Montag, 21. August 2017

"Vier Farben der Magie" von V. E. Schwab



Das Thema
Es gibt vier Farben der Magie: Im Roten London befindet sie sich im Gleichgewicht mit dem Leben. Im Weißen London wird die Magie versklavt, kontrolliert, unterdrückt. Dem Grauen London ist sie fast abhandengekommen. Und im Schwarzen London hat sie das Leben selbst vertilgt.
Als einer der wenigen Antari springt Kell zwischen den verschiedenen Welten hin und her. Doch er führt ein Doppelleben: Er ist Botschafter der Könige, aber auch ein Schmuggler. Eines Tages wird ihm als Bezahlung für einen außergewöhnlichen Botengang ein schwarzer Stein zugesteckt. Dass es sich um ein mächtiges magisches Artefakt handelt, merkt er erst, als er sich von einem gefährlichen Feind verfolgt sieht, der ihm das gute Stück abjagen möchte und dabei vor keinem Mittel zurückschreckt. Auf der Flucht trifft der Magier die gewitzte Diebin Delilah Bard, die Kell zunächst ausraubt, ihm dann aber hilft. Allerdings erwartet sie eine Gegenleistung von ihm ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER Tor


Ihr Kuss war so flüchtig wie ihr Lächeln.
"Was war das denn?", fragte Kell benommen.
"Vielleicht bringt's ja Glück", antwortete sie und drehte sich zur Wand. "Nicht, dass ich's nötig hätte."
Kell starrte sie einen Moment lang an, dann riss er sich zusammen und wandte sich ebenfalls der blutverschmierten Mauer zu. Er packte ihre Finger fester und legte seine andere Hand auf das Zeichen.
"As Travars", befahl er.
Die Wand gab nach, und der Reisende und die Diebin traten hindurch.
- S. 239


Das Leseerlebnis
V. E. (Victoria) Schwabs Bücher sind mir schon im englischen Original aufgefallen, vor allem, weil es immer sehr viele positive Meinungen dazu gab. Umso neugieriger war ich demnach auf "Vier Farben der Magie", dem ersten Band der Weltenwanderer-Trilogie rund um den Magier Kell. Die Geschichte über ein London, das es in mehrfarbigen Ausführungen, also gleich vier Mal gibt, klingt einfach wahnsinnig spannend und faszinierte mich sofort. Und ja, nach ein paar Seiten schon stellte ich fest: Victoria Schwab ist für mich eine neue Meisterin der Fantasy.

Kell ist ein Magier, ein Antari, und im Roten London, einem Ort voller Magie und Leben, zu Hause. Er ist einer der letzten, die Türen zwischen den Welten schaffen können. So gelangt er auch ins Graue London, das nahezu ohne Magie auskommt und ins Weiße London, in dem Menschen mit Magie grausam unterdrückt werden. In den verschiedenen Städten erledigt Kell Botengänge für seinen König und betreibt nebenbei - im Geheimen, weil verboten - einen florierenden Handel mit Schmuggelwaren. Im Schwarzen London war er allerdings noch nicht, denn das wurde von der Magie verschlungen und gilt als unerreichbar.

Diese Welt, die die Autorin hier geschaffen hat, hat mich sofort gepackt, und alleine darum bin ich durch die erste Hälfte des Buches gerast. Es ist herrlich schmökerig. "Vier Farben der Magie" ist ganz klassische Fantasy, hat ein altertümliches Setting und eine (vier) magische Welt(en) jenseits aller Vorstellungskraft, die man sich durch angenehme Beschreibungen dann aber doch wunderbar ausmalen kann. So darf man sich die verschiedenen London als übereinanderliegende Städte vorstellen, die alle in einer eigenen Welt spielen und deren Durchgänge, außer für Antaris wie Kell, unpassierbar sind. Die Geschichte ist spannend und immer wieder überraschend. Kleine, trockene Humorspitzen machen Spaß, und viele fantasievolle Ideen ergeben etwas ganz Eigenes innerhalb eines bekannten Fantasy-Lesegefühls.

Wenn ich etwas zu bemängeln habe, ist es eine unbestreitbare Distanz zu den beiden Hauptcharakteren, dem Magier Kell und der Diebin Lila, unfreiwillige Partner und Verbündete in der Geschichte. Meiner Meinung nach liegt das hier vor allem am Schreibstil (personaler Erzählstil, Präteritum). Dennoch lernt man die Personen gut und plausibel kennen. Ich hatte nur immer ein bisschen das Gefühl sie von außen zu beobachten, statt mich komplett in sie hineinversetzen zu können. Aufgrund der hohen Spannung und fesselnden Handlung konnte ich damit aber gut leben. Negativ war es nicht. Als eine große Besonderheit empfand ich die vielen kursiv gedruckten Wörter, nicht nur die Eigennamen, deren Betonung für einen ganz speziellen Lesefluss sorgten.
Obwohl "Vier Farben der Magie" ein Reihenstart ist, kann man die Geschichte auch abgeschlossen lesen. Ich bezweifle allerdings, dass man hier nicht weiterlesen will.

Das Fazit
"Vier Farben der Magie" ist ein Buch für Fantasy-Fans. Es wirkt höchst professionell und gut durchdacht. Die Idee des 4-fachen London ist genial. Zum bekannten Lesegefühl eines Fantasyschmökers gesellen sich frische und kreative Ideen, die das Lesen zum Erlebnis mit Suchtpotenzial machen. Wen eine gewisse Distanz zu den Charakteren nicht stört und gerne in magische, sehr anziehende Welten abtaucht, der ist hier genau richtig. 4 von 5 Sterne vergebe ich für den Trilogiestart.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


FISCHER Tor (April 2017) - Band 1/3 - Taschenbuch, 496 Seiten - 9,99 € [D]
Originaltitel: A Darker Shade of Magic - Übersetzt von Petra Huber



Reiheninfo Weltenwanderer-Trilogie:

Band 1 - Vier Farben der Magie