Freitag, 31. August 2018

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im September 2018

Machen wir es kurz. Der September schafft mich! Er ist einer der Monate, mit den meisten Neuerscheinungen. So viele Bücher! Wie soll man sich da entscheiden? Am besten gar nicht. Und trotzdem habe ich ein Auswahl getroffen, welche neuen Bücher es auf meine Wunschliste schaffen. Sie alle wollen ja auch gelesen werden. Für sechzehn Bücher heißt es jetzt: Ab auf die Wunschliste!
Infos zum Inhalt der Bücher gibt es mit einem Klick auf das Cover, auf diesen gehe ich heute nicht ausführlicher ein.


Fantasy - Fiction - Märchen

(genaue Buchinfos gibt es mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


    

Dienstag, 28. August 2018

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Sommerdunkle Tage" von Alice Kuipers



FISCHER KJB (August 2018),
Hardcover, 240 Seiten,
übersetzt von Angelika Eisold Viebig,
14,00 € [D]


Wie aus dem Nichts taucht Ivy nach drei Jahren wieder auf. Ivy, die so ist, wie Callie gerne sein möchte: selbstbewusst, unbekümmert, immer im Mittelpunkt. Plötzlich sind sie wieder beste Freundinnen, und mit Callies Kumpel Kurt verbringen sie zu dritt zwei Sommerwochen voller Bootstouren, Partys und Spaß. Doch unter der Oberfläche brodelt es. Kann Callie Ivy wirklich vertrauen? Welches Geheimnis trägt sie mit sich herum? (Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER KJB)


"Wir sind praktisch gerade erst zurückgekommen. Ich bin sofort rüber, und die Tür war offen. Ach, ich habe ja so gehofft, dass du da bist! Callie, wir werden solchen Spaß haben. Wir werden die elfte Klasse rocken, genau wie wir es vorhatten, weißt du noch?"
Ich weiß es noch, möchte ich sagen. Ich weiß noch, wie sehr es weh getan hat, als du fortgegangen bist und dich nicht einmal verabschiedet hast.
- S. 21


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Wer kennt es nicht, das Gefühl der Bewunderung für eine andere Person? Vielleicht sogar den Wunsch, so sein zu wollen wie der beste Freund oder die beste Freundin? So geht es zumindest Callie in "Sommerdunkle Tage", deren seit drei Jahren weggezogene Freundin Ivy plötzlich wieder zurück ist. Ivy, die früher schon hübsch war und die jetzt umwerfend aussieht. Die bei jedem sofort gut ankommt, umschwärmt wird und überall im Mittelpunkt steht. Ivy, mit der Callie schon als 13-Jährige mehr verband als nur gute Freundschaft.
  2. Die Geschichte wird von Kurt, Callie und Ivy erzählt. Callies Sichtweisen mochte ich am liebsten, weil sie am häufigsten vorkommen und darum sehr deutlich sind. Im Grunde ist "Sommerdunkle Tage" die Geschichte von ihr. Die Situation in der Familie ist gerade nicht einfach. Callies Beziehung zu ihrer Mum, die sie sehr einschränkt (aus Gründen), ist eher problematisch. Und dann ist da auch noch ihr Babybruder, der die Eltern in Beschlag nimmt. Als dann plötzlich Ivy wieder auftaucht, ist das für Callies Mum ein rotes Tuch (aus Gründen). Das bringt viele Konfliktsituationen mit sich.
  3. Es ist nicht so dass Ivy hinterhältig oder manipulativ ist. So ist es gar nicht. Sie ist eher sehr vereinnahmend und hat etwas Gewinnendes. Ivy hatte, und hat jetzt, kein stabiles und sicheres Leben. Vielleicht treiben sie Verlustängste um, woraus Besitzansprüche an andere Menschen resultieren. Bei Ivy brodelt etwas unter der Oberfläche, das ich lange nicht greifen konnte, obwohl ich mir natürlich Gedanken machte. Irgendetwas scheint in Ivy kaputtgegangen.
  4. Das Buch liest sich ruhig und fesselnd. Immer ist da dieses Gefühl, dass noch etwas passiert, etwas Schlimmes oder Fatales. Außerdem gilt es herauszufinden, was in Callies und Ivys Vergangenheit passiert ist. Daraus ergibt sich ein Lesesog, wegen dem ich das Buch fast am Stück gelesen habe.
  5. Der Klappentext verspricht einen völlig unvorhersehbaren Twist, der die Leser atemlos zurücklässt. Und ja, das stimmt schon. Allerdings muss ich auch anmerken, dass ich gerade diese Form des tragisches Twists jetzt schon öfter gelesen habe. Für mich war die Wendung also nicht neu. Trotzdem haute sie mich wieder aus den Socken, ich fühlte mich hier sogar überrascht, mit einem deutlichen Klos im Hals. Am Ende möchte man einfach nur zurückblättern oder das Buch gleich nochmals lesen.

