Montag, 20. Februar 2017

"Rat der Neun: Gezeichnet" von Veronica Roth



Das Thema
Akos lebt mit seiner Familie auf Thuvhe, einem Planeten der Galaxie. Ihm und seinem Bruder wurden vor kurzem ihre Schicksale vorausgesagt. Sie sind geheim, nur der Hohe Rat kennt die Details. Als dieser, warum auch immer, die Schicksale aller öffentlich macht, schweben Akos und sein Bruder in höchster Gefahr. Die Shotet, ein verfeindetes Volk, das ebenfalls auf Thuvhe lebt, möchte sich die Schicksale der Geschwister zunutze machen, Akos und sein Bruder werden entführt.
Bei den Shotet lernt Akos Crya kennen. Und obwohl die beiden unterschiedlicher nicht sein können, müssen sie sich entscheiden, ob sie einander helfen oder jeder weiterhin seine eigenen Ziele verfolgt.

© Cover- und Zitatrechte: cbt Verlag


Also war es vielleicht in Ordnung, dass ich uns beide um unser Leben gebracht hatte, indem ich den Rebellen geholfen hatte. Vielleicht bedeutete es immer noch etwas.
Mit diesem Gedanken war alles sehr einfach. Wir würden Schmerzen leiden und dann würden wir sterben. Ich fand mich mit der Unausweichlichkeit dessen, was auf uns zukommen würde, ab.
- S. 394


Das Leseerlebnis
Autorin Veronica Roth hatte mit der Trilogie Die Bestimmung einen Weltbestseller. Auch mich konnte sie mit jedem der Bücher begeistern, da sie einen Mut und eine Konsequenz an den Tag legen, wie man sie nur ganz selten liest. Folglich war ich umso gespannter auf ihren neuen Roman, "Rat der Neun: Gezeichnet", der den Auftakt einer zweiteiligen Reihe bildet. Das Abenteuer von Akos und Cyra spielt in einer eigenen Galaxie. Jetzt, nach dem Lesen, kann ich sagen, dass die Autorin etwas ganz eigenes geschrieben hat, das zwar speziell, aber doch ganz typisch für sie ist.
Ein Tipp zu Beginn: Schaut man sich die einfache Übersichtskarte hinten im Buch vor dem Lesen an, hat man sofort einen guten Überblick. Man benötigt sie danach für die Geschichte nicht mehr unbedingt.

"Gezeichnet" ist aufgrund der Umgebung zwar der Science Fiction zuzuordnen, liest sich aber mehr wie Fantasy. Die Menschen in Buch besitzen Lebensgaben, die ab einem bestimmten Alter erwachen. Damit sind besondere Eigenschaften verknüpft. Diese Lebensgaben aller und die speziellen Schicksalsbestimmungen einzelner Personen zu trennen, ist anfangs nicht ganz einfach, bis man sich ins Buch eingelesen hat. Denn ja, die Geschichte ist komplex. Ich würde aber nicht sagen, dass sie schwierig ist. Die Autorin gibt dem Leser anfangs ausreichend Gelegenheit, die Hauptpersonen und ihre Hintergründe kennenzulernen. "Gezeichnet" somit kein Instant- oder Nebenbei-Lesen, denn die Geschichte setzt sich differenziert mit den einzelnen Charakteren auseinander, enthält fremdklingende Namen und ein großes Machtgefüge. Das ist herausfordernd, belohnt aber mit einer einzigartigen Geschichte und starken Protagonisten.

Cyras Lebensgabe ist ein unvorstellbarer Schmerz. Sie muss mit ihm leben, spürt ihn die ganze Zeit am eigenen Körper, kann ihn aber auch auf andere übertragen. Darum wird sie von ihrem tyrannischen Bruder und Herrscher als Folterwerkzeug und Druckmittel eingesetzt. Akos Lebensgabe schwächt die Gaben anderer Personen oder lässt sie komplett verschwinden. Und genau hier ist auch der Anknüpfungspunkt zwischen den beiden. Akos kann Cyras körperlichen Schmerz lindern. Das schafft eine Verbindung, obwohl die beiden Feinde sind. Konflikte bleiben da natürlich nicht aus.

Dieses Konstrukt macht "Gezeichnet" zu einem spannenden und nervenaufreibenden Leseerlebnis. Das Buch ist offensiv und psychologisch gewalttätig, manche Szenen sind nichts für schwache Nerven. Man spürt eine unterschwellig Bedrohung, einen Sog, der für unerwartete Überraschungen sorgen wird. Obwohl es im Buch einen richtig bösen und brutalen Schurken gibt, ist die Gegenseite nicht komplett als gut dargestellt. Hier geht die Geschichte tiefer als bei oberflächlichem Schwarz-Weiß-Denken. Der Schluss ist aufregend und sehr mitreißend. Am Ende wird die Geschichte für einen neuen Abschnitt im Folgeband vorbeireitet. Er ist danach ein Lesemuss!

Das Fazit
"Rat der Neun: Gezeichnet" vermittelt gleich zu Anfang den Eindruck von etwas Großem. Wer bereit ist, eine neue, komplexe und gut gezeichnete Welt kennenzulernen, wird mit einer großartigen Geschichte belohnt, die einen mit jedem Kapitel mehr ihn ihren Bann zieht. Die Charaktere sind sehr stark und ohne eine Schwarz-Weiß-Darstellung überaus interessant. Dazu sorgt eine vollkommen unvorhersehbare, düstere Handlung für viel Spannung und nicht wenig Gänsehaut. Mich hat das Buch voll und ganz für sich eingenommen. Einzig den Reihentitel konnte ich (noch) nicht entschlüsseln. 4,5 von 5 galaktischen Sternen.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


cbt Verlag (Januar 2017) - Band 1/2 - Hardcover mit Schutzumschlag, 608 Seiten - 19,99 € [D]
Originaltitel: Carve the Mark - Übersetzt von Petra Koob-Pawis und Michaela Link - ab 14 Jahren