Donnerstag, 25. Februar 2016

Review zu "Mein Herz wird dich finden" von Jessi Kirby



FISCHER Sauerländer (Februar 2016),
Hardcover/SU, 368 Seiten,
übersetzt von Anne Brauner,
16,99 € [D]


400 Tage ist es her.
Vor 400 Tagen ist Mias große Liebe bei einem Autounfall ums Leben gekommen.
Vor 400 Tagen hat Noah eine zweite Lebenschance bekommen.
Als Mia und Noah sich begegnen, spüren beide, dass sie füreinander bestimmt sind.

Doch nur Mia weiß, dass Noah ihr niemals begegnen wollte. Dass sie gegen seinen ausdrücklichen Willen gehandelt hat, als sie sich auf die Suche nach ihm gemacht hat. Dass Noah niemals wissen wollte, wer damals, vor 400 Tagen, ums Leben gekommen ist. Weil es irgendwie nicht richtig ist, dass er weiterleben darf, nur weil jemand anderes gestorben ist.
Mia muss ihm erzählen, wer sie ist. Aber was bedroht ihre Liebe mehr? Eine Lüge - oder die Wahrheit? (Text-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER Sauerländer)


Ich dachte, dass ich erst wieder nach vorn schauen könnte, wenn ich Noah gefunden hatte. Um mit Jacobs Tod abzuschließen, mich zu verabschieden und solche Sachen. Doch was wäre, wenn ich mich stattdessen an ein Teil von Jacob klammern will? An ein Teil von ihm, dem ich mehr Bedeutung zumesse als allen anderen, weil ich mir vorstelle, es sei noch etwas von seinem Wesen darin enthalten - in seinem Herz. - S. 61


Meine Meinung
"Mein Herz wird dich finden" interessierte mich wegen der dramatischen Liebesgeschichte, die gleichzeitig so weit weg und abwegig klingt, dass ich sie mir unbedingt anschauen musste. Am Ende hatte die Geschichte mein Herz gefunden und vollständig ausgefüllt.

Genau 400 Tage, nachdem Jacob bei einem Autounfall starb, trifft man als Leser auf Mia. Sie erlebt Jacobs Tod als Rückblende. Das ist traurig und geht unter die Haut. Ich empfand den Start als sehr dramatisch und einfühlsam.
Mia trauert immer noch. Verständlich, denn für sie ist Jacobs Tod noch nicht abgeschlossen. Ihr Freund war Organspender, und Mia hatte zwischenzeitlich freiwilligen Kontakt zu allen, denen ein Teil von Jacob transplantiert wurde. Doch einer fehlt. Der Junge, dem Jacobs Herz transplantiert wurde, hat nicht geantwortet. Mia fasst den Entschluss, sich auf die Suche nach diesem Jungen zu machen, nicht um mit ihm zu reden, nur um ihn ein Mal zu sehen ... und trifft auf Noah.

"Es tut mir leid", sagt er. "Was auch immer du durchgemacht hast."
- S. 205

Könnte man das Lesegefühl so beschreiben, dann liest sich das Buch anfangs relativ normal. Bedauerlich zwar und sehr gefühlvoll. Jedoch ist das Thema für fast jeden von so wenig relevant, dass man sich Mias Situation einfach nicht umfassend ausmalen kann. Doch die Autorin legt mit ihrem Stil eine Beharrlichkeit in die Zeilen, die man einfach nicht ignorieren kann. So ist zum Beispiel jedem Kapitel ein Zitat, eine medizinische Tatsache oder eine Patienteninformation unseres zentralen Organs, dem Herz, vorangestellt. Das hat eine unglaublich eindringliche Wirkung auf die Geschichte. Man sieht dieses Organ nicht mehr nur als Lebensinstrument, sondern auch die Gefühlsebene, das Herz betreffend, mit völlig neuen Augen (oder zumindest viel intensiver als bisher).

Diese stilistische Besonderheit hat dann auch Auswirkungen auf die Charaktere. Die Annäherung von Mia und Noah schreitet in einem realistisch-angenehmen Tempo voran. Es gibt keinen Schnellschuss und kein Geschmachte auf den ersten Blick. Ich empfand diesen Part so süß wie authentisch. Mias Handeln und ihre Entscheidungen kann man immer nachvollziehen. In all ihrer Einsamkeit, ihrem Kummer und ihrer Zerbrechlichkeit wirkt sie niemals naiv oder von Selbstmitleid zerfressen. Ebenso Noah. Er ist so freundlich und feinfühlig, man kann gar nicht anders, als ihn sofort gernzuhaben und ihn als Schlüsselfigur der Geschichte zu sehen. Auch seine Beweggründe sind plausibel - bis zum dramatisch-schönen Ende. Der Buchtitel könnte nicht besser passen!

Fazit
"Mein Herz wird dich finden" wird allen schönen Redewendungen gerecht, die man darauf anwenden kann: Das Buch hat das Herz sprichwörtlich am rechten Fleck, man wird sein Herz daran verlieren und es schlussendlich tief ins Herz schließen. Die Geschichte, die so sanft beginnt, steigert sich zu einer Eindringlichkeit, zu einem Lesehighlight, das berührt und das man nicht zur Seite legen kann. Man kann sich getrost ein Herz fassen und zum Buch greifen - es ist wunderbar und verdient 5 von 5 Punkte.

© Damaris Metzger, damarisliest.de