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

sommerdunkel (passt einfach!), unerwartet, mitreißend, dramatisch und verblüffend



Zusammengefasst von Fazitbär:
"Sommerdunkle Tage" ist einer der Romane, bei dem man mit dem Wissen am Ende nochmals hektisch zurückblättert, vielleicht sogar den Wunsch hat, die Geschichte nochmals zu lesen. Es ist ein gefühlvoller und soghafter, aber auch ein tragischer und schmerzvoller Roman. Ich denke jetzt noch darüber nach. Wer noch kein Buch von Alice Kuipers gelesen hat, der sollte mit diesem anfangen. 


© Damaris liest.

Sonntag, 26. August 2018

"Dark Palace: Zehn Jahre musst du opfern" von Vic James



Das Thema
In England muss jeder, der nicht zum magischen Adel gehört, zehn Jahre lang als Sklave arbeiten.
Lukes Familie will diese Sklavenjahre gemeinsam durchstehen, im Dienst der mächtigen Herrscherfamilie Jardine. Doch nun rast Lukes Herz vor Angst, als er plötzlich von den anderen getrennt und in die laute und schmutzige Fabrikstadt Millmoor gebracht wird. Die Arbeit dort ist besonders hart.
Seine Schwestern sind mit den Eltern am prunkvollen Hofe der Jardines den rücksichtslosen Machtspielen und eiskalten Intrigen der Elite ausgesetzt. Vor allem der junge Adlige Silyen verfolgt mit seinen ungeheuerlichen magischen Fähigkeiten eigene Ziele. Und Lukes Schwester Abi verliert ihr Herz an den Falschen.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB


"Ich werde Sie anzeigen", fauchte Abi [...]. "Für wen halten Sie sich Mr Kessler? Sie können nicht einfach irgendwelche Leute angreifen?"
"Wie recht Sie haben, junges Fräulein." Kessler verzog die Lippen zu einem breiten, hässlichen Grinsen." Aber ich fürchte, dass ihr vor genau sieben Minuten ..." - er warf einen demonstrativen Blick auf seine Uhr [...] - "... alle eure Sklavenzeit angetreten habt. Damit seid ihr jetzt in rechtlicher Hinsicht Nicht-Personen. Leibeigene des Staates. "Er schaute Daisy an und fügte hinzu: "Um das für die Kleine hier verständlich zu machen: Das bedeutet, dass ihr nicht länger 'Bürger' seid und keine Rechte mehr habt. Keinerlei."
- S. 30


Das Leseerlebnis
Wer viele (Jugend)-Dystopien liest, hat wahrscheinlich schon fast alles gesehen, bzw. gelesen. Natürlich nicht im Detail, aber viele Geschichten gleichen sich in Struktur und Nuancen. Es ist für Autoren schwierig, noch etwas auf den Markt zu bringen, das vielen Lesern gefällt und vielleicht auch noch neu ist. Neu muss es für mich persönlich nicht sein. Aber das Buch muss etwas haben, das mit fesselt, die Atmosphäre muss stimmen und eventuell sollte mich die Geschichte sogar schockieren oder aufrütteln.
Von "Dark Palace: Zehn Jahre musst du opfern" habe ich mir das versprochen. Denn das Thema klingt superspannend. Hier muss jeder Bürger Englands, der nicht zur magisch begabten Oberschicht gehört, zehn Jahre seines Lebens als Sklave arbeiten. Den Zeitpunkt und Ort können die Menschen meist selbst bestimmen, aber während dieser zehn Jahre haben sie keinerlei Rechte oder Vergünstigungen. Klingt interessant! Und hat mir auch recht gut gefallen. Trotzdem hätte ich vom Buch mehr Substanz erwartet.

