Donnerstag, 19. Juni 2014

Rezension zu "Bezwungen" von Teri Terry


Verlag: Coppenrath (Juni 2014)
Originaltitel: Shattered
Übersetzer: Petra Knese
Reihe: Band 3/3, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 376 S.
ISBN: 978-3649611851
17,95 € [D]

Genre: Dystopie

© Cover- und Zitatrechte: Coppenrath Verlag


Das Thema
Nachdem Kyla bei einem Anschlag von Nico nur knapp mit dem Leben davongekommen ist, muss sie sich bei Freunden verstecken und ihr Aussehen ändern, um von den Regierungsterroristen und auch den Lordern nicht mehr erkannt zu werden. Doch warum propagieren die Lorder schon kurze Zeit später ihren Tod?
Kylas MIA-Freunde habe ihre Mutter ausfindig gemacht und sie beschließt, unter falscher Identität nach Keswick zu reisen, an den Ort ihrer Kindheit, zu einer Mutter, an die sie sich nicht mehr erinnert. Dort hofft sie, die letzten Puzzleteile ihres gelöschten Lebens zu sammeln und endlich herauszufinden, wer sie wirklich ist. Auch in Keswick ist nicht alles wie erwartet und Kyla muss schlimme Entdeckungen machen. Und wird sie Ben, der in einem Ausbildungslager für Lorder-Agenten trainiert wird, jemals wiedersehen?

Die Rezension

Der Anfang: Von außen macht es nicht viel her. Aber so ist es ja oft. Gerade bei Menschen kann der äußere Eindruck täuschen, und man käme nie darauf, was insgeheim in ihnen vorgeht.

Innerhalb eines Jahres veröffentlichte der Coppenrath Verlag die komplette Gelöscht-Trilogie. Wunderbar für viele Leser, da zwischen den einzelnen Titeln nicht, wie so oft üblich, ein Abstand von einem Jahr lag. Die dystopische Geschichte beeindruckte bisher durch ihre ruhige Eindringlichkeit, ihre Spannung und das erschreckend realistische Setting in England. Mit "Bezwungen" ist nun der finale Band erschienen. Ein Abschlussband, der die Reihe schlüssig und sehr folgerichtig beendet.

Mitunter ist es besser, unwissend zu bleiben denn sonst ändern sich die Dinge, und Veränderung ist nicht immer gut. Die ganze Zeit hatte ich alles darangesetzt zu erfahren, wer ich bin woher ich komme und warum ich geslatet wurde. - S. 48

Im direkten Vergleich zum Endes des Vorgängerbandes "Zersplittert", beginnt "Bezwungen" ruhig und fast schon gelassen. Dieses Lesegefühl bleibt über das erste komplette Drittel des Buches erhalten. Jedoch ist Kylas Reise zum Ort ihrer Kindheit und die dortigen Entdeckungen keinesfalls langweilig. Wieder einmal fesselt die Geschichte durch ihre eindringliche Art. Manche Erlebnisse berühren stark, bzw. gehen sehr tief.
Auch im abschließenden Verlauf ist "Bezwungen" kein Actionband. Hier sind es vielmehr die überraschenden Wendungen, einige harte Schockmomente und die folgerichtige Auflösung, die den Leser an den Seiten kleben lassen.

Kyla ist im Laufe der Trilogie zu einer beispielgebenden Protagonistin geworden. Sie handelt immer überlegt, was nicht gefahrlos bedeutet, aber ihre Entscheidungen sind jederzeit nachvollziehbar. Durch die gewählte Sprachform, Kyla erzählt die Geschichte in der Gegenwart (Ich-Form), ist man sehr nahe am Geschehen und an den Gefühlen der Hauptprotagonistin. So ist es auch absolut verständlich, dass es ihr sehr wichtig ist, die letzten Rätsel ihrer Erinnerungslücken aufzudecken und ihre Herkunft vollständig zu klären.

Alle sind auf der Suche nach jemandem oder etwas. Nach dem Teil, das ihnen zur Vollendung fehlt. Warum sollte es bei mir anders sein? - S. 362

Teri Terry bindet viele Personen in ihre Handlung ein, einige auch nur sehr kurz und ohne viel Hintergrundwissen. Hier ist es von Vorteil, ein gutes Gedächtnis zu haben oder die einzelnen Bücher kurz aufeinanderfolgend zu lesen. Waren in Band 2 noch sehr viele Männerbekanntschaften um Kyla ein großes Thema, ist dieser Punkt im Abschlussband wieder sehr übersichtlich gehalten. Trotzdem muss man sich bei einigen Szenen gut konzentrieren. Manche Dinge geschehen sehr schnell und unerwartet, bzw. werden erzählt, anstatt dass der Leser diese "live" miterlebt. Wäre hier jede einzelne Aktion detailliert ausgeführt worden, hätte die Autorin sicherlich noch ein weiteres Buch dranhängen können.

Die wohl größte Überraschung erfolgt, natürlich ohne zu verraten warum, seitens Ben. Es ist selten, dass ein Autor die Liebesgeschichte so angenehm in den Hintergrund rückt, sie aber trotzdem oft präsent ist und große Auswirkungen auf Kylas Leben hat. Gerade in dieser Hinsicht wird die Geschichte ungewöhnlich und nicht wie erwartet beendet. Für das Dystopie-Genre ist der gewählte Weg aber sehr begründet und logisch. Einfach vorbildlich!

Das persönliche Fazit
Wieder ist eine Trilogie beendet und für mich gehört sie zu denen, die man gelesen haben sollte. Unbedingt! Kleine Kritikpunkte sind eher allgemeiner Natur und schmälern das besondere Lesegefühl keineswegs. "Bezwungen" beendet die Reihe sehr gekonnt, einprägsam und zielbewusst. Die düstere Zukunftsvision von Teri Terry zeigt beispielhaft, dass es völlig unlogisch wäre, diese Art von Geschichte mit einem Friede-Freude-Eierkuchen-Ende aufzulösen. Trotzdem ist man am Ende zufrieden und entlässt die Charaktere mit dem Gefühl der Hoffnung. Erzwungene Kritik ist ausgeschlossen, erbauliche 4 Sterne von mir.

Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Gelöscht-Trilogie:

Band 1 - "Gelöscht"
Band 2 - "Zersplittert"
Band 3 - "Bezwungen"