Mittwoch, 13. September 2017

"Beware That Girl: Sie weiß alles über dich" von Teresa Toten



Das Thema
New York, Upper East Side: Kate O'Brien, eine Meisterin im Lügen und Manipulieren, hat ihre glänzende Zukunft genau geplant: ein Studium in Yale! Die mittellose Stipendiatin einer Eliteschule sucht sich berechnend die superreiche und leicht beeinflussbare Olivia Sumner als Freundin. Obwohl Kate bald bei Olivia einzieht, verschweigt sie ihre dunkle Vergangenheit, auch Olivia verliert kein Wort darüber, warum sie ein Jahr lang wie vom Erdboden verschwunden war. Als der gutaussehende und charmante Mark Redkin auftaucht, spürt Kate instinktiv, dass Mark nicht nur ihre Pläne durchkreuzen kann, sondern gefährlich ist. Dennoch muss sie hilflos zusehen, wie ihre Freundin ihm verfällt. Zwischen Kate, Olivia und Mark entspinnt sich ein abgründiges Katz-und-Maus-Spiel ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch


Jetzt hatte sie es wirklich kapiert. Warten war eine Tragikomödie. Es glich einer absurd-endlosen Qual. Wir lenken uns mit allem Möglichen ab, um uns einzureden, dass wir nicht "warten", weil Warten unerträglich ist. Warten war mit Vorgaben verbunden. Es war mit Angst und möglicher Zurückweisung verbunden und drohte einem mit Verzweiflung. [...] Wo blieb der komische Teil? - S. 199


Das Leseerlebnis
Ich mag es gerne, wenn neue Bücher in der Beschreibung mit ähnlichen Werken verglichen werden. Jedes Leseerlebnis ist individuell, kein Buch ist eins zu eins vergleichbar, und soll es auch nicht sein, aber man erhält einen ersten Hinweis, auf was man sich in etwa einstellen kann. Vielleicht trifft es zu, vielleicht auch nicht. "Beware That Girl: Sie weiß alles über dich" spielt im reichen Privatschul- und Szenemilieu von New York und soll das verunsichernde psychologische Terrain von "Gone Girl" oder "Solange wir lügen" haben. Ich kenne beide genannten Bücher und kann dem Vergleich durchaus recht geben. Es wird ungeheuerlich ...

"Beware That Girl" kann man mit "Nimm dich vor diesem Mädchen in Acht" übersetzen, und vor Kate sollte man sich auch wirklich in Acht nehmen. Sie möchte nämlich für sich selbst ein reiches Leben, auf Kosten anderer. Das soll sie an die Elite-Uni Yale bringen. Dafür sucht sie sich eine reiche Freundin, die ihr jeden Wunsch erfüllt. Normal reich reicht Kate nicht, richtig reich muss die neue Freundin sein. Diese findet Kate in Olivia, überreich und mit persönlichen Problemen. Perfekt für Kate, da sie Olivia nach Herzenslust manipulieren kann. Davon geht sie zumindest aus.

Schon nach dem Einstieg klebte ich an den Seiten. Die Geschichte weiß sofort zu fesseln, liest sich intrigant und manipulativ und hat zudem eine tolle Balance zwischen Sensationslust und Geheimniskrämerei. Schon hier fragte ich mich, ob die Autorin eventuell mit ihren Lesern spielt und sie auf eine falsche Fährte locken will, ob vielleicht alles anders kommt, als man zu Beginn erwartet. Oder bestätigt sich doch der erste Eindruck? Man ist immer weit davon entfernt, die beiden Mädchen genau einschätzen zu können, spekuliert aber viel. Was genau ist der Hintergrund? Was verheimlichen sie? Und obwohl man sich beim Lesen viele Gedanken macht, die Fühler in alle Richtungen aussteckt, fand ich das Buch nicht vorhersehbar.

Mit der Zeit erfährt man in kleinen Häppchen etwas mehr über die Mädchen, aber eben noch nicht alles. Das macht das Buch psychologisch-spannend und auch aufwühlend. Ich hatte beim Lesen einen großen Knoten im Magen. Vor allem vor Mark, dem Direktor für Fördergelder an Kates und Olivias Schule, gruselte es mich regelrecht. Zurecht! Eine Ahnung, was ihn betrifft, hat man recht schnell und es ist nur folgerichtig, dass die Autorin diese bestätigt. Als ich zum letzten Buchdritten kam, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Den Lesespaß trübt das kaum, ich persönlich fand das letzte Drittel der Geschichte dann nicht mehr ganz so gut. Es war anders zu lesen, weil das Buch hier von psychologischer Spannung zu actionlastiger Spannung wechselt. Kate und Olivia agieren wie aufgescheuchte Hühner, fast schon albern. Manche Lösung ist auch nicht mehr ganz logisch und einleuchtend. Ich fühlte mich wie bei einer Folge von CSI New York. Das eigentliche Ende, zurück bei einer Szene vom Anfang, fand ich sehr gelungen. Zwar konnte ich so etwas voraussehen, kenne diese Situation aus Filmen, trotzdem was es Gänsehaut pur. Manche Vermutung muss man am Schluss neu überdenken. So etwas finde ich immer klasse. "Beware That Girl" war, trotz leichter Kritik gegen Ende, ein tolles und megaspannendes Lesen.

Das Fazit
Spät in der Nacht habe ich "Beware That Girl: Sie weiß alles über dich" beendet. Das sagt schon einiges über das Buch aus, denn auch wenn man Schwächen suchen kann (und sicher finden wird) fühlte ich mich richtiggehend zum Lesen getrieben. Die Handlung ist voller Intrigen, Verwirrspielen und Ungeheuerlichkeiten. Während des Lesens herrscht eine ständige unterschwellige (An)Spannung, die später so stark ausartet, dass man nicht mehr wegsehen kann. Das macht ganz schön beklommen, aber auch großen Spaß ... wenn man das hier so sagen darf. Vor "Beware That Girl" muss man sich wirklich in Acht nehmen. Ein tolles Lesen! 4,5 von 5 Sterne gibt es dafür.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch (August 2017) - Klappenbroschur, 400 Seiten - 12,99 € [D]
Originaltitel: Beware That Girl - Übersetzt von Brigitte Jakobeit - ab 14 Jahren