Mittwoch, 22. August 2018

"Die Hochhausspringerin" von Julia von Lucadou



Das Thema
Riva ist Hochhausspringerin - ein perfekt funktionierender Mensch mit Millionen Fans. Doch plötzlich weigert sie sich zu trainieren. Kameras sind allgegenwärtig in ihrer Welt, aber sie weiß nicht, dass sie gezielt beobachtet wird: Hitomi, eine andere junge Frau, soll Riva wieder gefügig machen. Wenn sie ihren Auftrag nicht erfüllt, droht die Ausweisung in die Peripherien, wo die Menschen im Schmutz leben, ohne Möglichkeit, der Gesellschaft zu dienen. Was macht den Menschen menschlich, wenn er perfekt funktioniert?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Hanser Berlin


Ich muss an Riva denken, wie ich sie zuletzt gesehen habe: weinend am Rand des Sofas, eine isolierte, winzige Figur in einem zu großen Zimmer. Der Gedanke an ihren schmalen, in sich zusammengefallenen Körper rumort in mir.
Ich kann sie dort nicht so sitzen lassen.
Ich möchte zu ihr fahren. Ihr übers Haar streichen. Ihr sagen, dass alles gut wird. [...] Du bist nicht allein, sage ich ihr. Ich bin ja da. Everything's gonna be okay™.

- S. 246


Das Leseerlebnis
"Die Hochhausspringerin" kann man nicht einfach in eine Genreschublade packen. Im Grunde ist es eine Dystopie, aber ohne die Fokussierung auf den Schauplatz eines unterdrückenden Systems. Vielleicht ist der Roman auch eine futuristische (hoffentlich utopische) Zukunftsvision. Oder doch eher eine Gesellschaftskritik? Es ist ersichtlich, eine Beurteilung ist hier nicht leicht. Für mich hat das Buch ein bisschen was von allem, und wichtig ist nur, dass es mich packen konnte. Das hat sich bis zum Schluss dann so stark gesteigert, dass ich sehr lange über die Geschichte nachgedacht habe, und noch immer daran denke.

Hochhausspringerinnen sind in dieser Geschichte Menschen mit einem extrem hohen Status. Von der Gesellschaft abgöttisch geliebt und ständig beurteilt haben sie Millionen von Fans, sind mit heutigen Superstars, eventuell sogar auf einem noch höheren Level, zu vergleichen. Der Star unter den Hochhausspringerinnen ist Riva, die auf der Höhe ihrer Karriere aber plötzlich "die Lust verliert". Sie möchte aufhören, weigert sich von heute auf morgen weiterzumachen, zu trainieren und ihren vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen. Die Angestellte einer Überwachungsfirma, Hitomi, observiert Riva zu jedes Tages- und Nachtzeit, ohne deren Wissen. Hitomi soll eine Lösung finden, Riva zur Wiederaufnahme ihres Trainings motivieren, damit sie ein Vorzeige- und Statusobjekt der Sponsoren bleibt.

