Samstag, 23. Juni 2018

"Die fünf Gaben" von Rebecca Ross



Das Thema
Wie jedes Mädchen im Haus Magnalia fiebert Brienna der Sommersonnenwende entgegen. Denn dann wird sie zur Berufenen erklärt und kann ein neues Leben bei einem Gönner beginnen. Sie lässt sich auf das Angebot eines Lords aus dem Norden ein, auch wenn sie dafür schweren Herzens von ihrem Lehrer, Master Cartier, Abschied nehmen muss. Kaum ist sie jedoch im Reich Maevana angekommen, steht mehr als ihr Glück auf dem Spiel: Mit ihrer besonderen Gabe soll sie den König stürzen und somit ihre Vorfahren verraten. Als sie Cartier schließlich wiederbegegnet, muss sie sich entscheiden, ob sie ihrer Familie oder ihrem Herzen die Treue hält.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


Die Legende besagte, der Nebel sei von den Kavanagh-Königinnen mit Zauberhand gewoben worden. Dass er ein Schutzmantel für Maevana sei und nur die törichten und mutigsten Männer dorthin segelten. Diese Legende hallte noch immer nach. Die Magie war außer Kraft, doch sobald der valenianische Morgendunst von der Sonne vertrieben worden war, überfiel uns der Nebel Maevanas wie ein Rudel knurrender weißer Wölfe, während wir dem königlichen Hafen von Lyonesse entgegensegelten.
Ich verbrachte den größten Teil der kurzen Reise damit, in den Nebel zu starren, in dieses aufreizende weiße Nichts.
- S. 300


Das Leseerlebnis
Historische Fantasy für Jugendliche hat gerade nicht nur Saison, sie birgt auch großes Potenzial. Die Ideen und Möglichkeiten innerhalb dieses Genres sind wie ein weites Feld. Darum lese ich diese Art Bücher auch besonders gerne. "Die fünf Gaben" von Rebecca Ross, ein Trilogiestart, schien mir ein vielversprechender Roman dieser Rubrik zu sein. Und ja, das Auge liest hier definitiv mit. Denn das Buch ist außen und innen so wunderschön gestaltet, mit Holo- und Schimmereffekt auf Umschlag und Einband, graphisch aufwändige Verzierungen im Innenteil, dass man sich gar nicht daran sattsehen kann. Und mit ein paar Abstrichen, macht auch die Geschichte Spaß.

Vorne im Buch befindet sich keine Karte (im amerikanischen Original anscheinend schon), und man braucht auch keine, um der Handlung gut folgen zu können. Dafür findet man am Buchanfang aber ein Personenverzeichnis, diverse Familienlisten und Stammbäume. Das hat mir fast schon etwas Angst gemacht, bzw. suggeriert, dass das Lesen sehr aufwändig und komplex werden würde. Wurde es aber nicht, diese "Sorge" blieb unbegründet. Die Geschichte ist jederzeit gut nachvollziehbar und zu verstehen. Das liegt an der klaren Einteilung und manchmal verraten die Kapitelüberschriften sogar etwas viel.
"Die fünf Gaben" liest sich süffig, durch viele Vergleiche auch stimmungsvoll, und hat eine so tolle Ausgangssituation, dass die ersten 200 Seiten nur so dahinfliegen. Hauptprotagonistin Brienna verbringt ihre Jugendjahre in einer Schule für Begabte, um die ihr bestimmte Gabe herauszufinden und eine Meisterin zu werden. Ein wirklich schönes Konzept. Ich stellte bald Vermutungen an, was es mit bestimmten Dingen auf sich hat oder welches Geheimnis manche Personen wohl hüten.

Irgendwann überkam mich dann das Gefühl, dass dem Buch irgendetwas fehlt. Im Prinzip gefiel mir die Geschichte, aber vieles ging mir auch zu glatt und problemlos vonstatten. Manche Abläufe sind recht einfach oder offensichtlich, so als folgte die Handlung ganz strikt einer Vorgabe. Vieles wird sofort oder zu schnell gelöst ("Mist, ich bin im Zimmer eingesperrt. Aber super, hinter dem Wandvorhang ist ein Geheimgang, durch den ich entkommen kann."). Romantik spielt lange keine große Rolle und hält sich auch später im Hintergrund. Die Autorin verzichtet (fast) vollständig auf kitschige Szenen.
Am Ende geht es flott und aufregend zur Sache. Es wird spannend. Eine geplante und große Wendung wurde von mir jedoch lange vorher vermutet. Der Überraschungseffekt blieb aus. Briennas Rolle ist am Schluss sehr ausgeschmückt, fast schon etwas zu pathetisch. Zwar ist "Die fünf Gaben" der Beginn einer Trilogie, kann aber völlig eigenständig gelesen werden, genau so wie ein Einzelband. Die Geschichte wird zu einem Abschluss gebracht, mit dem ich zufrieden war. Man könnte sogar spekulieren, ob in den Folgebänden andere Hauptcharaktere zu Wort kommen.

Das Fazit
"Die fünf Gaben" ist ein historischer Jugendroman, der sich, entgegen meinen anfänglichen Vermutungen, pfiffig und gut verständlich lesen lässt. Und ja, das Buch ist unterhaltsam, oftmals aber auch recht einfach und auf schnelle Lösungen konzipiert. Das wirkt unter Umständen, trotz der herrlich differenzierten Grundidee, oberflächlich in der Ausführung. Wer gerne eine 500 Seiten starke und kurzweilige Fantasygeschichte liest, die auch noch in sich abgeschlossen ist, dem wird "Die fünf Gaben" gut gefallen. Für die Folgebände gibt es aber noch Luft nach oben. 3,5 von 5 Sterne vergebe ich dafür.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Carlsen Verlag (Februar 2018) - Band 1/3 - Hardcover mit Schutzumschlag, 496 Seiten - 19,99 € [D]
Originaltitel: The Queen's Rising - Übersetzt von Susann Friedrich - ab 14 Jahren

Kommentare:

  1. Hey meine Liebe,

    wirklich schade, dass du nicht ganz so überzeugt warst. Ich habe das Buch ja auch schon gelesen, habe aber ähnliche Kritikpunkte gehabt wie du. Es ist eine tolle Grundidee, aber bei der Umsetzung hat es teilweise etwas gefehlt. Ich habe 4 Sterne vergeben, für mich aber beschlossen dass ich die Folgebände wohl weglassen werde.

    liebe Grüße, Toni

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    1. @Toni - Das ist ja lustig, ich hatte mir auch überlegt, ob ich das Buch mit 4 Sternen bewerte, weil im Grunde war es ja wirklich okay. Es fiel dann leicht unter diese Bewertung und auch ich werde wohl die Folgebände nicht lesen. Ganz ausschließen will ich es aber auch nicht :-).

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