Montag, 14. September 2015

Review zu "Liebe ist was für Idioten. Wie mich." von Sabine Schoder



FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch (Juli 2015), Band 1,
Klappenbroschur, 352 Seiten,
12,99 € [D]


(Text-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER KJB) Optimistisch gesehen ist Vikis Leben eine Vollkatastrophe. Da kann man schon mal aus Frust ein paar Tüten zu viel rauchen. Da kann es auch passieren, dass man nach einem Konzert mit dem Sänger der Band im Bett landet, obwohl man den eigentlich total bescheuert findet.

Wirklich.
Kein großes Ding.
So was passiert.
Aber ausgerechnet ihr?
Nein!
Ganz.
Sicher.
Nicht.

Oder vielleicht doch?


Das Leben allerdings besteht nicht aus Wünschen. Es besteht nur aus Dingen, die wir tun, oder die wir sein lassen. - S. 323


Meine Meinung
Manchmal bekommt eine kleines, neues Buch so viel Aufmerksamkeit, dass man unweigerlich immer wieder darauf gestoßen wird. Manchmal sind die Bewertungen für ein Buch so gut, dass man die eigene Meinung mit der anderer Leser vergleichen möchte. Und machmal schlägt ein Debütroman ein wie eine Bombe und hat es verdient, dass man ausgiebig darüber spricht. Im Falle von Sabine Schoders "Liebe ist was für Idioten. Wie mich." trifft das alles zu. Das Buch, mit seiner speziellen Liebesgeschichte, überzeugt auf ganzer Linie. Es ist perfekt geschrieben und sorgt mit einigen (fiesen) Überraschungen und Wendungen für Lesespaß, der für angeknabberte Fingernägel sorgt. Und Bauchkribbeln gibt's noch obendrein.

Sabine Schoder hat einen äußerst nachhaltigen Schreibstil, der die Gefühle der Protagonisten sehr pur und anschaulich wiedergibt. Dieser Stil macht das Lesen sehr eindringlich, nicht einfach, möchte ich behaupten, dafür umso intensiver. Stellenweise erinnerte mich das Lesegefühl an Bücher von Autorengrößen wie Antonia Michaelis oder Bettina Belitz. Damit hatte das Buch bei mir schon den ersten Stein im Brett.

Die Atmosphäre, die Hauptprotagonistin Viki umgibt, ist kühl, oft trostlos. Sie hat zwar gute Freunde, ihr Familienleben ist jedoch sehr problembehaftet, wenn nicht sogar zerstört. Sie lässt außenstehende Personen nicht an sich ran, ist meist zynisch oder schlagfertig-abweisend. Als sie eine One-Night-Stand mit Jay hat, Star der Schulband, Sohn aus gutem Elternhaus, ändert sich ihr Leben. Langsam zwar, aber unaufhaltsam. Dieser Entwicklungsschritt, den Viki hier vollzieht, ist glaubhaft umgesetzt. Sie wird nicht plötzlich zu einer völlig anderen Person. Es sind existenzielle Dinge, die ihr für ihr Leben bewusst werden. Dabei bleibt sich Viki aber selbst treu.

"Liebe ist was für Idioten. Wie mich." hat einen scharfzüngigen Humor und scheut sich nicht vor Lebenskrisen und Problemthemen. Die Lovestory ist herrlich kribbelig, die Chemie zwischen den beiden Hauptprotagonisten brodelt. Diese Kombination ließ mich völlig in den Seiten verschwinden. Ich habe das Buch mit dem freudigen Gefühl permanenter Spannung gelesen, war wie elektrisiert und konnte mich kaum lösen.
Obwohl man bald vermuten kann, welches Hintergrundthema die Autorin für ihre Geschichte gewählt hat, will man es am liebsten verdrängen, nicht wahrhaben, verleugnen. Bis man es schlussendlich akzeptiert und am Ende nochmals völlig überrascht wird. Einfach wunderbar!

Fazit
Ich habe schon längere Zeit kein Buch mehr gelesen, das mich so rundum mitgerissen hat wie "Liebe ist was für Idioten. Wie mich.". Hier stimmen Handlung und Hintergrund, Lovestory und Entwicklung. Das Buch begeistert! Der bissige und eindringliche Stil harmoniert aufs Beste mit der intensiven, spröde-innigen Geschichte. Die Charakterstudie der Protagonisten ist einwandfrei gelungen, man wird sie nicht mehr so schnell vergessen. Vorbehaltlos zu empfehlen!

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Viki & Jay-Dilogie:

Band 1 - Liebe ist was für Idioten. Wie mich.