Montag, 20. August 2018

"Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren" von Ali Benjamin



Das Thema
Dieses preisgekrönte Debüt erforscht, was es heißt, am Leben zu sein. Dass Dinge einfach passieren, kann Suzy nicht akzeptieren. Sie macht sich über vieles Gedanken: den Schlafrhythmus von Schnecken, die jährliche Zahl der Quallenstiche oder wie alt man ist, wenn das Herz 412 Millionen Mal geschlagen hat - gerade mal 12 Jahre. In dem Alter ist Suzys Freundin Franny im Sommer ertrunken, obwohl sie eine gute Schwimmerin war. Suzy muss herausfinden, wie das geschehen konnte. Es ist ein weiter, erkenntnisreicher Weg in einer Welt voller Wunder, bis sie begreift, dass der einzige Trost manchmal ist, Dinge anzunehmen, die man nicht ändern kann. Eine ergreifende Geschichte der Selbstfindung und ein großer Blick auf unsere Existenz.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carl Hanser Verlag


Wären die Menschen stiller, dann könnten sie die Geräusche ihres eigenen Lebens besser hören. Wären die Menschen stiller, würde es das, was sie sagen, wenn sie sich dazu entscheiden, es auszusprechen, umso wichtiger machen. Wären die Menschen stiller, dann würden sie die Signale der anderen besser verstehen [...]
Menschen sind so schlecht darin, die Signale der anderen zu verstehen, das weiß ich inzwischen.
- S. 100


Das Leseerlebnis
Bei manchen Büchern ist man sich, sobald man sie entdeckt, sofort sicher, dass man sie lesen möchte. So ging mir das bei Ali Benjamins Debüt "Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren". Es sprach mich thematisch sofort an, weil ich Geschichten über besondere junge Protagonisten mag, die sich die Welt oder das Leben erklären wollen oder es zumindest versuchen. Es ist kaum zu glauben, dass dies das Debüt der Autorin sein soll. Es ist ein fantastisch-guter, sehr feiner Roman über Freundschaft, Trauer und Schuld. Und über die Erkenntnis, dass manchmal Dinge einfach passieren ... und man nichts daran ändern kann.

Suzy ist nicht nur ein 12-jähriges Mädchen, das sich über viele Dinge Gedanken macht, an die andere Menschen keinen zweiten verschwenden, Suzy hat sich außerdem entschieden, nicht mehr zu sprechen. Zumindest nicht, wenn es nicht absolut notwendig ist. Sie möchte entweder nur etwas Sinnvolles sagen oder gar nichts mehr. Viel wichtiger ist es ihr zu beweisen, dass ihre beste Freundin Franny nicht einfach nur ertrunken ist, sondern dass es einen Grund dafür gab. Eine gefährliche Quallenart soll dafür verantwortlich sein, und auf diese Theorie stürzt sich Suzy mit all ihrer Energie. Dabei gewinnt sie neue Erkenntnisse über sich selbst und die Freundschaft zu Franny.

Freitag, 17. August 2018

"Beautiful Liars: Gefährliche Sehnsucht" von Katharine McGee



Das Thema
New York, 2118: Im höchsten Wolkenkratzer der Welt wird für vier Jugendliche nichts mehr so sein wie vor der schlimmsten Nacht ihres Lebens. Denn einer von ihnen hat ein Menschenleben auf dem Gewissen. Und die anderen haben die Tat verheimlicht. Sie ahnen nicht, dass jemand weiß, was sie auf dem Dach des Towers getan haben. Und dieser Jemand wird sie nicht so einfach davonkommen lassen ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte Ravensburger Buchverlag


Das Mädchen hatte in seinem viel zu kurzem Leben bestimt genug Fehler gemacht. Aber sie hätte nicht ahnen können, dass diese Fehler sie heute Nacht auf diese Weise einholen würden.
Denn niemand, der auf eine Party geht, rechnet damit zu sterben.
- S. 7/8


Das Leseerlebnis
Es ist gefühlt noch gar nicht so lange her, dass ich den ersten Band der Beautiful Liars-Reihe beendet habe, und "Verbotene Gefühle" war so eindrücklich zu lesen, dass ich mich noch fast perfekt an alle Vorgänge darin erinnere. "Gefährliche Sehnsucht", der zweite Band, war darum ein Muss, und ich habe mir total darauf gefreut. Cover und Titel dieser Reihe finde ich immer noch kitschig, in mir schürt beides die völlig falschen Erwartungen. Aber wow, was hatte ich doch für ein tolles Lesen mit diesen ersten beiden Titeln! Ich kann also schon vorwegnehmen, dass mir auch der Folgeband sehr gut gefiel. Das Buch ist erneut fesselnd und auf seine Art beeindruckend.

