Dienstag, 26. Juli 2016

Rezension zu "Evolution: Die Stadt der Überlebenden" von Thomas Thiemeyer



Verlag: Arena Verlag (Juli 2016)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: Band 1/3, ab ca. 12-15 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 368 S.
ISBN: 978-3401601670
16,99 € [D]

Genre: Science Fiction

© Cover- und Zitatrechte: Arena Verlag


Das Thema
Jem und Lucie sind Teil einer Austauschgruppe und besteigen ein Flugzeug in die USA. Nach einem Zwischenfall muss dieses außerplanmäßig auf dem Denver Airport notlanden. Doch als die Gruppe aussteigt, hat sich die Welt stark verändert. Alles wirkt verlassen. Das Rollfeld ist überwuchert und überall erobern Pflanzen die Zivilisation. Zu allem Überfluss sehen die Tiere nicht nur merkwürdig aus, sie verhalten sich auch äußerst furchtlos und aggressiv. Was ist geschehen? Die Gruppe um Jem und Lucie macht sich auf die Suche nach Antworten und begibt sich in große Gefahr.

Die Rezension

Der Anfang: Jem hörte Steine von oben herabprasseln. Nur Kiesel und etwas Geröll, doch es genügte, um seinen Pulsschlag zu beschleunigen. Er lauschte. Da war es wieder - das unheimliche Jaulen.

Die Idee an sich ist nicht neu, aber ein Hit. Eine Gruppe Jugendlicher hat mit den widrigen Umständen einer neuen Welt zu kämpfen. Welche das sind, verrät schon der Titel und das beeindruckende Cover ein bisschen. Als Leser möchte man nur eines - herausfinden, was geschehen ist. Das ist genau der richtige Stoff für spannende und turbulente Lesestunden. Und wer könnte solch eine Geschichte besser erzählen als Thomas Thiemeyer? Der erfahrene Autor stellt erneut unter Beweis, dass er seine Leser packen und mitreißen kann, und seine Buchhelden auf einen Weg führt, der noch einige Überraschungen verspricht.

"Hallo", erklang die Stimme erneut.
Jem runzelte die Stirn. "Where are you - wo sind Sie? Wer spricht denn da?"
Eine kurze Pause, dann hörte er die Stimme wieder.
"Hallo?"
Merkwürdig. Die Stimme klang irgendwie nicht menschlich. Jem wusste nicht was er davon halten sollte. Hinzu kam, dass das Gespräch ziemlich einseitig verlief. "Kommt", flüsterte er. "Lasst uns mal nachsehen." - S. 63

Von Anfang an macht die Geschichte großen Spaß! Es ist diese aufregende, jedoch ganz normale, Situation eines Schüleraustausches, der sich völlig anders entwickelt als gedacht. Auf dem Flug passiert etwas. Was genau, das erfährt der Leser hier (noch) nicht im Detail, bzw. kann er sich einiges mit der Zeit denken. Jedoch haben die Ereignisse eine solche Sogwirkung, dass das Buch sofort ein Pageturner ist und bleibt.

Da stört es auch kaum, dass die Gruppe, rund um die Hauptprotagonisten Jem und Lucie, arg konstruiert wirkt. Zwei Helden mit besonderem Hintergrund sind umgeben von Jugendlichen, die dieser gefährlichen Welt gut gerüstet entgegentreten. Den Macho und Draufgänger findet man ebenso wie die nerdigen Computerspezialisten, mit deren Hilfe es natürlich gelingt, das Rätsel teilweise zu lösen und an Hintergrundinfos zu kommen. Einige Situationen und Gefahren werden fast zu einfach gemeistert. Auch die Gefühle der Protagonisten, und eine kleine Lovestory, bleiben weitestgehend an der Oberfläche. Eine differenzierte Ausarbeitung fehlt, ist aber hier auch nicht zwingend nötig. Zwar haben sie Angst, sind genervt oder verstört, scheinen sich aber recht schnell mit der Situation abzufinden, in die sie förmlich hineingeworfen wurden. Die Frage nach dem Grund oder einer Heimkehr wird nur angeschnitten.

Den Lesespaß stören diese Charakterzeichnungen nicht. "Evolution: Die Stadt der Überlebenden" hat die Wirkung eines Films. Das Buch ist so spannend, so voller wundersamer Überraschungen und Begebenheiten, dass man vollkommen darin versinkt, sich gar nicht lösen möchte. Leselängen entstehen zu keiner Zeit. Obwohl man es hier mit Science Fiction, der Utopie einer möglichen Zukunft, zu tun hat, sind Erklärungen und Ausführungen glaubhaft, der Weltenentwurf sehr faszinierend.
Gegen Ende nimmt die Geschichte nochmals Fahrt auf. Sie endet mit einem spannenden Zwischenfinale und einer Entdeckung, die überrascht und hervorragend passt. Es gibt viel Potenzial für die Folgebände, die man kaum abwarten mag. Leser werden gespannt und voller freudiger Erwartung sein.

Das persönliche Fazit
"Evolution: Die Stadt der Überlebenden" ist für mich ein beispielhafter Pageturner. Die Begebenheiten und der Weltenentwurf fesseln an die Seiten. Viele Ereignisse sind spannend und leicht gruselig, wirken aber niemals übertrieben und, trotz Sci-Fi Genre, durchaus möglich. Lesespaß und brennende Neugier hat man hier auf jeder Seite. Eine etwas konstruiert zusammengewürfelte Gruppe Jugendlicher, deren Gefühle eher oberflächlich bleiben, wird zweitrangig, und beeinträchtigt das tolle Lesegefühl kaum bis gar nicht. Ein echter Lesetipp!


Aufmachung: 5 / 5
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Evolution-Trilogie:

Band 1 - Die Stadt der Überlebenden
Band 2 - Der Turm der Gefangenen, ET Januar 2017
Band 3 - Die Quelle des Lebens, ET Juni 2017