Donnerstag, 5. Februar 2015

Drei der ersten "BitterSweets" (by Carlsen Verlag) im Überblick



Für das Jahr 2015 hat sich der Carlsen Verlag etwas Neues einfallen lassen. Zusätzlich zu den E-Book Labels gibt es jetzt die BitterSweets - kleine Buchpralinen für zwischendurch. Frei nach dem Motto "Große Gefühle in kleinen Portionen" sind diese E-Shorts ideal für die Bahnfahrt oder Pause - auf dem E-Reader, Tablet oder Smartphone. Jeder der Kurzromane ist abgeschlossen (Lesezeit ca. 1 bis 2 Stunden) und kostet bis dato 1,49 € [D].

Ich habe drei der sechs Kurzromane der ersten BitterSweets-Veröffentlichungen gelesen, mich für Contemporary/zeitgenössische E-Shorts entschieden. Meine Meinung dazu dazu seht ihr hier.



"Wir sehen uns GESTERN" von Tanja Voosen

Schokoheiß - Slamgefahr - Zitronensüß ... OMG! Mallorys Traum von einem eigenen Auto droht zu zerplatzen. Die erhoffte Lösung: ein Auftritt beim Diary-Slam und die Peinlichkeiten ihres jüngeren Ichs zum Besten geben. Theoretisch machbar, wäre da nicht der neue Typ an ihrer Schule. (Quelle)

Tanja Voosen schreibt wie es Jugendliche lieben: Locker und lustig. Vor allem aber für die Zielgruppe absolut nachvollziehbar. Wer möchte schon gerne Peinlichkeiten aus seinen früheren Tagebucheinträgen öffentlich vortragen? Niemand! Aber genau das ist die Bedingung, die Mallory von ihre Granny gestellt wird, damit diese ihr bei ihrem Auto-Problem weiterhilft.
Die Contemporary-Geschichte wurde von der Autorin mit den typischen US-Attributen versehen und fehlerlos umgesetzt. Mallory selbst war mir etwas zu zickig, die Beziehung zu ihrer Großmutter ist speziell. Jedoch sind ihre Gedankengänge vollkommen plausibel. Die Idee mit dem Diary-Slam ist lustig, ich würde diese Art von Auftritt gerne einmal live erleben. Auch das große Aha-Erlebnis der Geschichte gefiel mir sehr gut. Die meisten Leser werden aber sofort wissen, was hinter allem steckt.

Fazit: "Wir sehen und GESTERN" ist eine nette Kurzgeschichte, die im Gesamtbild ganz und gar nicht (zu) kurz wirkt. Die Umsetzung ist gut gelungen. Zudem ist die Geschichte schlüssig, die Ideen und Auflösungen machen Spaß. Anschauen!



"Just Friends" von Jennifer Wolf

Neuvertraut - Wohligkalt - Blogbesessen ... Schon seit Kindertagen ist Zofia mit Sean befreundet. Dass er eine Freundin hat, kümmert sie nicht - und auf einmal doch. Was tun, wenn man sich nicht in seinen besten Freund verlieben will? Man folgt den Tipps des Blogs "Love Hurtzzz". (Quelle)

Okay, ich kann vorwegnehmen, diese Kurzgeschichte war für mich nahezu perfekt. Schon auf der ersten Seite musste ich lachen und kam während der kompletten Geschichte nicht mehr aus dem Schmunzeln heraus. Natürlich ist das Thema "Mädchen, dass sich in seinen Besten Freund verliebt" im Contemporary-Genre bekannt, und die Geschichte ist ab einem gewisse Punkt vorhersehbar. Macht aber nichts. Der Stil der Autorin ist so witzig und frisch, dass ich mich gar nicht mehr von den E-Reader-Seiten lösen wollte.
Einige Textstellen werden zum Running Gag (die Blog-Kommunikation ist göttlich!), und auch hier hatte ich nicht dieses typische Kurzgeschichten-Feeling, bei dem meist etwas zu einer "richtigen" Geschichte fehlt. Zofia & Sean würde ich auch als ausführliches Buch lesen.

Fazit: "Just Friends" ist toll geschrieben, sehr lustig und süß-romantisch. Mehr gibt es nicht zu sagen. Hat bei mir voll eingeschlagen! Unbedingt lesen!



"Feinde mit gewissen Vorzügen" von Amelie Murmann

Sturmgefühle - Puddingrache - Nahdistanz ... Sophia liebt Worte. Für Tobias hat sie auch ein paar übrig: fies, hinterhältig, verabscheuenswert ... Die Liste geht noch ewig weiter. Doch dann geschieht die Katastrophe: Sie soll mit ihm Tango tanzen! Auf Tuchfühlung mit dem Todfeind - aber ist er das wirklich? (Quelle)

Feinde mit gewissen Vorzügen hat mich ab Beginn überzeugt, da ich den Einstieg besonders kreativ fand. Die Autorin hat eine spätere Szene an den Anfang gestellt, die neugierig macht, dann aber abbricht, weil sich die Hauptprotagonistin Sophia fragt, ob das hier gerade wirklich passiert und sie mal besser von vorne beginnen sollte.
Der Plot ist super. Schon die Kapitelüberschriften stehen in Zusammenhang und lassen einen voller Vorfreude (und Vorahnung?) schmunzeln. Die bissige und schlagfertige Kommunikation zwischen Sophia und Tobias muss sich hinter keinem ausführlichen Roman verstecken. Das Lesen macht von vorne bis hinten Spaß, selbst die romantische Seite kommt nicht zu kurz und sorgt für ein schönes Kribbeln. Die beiden Hauptprotagonisten tanzen sich ins Herz des Lesers.

Fazit: "Feinde mit gewissen Vorzügen" ist ein sehr spaßiges E-Short (ich musste ständig grinsen), bei dem der Plot, die Spritzigkeit und die Romantik überzeugen. Das Gesamtkonzept geht hier völlig auf. Lesen!



Insgesamt war ich überrascht vom Können, den Ideen und dem Stil der jungen Autorinnen. Besonders gut gefiel mir der Humor. Diese BitterSweets verdienen ihren Namen zurecht. Die kleinen Portionen munden vorzüglich, schmecken dabei aber überhaupt nicht bitter. Sie haben den Status "süß-schnelles Leseerlebnis (nicht nur für zwischendurch!)" definitiv verdient.