Mittwoch, 15. August 2018

Dieses Buch bleibt im Regal #47

Eine Aktion von Damaris liest.
Regelmäßig, ein Mal im Monat, stelle ich hier die Bücher aus meinem Regal vor, denen ein ewiger Platz dort sicher ist. Zwar behalte ich generell nur Bücher, die ich ein zweites Mal lesen würde, doch nach wie vor gebe ich Bücher auch gerne weiter. Der Platz ist begrenzt. Trotzdem gibt es diese ganz besonderen Schätze, bei denen man schon beim Lesen weiß, dass man sich nie wieder von ihnen trennen wird. Wenn du ein Buch hast, das im Regal bleibt, das du unbedingt deinen Bloglesern vorstellen musst, dann freue ich mich, wenn du dich meiner Aktion anschließt.


Kühlschrank-Chroniken: Ein WG-Roman


"Kühlschrank-Chroniken: Ein WG-Roman" von Nora Miedler - 14,99 € (HC) - Arena Verlag

Sonntag, 12. August 2018

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Spinster Girls: Was ist schon normal?" von Holly Bourne



dtv Verlagsgesellschaft (Juli 2018), Band 1,
Klappenbroschur, 416 Seiten,
übersetzt von Nina Frey,
10,95 € [D]


Wir sind stark, wir lassen uns nichts sagen und küssen trotzdem. Wir sind die Spinster Girls!


Alles, was Evie will, ist normal zu sein. Und sie ist schon ziemlich nah dran, denn immerhin geht sie wieder zur Schule, auf Partys und hat sogar ein Date. Letzteres entpuppt sich zwar als absolutes Desaster, dafür aber lernt sie dadurch Amber und Lottie kennen, mit denen sie den Spinster Club gründet. Doch schafft sie es auch, mit ihren neuen Freundinnen über ihre Krankheit zu sprechen? (Text-, Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft)


Wieder dachte ich an diesen Abend und was er eigentlich hätte sein sollen. Meine allererste Verabredung mit einem Jungen ... mein erster Schritt in die Welt der Normalität. Ich hatte nur sein wollen wie alle anderen, und trotzdem hatte mein Versuch sich bizarrer entwickelt als alles, was selbst mein bizarrer Kopf sich hätte ausmalen können. - S. 46


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Drei Mädchen gründen den Spinster Club, um Themen des Feminismus zu diskutieren. Das klingt doch nach einer tolle Idee! Genau das war mein erster Gedanke, als ich das Buch in der Hand hielt. Denn ich bin der Meinung, dass wir starke Mädchen brauchen, dass Mädchen unabhängig und eigenständig denken sollten, um laut ihre Meinung zu sagen. Und dass Mädchen davon profitieren, füreinander einzustehen und sich zu unterstützen.  
  2. Das Buch ist der Anfang einer Trilogie, in der jedes Mädchen des Spinster Clubs (Evie, Lotti und Amber) seine eigene Geschichte bekommt. In "Was ist schon normal?" geht es um Evie, die an einer psychischen Krankheit leidet und darüber auf keinen Fall mit ihren neuen Freundinnen sprechen möchte. Es geht um Freundschaft, aber auch Ängste, um Meinungsbildung, Akzeptanz und Vertrauen.
  3. Die Geschichte liest sich super! Spritzig und humorvoll, soweit ich das beurteilen kann, auch authentisch. Evie möchte zwar ihren Freundinnen nichts über ihre Krankheit erzählen, gibt dem Leser aber einen sehr detaillierten Einblick. Das ist oft direkt und schonungslos und ergreifend. Nichts dieser psychischen Erkrankung ist die Schuld des Betroffenen. Neben diesem Hauptthema - und dem Thema Jungs (und da kommen wirklich viele vor, was verständlich ist, die Mädchen sind sechzehn), - geht der Spinster Club manchmal ein bisschen unter. Trotzdem wird über Themen diskutiert, die Mädchen und Frauen betreffen. Es lohnt sich, sich darüber Gedanken zu machen.
  4. Kritisch im Buch muss ich den Alkoholkonsum der Mädchen sehen, denn diesen empfand ich als eindeutig zu hoch. Und um die Frage des Buchtitels aufzugreifen, das ist nicht normal und sollte es bei Jugendlichen auch nicht sein. Es geht nicht darum, dass Alkohol getrunken wird, sondern dass die Autorin keine Konsequenz aufzeigt oder dem Leser deutlich macht, dass es eben nicht okay ist, so viel zu trinken.
  5. Im Verlauf der Geschichte merkt man, wie Evie sich verändert, in alte Denkmuster und Zwänge zurückfällt. Alles steuert auf einen großen Zusammenbruch zu. Hier habe ich das Buch mit einer gewissen Anspannung gelesen, weil es mich sehr durchgerüttelt hat. Das Ende, rund um Evie, ihre Familie und auch ihre Freundinnen fand ich sehr gut gelungen. Denn, was kaum möglich schien, Evie ist am Schluss auf einem guten Weg der Akzeptanz ihrer selbst, inklusive dem Willen, die psychische Erkrankung als einen Lebensbestandteil anzusehen und Maßnahmen zu ergreifen, damit bestmöglich umzugehen. Denn was ist heute schon normal?

