Freitag, 14. August 2015

Rezension zu "Zeugenkussprogramm" von Eva Völler



Verlag: One (August 2015)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: Band 1, ab ca. 14 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 368 S.
ISBN: 978-3846600153
14,99 € [D]

Genre: Jugendkrimi, Liebesgeschichte

© Cover- und Zitatrechte: One Verlag/Bastei Lübbe


Das Thema
Emily steht ganz kurz vor ihrem Abitur, als ein brutaler Überfall ihr Leben ändert. Die Täter können entkommen, haben es aber weiterhin auf Emily und ihre Familie abgesehen. Deren Leben ist nun in Gefahr. Ein Fall fürs Zeugenschutzprogramm der Polizei. Emily muss umziehen, von Berlin mitten aufs Land. Das stürzt sie in eine tiefe Krise. Der einzige Lichtblick ist Pascal, ihr Personenschützer. Er bringt Emilys Gefühle komplett durcheinander, möchte sich aber unbedingt an die Polizeivorschriften halten.

Die Rezension

Der Anfang: Der Tag, an dem mir der gut aussehende Typ mit der Lederjacke zum zweiten Mal über den Weg lief, war ziemlich verregnet und langweilig, und meine Stimmung war nicht gerade die beste.

Von Autorin Eva Völler erscheint eine neue Serie. Kiss&Crime ist das Motto - spannende, humorvolle und prickelnde Geschichten für Jugendbuch- und All Age-Leser. Die Kombination aus Krimi und Lovestory bietet sich prima an und hat großes Potenzial. Unterlegt man die Geschichte zudem mit fetzigem Humor, hat man die perfekte Basis für beste Leseunterhaltung. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an den ersten Band "Zeugenkussprogramm". In diesem trifft die 18-jährige Zeugin Emily auf den Personenschützer Pascal. Gelungen ist Kiss&Crime-Konzept hier nur bedingt. Woran junge Gelegenheitsleser Gefallen finden könnten, wird Vielleser nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen, denn das Besondere, das prickelnde Leseerlebnis, fehlt hier.

Ich flennte eine Weile an seiner Schulter, doch der verwirrende Geruch seiner Lederjacke und seines frisch gewaschenen Sweatshirts sorgte dafür, dass ich mich schnell wieder fing. Genauer gesagt: Ich war davon so durcheinander, dass der verstörende Anruf von eben irgendwie an Bedeutung zu verlieren schien. Vielleicht lag es aber auch an den festen Muskeln seines Oberkörpers unter meinen Handflächen, dass ich von seiner Nähe so überwältigt war. - S. 84

"Zeugenkussprogramm" besitzt eine klare Spannungshandlung, einen Krimi, sowie eine Lovestory, die von Emilys Sichtweise und ihren Gefühlen dominiert wird. Dabei kann man der Krimihandlung nichts Schlechtes abgewinnen, denn sie ist ausgesprochen solide und gut. Emilys Familie schwebt in unmittelbarer Gefahr, die von einen waschechten Gangster ausgeht. Das ist spannend und es geht teilweise ganz schön zur Sache. Zwar ist die Handlung an einigen Punkten vorhersehbar, und am Ende wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wurde, jedoch ist dieser Part sehr schön in Szene gesetzt. Das eigentliche Manko der Geschichte sind die Hauptcharaktere und deren Lovestory.

Ich-Erzählerin Emily wird im Buch 18 Jahre alt, und hier liegt schon der Hund begraben. Sie verhält sich nämlich meistens wie eine pubertierende 14-Jährige. Ihre andauernden Meckereien und Launen wären wegen der neuen Lebenssituation plausibel, haben aber eine so starke Gewichtung, dass es nervt. Unterbrochen wird das Ganze nur durch ihre Schwärmerei und kitschigen Gedanken bezüglich Personenschützer Pascal. Schlimme Situationen verlieren komplett an Bedeutung, sobald Emily ihn sieht, riecht, oder sich über sein Aussehen und seine körperlichen Vorzüge auslässt. Eine Beziehung haben die beiden im Buch recht spät, davor haben sie sich aber kaum gesehen und wussten doch sofort vom ersten Augenblick an, dass sie Gefühle füreinander haben. Aufregend und kribbelnd ist das nicht.
Und Pascal? Der hat leider nichts von dem coolen und unnahbaren Personenschützer, den man laut Buchbeschreibung versprochen bekommt. Machogehabe? Fehlanzeige! Kein lässiger Spruch, keine humorvollen Streitereien, keine anziehende Spannung, die zwischen ihm und Emily spürbar wäre. Pascal ist ein beliebig austauschbarer Charakter, wirkt sogar zuweilen unsicher und langweilig.

Das Allerbeste und ein großer Pluspunkt in "Zeugenkussprogramm" sind die Passagen der Schnulz-Romane, die von Emilys erfolgreicher Autoren-Oma ins Diktiergerät gesprochen werden. Hier ziehen sich die Mundwinkel von ganz alleine nach oben. Ansonsten liest sich das Buch weniger humorvoll als erwartet, vielmehr wie ein Roman für sehr junge, weibliche Leserinnen. Diesen könnte die Geschichte durchaus gefallen. Für anspruchsvollere Vielleserinnen wird sich "Zeugenkussprogramm" nur im unteren Mittelfeld positionieren.

Das persönliche Fazit
Die Geschichte liest sich abgeschlossen, was darauf hindeutet, dass die Kiss&Crime-Serie jeweils eigenständige Romane beinhaltet. Der Serienstart "Zeugenkussprogramm" hat eine attraktive und spannende Rahmenhandlung, punktet bei Hauptcharakteren und Lovestory jedoch nicht. Emily verhält sich kindlich und schwärmerisch, Pascal wirkt beliebig, hat nichts, mit dem er in Erinnerung bleibt. Die mäßig aufregende Liebesgeschichte, samt kitschigen Gefühlen, geht viel zu schnell vonstatten. Wer sich daran nicht stört, erhält ein kurzweiliges, aber dennoch mittelmäßiges Leseerlebnis. Ich habe ein viel prickelnderes und vergnüglicheres Buch erwartet. 3 Sterne.

Aufmachung: 3,5 / 5
Handlung: 3 / 5
Charaktere: 3 / 5
Lesespaß: 2,5 / 5
Preis/Leistung: 3 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de