Freitag, 20. Juli 2018

"Children of Blood and Bone: Goldener Zorn" von Tomi Adeyemi



Das Thema
Sie töteten meine Mutter.
Sie raubten uns die Magie.
Sie zwangen uns in den Staub.
Jetzt erheben wir uns.

Zélies Welt war einst voller Magie. Flammentänzer spielten mit dem Feuer, Geistwandler schufen schillernde Träume, und Seelenfänger wie Zélies Mutter wachten über Leben und Tod. Bis zu der Nacht, als ihre Kräfte versiegten und der machthungrige König von Orïsha jeden einzelnen Magier töten ließ. Die Blutnacht beraubte Zélie ihrer Mutter und nahm einem ganzen Volk die Hoffnung.
Jetzt hat Zélie eine einzige Chance, die Magie nach Orïsha zurückzuholen. Ihre Mission führt sie über dunkle Pfade, wo rachedurstige Geister lauern, und durch glühende Wüsten, die ihr alles abverlangen. Dabei muss sie ihren Feinden immer einen Schritt voraus sein. Besonders dem Kronprinzen, der mit allen Mitteln verhindern will, dass die Magie je wieder zurückkehrt.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB


Inan zuckt zurück. "Das kannst du nicht verstehen."
"Und ob ich das verstehe!", brülle ich und komme ihm so nah, dass ich die Bartstoppeln auf seinen Wangen sehe. "Du würdest deine Schwester krepieren und ganz Orïsha brennen lassen, Hauptsache, niemand erfährt von deiner Magie."
"Ich schütze Orïsha, indem ich meine Magie geheim halte!" Seine Kräfte erwachen wieder, die Luft wird wärmer. "Die Magie ist die Wurzel allen Übels. Die Wurzel von Orïshas Leid!"
"Dein Vater ist die Wurzel von Orïshas Leid!" Meine Stimme bebt vor Zorn. "Er ist ein Tyrann und Feigling. Mehr wird er nie sein!"
- S. 364


Das Leseerlebnis
Autorin Tomi Adeyemi hat sich von ihrer nigerianischen Herkunft zu ihrem Debüt "Children of Blood and Bone: Goldener Zorn" inspirieren lassen. Gleichzeitig sollte ihr Buch ein Beitrag zur Lösung des Problems sein, dass auch heute noch viele schwarze Männer, Frauen und Kinder grundlos angegriffen und unterdrückt werden. Ob ihr das mit einem Fantasyroman gelingt, ist natürlich nicht sicher. Aber das Buch wird gelesen und es ist ein Hit. Ich selbst wollte mir ebenfalls ein Bild von der hochgelobten Geschichte machen ... und sie gefiel mir ab Beginn. "Goldener Zorn" ist ein atmosphärisches Abenteuer und konnte mich, trotz stellenweiser Kritik, für sich einnehmen.

Die von der Autorin erschaffene Welt Orïsha orientiert sich an Afrika. Das ist schon aufgrund der wunderbaren Karte im Buch ersichtlich. Alle Charaktere sind schwarz, das wird dem Leser durch wiederkehrende Beschreibungen immer wieder neu ins Gedächtnis gerufen. Noch nie habe ich das in einem Roman so intensiv erlebt. Und das Land ist grausam. Einst lebten die Maji in Orïsha, Menschen mit magischen Kräften. Bis der herrschende König alle hinrichten und nur deren Nachkommen am Leben ließ. Dieses Kinder sind im Land geächtet und werden unterdrückt, oft willkürlich getötet. Eine dieser Maji-Nachkommen ist Zélie, die plötzlich die Chance erhält, die Magie nach Orïsha zurückzubringen. Eine Reise mit einer fast unlösbaren Aufgabe beginnt.

Ich empfand die Geschichte als sehr atmosphärisch und anders. Und dass, obwohl die eigentliche Handlung nicht neu ist. Eine Weltrettungsmission (hier Magie-Rettung) mit einer Wanderschaft quer durchs Land. Das scheint fast unmöglich, und die Reise ist mit allerhand Gefahren und Hindernissen verbunden. Klingst das bekannt? Ist es auch. Trotzdem wurde ich von der Handlung mitgerissen. Das lag zum einen an der großen Spannung und Action in der Geschichte, sicherlich aber auch an Zélie und Amari, ihrer Begleiterin, zwei (Haupt)-Protagonistinnen, die Ungerechtigkeit nicht länger hinnehmen wollen, sich auflehnen und dagegen kämpfen. Mit von der Partie sind außerdem noch Zélies Bruder Tzain, und später Amaris Bruder Inan. Diese Gruppe gefiel mir, denn deren Werdegang von Streit, Spannungen zu sich entwickelnden Freundschaften und Verbündeten ist sehr gut. Dafür war mancher Twist für mich nicht sehr überraschend.

Kleine Logiklöcher, ja, die gab es ab und an, lasse ich zugunsten der packenden Story gerne außen vor. Ein großer Kritikpunkt, und für mich der Grund, warum ich dem Buch keine Höchstwertung geben kann, ist/sind aber die Lovestory(s). Diese waren sowas von unnötig, dass sie mich wirklich störten. Zwei Mädchen und zwei Jungen im Roman? Da muss nicht unbedingt eine Liebesgeschichte draus werden! Das hätte bei der tollen Geschichte wunderbar als Gemeinschaft oder Freundschaft funktioniert. Ich weiß nicht, ob die Idee von der Autorin kam oder ob ihr gesagt wurde, hey, das Buch ist für Jugendliche, also muss eine Lovestory drin sein. Genau so wirkt es nämlich. Glücklicherweise fast kitschfrei, aber einfach unnötig.

Die Spannung im Buch ist konstant hoch, aber richtig, richtig spannend und aufwühlend wird es zum Schluss. Hier führt eine Aktion zur nächsten, und das ist so vorwärtstreibend, dass man hochkonzentriert liest, um auch ja nichts zu verpassen. Das Ende lädt dann zum Spekulieren ein. Ich bin sicher nicht die einzige Leserin, die den Folgeband gerne sofort greifbar hätte.

Das Fazit
"Children of Blood and Bone: Goldener Zorn" ist trotz bekannter Storyline mitreißend-anders. Das Buch liest sich atmosphärisch und actiongeladen, so hart, dass es den Leser nicht selten ganz schön durchschüttelt. Zélie und Amari sind großartig, zwei authentische Heldinnen, von denen man noch viel mehr lesen mag. Schade, dass die Geschichte mit einer völlig unnötigen Lovestory bedacht wurde. Ziemlich unverständlich, denn sie wäre ohne noch viel eindrücklicher gewesen. Nach den sich überschlagenden Ereignissen am Ende, ist das nächste Buch der Reihe ein Muss. 4 von 5 Sterne vergebe ich dafür.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


FISCHER FJB (Juni 2018) - Band 1/3 - Hardcover mit Schutzumschlag, 624 Seiten - 18,99 € [D]
Originaltitel: Children of Blood and Bone - Übersetzt von Andrea Fischer - ab 14 Jahren