Aktion "Dieses Buch bleibt im Regal" stelle ich Bücher vor, die einen ewigen Platz im meinem Regal sicher haben. Ich behalten nicht alle gelesenen Bücher, nur solche, die mich begeistert haben, über die ich lange nachdenken musste oder die einen ideellen Wert für mich haben. Diese Buchschätze sollen hier besonders gewürdigt werden.


Harry Potter und der Stein der Weisen


"Harry Potter und der Stein der Weisen" - 16,99 € (HC) - Carlsen Verlag

Montag, 15. Oktober 2018

"Auf immer gefangen" von Erin Summerill



Das Thema
Tessa will endlich ein ruhiges Leben führen, an der Seite von Cohen, dem Freund aus Kindertagen. Doch seit sie mit ihrer neu entdeckten Fähigkeit den jungen König Aodren gerettet hat, sind sie durch ein magisches Band vereint - vielleicht unlösbar. Dass Aodren Tessa als Adlige an den Hof holen will, macht es nicht leichter. Denn dort erwarten sie Menschen, die ihre Magie missbrauchen wollen. Tessa muss ihre Kräfte beherrschen lernen, sonst sind ihr Leben, das Königreich und vor allem ihr Herz in größter Gefahr.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


Mein Blick folgt der Richtung und heftet sich auf die Bergflanke, wo fünfzig Schritte hangaufwärts eine Frau in Sicht kommt. Ihr schwarzer Umhang bläht sich in einem plötzlichen Windstoß. [...] Geräuschlos schreitet sie auf uns zu. Sie erinnert mich an einen Winterwolf: eisgraublaue Augen unter messerdünnen, silbrigen Brauen, elfenbeinfarbene Haut und hellbraunes Haar mit mondlichtweißen Strähnen.
Und obwohl jede Farbe und jedes Leben in ihr verblasst zu sein scheinen, verströmt sie eine gefräßige Dunkelheit. - S. 42


Das Leseerlebnis
Nachdem mir Band 1 der Königreich der Wälder-Reihe, "Auf immer gejagt", tolle Lesestunden bescherte, freute ich mich natürlich extrem auf Band 2. Auch "Auf immer gefangen" hat eine allerschönste Gestaltung bekommen. Besser geht es bei einem Buch kaum. Und weil das Auge bei mit immer mitliest, waren das schon mal die besten Vorraussetzungen für einen feinen Reihenabschluss. Und wieder konnte mich die Geschichte begeistern, sie ist wirklich top. Die Lovestory dafür leider weniger. Nach der Hälfte trübte sich mein Leseerlebnis dadurch stark ein. Schade, aber so ist das eben manchmal.

Dienstag, 9. Oktober 2018

Buchzugänge vs. Buchabgänge im September 2018

Der September war nicht nur voller neuer Bücher, es gibt auch eine für mich großartige Neuigkeit. Die zweite Ausgabe von Generation Buch ist erschienen. Meine Begeisterung ist riesig! Das Online-Magazin von Herausgeberin Daniela Brose enthält viele Lesetipps, Berichte, Kolumnen und Empfehlungen von Blogger*innen für Leser*innen. Ich selbst bin diesmal Teil des Magazins und habe eine eiskalte Buchempfehlung beigesteuert. Auf der Homepage stehen alle Ausgaben von "Generation Buch" zum Download bereit. Und wer auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs ist, kann sich dort ein Exemplar des Magazin als Print mitnehmen. Für die aktuelle Ausgabe konnte ein Druck realisiert werden. Ist das genial oder ist das genial?


Meine Buchzugänge im September - 8 Bücher



Samstag, 6. Oktober 2018

"Kompass ohne Norden" von Neal Shusterman



Das Thema
Caden hält sich für einen normalen Jungen. Doch sein Verstand ist ein krankhafter Lügner, der sich auf fantastische Reisen begibt. Manchmal befindet Caden sich auf dem Weg zum tiefsten Punkt der Erde im Marianengraben, auf einem Schiff, auf dem die Zeit seitlich läuft wie eine Krabbe, verwittert von Millionen Fahrten, die bis in die finstere Vergangenheit zurückreichen. Und in der Realität lässt Cadens Verstand harmlose Dinge wie einen Gartenschlauch zur tödlichen Gefahr werden. Als die Grenze zwischen realer und fantastischer Welt verschwimmt, begreift Caden: In den Tagen der Bibel hätte er vermutlich als Prophet gegolten, doch heute lautet die Diagnose: Schizophrenie.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carl Hanser Verlag


Was ich fühle, lässt sich nicht in Worte fassen, oder wenn doch, dann in einer Sprache, die niemand versteht. Meine Gefühle reden in Zungen. Freude wandelt sich in Wut wandelt sich in Angst wandelt sich in ironische Belustigung, so als würdest du mit ausgebreiteten Armen aus einem Flugzeug springen, zweifelsfrei überzeugt, dass du fliegen kannst, und dann plötzlich merken, dass du es doch nicht kannst und nicht nur keinen Fallschirm hast, sondern auch keine Klamotten an, und dass sich die Leute unten am Boden alle Ferngläser vor die Augen halten und lachen, während du deinem höchst peinlichen Ende entgegen stürzt. - S. 17


Das Leseerlebnis
Neal Shusterman ist vielen Lesern durch seine düstere und dysopische Jugendbuchreihe ein Begriff. Umso erstaunter war ich, dass "Kompass ohne Norden" ein völlig anderes Werk des Autors ist. Er hat lange daran geschrieben; die Idee für dieses Buch bekam er durch seinen Sohn, der in seiner Jugend psychisch erkrankt ist. Vieles, was sein Hauptprotagonist Caden im Buch erlebt, ist Shustermans Sohn Brendan ebenso passiert. Von ihm stammen auch die Zeichnungen im Buch, die alle während der Tiefen, wie Shusterman einen psychotischen Schub beschreibt, entstanden. "Kompass ohne Norden" ist kein leises Buch. Es ist eines, das stark aufwühlt, mich an den tiefsten Punkt eines jungen Verstandes führte, und mich stark beeindruckt hat.