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

humorvoll, gefühlvoll, authentisch, spritzig und ehrlich



Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Spinster Girls: Was ist schon normal?" gelingt ein großartiger Spagat zwischen spaßiger Unterhaltung, Girl Power, und dem Thema psychische Erkrankungen (hier Zwang- und Angststörungen). Es ist eine ehrliche Geschichte, bei der man viel lacht, die ganz schön durchschüttelt und am Ende Mut macht, sich mit dem Leben und sich selbst auseinanderzusetzen. Ich empfehle dieses Buch ganz stark und würde es jederzeit nochmals lesen ... und alle weiteren Bände dazu.


© Damaris liest.



Reiheninfo Spinster Gils-Trilogie:

Band 1 - Was ist schon normal?
Band 2 - Was ist schon typisch Mädchen?
Band 3 - Was ist schon Liebe?




Donnerstag, 9. August 2018

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Juli 2018

Im Sommer lese ich einfach gerne. Zwar habe ich jetzt nicht übermäßig viele Buchseiten verschlungen, aber ich finde es komplett schön (mit viel Minzwasser und Ventilator!) auch bei den heißesten Temperaturen auf der schattigen Terrasse zu sitzen und zu lesen. Es kam in diesem Sommer nur ein- bis zweimal vor, dass es mir draußen tatsächlich zu heiß zum Lesen wurde. Im Juli habe ich sieben neue Bücher meinem SuB hinzugefügt, und ebenfalls sieben habe ich gelesen.


Meine Buchzugänge im Juli - 7 Bücher



Dienstag, 7. August 2018

"Hyde" von Antje Wagner



Das Thema
Seit sie denken kann, ist Hyde Katrinas Zuhause gewesen. Hier ist sie aufgewachsen, mit ihrer Schwester Zoe und ihrem Vater. Jetzt ist Hyde verschwunden - und Katrina auf sich allein gestellt. Von dem, was geschehen ist, weiß sie nur noch Bruchstücke. Als sie beginnt, ein verfallenes Haus zu renovieren, mit dem sie sich auf seltsame Weise verbunden fühlt, führt sie dies auf die Spur eines ungeheuren Geheimnisses. Ist sie überhaupt diejenige, die sie glaubt zu sein?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Beltz & Gelberg


Und die Orientierung zu verlieren, war für Zoe und mich genauso unwahrscheinlich, wie plötzlich die Fähigkeit zu atmen aufzugeben.
Papa hatte von Anfang März bis Ende Mai keine Angst um uns, denn nicht der Wald war der Feind. Ab Juni aber mussten wir versprechen, jede Dunkelheit zu meiden, jedes Dämmer-, Halb- und Zwielicht.
Ab Juni war die Schonzeit zu Ende. Die Jagdsaison begann.
- S. 109


