Montag, 9. Mai 2016

Rezension zu "Die längste Nacht" von Isabel Abedi



Verlag: Arena Verlag (März 2016)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: - , ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 408 S.
ISBN: 978-3401061894
19,99 € [D]

Genre: Jugendbuch

© Cover- und Zitatrechte: Arena Verlag


Das Thema
Vita hat ihre Abitur in der Tasche. Jetzt will sie mit ihren beiden besten Freunden und einem alten VW-Bus durch Europa touren. Kurz vor der Abreise entdeckt sie im Arbeitszimmer ihres Vaters ein paar Seiten eines unveröffentlichten Manuskripts. Die kurze Textpassage rührt etwas in ihr an, das sie nicht recht benennen kann, worüber sie aber noch lange nachdenkt.
Nach ihrem Aufbruch zum großen Roadtrip, stößt Vita wenig später in Italien auf den Schauplatz des Manuskripts, das Städtchen Viagello - und auf Luca, der für sie sofort etwas Besonderes ist. Vita möchte Viagello erkunden, denn sie fühlt sich seltsam hingezogen zu dem malerischen Ort. Und sie möchte wissen, was dort geschah und was das Manuskript mit ihr zu tun hat.

Die Rezension

Der Anfang: Früher habe ich nicht an Zufälle geglaubt. Doch seit an jenem heißen Sommertag in Viagello aus buchstäblich heiterem Himmel Lucas Buch vor meinen Füßen landete, hat das Wort für mich eine völlig neue Bedeutung bekommen.

Wenn man auf den ersten Seiten schon von der Handlung gefesselt ist, eine kurze Passage so verwundert, dass man gar nicht anders kann, als hinter das Geheimnis der Geschichte zu kommen, dann hält man wahrscheinlich ein neues Buch von Isabel Abedi in der Hand. Genau so geht es einem bei "Die längste Nacht", als Vita ihren Vater beim nächtlichen Lesen erwischt und er sie mit einem simplen "Raus!" aus dem Zimmer wirft. Ungewöhnlich und suspekt, findet Vita. Ab diesem Zeitpunkt nimmt das Schicksal seinen Lauf, und Vita stolpert über ein Geheimnis, das bisher vor ihr verborgen war. 

Denn Sehnsucht - das lernte ich in jener Nacht - muss nicht schmerzhaft sein. Sie kann unendlich süß und verheißungsvoll sein, sie kann alle Fragen offenlassen und gleichzeitig alles möglich machen, was wir uns wünschen. - S. 81

Die Geschichte wird aus der Sicht und mit Ich-Form von Hauptprotagonistin Vita erzählt. Diese Perspektive wechselt nicht und ermöglicht dem Leser ganz nahe am Geschehen zu bleiben - von den ersten drängenden Fragen bis zur vollständigen Auflösung am Ende. Zwischendurch animieren kurze, geheimnisvolle Kapitel aus einer fremden Perspektive zum Miträtseln und tragen zu einer mysteriösen Auslegung bei. Und weil man als Leser dazu animiert wird, sich alle möglich Szenarien zurechtzufantasieren, wird die eigentliche Lösung dann überraschen. Auf welche Weise liegt an den Lesevorlieben und der Fantasie jedes Einzelnen.

Sprachlich ist das Buch perfekt. Stilistisch verzichtet die Autorin auf Experimente und verleiht der Geschichte etwas Inbrünstiges und Nachdrückliches. Unumstritten hat "Die längste Nacht" eine Atmosphäre, einen Charme, der mustergültig für ein wunderbares Leseerlebnis ist. Der Handlungsort und seine Umgebung sind dafür wie geschaffen. Man ist sprichwörtlich mittendrin. Dabei sind die Beschreibungen ausgewogen dosiert. Auf der anderen Seiten nimmt man eine besondere Stimmung im Buch war. Es ist rätselhaft, machmal, zwischen all der Sommerstimmung, auch düster. Das verleiht der Geschichte eine hohe Grundspannung und passt ausgezeichnet zur Auflösung - sie wirkt noch lange nach.

Das persönliche Fazit
"Die längste Nacht" schürte dieses besondere Lesegefühl in mir unbedingt wissen zu wollen, was geschah, wie alles zusammenhängt - am liebsten noch bevor der Morgen graut. Es ist unmöglich, sich dem besonderen Charme des Buches zu entziehen. Die lebendige Atmosphäre und das düstere Familiengeheimnis machen das Lesen spannend und sehr intensiv. Die starken Charaktere passen zum stimmungsvollen Erzählstil und machen die Geschichte so eindrücklich wie glaubhaft. Mir hat sie sehr imponiert. 5 Sterne!


Aufmachung: 4,5 / 5
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de