Freitag, 9. September 2016

Rezension zu "Federherz" von Elisabeth Denis



Verlag: Oetinger34 (Juli 2016)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: Band 1/2, ab ca. 12-15 J.
Ausführung: Hardcover, 320 S.
ISBN: 978-3958820012
12,99 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: Edition Oetinger34


Das Thema
Das Gymnasium, auf das Mischa geht, brennt eines Abends völlig nieder. Zum Glück erklären sich die anderen Schulen der Stadt bereit, die Schüler übergangsweise aufzunehmen. Mischa und zwei Schulfreunde werden Hainpforta zugeteilt, einem Elite-Internat, das mitten im Wald versteckt liegt. Mehr als Gerüchte sind darüber nicht bekannt. Und sofort, als sie die Schule das erste Mal betritt, ist Mischa irritiert. Hier ist alles ganz anders, als sie sich das vorgestellt hat. Mischa spürt, dass sie nicht zufällig auf Hainpforta gelandet ist.

Die Rezension

Der Anfang: Auf meinem Schreibtisch häufen sich zusammengeknüllte Taschentücher. Am liebsten würde ich mich in meinem Bett verkriechen, aber ich muss aufschreiben, was in den letzten Wochen passiert ist.

Die Grundidee von "Federherz" ist recht simpel, denn so ungewöhnlich klingt das Szenario, aus dem die Geschichte entspringt, nicht. Ihre Schule brennt ab, darum besucht Mischa zeitlich befristet ein anderes Gymnasium - Hainpforta. Was das mit sich bringt, ahnt Mischa anfangs nicht. Und genau das macht den Reiz des Romans aus. "Federherz" entwickelt einen Lesesog und liest sich völlig mysteriös, und auch etwas unheimlich.

Mischa ist nicht auf den Mund gefallen, sie ist oft dickköpfig und sagt, was sie denkt. Zwar hat sie keine Lust, ihre Zeit in der neuen Schule, mitten im Wald, ohne ihren besten Freund zu verbringen, richtig bekümmert wirkt sie aber nicht. Eher neugierig. Den Leser hat sie schnell auf ihrer Seite, denn mit jeder Buchseite wird man mehr in die Geschichte hineingezogen, selbst neugierig, auf was die ganze Sache hinausläuft. Zudem macht es einem der Stil der Autorin leicht, in die Geschichte zu finden. Strukturen und Handlungsort sind schnell bekannt, der Plot ist ausgefeilt und der moderne Schreibstil hat etwas Prägnantes. Eine schöne Besonderheit ist der Aufbau des Buches. Mischa beginnt mit einer Erzählung der vergangenen Ereignisse, sie schreibt sie auf, bis die Geschichte genau an diesem Punkt angelangt, und danach in der Realität weitergeführt wird.

"So heruntergekommen ....", murmelte Hanna.
Mein Blick bleibt an einem großen Brocken Putz am Boden hängen, über den sich ein samtiges Moospolster breitet. Für einen kurzen Moment kriecht Gänsehaut über meine Arme.
Arthurs weißliche Augen mustern mich stumm.
"Los!" Er winkt uns, ihm in einen langen Flur zu folgen, aus dem uns ein muffiger Geruch entgegenschlägt.
Erdig. Schimmelig. - S. 36

"Federherz" ist eines der wenigen Jugendbücher, bei denen Leser lange rätseln und nicht nach kurzer Zeit wissen, mit was sie es zu tun haben. Das ist unglaublich fesselnd und mysteriös. Zwar kann man vorhersehen, dass es sich um eine Fantasygeschichte handelt, in welche Umstände Mischa genau hineingerät, bleibt sehr lange verborgen. Auch Andeutungen sind schwer zu entschlüsseln.

Einige der Nebencharaktere bleiben etwas blass, leider auch Basil, der Mittelpunkt von Mischas Interesse. Der Lesefreude tut das aber keinen Abbruch, die Handlung hält gefangen. Einige Punkte zum Ende hin werden zu schnell abgehandelt, bzw. nur erzählt, statt erlebt. Unbestritten hätte dem Bösewicht ein auffälligerer Charakter gut getan, er hätte mehr in Erscheinung treten müssen. So wirkt sein Schukenauftritt gegen Schluss zu unwirklich.
Die Lösung des Mysteriums ist spannend und märchenhaft. Einige Fragen bleiben offen oder Leser müssen sich die Antwort selbst geben. Die Ereignisse im letzten Buchdrittel bereiten die Fortsetzung der Geschichte im Folgeband vor. Dieser ist zum Glück (fast) unmittelbar verfügbar. Die Geschichte endet an einem Wendepunkt. Man wird unbedingt wissen wollen, wie es weitergeht.

Das persönlich Fazit
"Federherz" ist eines der Fantasybücher, die mich sehr überrascht haben. Die Geschichte erscheint so einfach wie genial ... und entpuppt sich als harte Nuss. Alles ist mysteriös, nichts ist sicher, vieles wirkt surreal, genau wie im Märchen. Trotz Kritikpunkten, die vor allem in den letzten Kapiteln zum Tragen kommen, konnte ich mich schwer von der Geschichte trennen. Die Rätselhaftigkeit lässt nicht los. So wurde das Lesen zum Sog, nahm mich mit in diese scheinbar normale, und doch so düstere und sagenhafte, Welt. Der Abschlussband ist folglich ein Muss. 4 Sterne!


Aufmachung: 4,5 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, www.damarisliest.de



Reiheninfo Federherz-Dilogie:

Band 1 - Federherz
Band 2 - Federwelt