Freitag, 9. Februar 2018

"Ein weiter Weg" von Dan Gemeinhart



Das Thema
Oktober 1890, Washington State: Der zwölfjährige Joseph hat nahezu alles verloren - seine Eltern, seine kleine Schwester und sein Zuhause. Doch als dann auch noch sein geliebtes Pferd verkauft wird, gibt er nicht auf, sondern beschließt, Sarah zurückzuholen. Koste es, was es wolle! Selbst wenn er dafür Naturgewalten trotzen muss, von wilden Tieren bedroht wird und schließlich sogar mit Männern zu tun hat, für die ein Menschenleben keinen Dollar wert ist. Aber wenn Joseph eines nicht verloren hat, dann ist es die Hoffnung, Sarah wiederzufinden. Und den Mut, dafür zu kämpfen.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Königskinder Verlag


Ich wusste nicht, ob das, was ich vorhatte, ein Werk Gottes oder des Teufels war. Ich wusste nur, dass es getan werden musste und dass die Zeit dafür gekommen war.
So viele Stunden hatte ich schon schlaflos auf meinem armseligen Strohsack gelegen und darauf gewartet, dass der alte Mann endlich in Tiefschlaf fiel. [...] Um ehrlich zu sein, zitterten mir ein bisschen die Hände, als ich jetzt so leise wie möglich über den Lehmboden auf sein Lager zuschlich, wo er vor sich hin schnarchte. Und nicht nur vor Kälte.
- S. 5


Das Leseerlebnis
Seit ich lese, also schon seit meiner Kindheit, bin ich ein Fan von Pferdebüchern. Somit hatte "Ein weiter Weg" auch sofort mein Interesse und als ich die Buchbeschreibung las, gleich umso mehr. Denn das Thema rührte etwas in mir an und ich wollte sofort wissen, wie Joseph sein verkauftes Pferd zurückholen will und ob es ihm am Ende gelingt. Dabei ist die Geschichte keineswegs eine, bei der es nur um ein Pferd geht. Es ist eine Geschichte über den Mut, das Richtige zu tun. Über Freundschaft ohne Vorurteile und Hilfsbereitschaft, auch wenn man selbst Hilfe gebrauchen könnte.

Joseph ist erst zwölf Jahre alt, und er hat schon alles verloren. Seine Mutter und seine Schwester sind gestorben, als die Familie gen Westen auswanderte, und kürzlich kam auch noch sein Vater bei einem Planwagenunfall ums Leben. Noch im Sterben hat er verfügt, dass Mr Grissom, ein Bekannter, sich um Joseph kümmern soll und dafür den ganzen Besitz der Familie erhält. Doch Mr Grissom ist ein Säufer und behandelt Joseph schlecht. Aus Geldgier hat er Sarah, Josephs Pferd, verkauft, seinen einzigen und liebsten Besitz und alles, was ihm von seiner Familie übrig blieb. Joseph muss über sich hinauswachsen, um Sarah zurückzuholen. Ob es ihm gelingt, bleibt fraglich.

Wer will es Joseph verdenken, dass er sich an das Einzige hält, das ihm (theoretisch) bleibt, nachdem er sonst nichts mehr hat. Und dieses Einzige ist nun mal ein Pferd. Hier davon auszugehen, dass "Ein weiter Weg" ein reines Pferdebuch ist, wäre zu oberflächlich gedacht. Es geht nämlich um viel mehr. Joseph hat mir als junger Mensch sehr imponiert, und sein Verhalten hat mich nicht nur ein Mal gerührt. Egal wie schwierig die Situation ist, er gibt nicht auf und ist rücksichtsvoll und freundlich zu allen Personen, die ihm auf seinem Weg begegnen. Sogar zu denen, die ihm Böses wollen. Dabei verliert er sich selbst und sein Ziel aber nie aus den Augen, tritt sehr bestimmt und ausdauernd auf. Joseph war für mich ein echter Sympathieträger und das große Plus dieses Buches.

Im Prinzip ist "Ein weiter Weg" ein klassischer Western, sehr lebendig und voller Erlebnisse. Am Ende hat Autor Dan Gemeinhart vielleicht ein kleines bisschen dick aufgetragen ... und trotzdem geht Josephs Leben in die Richtung, die man sich als Leser für ihn wünscht. Das Buch ist herzerwärmend-gut abgeschlossen.

Das Fazit
"Ein weiter Weg" hat mich dahingehend beeindruckt, dass ein Junge sein Ziel mit Herz, Mut und Beharrlichkeit verfolgt, egal wie schwer die Umstände auch sind. Das Buch ist wunderschön zu lesen, weil es berührt und gleichermaßen unterhält, und das liegt eindeutig am liebenswerten Hauptprotagonisten Joseph. Wer ein Buch über Herzlichkeit und vorurteilsfreie Freundschaft lesen möchte, dem kann ich "Ein weiter Weg" unbedingt empfehlen. Ich vergebe 4,5 von 5 Sterne.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Königskinder Verlag (September 2017) - Hardcover mit Schutzumschlag, 272 Seiten - 16,99 € [D]
Originaltitel: Some Kind of Courage - Übersetzt von Annette von der Weppen - ab 13 Jahren