Samstag, 20. Januar 2018

"Mord erster Klasse: Der dritte Fall für Wells & Wong" von Robin Stevens



Das Thema
Nach den schockierenden Morden im Internat und auf Fallingford nimmt Hazels Vater seine Tochter und ihre Freundin Daisy mit auf eine Reise im berühmten Orientexpress. Klar, dass jeder ihrer Mitreisenden in der ersten Klasse etwas zu verbergen hat. Angeblich soll sogar ein Spion im Zug sein! Als ein Passagier ermordet aufgefunden wird, nimmt die Detektei Wells & Wong die Ermittlungen auf. Doch sie scheinen es mit einem Mörder zu tun zu haben, der sich einfach in Luft aufgelöst hat - und mit einigen anderen Spürnasen, die den Fall genauso entschlossen aufklären wollen.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knesebeck Verlag


Daisy hockte sich auf die Kante ihres Pritschenbetts und zog ein Buch aus ihrer Reisetasche. Eigentlich hätte es mich nicht wundern sollen, dass es Mord im Orientexpress war.
"Das kannst du nicht lesen, Daisy!" sagte ich.
"Nun hör aber auf. Natürlich kann ich", meinte sie. "Ich kann lesen, was mir passt. Außerdem bringt es uns vielleicht auf ein paar gute Ideen, wenn wir erst mit den Ermittlungen anfangen."
"Es wird aber keine Ermittlungen geben", widersprach ich.
"Das glaubst du", entgegnete Daisy.
- S. 39


Das Leseerlebnis
Mittlerweile sind wir beim dritten Teil der Reihe Ein Fall für Wells & Wong angekommen. Wo andere Geschichten bereits zu Ende erzählt sind, geht es hier erst richtig los. Denn es werden noch mindestens drei weitere Bücher über die charmanten 13-jährigen Schülerinnen, deren selbstgegründete Detektei die schwierigsten Fälle löst, folgen. Der dritte Fall von Daisy und Hazel heißt "Mord erster Klasse" und spielt auf einer Ferienreise im berühmten Orientexpress. Und ja, hierfür war der Ansporn tatsächlich Agatha Christies Roman "Mord im Orientexpress", der die Autorin schon immer fasziniert hat. Eine wunderbare Vorlage für das neueste Abenteuer der Detektei Wells & Wong

Wie bereits erwähnt ist der Schauplatz dieser Geschichte nicht die Mädchenschule Deepdean oder Daisys Zuhause Fallingford, sondern ein Zug - ein sehr bekannter noch dazu. Nach den Vorfällen in der Schule und während der Osterferien, tritt diesmal Hazels Vater auf den Plan. Er ist extra aus Hongkong angereist, um mit seiner Tochter und deren Freundin Sommerurlaub zu machen und auch, um sie unter seine Fittiche zu nehmen. Im Orientexpress soll es auf eine Vergnügungsreise quer durch Europa gehen. Dafür müssen ihm die Mädchen aber hoch und heilig versprechen, sich aus allem Ärger rauszuhalten, keine Ermittlungsfall zu suchen, wo keiner ist, und immer schön brav und gehorsam zu sein, so wie das in den 1930er Jahren von jungen Mädchen erwartet wurde. Doch da hat er seine Rechnung ohne Daisy und Hazel gemacht.

Interessant ist, dass die Ermittlungen der beiden Mädchen immer an verschiedenen Orten stattfinden. Das hat einen großen Anteil daran, die Bücher spannend und abwechslungsreich zu halten, vor allem, wenn eine Reihe umfangreicher ist. Ich persönlich hätte nach diesem Abenteuer aber gar nichts dagegen, mal wieder an den Ursprungsort, die englische Mädchenschule Deepdean, zurückzukehren.

Auch "Mord erster Klasse" lebt vom großen Charme dieser Zeitepoche und der besonderen Eigenheiten aller Buchcharaktere, was durch die hochwertige Sprache nochmals unterstrichen wird. Es ist einfach jedes Mal ein einzigartiges und entzückendes Lesen. Daisys unverblümte Art sorgte bei mir für oftmaliges Schmunzeln, auch wenn Hazel darunter zu leiden hat und mir in diesen Momenten manchmal richtig leid tat. Das Buch ist spannend, an einigen Stellen sogar tiefsinnig. Die komplexen Ermittlungen sind gut nachvollziehbar. Obwohl die Lösung jeweils einfach scheint, denkt sich Autorin Robin Stevens immer etwas Besonderes aus. Auch wenn man meint, das Konstrukt durchschaut zu haben, folgen Überraschungen, mit denen man nicht gerechnet hat. Ab und zu hatte ich das Gefühl, einzelne Szenen würde sich ein klein wenig ziehen und empfinde diesen Teil darum als ein bisschen schwächer als noch den Vorgängerband. Das ist aber rein subjektiv, denn "Mord erster Klasse" ist wieder eine Wucht!

Das Fazit
"Mord erster Klasse: Der dritte Fall für Wells & Wong" setzt die Messlatte erneut hoch an, denn diese Buchreihe ist definitiv etwas bewundernswert Besonderes. Die Ermittlungen der beiden Schülerinnen Daisy und Hazel sind erneut herrlich zu lesen. Sie sind charmant und beschwingt, haben dazu eine ausgesuchten Humor und die atmosphärische Kulisse einer Reise im Orientexpress der 1930er Jahre. Es ist eine Geschichte mit Charme und Anspruch, die mich jeden weiteren Ermittlungsfall von Wells & Wong herbeisehnen lässt. Dieses Mal vergebe ich 4 von 5 Sterne.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Knesebeck Verlag (September 2017) - Band 3/6 - Hardcover, 288 Seiten - 15,00 € [D]
Originaltitel: First Class Murder - Übersetzt von Nadine Mannchen - ab 12 Jahren



Reiheninfo Ein Fall für Wells & Wong-Serie:

Band 3 - Mord erster Klasse

Kommentare:

  1. Huhu liebe Damaris!
    Hach, da machst Du mich mal wieder total hibbelig. Der erste Teil der Reihe steht nun schon ein paar Tage auf meiner Wunschliste, aber ich wollte mich im Januar jetzt voll eigentlich zurückhalten, da ich schon wieder mehr gekauft wie gelesen hab.
    Und dann kommst Du und machst wieder so neugierig auf diese Reihe. Ich finde das nicht ok :D
    Nein ernsthaft, Du machst mit Deiner Rezension wirklich neugierig und sorgst dafür, dass man am liebsten direkt in die nächste Buchhandlung rennen möchte. Ich glaube, bei der nächsten Bestellung ist es dabei. Sind das eigentlich Taschenbücher oder Hardcover?

    Alles Liebe, Nelly

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    1. @Nelly - Die Wells & Wong-Reihe sind Hardcover ... und ich liebe sie nicht nur optisch. Die Bücher sind etwas ganz Eigenes im Jugendbuch, irgendwie altertümlich-reizvoll und sehr charmant, und heben sich schon alleine darum von der Masse ab. Ich kann dir alle sehr empfehlen :-)

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