Montag, 1. September 2014

Rezension zu "JUMP: Das Spiel 1" von Eve Silver



Verlag: FJB (August 2014)
Originaltitel: Rush: The Game Book One
Übersetzer: Alice Jakubeit
Reihe: Band 1/3
Ausführung: Klappenbroschur, 416 S.
ISBN: 978-3841421586
14,99 € [D]

Genre: Science Fiction

@ Cover- und Zitatrechte: Fischer FJB


Das Thema
Miki Jones hat ihre Mutter verloren und gerade eine harte Zeit der Trauer hinter sich. Ansonsten führt sie ein relativ normales Leben, geht zur Schule und hat einige Freundinnen. Als Miki auf der Straße ein kleines Mädchen rettet, wird sie selbst angefahren und tödlich verletzt. Doch statt zu sterben, wacht sie in einer alternativen Realität auf, in der sie mit einer Gruppe Jugendlicher ein seltsames Spiel gegen Außerirdische bestreiten muss. Von ihrem Teamleiter Jackson bekommt sie nur unzureichende, zögerliche Hinweise. Dabei sollte Miki sich gut vorbereiten können, denn das Spiel ist tödlich. Es geht ums nackte Überleben.

Die Rezension

Der Anfang: "Miki". Ich stutze und hebe den Kopf, dann stoße ich mich von dem Maschendrahtzaun ab, der das Schulgelände einfasst.

Eine Gruppe von Jugendlichen in eine alternative Realität zu schicken und dort auf Leben und Tod zu kämpfen ist keine neue Grundidee. Trotzdem hat sich die Autorin Eve Silver an dieses Thema gewagt und einen Science Fiction Roman für jugendliche Leser geschrieben. "JUMP" ist der Auftakt zu einer Trilogie. Auch wenn das Buch sich nicht vor den bekannten Genrekollegen platzieren kann, präsentiert sich die Geschichte weitestgehend spannend.

"Das ist kein Spiel", wiederholt er. "Es ist real. Was du hier tust, entscheidet über dein Überleben". Er hält inne. "Und über das Überleben aller anderen Menschen auf diesem Planeten."
Ich lache.
Er nicht.
Also meint er das entweder völlig ernst, oder er ist ernsthaft verrückt. Bitte lass ihn verrückt sein. - S. 39

"JUMP" beginnt an einer amerikanischen Highschool - wie so viele Jugendbücher der heutigen Zeit. Trotzdem besitzt die Geschichte etwas, das den Leser ab der ersten Seite fesselt. Der Unfall, der Mikis "Einberufung" in das Spiel nach sich zieht, hat Gänsehautcharakter und auch die Anfänge des Kampfes gegen die außerirdischen Wesen gefallen. Ob die Thematik, sobald die vielen Fragen und Rätsel nach und nach aufgelöst werden, noch den Nerv der Leserschaft trifft, wird Geschmacksache sein.
Es fällt auf, das während der Geschichte viel zu viel um den heißen Brei herumgeredet wird. Gibt es konkrete Erklärungen zum Spiel oder der Situation, in der sich Miki nun befindet, dann gehen diese wirklich seitenlang - ohne, dass die Story richtig vorankommt. Hier wird viel Spannungspotenzial verschenkt, da Miki und das Team vor dem Kampf stundenlang durch die Gegend laufen und sich unterhalten. Der eigentliche Kampf ist dann schnell vorbei und bis auf den Schlusskampf gibt es im Buch nur zwei Szenen im "Spiel" gegen die Außerirdischen - der eigentlichen Hauptthematik des Buches. Die übrige Geschichte dreht sich zwischenmenschliche Teenagerprobleme und die Lovestory.

Die Lovestory hat im Buch etwa die gleiche Gewichtung wie die Bedrohung der Menschheit durch eine außerirdische Spezies. Ansätze einer Dreiecksbeziehung bekommen mit der Zeit zum Glück keine große Aufmerksamkeit mehr. Bald ist klar, welcher der Jungen mit Miki zusammenfinden soll. Natürlich der geheimnisvolle, undurchsichtige und gefährliche Kerl. Wie in den meisten phantastischen Jugendbüchern wir auch hier viel wert auf Äußerlichkeiten gelegt. Alle Personen sind entweder hübsch oder komplett wow, haben besondere Augen, tolle Bauchmuskeln, markante Gesichtszüge, usw. Man kennt da ja.
Nichtsdestotrotz gefallen die Charaktere recht gut. Naivität sucht man bei Miki vergebens. Dafür hat sie eine ordentliche Portion Schlagfertigkeit im Gepäck. Ihr Humor sorgt für manchen Lacher.

Ich muss mich zusammenreißen, denn sonst werde ich diese Geschichte nicht überleben. Und ich habe vor zu überleben. So einfach ist das. - S. 263

Die Geschichte wählt eine härtere Gangart, einige Geschehen sind ziemlich schonungslos oder erschreckend. Leider wird mit zunehmender Auflösung die Thematik etwas suspekt und wirkt weit hergeholt. Das wird nicht allen Lesern gefallen. Außerdem bekommt man den Eindruck, dass die Autorin viele bekannte Kleinigkeiten, wie Waffen, Kampfkunst, Überwachungsarmbänder, usw. zusammengemixt hat, um der Geschichte ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Das gelingt allerdings nur bedingt.
Nach einem spannenden, etwas überladenen Showdown wird die Geschichte mit einem bitteren Cliffhanger beendet. Trotz Kritik hat das Buch aber einen gewissen Unterhaltungswert. Man wird erfahren wollen, wie es hier weitergeht.

Das persönliche Fazit
Ich habe mir von "JUMP: Das Spiel 1" nicht unbedingt große Sprünge erwartet ... und so blieben eigene Luftsprünge während des Lesens auch aus. Das Spiel selbst und der Kampf gegen Außerirdische gefielen mir gut, auch wenn diese Thematik und viele Elemente und Kleinigkeiten der Geschichte von mir schon oft gelesen wurden. Die Liebesgeschichte mag eine typische Klischee-Lovestory sein, kratzt aber haarscharf die Nervkurve und war somit ganz nett zu lesen. Wenn die Geschichte sich nicht mehr allzu stark verrennt, könnte der Folgeband spannend und lesenswert werden. "JUMP: Das Spiel 1" platziert sich im Mittelfeld. 3 Sterne.


Aufmachung: 3 / 5
Handlung: 3 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 3,5 / 5
Preis/Leistung: 3 / 5

© Damaris Metzger, www.damarisliest.de