Donnerstag, 19. April 2018

"Young Elites: Die Herrschaft der Weißen Wölfin" von Marie Lu



Das Thema
Adelina ist endlich an ihrem Ziel angelangt: Sie sitzt auf dem Thron von Kenettra. Ihre Herrschaft als Weiße Wölfin ist grausam. Erbarmungslos rächt sie sich an ihren Widersachern. Als jedoch eine Gefahr auftaucht, die das Leben aller Begabten bedroht, ist Adelina gezwungen, mit ihren Feinden zusammenzuarbeiten. Mit der verhassten Gemeinschaft der Dolche macht sie sich auf eine riskante Reise, um sich selbst, ihre Schwester und ihr Königreich zu retten. Doch die widerwillig geschlossene Allianz und Adelinas stetig zunehmende innere Dunkelheit scheinen die Mission zum Scheitern zu bringen ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag


Die Frau vor mir windet sich, ihr Blick zuckt wild umher, als sie Ungeheuer sieht, die nur in ihrem Geist existieren. Dunkelrote Tropfen fliegen ihr von den Lippen. Ich trete einen Schritt zurück, damit das Blut nicht den Saum meines Gewands besudelt.
Schließlich wird die Frau bewusstlos und bleibt reglos liegen.
Ruhig wende ich mich wieder dem Rest unserer Gefangenen zu, die wie zu Statuen erstarrt dastehen. Die Furcht hängt so dick in der Luft, dass ich sie mit meinem Dolch zerteilen könnte. "Noch jemand?", gellt meine Stimme über den Platz. "Nein?" Es herrscht weiter Schweigen.
- S. 23


Das Leseerlebnis
Die Young Elites-Trilogie war für mich ab dem ersten Band etwas Besonderes. Vor allem lag das wohl an der Hauptprotagonistin Adelina, die sich von einem verängstigten Mädchen, zu einer düsteren und rachsüchtigen jungen Frau entwickelt. Anfangs kann man das noch wie nebenbei miterleben, spätestens im zweiten Band wird jedem Leser klar, was aus Adelina geworden ist - eine böse Schurkin, sozusagen eine Antiheldin. Wie die Autorin die vielen Konflikte im Abschlussband "Die Herrschaft der Weißen Wölfin" lösen würde, das war für mich die spannende Frage. Es war definitiv ein tolles Leseerlebnis, sehr spannend und hitzig. Und am Schluss so mutig und konsequent, dass es mich sehr anrührte, fast ein bisschen überwältigte.

Etwa ein Jahr ist vergangen, seit Adelina den Thron von Kenettra ergaunert, oder besser, an sich gerissen hat. Seitdem herrscht sie als mächtige Begabte mit Härte, oft Grausamkeit und Furcht, erobert ein Nachbarland nach dem anderen. Um sie herum hat sie ihre Freunde und Ratgeber des Bündnisses der Rosen. Doch als ihre alten Feinde, die Gemeinschaft der Dolche, entdecken, dass etwas die Welt verändert und damit das Leben allen Begabten in Gefahr ist, entschließt sich Adelina, mit den Dolchen zusammenzuarbeiten ... natürlich nicht, ohne ihre eigenen Ziele zu verfolgen.

Die Intensität der Geschichte hat mir unglaublich gut gefallen. Sie ist sehr düster, manchmal fast schon erbarmungslos und nicht selten richtig gruselig. Später wählt Marie Lu ein sehr bekanntes Romanelement, nämlich eine Reise, auf der verfeindete Parteien zusammenarbeiten müssen, um eine große Gefahr abzuwenden. Doch so einfach wird es nicht, denn es ist permanent eine Bedrohung zu spüren, ein innerer Konflikt mehrerer Protagonisten, und damit das Risiko, dass die Sache schiefgeht. Leicht wird es für alle Personen zu keiner Zeit und meine Gefühle schwankten zwischen Sorge, Faszination und auch Mitleid. Eine Antipathie gegen die Antiheldin Adelina hatte ich nie, auch nicht unbedingt gegen einen ihrer Mitstreiter oder Feinde. Hinter jeder Person stecken eine ganze Menge plausible Hintergründe. Das hat mich eher für sie eingenommen.

Richtig überrascht war ich dann von der Lösung des Ganzen. Davon, wie es für Adelina, die Rosen und die Dolche ausgeht. Lange habe ich mir überlegt, was sich Marie Lu für ihre Schurkin überlegt hat, und ich wäre nicht darauf gekommen, welchen Weg die Geschichte am Ende einschlägt. Ich fand ihn mutig, wohlüberlegt und irgendwie ergreifend. Und so kam es auch, dass ich gegen Ende so gerührt war, dass mich während der Schlusshandlung ein dicker Klos im Hals begleitete. Ein ausgezeichneter Schluss!

Das Fazit
"Young Elites: Die Herrschaft der Weißen Wölfin" schließt eine besondere Trilogie allerbestens ab. Ich kann es nicht genau definierten, darum sage ich es mal so: Vielleicht hat mir dieser Band am besten von allen gefallen. Obwohl ein großes Element des Buches sehr bekannt ist, hat mich die Handlung stark vereinnahmt. Am Ende so sehr, dass ich mit den Tränen kämpfen musste. Der Abschlussband ist spannend und nervenaufreibend-düster, gleichzeitig rührt das Buch etwas im Leser an, was er nicht vergessen wird ... weil es einfach besonders ist. Wirklich toll! 4,5 von 5 Sterne gibt es von mir.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Loewe Verlag (Januar 2018) - Band 3/3 - Hardcover mit Schutzumschlag, 352 Seiten - 18,95 € [D]
Originaltitel: The Midnight Star - Übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessika Komina - ab 14 Jahren



Reiheninfo Young Elites-Trilogie:

Band 3 - Die Herrschaft der Weißen Wölfin

Kommentare:

  1. Liebe Damaris,
    da hast du aber relativ schnell den Abschluss gelesen. Und ich kann dir wieder nur zustimmen. Ein wirklich starkes Ende und vor allem hat mich die Lösung, sowie die damit verbundene Atmosphäre unheimlich überrascht. Dafür habe ich die Autorin noch mehr zu schätzen gelernt.
    Gänsehaut pur und ja, definitiv auch ein Kloß im Hals!

    Sonnige Grüße
    Sandy

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    1. @Sandy - Ja, ich musst schnell zum Abschluss greifen, weil ich natürlich wissen wollte, wie das mit Adelina zu Ende gebracht wird (tragisch, oder?). Gerade über den Abschluss habe ich sehr kritische Stimmen gehört, fand ihn selbst aber super. Ich mag die Reihe komplett und sie bleibt bei mir auch im Regal. Du hast recht - Gänsehaut! Von Marie Lu würde ich alles Kommende lesen :-)

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