Dienstag, 2. Januar 2018

"Die rote Königin" von Victoria Aveyard



Das Thema
Mares Welt wird von der Farbe des Blutes bestimmt. Sie selbst gehört zu den niederen Roten, deren Aufgabe es ist, der Silber-Elite zu dienen. Denn die - und nur die - besitzt übernatürliche Kräfte. Doch als Mare bei ihrer Arbeit in der Sommerresidenz des Königs in Gefahr gerät, geschieht das Unfassbare: Sie, eine Rote, rettet sich mit Hilfe besonderer Fähigkeiten!
Um Aufruhr zu vermeiden, wird sie als verschollen geglaubte Silber-Adlige ausgegeben und mit dem jüngsten Prinzen verlobt. Dabei ist es dessen Bruder, der Thronfolger, der Mares Gefühle durcheinander bringt. Doch von jetzt an gelten die Regeln des Hofes, Mare darf sich keine Fehler erlauben. Trotzdem nutzt sie ihre Position, um die aufkeimende Rote Rebellion zu unterstützen. Sie riskiert dabei ihr Leben - und ihr Herz ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


"Sie haben Recht, Mare. Niemand sollte Mitleid mit mir haben." Ich höre die Bitterkeit in seiner Stimme und erschauere, als ich sehe, wie er zu Cal hinüberblickt. Sein älterer Bruder stahlt wie die Sonne und lacht mit seinem Vater. Als Maven sich wieder umdreht, ringt er sich ein Lächeln ab, doch in seinen Augen liegt eine überraschende Traurigkeit. [...]
Ich bin ein rotes Mädchen in einem Meer aus Silbernen, und ich kann es mir nicht leisten, Mitleid mit jemandem zu haben; schon gar nicht mit dem Sohn einer Schlange.
- S. 144


Das Leseerlebnis
Soweit ich das beurteilen kann ist "Die rote Königin", bzw. die Reihe Die Farben des Blutes, nicht nur in der Originalausgabe sehr erfolgreich. Auch im deutschsprachigen Raum werden die Bücher geliebt. Mittlerweile warten viele Leser schon gespannt auf Band 4 der Reihe. Warum ich erst so spät zum ersten Band gegriffen habe, weiß ich gar nicht, denn ich hatte das Buch immer auf meinem Leseschirm. Wie hat es mir nun gefallen? Definitiv gut! Obwohl ich mir selbst eingestehen muss, dass es mich noch mehr von den Socken gehauen hätte, wenn ich es im Erscheinungsjahr 2015 gelesen hätte.

"Die rote Königin" ist eine klassische Dystopie - mit einigen Besonderheiten, wodurch sich das Buch von anderen Genrekollegen abhebt. Denn die Idee ist toll! In Mares Welt, einem Königreich, gibt es zwei Gesellschaftsschichten. Rote und Silberne. Wobei die Roten die normalen Leute, die Arbeiterklasse, darstellt und die Silbernen die Adels- und Herrschaftsklasse ist. Rote werden von Silbernen meist unterdrückt, die zudem noch Menschen mit ganz besonderen Fähigkeiten in ihren Reihen haben (das ist ein bisschen so bei bei X-Men). Das empfand ich als sehr interessant und vereinnahmend.
Durch einige unvorhergesehene Umstände wird Hauptprotagonistin Mare, eine rotes Mädchen, in die Welt der Silbernen eingeschleust. Das sorgt für zusätzliche  Konflikte und ein hohes Spannungslevel, auch wenn das Buch meiner Meinung nach einige Turbulenzen mehr hätte vertragen können. Außerdem entwickelt Mare Fähigkeiten, mit denen niemand gerechnet hat. Sie wird zu einer Bedrohung für die Monarchie und die herrschende Königsfamilie.

Ein großer Reiz an der dystopisch thematisierten Welt ist außerdem, dass man sie nicht richtig zuordnen kann. Zwar spielt die Geschichte in einer potenziellen Zukunft mit neuer Zeitrechnung - es gibt Autos, Strom, Aufzüge, usw. -, dann wirkt sie durch die Silber-Monarchie und die Lebensumstände der Roten jedoch auch etwas altertümlich. Ich empfand das als sehr reizvoll.
Nach einiger Zeit deutete sich in meinen Augen eine Dreiecksbeziehung an, mit einem leicht kitschigen Hin und Her und einer etwas nervigen Mare, die sonst jedoch sehr taff und menschlich ist. Aber bevor ich mich so richtig doll darüber aufregen konnte, stellte sich die Situation als komplett anderes heraus. Hier wartet die Geschichte dann mit Überraschungen auf, die ich so nicht vorausgesehen hatte. Auch hier gibt es ein Hin und Her, das ist aber komplett genial!

Das mir bekannte Grundschema von "Die rote Königin" (Unterdrückung einer Menschengruppe durch eine andere, intrigante Herrscher, Kämpfe, Trainings, besondere Fähigkeiten, ...) hat einen Anteil daran, dass das Buch seine Zeit bei mir persönlich vielleicht ein bisschen überschritten hat. Trotzdem besitzt es Elemente, die fesseln und zu überraschen wissen. Die Geschichte ist sehr gut! Ob und wann ich die Folgebände lese, wird sich zeigen.

Das Fazit
"Die rote Königin" war für mich eine Dystopie, die in ihrer Ausführung ein bekanntes Schema enthält, aber dennoch mit Besonderheiten und genialen Wendungen zu überraschen wusste. Die Geschichte ist mitreißend und trotz ihrer ruhigen Art sehr nervenaufreibend. Fast bereue ich es ein bisschen, dass ich das Buch für ein neuartiges Leseempfinden nicht schon früher gelesen habe. Fans von dystopischen Zukunftsgeschichten und Genreneulinge werden mit "Die rote Königin" faszinierenden Lesespaß erleben. 4 von 5 Sterne gibt es von mir.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Carlsen Verlag (Mai 2015) - Band 1/4 - Hardcover mit Schutzumschlag, 512 Seiten - 19,99 € [D]
Originaltitel: Red Queen - Übersetzt von Birgit Schmitz - ab 14 Jahren