Dienstag, 2. Mai 2017

"Paper Princess: Die Versuchung" von Erin Watt



Das Thema
Seit dem Tod ihrer Mutter schlägt sich Ella Harper alleine durch. Tagsüber sitzt sie in der Schule, nachts arbeitet sie in einer Bar. Dann steht plötzlich der Multimillionär Callum Royal vor ihr. Er behauptet, ihr Vormund zu sein - und nimmt Ella kurzerhand mit in seine Villa. Aus ihrem ärmlichen Leben kommt Ella in eine Welt voller Luxus. Doch bald merkt sie, dass mit dieser Familie etwas nicht stimmt. Callums fünf Söhne begegnen ihr mit Feindseligkeit. Besonders einer von ihnen macht Ella das Leben schwer. Und trotzdem knistert es gewaltig zwischen ihnen ... Ob aus Hass noch Liebe werden kann?

© Klappentext-, Cover und Zitatrechte: Piper Verlag


"[...] Ich komme schon damit klar, dass sie mich nicht hierhaben wollen. Und das Haus ist ja groß genug, um sich aus dem Weg zu gehen."
Er mustert mich, als wollte er herausfinden, ob ich ehrlich bin. Schließlich lächelt er mich scheu an.
"Du hast ja recht. Weißt du, es war nicht immer so wie jetzt, früher sind wir gut miteinander ausgekommen. Aber seit ihre Mutter gestorben ist, klappt gar nichts mehr. Die Jungs sind leider ziemlich verwöhnt. Eine ordentliche Dosis Realität kann da nicht schaden."
Ach. Und diese Dosis bin ich, oder was?
- S. 100


Das Leseerlebnis
"Paper Princess" liest gefühlt jeder. Das Buch wird geliebt und gehasst und heftig diskutiert. Das Genre New Adult wird von mir nicht mehr favorisiert, einfach weil sich für mich vieles gleich liest und Beziehungen romantisiert werden, mit denen ich mich nicht identifizieren kann. Aber ich bin ja offen für Überraschungen. Und ja, "Paper Princess" hat mich sehr, sehr neugierig gemacht. Jetzt, am Ende, kann ich gut nachvollziehen, dass das Buch einige Leser völlig in seinen Bann zieht. Für mich selbst bestätigt sich einfach mal wieder das Klischee dieses Genres.

Dabei möchte ich dem Buch eines ganz sicher nicht absprechen: Unterhaltungswert. Denn das hat es auf alle Fälle. Egal welche Gefühle man während des Lesens durchlebt, ob man lacht, schwärmt, die Augen verdreht oder schimpft, "Paper Princess" ist so unterhaltsam, dass man sich kaum von den Seiten lösen kann. Das liegt am Thema das Buches, in dem ein Mädchen aus der armen Unterschicht plötzlich einen reichen Vormund bekommt - eine moderne Cinderella-Story sozusagen - und an ebendiesem Mädchen selbst. Denn Ella Harper ist eine Klasse für sich. Ich mochte sie, irgendwie, obwohl ich im späteren Verlauf der Geschichte meine Meinung revidieren musste.

Ella ist so tough und schlagfertig, dass Wortgefechte mir ihr großen Spaß machen. Da sie bisher immer am Existenzminimum gelebt hat, gilt ihr vordergründiges Bestreben, versorgt zu sein, nicht mehr jeden Cent zweimal umdrehen zu müssen. Dafür nimmt sie eine märchenhafte neue Lebenssituation, inklusive fünf feindseligen Stiefbrüdern, gerne in Kauf. Mal ehrlich, wer würde das nicht? Obwohl sich die neuen Stiefbrüder ihr gegenüber teilweise grenzwertig verhalten, geschieht nichts ohne Ellas Einverständnis. Hier lag für mich allerdings auch der Hund begraben, denn ihr Verhalten war einfach nicht gut nachzuvollziehen. Ella ist kein Kind von Traurigkeit, wirft sich mal diesem und mal jenem Jungen an den Hals, legt es immer auf körperbetonte Konfrontationen an und veranstaltet Aktionen, da stand mir wirklich der Mund offen. Gleichzeitig wundert sie sich aber, dass sie Gesprächsthema Nummer eins an der neuen Schule ist. Echt jetzt? Ella mag noch so tough sein, sie ging mir oft ganz schön auf die Nerven.

Abgesehen vom unterhaltsamen Leseerlebnis, spielt das Autoren-Duo mit fast jedem Klischee dieses Genres. Da wird geschwärmt, was das Zeug hält, massenhaft künstliche Situationen und Konflikte heraufbeschworen, und die ständige Heroisierung äußerlicher Körpermerkmale war für mich teilweise kaum zu ertragen. Aber genau das macht meiner Meinung nach New Adult aus. Man liebt es oder man hasst es oder man erträgt es (oder auch nicht). Und ebenso verhält es sich nach dieser Gefühlsachterbahn mit dem Ende. Das ist nämlich so gehalten, und macht so neugierig, dass man sofort weiterlesen will (oder auch nicht).

Das Fazit
"Paper Princess: Die Versuchung" hat auch mich versucht, ich konnte (und wollte) mich den vielen verschiedenen Meinungen nicht entziehen. Und ja, das Buch ist total fesselnd und unterhaltsam, aber auch ebenso klischeebehaftet und übertrieben. Für mich ganz typisches New Adult, bei der ich die komplette Gefühlspalette zwischen überrascht-wohlwollendem Kopfnicken und genervtem Augenverdrehen durchlebte. Wer gerne in diesem Genre liest, der wird es sicher mögen. Wer diese Art Geschichten nicht mag, wird sich davon schwerlich überzeugen lassen. Für mich ist "Paper Princess" unterhaltsames Mittelfeld.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Piper Verlag (März 2017) - Band 1/3 - Klappenbroschur, 384 Seiten - 12,99 € [D]
Originaltitel: Paper Princess - Übersetzt von Lene Kubis