Montag, 7. März 2016

Review zu "Mit anderen Worten: ich" von Tamara Ireland Stone



Magellan (Januar 2016),
Hardcover/SU, 336 Seiten,
übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessika Komina,
16,95 € [D]


Worte sind nicht Samanthas Freunde. Im Gegenteil: In endlosen Gedankenschleifen verfolgen sie Sam und hindern sie daran, ein normales, unbeschwertes Leben zu führen. Aus Angst, als verrückt abgestempelt zu werden, verheimlicht Sam ihren täglichen Kampf sogar vor ihren Freundinnen.
Nur die unkonventionelle Caroline sieht hinter Sams Fassade und lädt sie ein, sich einem geheimen Dichterklub anzuschließen. Hier erlebt Sam zum ersten Mal die befreiende Kraft von Worten und kommt sich seit langer Zeit selbst wieder nahe. Als sie sich in den klugen, zurückhaltenden AJ verliebt und gerade beginnt, vorsichtig auf ihr neues Glück zu vertrauen, stellt eine unerwartete Entdeckung alles infrage. (Text-, Cover- und Zitatrechte: Magellan Verlag)


Die paar Lampen, die wir angeknipst haben, tauchen die Wände in sanftes Licht, und ich denke an all die Zettel, die uns umgeben, all die Liebe, den Schmerz, die Angst und die Hoffnung. Wir sind umschlossen von Worten. Es ist ein perfekter Moment, einfach weil ich unsterblich in diesen Raum und die Leute darin - die echten genauso wie die an den Wänden - verliebt bin. Und ganz besonders in diesen einen Jungen. - S. 248


Meine Meinung
Es gibt Bücher, die man einfach nicht richtig greifen kann, egal wie oft man den Klappentext liest, oder sich vorzustellen versucht, was es mit dem Inhalt auf sich hat. "Mit anderen Worten: ich" ist genau so ein Buch. Lese ich die Beschreibung jetzt, ist mir natürlich alles sonnenklar. Bevor ich das Buch kannte, blieben nur die Begriffe Worte und Dichterklub bei mir hängen, und assoziierten den Gedanken an Poetry-Slam. Das trifft es aber nur fast, und so wurde ich überrascht ... wunderbar überrascht!

"Mit anderen Worten: ich" gehört zu den Leseerlebnissen, die ab der ersten Seite fesseln. Ich lernte Samantha und ihre Freundinnen kennen, die in Samanthas Zimmer ein Schulevent vorbereiten. Das erscheint harmlos, doch ein kleiner Auslöser wirft Samantha emotional völlig aus der Bahn. Man bekommt hautnah mit wie krass und zerstörerisch ihre Gedanken sind. Samantha hat eine Zwangsstörung, Gedankenspiralen werden zu Panikattacken, die ihr Leben bestimmt und wegen der sie seit ihrer Kindheit in Therapie ist. Sie ist immer darauf bedacht, dass niemand von ihrer Krankheit erfährt, insbesondere nicht ihre It-Girl-Freundinnen. Mich hat das gleichzeitig erschreckt und beschäftigt, aber auch berührt.
Samanthas Leben beginnt sich schrittweise zu verändern, als sie einem geheimen Dichterklub beitritt und dort neue Freunde findet.

Die Autorin hat eine beeindruckende Gabe ihre Leser bei der Stange zu halten. Die Geschichte ist hochinteressant, obwohl sie ohne vordergründige Spannung auskommt. Der Spannungsbogen wirkt subtiler und die Gefühle beim Lesen gehen tief. Obwohl die Handlung sehr ausführlich ist, hat das Buch keine Länge. Die Ich-Perspektive war hier die beste Wahl und die Übersetzung (ein Kunststück beim Thema Gedichten) ist perfekt. Alle Charaktere, Haupt- wie Nebenpersonen, sind sehr echt und glaubwürdig umgesetzt. Die Lovestory empfand ich als genau richtig - authentisch, süß und etwas problematisch.
Zu einem Zeitpunkt, an dem ich überhaupt nicht (mehr) mit einer Wendung rechnete, hat das Buch einen Twist, bei dem man erst mal tief Luft holen muss. So richtig wahrhaben möchte man es nicht, und ich gebe zu, ich habe hektisch an bestimmte Stellen zurück geblättert. Das lässt den Roman nochmals in einem neuen Licht erscheinen, verstärkt seine Brisanz und macht das Buch sehr besonders.

Fazit
"Mit anderen Worten: ich" ist ein Buch, von dem ich mir vor dem Lesen kein umfassendes Bild machen konnte, das mich dann ab der ersten Seite fesselte und mit fortschreitender Handlung immer mehr begeisterte. Die Charaktere sind sehr authentisch, die Geschichte spricht ein ungewöhnliches Thema an, und die Gedichte sind eine exzellente Ausdrucksmöglichkeit. Eine völlig unerwartete Wendung beleuchtet die Geschichte nochmals von einer anderen Seite. Mit anderen Worten - lesen! Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkte.

© Damaris Metzger, damarisliest.de