Freitag, 27. Februar 2015

Rezension zu "Die Buchspringer" von Mechthild Gläser



Verlag: Loewe (Februar 2015)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: - , ab ca. 12-15 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 384 S.
ISBN: 978-3785574973
17,95 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag


Das Thema
Offiziell wollen Amy und ihre Mutter Alexis wunderschöne Ferien auf der Insel Stormsay, einer der Shetlandinseln, vor der schottischen Küste verbringen. Inoffiziell fliehen beide vor ihrem Leben in Deutschland. Alexis wurde von ihrem Lebenspartner verlassen und Amy in der Schule böse gemobbt. Darum lernt Amy nun endlich die Heimat und Verwandtschaft ihrer Mutter kennen. Bisher hatte diese sich immer gesträubt hierher zurückzukehren.
Kurz nach ihrer Ankunft erfährt Amy, dass sie zu einer der Buchspringer gehört. Ihr ist es möglich in die Geschichten von Büchern zu reisen und dort Einfluss auf das Geschehen zu nehmen. Was sich für Amy zuerst als lustiges Abenteuer darstellt, wird bald bitterer Ernst. Ein Dieb schadet der Buchwelt, indem er Ideen aus Geschichten stiehlt und sie somit dauerhaft verändert oder zerstört. Amy und ihre Buchspringer-Freunde müssen dies unbedingt verhindern, denn ihre Aufgabe ist der Schutz der Buchwelt.

Die Rezension

Der Anfang: Will rannte. Er rannte und rannte. Die Insel kam ihm größer vor als sonst und seine Brust schmerzte, so lange war er bereits gelaufen.

Autorin Mechthild Gläser wurde durch ihre Schattenwelt-Dilogie ("Stadt aus Trug und Schatten" und "Nacht aus Rauch und Nebel") bekannt. Viele Leser liebten die düstere und kreative Atmosphäre der Bücher und den wunderbaren Stilmix. Auch in ihrem neuen Roman "Die Buchspringer" greift die Autorin auf diese Attribute zurück, obwohl das Buch ein komplett anderes Leseerlebnis darstellt. Der Mix aus Familiengeschichte, Fantasy und Märchen funktioniert super - und macht Spaß!

Gleich zu Anfang wird der Leser in eine spannende und atmosphärisch dichte Handlung geworfen. Der kurze Prolog fesselt und macht mit seinem Schlusssatz so neugierig, dass man schon hier die Besonderheiten des Buches erkennt. Das Ambiente bleibt anschaulich. Amy und ihre Mutter kommen auf der Insel Stormsay an. Es regnet, es ist dunkel - alles wirkt geheimnisvoll. Amy fragt sich, und der Leser gleich mit, wo sie hier wohl hineingeraten ist. 

Der Regen wurde noch einmal stärker, die einzelnen Tropfen verbanden sich zu einem Schleier, als wollten sie das Herrenhaus im letzten Moment vor uns verbergen. Aber dazu war es längst zu spät. Wir hatten die Insel betreten, es gab kein Zurück mehr. - S. 20

"Die Buchspringer" ist eine Buch über Bücher. Man findet sich in viele bekannten Geschichten und Klassikern wieder. Die Ideen, die hier in den Handlung einfließen sind toll! Vor jedem Kapitel gibt es außerdem den Abschnitt eines Märchens, das Einfluss auf die Geschichte nimmt und nicht selten für Gänsehaut sorgt. Wer am Ende der Geschichte die Märchenabschnitte noch einmal zusammenhängend liest, bekommt eine Art Zusammenfassung und eine besondere Sicht auf die Handlung. 

Das Gefühl beim Lesen ist sehr leicht und frisch. Alles ist klar umrissen und wird deutlich beschrieben und erklärt, so zum Beispiel das Springen in die Geschichten. Einzig die Auflösung kann (und soll!) überraschen. Selbst die Charaktere sind für einen Einzelroman ansehnlich ausgearbeitet und gefallen gut. Mit diesen Eigenschaften verdient "Die Buchspringer" eine Höchstwertung.
Das Ende lässt dann mit gemischten Gefühlen zurück. Es kommt sehr schnell und besitzt eine Wendung, die zwar zur märchenhaften Geschichte passt, aber wenig konsequent und konstruiert wirkt. Die härtere Variante wäre in einem Jugendbuch aber nicht so einfach realisierbar gewesen. Richtig freuen kann man sich für die Charaktere nicht. Für die Zukunft könnte hier eine Fortsetzung angefügt werden, obwohl "Die Buchspringer" eine abgeschlossene Geschichte beinhaltet.

Das persönliche Fazit
Mit diesem Buch über Bücher (oder Geschichte in einer Geschichte) springt man mitsamt den Protagonisten nicht nur in bekannte Romane und Klassiker, man hat auch noch richtig viel Spaß dabei. "Die Buchspringer" ist ein herrlich frischer und einfach zu lesender Roman, der spannend beginnt, atmosphärisch fesselt und mich mit tollen Ideen ständig bei der Stange hielt. Die kreative Umsetzung der Handlung, die innerhalb bekannter Geschichten aus meiner Kindheit spielt, hat mich sehr beeindruckt. Der Roman ist unterhaltsam, wunderbar schlüssig und lässt mich über ein schnelles und unerwartet konstruiertes Ende hinwegsehen. 4 Sterne!

Aufmachung: 4,5 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de