Das Leseerlebnis
"Hyde" gehört zu den Büchern, bei denen ich nach einem ersten Blick weiß, dass ich sie lesen muss. Ich kann nicht mal genau festmachen woran das hier lag. Am düster-versteckten Cover? Am mysteriösen Klappentext? Ganz sicher aber an Autorin Antje Wagner, deren Art zu Schreiben und Themen aufzugreifen mich bereits in einem anderen Roman in den Bann zog. Jedenfalls hatte ich nur eine vage Vorstellung, was mich in "Hyde" erwarten würde. Die Geschichte empfand ich dann tatsächlich als mysteriös, auch gruselig, manchmal sogar etwas losgelöst vom Erklärbaren und kalt, eisig kalt.

Donnerstag, 2. August 2018

"Der nächstferne Ort" von Hayley Long



Das Thema
Ein schrecklicher Autounfall und von einer Sekunde auf die andere ist im Leben der beiden Brüder Griff und Dylan nichts mehr, wie es war. Während der 13-jährige Griff verzweifelt versucht, sich von der Trauer um den Verlust seiner Familie nicht überwältigen zu lassen, lässt Dylan nichts unversucht, seinen jüngeren Bruder zu schützen und ihm dennoch langsam zurück ins Leben zu helfen. Tatsächlich gelingt es den beiden auch ganz allmählich, ihren Platz wieder zu finden - jeder für sich und trotzdem gemeinsam.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Königskinder Verlag


Unser Auto wurde komplett geschrottet, mit uns allen drin. Es war, als würde einem mitten in einem total kranken Film plötzlich bewusst, dass man eine Hauptrolle darin spielt.
Und natürlich wollte ich nicht dort sein. Natürlich wollte ich nicht, dass das alles echt ist. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich mir die Fernbedienung geschnappt und diese ganze schreckliche Geschichte einfach weggezappt. Und dann wäre ich losgerannt zum nächstfernen Ort und für immer dort geblieben.
Doch das ging nunmal nicht.
Weil da noch andere Leute mit mir in diesem Film waren.
In diesem Auto.
Und einer von ihnen brauchte mich.
- S. 27


Das Leseerlebnis
Es sind oft die leisen Bücher, die unauffälligen oder, besser gesagt, unaufdringlichen Bücher, die bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen. Leider fallen aber gerade diese oft hinter den Spitzentiteln zurück, müssen es erst mal bemerkt werden, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Selbst als Vielleserin kann man sich nicht jedes Buch ganz genau anschauen. "Der nächstferne Ort" war eine Leseempfehlung, eine, für die ich sehr dankbar bin. Denn hätte ich das Buch nicht gelesen, hätte ich einen Buchschatz verpasst, ein Buch, das mich nachhaltig berührt und ergriffen hat.

Die Familie des 13-jährigen Griff und seines älteren Bruders Dylan führt ein eher unkonventionelles, aber sehr inniges Leben. Alle paar Jahre zieht es sie an einen anderen Ort und so haben die Jungen mit ihren Eltern schon auf mehreren Kontinenten gewohnt, sind nirgends fest verwurzelt. Aktuell wohnen sie in New York. Auf dem Rückweg von einer Ferienreise passiert ein großes Unglück, Griff und Dylan verlieren ihre Eltern.
So kurz umrissen klingt das nach einem echten Drama. Und das ist es auch. Die Geschichte ist eine Tragödie, die zu Herzen geht, die den Leser an die Hand nimmt und ihn miterleben lässt, wie Griff und Dylan nun ohne ihre Eltern zurechtkommen müssen. Während Dylan, der die ganze Geschichte erzählt, ruhig leidet, und lieber dafür sorgt, dass es seinem jüngeren Bruder gut geht, ist Griff oft etwas giftig und unnahbar. Aber wer soll es ihm verdenken? Die Situation der Jungen ist einfach unvorstellbar traurig.