Montag, 1. Oktober 2018

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Short" von Holly Goldberg Sloan



Carl Hanser Verlag (August 2018),
Hardcover, 256 Seiten,
übersetzt von Katharina von Savigny,
16,00 € [D]


Julia ist zu kurz geraten für ihr Alter. Sogar ihr zwei Jahre jüngerer Bruder ist größer als sie. Als ihre Mutter sie zu einem Casting für die Musical-Produktion von "Der Zauberer von Oz" anmeldet, fragt sie sich, wozu. Sie kann weder singen noch tanzen - und sie ist ... nicht groß. Doch Julia ist schnell verzaubert von der aufregenden Theaterwelt. All die ungeahnten Möglichkeiten und Inspirationsquellen! Julias Selbstbild ändert sich von Grund auf: Spielt es wirklich eine so große Rolle, welche Körpergröße man hat? Kommt es nicht vielmehr darauf an, wer man ist und was einen als Künstler ausmacht? Julia wachsen buchstäblich Flügel, und das nicht nur in ihrer Rolle als Fliegender Affe. (Text-, Cover- und Zitatrechte: Carl Hanser Verlag)


Gianni und Olive sehen sich im Zimmer um, und Gianni sagt: "Ich bin tief beeindruckt".
Olive nickt energisch mit dem Kopf.
Ich genieße das so richtig. Ich fühle mich, als ob ich an Mrs. Changs großartiger Person und an dem, was sie macht, selbst irgendwie Anteil hätte, weil ich meine neuen Freunde hergebracht habe.
Dass Mrs. Chang so beeindruckend ist, färbt sicher auch auf mich ab.
Darüber muss ich zu Hause noch mal nachdenken, damit ich weiß, wie ich dieses Gefühl auch weiterhin haben kann (ohne dass ich selbst irgendetwas Beeindruckendes tun muss).
- S. 137


5 zusammenfassende Sätze/Punke zum Buch

  1. "Short" hat ein Achtsamkeitsthema, das mich sofort ansprach. Einfach, weil ich es in dieser Form noch in keinem Buch gelesen habe. Es geht vordergründig um Julias Körpergröße, ihre Selbstwahrnehmung und zunehmende Reife, und darum, dass die Bedeutung eines Menschen nicht von Äußerlichkeiten abhängt. Das wird im Buch auch gut dargestellt, jedoch kam die Handlung für mich spröder daher, als ich das erwartet hätte.
  2. Julia ist zu kurz geraten. Nicht kleinwüchsig, aber einfach (zu) klein für ihr Alter. Das ist für Julia völlig okay, nur das Wort kurz mag sie nicht und möchte es nicht mehr verwenden. Dass sie den Sommer über für eine Theateraufführung proben soll, kann sie sich jedoch nicht vorstellen. Was soll ein kleines Mädchen wie sie dort auch darstellen? Diese Meinung ändert sich, als Julia im Theater neue Freunde und Vorbilder trifft.
  3. Die Gedanken von Julia kommen während des Lesens ungeschönt und sehr direkt beim Leser an - und sie denkt über wirklich viele Dinge nach. Für mich las sich das Buch fast wie ein durchgängiger Monolog. Das ist teilweise anstrengend und wirkt kindlich, manchmal aber auch durchaus humorvoll. Die ständigen Theaterproben, und Julias Meinungen und Gedanken darüber, können zu einer gewissen Eintönigkeit beim Lesen führen. Ich bin mir nicht sicher, ob das bei der jugendlichen Zielgruppe so gut ankommt.
  4. Charakterlich würde ich Julia als vorsichtig beschreiben, manchmal zurückhaltend, aber aufmerksam. Sie gewinnt den Sommer über an Reife, schätzt es, im Mittelpunkt zu stehen, und wirkt am Ende glücklicher als zu Beginn. Das Alter von Julia ist nicht genau bekannt, ich schätze sie auf 9-11 Jahre. Generell empfand ich sie nicht als sehr sympathisch. Das ist für mich beim Lesen aber kaum relevant, den Sympathien sind subjektiv. Trotzdem ist Julia ichbezogen und egoistisch, manchmal berechnend gegenüber ihren Mitmenschen und ihrer Familie. Ich habe mir immer wieder ins Gedächtnis gerufen, dass Julia ein Kind ist. Darum hielten sich meine negativen Gefühle auch in Grenzen.
  5. Mich persönlich konnte die Geschichte erreichen. Ich mochte das Thema und die Einblicke in die (nicht immer angenehmen) Gefühle eines jungen Mädchens, auch wenn ich einen Lesesog, und das ständige Bedürfnis weiterzulesen, vermisst habe. Generell benötigt man viel Empathie, damit man das Buch mag.

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

besonders, monologlastig, bedeutsam, natürlich-kindlich und aufmerksam



Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Short" ist für emphatische Menschen ein empfehlenswertes Buch über ein körperlich kleines Mädchen, für das ein einziger Sommer (inneres) Wachstum um Größe bedeutet. Wer nicht gut mit kantigen Charakteren oder einem monologartigen Erzählstil zurechtkommt, wird vielleicht keinen perfekten Zugang zum Buch finden. Für mich ist sicher, dass "Short" bei erwachsenen Lesern besser ankommen wird, als bei Jugendlichen. Ausprobieren!


© Damaris liest.